Neue Zölle werden die kommende Woche an der deutschen Börse belasten – Apple übertrifft Erwartungen

Da in Europa die Börsen am Freitag feiertagsbedingt geschlossen blieben, konnte der Markt noch nicht auf die von US-Präsident angekündigten Zölle auf Autos und Lastwagen reagieren. Die kalte Dusche wird für diesen Montag erwartet. In den USA gehandelte europäische Autotitel gaben am 1. Mai bereits kräftig nach. Aktien von Apple verpassten nur knapp ein Rekordhoch.

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​US-Präsident Donald Trump will die Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA eingeführt werden, ab nächster Woche auf 25 Prozent erhöhen. In einem Post auf der Plattform Truth Social begründete er das mit dem Vorwurf, dass sich die EU nicht an die Handelsübereinkunft mit den USA gehalten hätte. In den USA gehandelte europäische Autotitel gaben am 1. Mai bereits kräftig nach. In Europa, wo wegen des Tags der Arbeit die Börsen geschlossen blieben, wird die kalte Dusche für Montag erwartet.

Im Sommer vergangenen Jahres hatten sich Trump und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Absichtserklärung auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch für europäische Autos und Autoteile sollte dieser Satz gelten. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf Industriegüter aus den USA zu streichen und den Marktzugang für amerikanische Agrarprodukte zu erleichtern.

Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen zu knüpfen. Die Abgeordneten sprachen sich mehrheitlich dafür aus. Für den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch den entsprechenden Verordnungen zustimmen. Das dürfte kaum vor Juni der Fall sein. Trump schien das wie ein Spiel auf Zeit, und entsprechend schuf er jetzt Fakten – die sicher auch wieder von Gerichten überprüft werden.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, man stehe mit der amerikanischen Regierung in ständigem Kontakt und informiere sie über die Umsetzung der Zollvereinbarung. Entsprechend verstehe man Trumps Ankündigung nicht. Falls die USA Maßnahmen ergriffen, die mit der Einigung im Widerspruch stünden, halte man sich Schritte offen, um die Interessen der EU zu schützen.

Autos und Lastwagen von EU-Herstellern, die in den Vereinigten Staaten produziert werden, sind laut Trump von den Abgaben ausgenommen. Der Präsident will dadurch Autohersteller auf der ganzen Welt dazu bewegen, trotz höherer Herstellkosten mehr in den USA zu produzieren.

Von den Zöllen besonders betroffen wären Volkswagen, BMW, Mercedes, Audi und Porsche. Zwar produzieren BMW, Mercedes und Volkswagen im Land. Doch nicht jedes ihrer in den USA verkauften Modelle kommt aus amerikanischen Werken. Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, kritisierte die Ankündigung noch am Feiertag scharf. Die zusätzlichen Abgaben würden die deutsche und europäische Automobilindustrie in einer ohnehin angespannten Lage hart treffen. Zugleich könnten die Maßnahmen auch Auswirkungen auf Konsumenten in den USA haben. Müller forderte beide Seiten auf, zu dem zwischen den USA und der EU geschlossenen Handelsabkommen zurückzukehren. Bereits im vergangenen Jahr waren die Autoexporte der Europäer in die USA um gut 20 Prozent gesunken.

Da in Europa die Börsen am Freitag feiertagsbedingt geschlossen blieben, konnte der Markt noch nicht entsprechend reagieren. In den USA gab es einen durchzogenen Tag. Apple sorgte mit seiner Quartalsbilanz und den Geschäftsaussichten für gute Stimmung an den US-Aktienmärkten, so dass der marktbreite S&P 500 und der Nasdaq 100 am Freitag ihre Rekordjagd fortsetzten. In beiden Indizes sind die zuletzt wieder erstarkten Kurse der großen Tech-Konzerne deutlich schwerer gewichtet als im Leitindex Dow Jones Industrial. Der S&P 500 stieg um 0,3 Prozent auf 7.230 Punkte; der Nasdaq 100 legte um gut 0,9 Prozent auf 27.710 Zähler zu. Beide Börsenbarometer erreichten vorübergehend Höchststände. Der Dow Jones Industrial blieb hingegen mit einem Minus von 0,3 Prozent und am Ende 49.499 Zählern zurück. Auf Wochensicht bringt es der Leitindex auf ein Plus von rund einem halben Prozent. Von seinem Rekordhoch vom Februar bei gut 50.500 Punkten ist er aber noch ein Stück weit entfernt.

Damit ist der Start in den Börsenmonat Mai gelungen. Das lag auch an überwiegend soliden Quartalszahlen und Ausblicken der US-Unternehmen. „Die bisherige US-Berichtssaison verlief robust, was dazu beigetragen hat, dass die globalen Märkte trotz der Auswirkungen des Iran-Konflikts keine großen Verluste hinnehmen mussten“, kommentierte Russ Mould, Investment Director bei AJ Bell.

Bei Apple stieg der Gewinn im abgelaufenen Quartal überraschend um fast ein Fünftel. Auch mit dem Umsatz übertraf der Tech-Gigant die Markterwartungen. Mit einem Kursplus von 3,2 Prozent verpassten die Aktien ein Rekordhoch nur knapp. Analyst Edison Lee von der Bank Jefferies wies darauf hin, dass Apple zuletzt stark von günstigen Wechselkursen profitiert habe. Allerdings dürfte sich künftig der Druck auf die Profitabilität erhöhen.

Am Ende des Dow lagen die Aktien von Amgen mit einem Verlust von fast fünf Prozent. Der Umsatz einiger neuer Produkte des Biotech-Unternehmens im ersten Quartal konnte am Markt nicht überzeugen.

Der US-Ölkonzern Chevron verdiente dank der kriegsbedingt gestiegenen Öl- und Gaspreise zu Jahresbeginn mehr als erwartet. Auch der Konkurrent Exxon Mobil steigerte den Gewinn stärker als prognostiziert. Bei beiden Aktien schauten die Investoren am Freitag jedoch auf den Ölpreis, der unter Druck geriet: Chevron und Exxon Mobil gaben nach. Der Konsumgüterkonzern Colgate-Palmolive meldete für das erste Quartal einen bereinigten Gewinn je Aktie, der über den durchschnittlichen Analystenschätzungen lag. Die Anteilscheine gewannen 2,2 Prozent.

Der deutsche Aktienmarkt hatte sich vor dem langen 1. Mai-Wochenende am Donnerstag von einer schwächeren Eröffnung erholt und im Zuge fallender Ölpreise merklich zugelegt. Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) und Rekorde an den US-Börsen stützten zusätzlich. Letztlich ging der deutsche Leitindex 1,4 Prozent höher mit 24.292 Punkten ins verlängerte Wochenende. Damit steht für den Dax ein Wochengewinn von 0,7 Prozent zu Buche, im April hat er sogar um gut sieben Prozent zugelegt. Der Kursverlust seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar beträgt aber noch knapp vier Prozent. Der MDax mit den mittelgroßen Werten verabschiedete sich am Donnerstag 1,9 Prozent höher bei 30.589,95 Zählern aus dem Handel.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ die Leitzinsen im Euroraum wie erwartet unverändert – obwohl der Ölpreisschock die Inflation in der Eurozone im April auf drei Prozent getrieben hat. Volkswirte erwarten aber, dass die EZB die Zinsen im Jahresverlauf anheben wird. „Wir sehen nur begrenzten Spielraum für die Notenbank, über erhöhte Energiepreise und Angebotsstörungen hinwegzusehen“, kommentierte Kapitalmarktstrategin Ann-Katrin Petersen vom Vermögensverwalter Blackrock. Auch die Bank of England entschied sich für unveränderte Zinsen. Am Vorabend hatte zudem die US-Notenbank Fed den Leitzins erwartungsgemäß nicht angetastet.

Die DHL Group war mit einem Plus von 7,5 Prozent größter Gewinner im Dax. Das operative Ergebnis (Ebit) des Logistikkonzerns liege im ersten Quartal vor allem dank des starken Express-Geschäfts klar über dem Konsens, lobte UBS-Analyst Cristian Nedelcu. Er attestierte den Bonnern insgesamt gute Zahlen.

Der Chemiekonzern BASF bekam auch im ersten Quartal den Wettbewerbsdruck zu spüren. Analyst Chetan Udeshi von der US-Großbank JPMorgan sprach in einer ersten Reaktion von einem durchwachsenen Quartal. Umsatz und operatives Ergebnis gingen zurück, BASF bestätigte aber die Jahresziele. Die Aktien stiegen schlussendlich um 1,3 Prozent.

Für die Aktien von Volkswagen war es vor der erneuten Zollankündigung noch um 0,9 Prozent nach oben gegangen. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi verwies aber auf einen starken Barmittelzufluss. Auf diesen hätten viele Anleger ihr Augenmerk gerichtet und er sei deutlich besser ausgefallen als von ihm erwartet.

Auch Triebwerksbauer MTU konnte mit seiner Quartalsbilanz punkten, die Anteilscheine kletterten um 2,8 Prozent höher. MTU fürchtet trotz der hohen Kerosinpreise keine stärkeren Auswirkungen des Iran-Kriegs auf sein Geschäft. Analysten zeigten sich außerdem mit dem ersten Quartal des Triebwerkbauers zufrieden und lobten einhellig den starken Barmittelfluss.

Im MDax setzten sich Delivery Hero mit einem Kursplus von 7,1 Prozent an die Spitze. Der Essenlieferdienst wird bei seinem Gewinnziel fürs laufende Jahr etwas optimistischer.

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