Die Causa Reiche offenbart den Zustand einer Union, die sich politisch und personell selbst zerlegt. Der Gegner sitzt längst nicht nur draußen, sondern in der Koalition, in der eigenen Partei und im Büro des eigenen Kanzlers. Was wir hier erleben, ist nichts anderes als die Erosion der Union.
picture alliance / dts-Agentur
Die Causa Reiche erstaunt und erstaunt auch wieder nicht – und wie so häufig spielen die Grabenkämpfe in der CDU auf mehreren Ebenen und deuten auf die Erosion der orientierungslosen Partei hin. Ein Bundeskanzler, der bei Entscheidungen nicht in die Welt, sondern in den Spiegel schaut oder Lars Klingbeil fragt, ist als Bundesvorsitzender Teil des Problem, nicht aber Teil der Lösung.
Merkels grüntotalitäre und postdemokratische Politik, die von Scholz und Habeck noch auf die Spitze getrieben wurde und die von der Regierung Klingbeil-Merz fortgeführt wird, drängt Deutschland in die Krise und in die De-Industrialisierung, die wiederum die Krise vertieft und verschärft. Zu einer grundfalschen Außenpolitik, die man im Kanzleramt in Vollmondzeiten konzipiert haben muss, gesellt sich eine suizidale Wirtschafts- und Energiepolitik. Wesentlich schlimmer als der realexistierende Sozialismus sich auf die Wirtschaft in Ostdeutschland ausgewirkt hatte, wirkt sich nun die rotgrüne Klimakommandowirtschaft auf die deutsche Wirtschaft aus. In Ostdeutschland versuchte man, eine Industrie aufzubauen, in der Klimakommandowirtschaft wird eine funktionierende Wirtschaft zerstört. Was Merkel, Altmaier, Scholz, Habeck geschaffen haben und Klingbeil und Merz fortsetzen, ist in einem Wort die Rückabwicklung des Wirtschaftswunders.
Die Gründe dafür liegen grob zusammengefasst erstens im geglückten langen Marsch der 68er, ihrer Neffen, Nichten und Kinder durch die Institutionen und zweitens in der Wohlstandsverwahrlosung der neuen, in der Hauptsache westdeutschen Eliten. Ein zu wenig beachtetes Phänomen hierbei ist, dass zu den unterwanderten Institutionen auch die CDU gehört, die inzwischen als westdeutsche Partei eine linke Partei ist.
Dritte Ebene: Ostdeutscher Herkunft ist auch Katherina Reiche. Aber nicht die ostdeutsche Herkunft ist das Problem, sondern ihre Stellung als Wirtschaftsministerin. Man darf der sehr ehrgeizigen Reiche durchaus wirtschaftlichen Verstand unterstellen, wodurch sie im Kabinett Klingbeil-Merz ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Zudem ist es wohl nicht übertrieben zu vermuten, dass der Bundeswirtschaftsministerin klar sein dürfte, dass die Klimakommandowirtschaft Deutschland das wirtschaftliche Rückgrat bricht. Doch als Politikerin darauf trainiert, nach den gängigen, inzwischen unzeitgemäßen und anachronistischen Regeln postdemokratischer Politik zu spielen, scheint ihre Taktik darin zu bestehen, nicht mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen und das gängige Klima-Dogma in Frage zu stellen, sondern auf dem leisen Wege der Gesetze und Verordnungen für den schrittweisen Wandel zu sorgen. Doch da hat sie die reaktionäre Grundhaltung des Habeck-Ministeriums unterschätzt, das genau diesen Wandel boykottiert und noch dazu Reiches Versuche durchsticht, durch lautes Getöse öffentlich macht. Mit anderen Worten, sie musste erkennen, dass ihre Taktik nicht aufgeht und sie zwischen Baum und Borke steht. Klingbeil schritt mit einem Affront zur Entmachtung Reiches, in dem er zu einem Gipfel mit Wirtschaft und Gewerkschaften ohne Reiche einlud, bei dem zwar nichts rauskam, aber wie man bei der Antifa lernen kann, kommt es auf das Getöse an, nicht auf das Ergebnis. Mit anderen Worten: für Leute wie Klingbeil ist das Getöse das Ergebnis. Reiche wurde also von Koalitionspartner, vom 13 % Apparat angegriffen.
Vierte Ebene: Reiche blieb nichts anderes übrig, als den Fehdehandschuh aufzunehmen und Klingbeils Ausplünderungsideen aus der kommunistischen Umverteilungskiste als das zu charakterisieren, was sie auch waren, als „teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig“. Und der Bundeskanzler? Bitte nicht etwa seinen gefühlten Chef Klingbeil um Zurückhaltung, sondern seine Parteifreundin.
Diesem rotgrünen Vorstoß, von dem die schwarze Farbe ganz abgeblättert war, widersprach gestern in einer Pressemitteilung die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der Brandenburger CDU energisch: „MIT Brandenburg stellt sich hinter Katherina Reiche – deutliche Kritik an CDA-Forderungen und SPD-Vorstößen.“ Weiter heißt es in der Erklärung: „Der Landesvorsitzende Dr. Eckerhard Frisch sowie die stellvertretenden Vorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Brandenburg, Dr. Saskia Ludwig, Ferdinand Fiedler, Sven Reimer sowie Frank Goral weisen die aktuellen Rücktrittsforderungen aus der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft) an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in aller Deutlichkeit zurück.“
Die Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig wurde deutlich: „Katherina Reiche steht zu den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft in besonderer Weise – und verkörpert somit die Werte unserer CDU. Die soziale Marktwirtschaft ist und bleibt der richtige ordnungspolitische Kompass – auch und gerade auf dem Weg zu einer gelingenden Energiewende. Wer stattdessen auf abstruse Rücktrittsforderungen setzt, schadet mehr als er nützt. In diesem Zusammenhang rufe ich unseren Bundeskanzler dazu auf, mehr Rückhalt und Unterstützung zu verschaffen, statt interne Konflikte zu befördern.“ Ferdinand Fiedler, stellvertretender Vorsitzende der MIT Brandenburg, kritisiert den Vorsitzenden der CDA, Dennis Radtke: „Herr Radtke zeigt deutlich, dass er im Hinblick auf die anstehende Bundestagung der CDA am 25. April die innere Spannung in den eigenen Reihen nicht mehr kontrollieren kann. Die CDA täte gut daran, sich zu fragen, wessen Interessen sie eigentlich vertritt. Wer vorgibt, für ihre eigenen Arbeitnehmer zu sprechen, sollte seine Energie nicht fehlleiten – zumal Bärbel Bas und Lars Klingbeil genug Angriffsfläche bieten, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen.“
Siebente und letzte Ebene: Mancher wird sich fragen, warum Reiche in die Auseinandersetzung mit Klingbeil schließlich doch gegangen ist. Die Antwort dürfte vermutlich ganz einfach sein. Will sie nach der Zeit als Bundesministerin noch so etwas wie eine Karriere und eine gutdotierte Anschlussverwendung in der Wirtschaft haben, kann sie den Niedergang der Wirtschaft nicht einfach kuratieren, sie muss eigene Akzente zur Rettung der Wirtschaft setzen. Da aber mit der sich vergrößernden Krise sich die Probleme nicht einfach wegmoderieren lassen, da von Tag zu Tag die Änderung des wirtschaftspolitischen Kurses immer drängender und immer dringlicher wird, muss sie handeln. Retuschen helfen nicht mehr, Spielräume sind nicht mehr vorhanden, die Bundesministerin steht mit dem Rücken zur Wand.
Was wir hier erleben, ist nichts anderes als die Erosion der Union. Sie geht den Weg der SPD, auf ihre eigene Weise freilich.
Sollte Merz Reiche entlassen und Connemann zur Ministerin machen, dann haben wir es erstens mit einer westdeutschen Regierung zu tun und zweitens wird es den Ostdeutschen einmal mehr verdeutlichen, wenn sie keinesfalls wählen sollten, weder in Sachsen-Anhalt, noch in Mecklenburg-Vorpommern. Für Leute wie Merz und Klingbeil jedenfalls ist niemand 1989 auf die Straße gegangen.





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„Diejenigen die entscheiden, sind nicht gewählt und diejenigen, die gewählt sind, haben nichts zu entscheiden.“ – Horst Seehofer
„…der Bundeswirtschaftsministerin klar sein dürfte, dass die Klimakommandowirtschaft Deutschland das wirtschaftliche Rückgrat bricht.“
Diejenigen, die entscheiden, ziehen gerade den Morgenthau Plan durch – „Nichts in der Politik passiert zufällig…“ (FD Roosevelt)
Tja, ist halt blöd für die CDU wenn man sich eingemauert hat, war alles vorher absehbar. Aber solange die sich dabei gut fühlen: Von mir aus!
Ich bin froh, dass es „Querdenker“ gibt und habe größten Respekt vor ihnen:
Grüne: Palmer
SPD: Sarrazin
Linke: Wagenknecht
Hoffentlich reiht sich Reiche bei den Querdenkern ein.
Was mich allerdings stutzig macht:
Reiche war 2009 bis 2013 war sie Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Ich habe von ihr leider nichts von einem Widerstand gegen den fatalen Atomausstieg 2011 gehört, obwohl sie sn der Quelle saß.
Das hat Stasi IM Erika längst erledigt..aktuell läuft nur noch die Politische Insolvenzverschleppung der CDU.
Zerfall oder Schauspiel, das ist hier die Frage.
Vielleicht ein weiteres orchestriertes Ablenkungsspiel mit der These Planwirtschaft und der Antithese Marktwirtschaft.
Natürlich kann es bei solch gegensätzlichen Wirtschaftsordnungen keine Synthese geben. Zumindest könnte man vielleicht damit verbal seine jeweilige Klientel bedienen in der Hoffnung, sie gibt sich damit zufrieden.
Frau Reiche gehört für mich in die Gruppe der Bosbachs und Kubickis. Leute mit mehr Verstand als ihre Parteigenossen, aber zu feige, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Nämlich den hoffnungslosen Laden der CDU, die ihren Wertekanon zu 100% verloren hat, zu verlassen. Noch hat sie Zeit dies zu tun, wenn es ihr um Ehrlichkeit zum Wohl des Landes geht. Doch wird wohl auch bei ihr das Fressen (und Karrieredenken) vor der Moral kommen.
Sowohl die CDU wie auch Reiche halten am Klimakurs und Atomausstieg fest, auch die Mittwlstandsvereinigung. Solange das der Fall ist geht die Deindustrialisierung munter weiter, denn außer dem klimareligiösen Deutschland macht niemand beim Klimaziel 2045 mit und auch beim Ziel 2050 macht inzwischen nur noch die EU mit, alle anderen Staaten der Welt haben entweder deutlich spätere, weichere Ziele gesetzt oder machen wie die USA und Russland gar nicht mit. Deutschland schafft sich also nur selbst ab mit einer idiotischen superteuren Wnergiepolitik und mit der ebenfalls sehr teuren Massenmigration ins Bürgergeld/Grundsicherung (die unbegrenzt weitergeht, rund 400.000 sind letztes Jahr gekommen… Mehr
Herr Mai, Chapeau! Sie haben den Grundgegensatz der aktuellen BRD auf den Punkt gebracht: Auf der einen Seite die (immer noch) wohlstandsverbödeten Mehrheiten im Westen, die das alles nur für eine vorübergehende „Rhytmusstörung“ halten (der Ossi kennt den Begriff), auf der anderen Seite die über 40- Jährigen im Osten, die sich nach dem Zusammenbruch der DDR mehr oder weniger mühsam etwas aufgebaut haben und jetzt ein Deja-vu erleben. Mals sehen, wie das ganze ausgeht, man darf gespannt sein…
Frau Reiche muss zurücktreten und dadurch die Regierung diskreditieren. Alles andere ist unverzeihlich!
Drehen die in der Union alle am Rad? Wie hirnrissig ist das denn? * ““Nach der scharfen Attacke von BMWE Reiche (CDU) gegen den Koalitionspartner SPD in der Spritpreis-Debatte kommt aus dem CDU-Sozialflügel die Forderung nach ihrer Entlassung.““ * Der Frau sollte man einen Orden verleihen, ihr alle nur mögliche Unterstützung gewähren! * Warum? – Sie räumt in ihrem BMWE-Laden auf – Aber so richtig! * BMWE Reiche bekommt gerade richtig viel Ärger dafür, dass sie den von Grünen komplett durchseuchten & -setzten Ministerialapparat beurlaubt hat & das Ganze jetzt selbst mit von ihr ausgewählten Beratern macht. Polit-Hochstapler Habeck war… Mehr