Lars Klingbeil und Bärbel Bas greifen in ihren Reden zum 1. Mai den Bundeskanzler an. Inzwischen wird für die Union die Frage eines Nachfolgers für Friedrich Merz, der seine Regierung nicht im Griff hat, immer dringender. Auffällig ist: Die Grünen trommeln gerade für ihren CDU-Mann Hendrik Wüst, ihren Kandidaten für den Posten des Bundeskanzlers.
picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
Es ist eine historische Erfahrung, dass wenn etwas zugrunde gehen will, es dann auch zugrunde geht, wenn etwas stürzen möchte, es dann auch stürzt, wenn etwas die Verbindung zur Zeit verloren hat, dann abstirbt oder, wie Hegel sagen würde, wenn es nicht mehr notwendig ist, dann ist es auch unvernünftig. Das erklärt den Irrationalismus von Deutschlands dysfunktionalen Eliten. Deutschland benötigt politisches Personal, vor allem in der Regierung, das in der Lage ist, Dimension und Richtung der Neuordnung der Welt zu erkennen, anstatt reaktionären rotgrünen Ideologien anzuhängen.
Und bei der Union geht es nicht einmal mehr um ein Bild von der Welt, mag es noch so verstaubt, noch so reaktionär, noch so sehr nach Pawlows 1. Signalsystem klingen, es geht bei der Union nur noch um den Postenerhaltungsopportunismus. Beim Bundeskanzler kommt allerdings noch der stete Blick in den Spiegel statt in die Welt hinzu.
Täglich wird deutlicher, dass SPD und Union eigentlich nicht länger zusammenbleiben können, aber zusammenbleiben müssen. Nicht wegen der „Kinder“, sondern der Posten wegen. Der Verlust des Dienstwagens wiegt schwerer als der Verlust der Wirtschaftskraft des Landes. Gerade noch eben tafelten Merz und Klingbeil einträchtig in Walsrode, gerade eben noch besuchten sie in angsteinflößender kriegerischer Kleidung, die bei dem ehemaligen Zivildienstleistenden Klingbeil besonders lächerlich wirkt, die Bundeswehr am Standort Munster, gerade berieten sie beim Abendessen „die Lage der Koalition und nächste Reformschritte“, da greift in seiner 1.-Mai-Rede Lars Klingbeil den Kanzler mit voller Härte frontal an.
Und auch Bärbel Bas, Merzens Sozialministerin, die Kommissarin von Partei- und Gewerkschaftsapparat für die deutsche Regierung, schimpfte, was die Sprache sozialdemokratischer Reaktion hergibt, auf Merz. „Menschenverachtend“, schalmeite Merzens Ministerin. Das ausgerechnet die Bremserin Bas ausruft: „Wir brauchen mehr Tempo“, ist schon ein Stück aus dem Tollhaus Deutschland. Noch mehr Tempo im Niedergang?
Die Sozialdemokraten leben in der Vergangenheit und verhindern die Zukunft des Landes.
Inzwischen wird für die Union die Frage eines Nachfolgers für Merz, der seine Regierung nicht im Griff hat, immer dringender, wobei man von einer Regierung gar nicht sprechen kann, eine, nein viele Regierungen. Auffällig ist, dass gerade die Grünen alle Trommeln für ihren CDU-Mann Hendrik Wüst, den Kandidaten der Grünen für den Posten des Bundekanzlers, im Augenblicke rühren.
Dass Wüst der Traumkandidat für die Grünen für den Posten des Bundeskanzlers ist, wenn die Verbots- und Obrigkeitspartei schon keinen eigenen Kanzler zu stellen vermag, hat Hendrik Wüst gerade eben wieder in einem Tweet bestätigt: „Deutschland braucht kein Gezänk – es braucht einen Konsens 2030. Ein echtes Bündnis: Gewerkschaften, Arbeitgeber, Politik. Gemeinsam für Investitionen, Innovation & Beschäftigung. Jeder bringt seine Stärken ein – fair & nach Leistungsfähigkeit. Nur im Miteinander sind wir stark.“
Wer den Meinungsstreit, den Wettbewerb der politischen Ideen und Konzepte als „Gezänk“ abtut, der wird demnächst wohl auch Parlamente als „Schwatzbuden“ bezeichnen, von einer Volkskammer 2.0 oder einem Obersten Sowjet und einer Einheitspartei, entweder in Form einer Nationalen Front des demokratischen Deutschlands oder eines Brandmauereinheits-Kartells träumen, der ist in der Demokratie nicht angekommen, der will eine bürokratische Diktatur mit sich als Obersten Büroversteher. Das „echte Bündnis“, von dem Wüst spricht, hatten wir schon einmal in der deutschen Geschichte.
Die Union befindet sich im Niedergang, CDU unter 20 Prozent, CSU unter der 5-Prozent-Hürde. Hendrik Wüst bietet sich marktschreierisch als Ausweg an, doch seine Kanzlerschaft wäre kein Ausweg, sondern der Höllweg in den Niedergang.
Auffallend still verhält sich indes Wüsts Kontrahent Söder, der abwartet. Er wird sich jedoch entscheiden müssen, Wüst im richtigen Moment zu verhindern oder Wüst als Bundeskanzler scheitern zu lassen. Doch ginge Söder dadurch das Risiko ein, dass es eine Zeit nach Wüst für die Union nicht mehr geben wird.
Der Mann mit dem Charme eines Versicherungsvertreters aus NRW ist in Ostdeutschland nicht vermittelbar. Steigt Wüst auf, steigt die Union im Osten endgültig und rasant ab, absolute Mehrheiten in Sachsen-Anhalt und womöglich auch in Mecklenburg-Vorpommern für die AfD wären die Folge. Doch die westdeutsche CDU interessiert sich nicht für Ostdeutschland, und Wüst das politikergewordene Bild für die deutsche Teilung, erst recht nicht. Für die Ostdeutschen, die sich nach 1989 mit viel Arbeit einen überschaubaren Wohlstand erarbeitet haben, bedeutet eine Kanzlerschaft von Hendrik Wüst, dass sie zum zweiten Mal alles, was sie sich aufgebaut haben, verlieren werden.
Der Scherz eines Spötters auf X, der sich Zacki nennt, dürfte für die Deutschen ein Alptraum, für Hendrik Wüst und andere in der CDU hingegen ein Traum sein:
„Kanzler: Wuest
Wirtschaftsminister & Vize: Habeck
Außenministerin: Dröge
Wirtschaftsministerin: Bas
Innenministerin: Brandner
Finanzminister: Miersch
Wie fändet ihr das neue Team Deutschland?
👉 Schreibt es in die Kommentare“
Eine Gewerkschafterin wie Fahimi oder Benner als Sozialministerin und einen Verteidigungsminister wie Hofreiter würde das (Alp-)Traumteam Deutschland noch vervollständigen.
Was lernt man daraus? Es kann immer noch schlimmer kommen. Man kann zwar gelegentlich auch Pech im Aufstieg haben, doch im Abstieg stößt man auf kein Glück.




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