Chaos, Gewalt und Sprachprobleme: Elternräte schlagen Alarm wegen Zuständen an Grundschulen. Das Kultusministerium beschwichtigt. Währenddessen sinken Ansprüche. Niedersachsen schafft sogar das schriftliche Dividieren ab.
picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow
Ein paar Erinnerungen vorweg: Bei Grundschülern handelt es sich um Schüler im Alter zwischen 6 und 10 Jahren. Diese Lebensphase wurde in der Entwicklungspsychologie früher als „Goldene Kindheit“ und als „Latenzphase“ bezeichnet: als Phase ausgeprägter Neugier und ausgeprägten Lernwillens. Mit „Latenz“ ist gemeint: Verwerfungen und Konflikte treten hier (noch) kaum zu Tage. Allerdings zeigen Sechs- bis Zehnjährige heute oft schon ein (a)soziales, rebellisches Verhalten, wie man es früher allenfalls in der Hochpubertät kannte. Offenbar aber kommen Schulen mittlerweile nicht einmal mehr mit Sechs- bis Zehnjährigen zurecht. Folge: Die Leistungen der Grundschüler werden immer schwächer, die Ansprüche – politisch und „bildungswissenschaftlich“ gewollt – immer geringer, die Basis für die weiterführende Schulbildung immer schmäler. Verdient die „Grund“-Schule da noch ihren Namen? Als eine Schule, die vor allem in den Fächern Deutsch und Mathematik die notwendige Basis für die weiterführenden Schulen vermitteln und Kinder an ein konstruktives Miteinander mit zwanzig oder dreißig anderen Kindern gewöhnen soll?
Brandbrief an das Kultusministerium
In einem Brandbrief haben sich nun Elternräte aus der Stadt und dem Landkreis Northeim an das Kultusministerium in Hannover sowie die verantwortlichen Fraktions- und Ausschussvorsitzenden im Landtag gewandt. Die Elternräte sprechen offenbar für die Stadt Northeim (27.000 Einwohner; 6 Grundschulen) und den Landkreis Northeim (125.000 Einwohner; 25 Grundschulen).
In dem offenen Brief ist die Rede von Konflikten jeglicher Art, von Zerstörung von Schulinventar, verbalen und körperlichen Attacken gegen Lehrer und Schüler, zudem von Mobbing gegen Mitschüler und handfesten Prügeleien. Ein „normales“ Unterrichten sei so kaum mehr möglich und „grenze an Zauberei“. Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie seien aufgrund einer Vielzahl an verhaltensauffälligen Kindern nach wie vor deutlich spürbar, die Zunahme der Kinder mit Migrationshintergrund ohne Deutschkenntnisse sowie die zahlreichen Flüchtlingskinder aus der Ukraine erschwerten die Situation zusätzlich, heißt es in dem Brief.
Hinzu kämen die Kinder mit Beeinträchtigungen, die in den Grundschul-Alltag integriert werden müssen. Hier gebe es mindestens zwei verhaltensauffällige Kinder pro Klasse. „Daneben sitzen die Kinder, die kaum Deutsch verstehen, aber dennoch dem Unterricht folgen müssen. Unterrichtsausfall und Personalmangel würden die Lage noch verschärfen. Deshalb bestehe dringender Handlungsbedarf seitens der Politik.
Kultusministerium: Es sei quasi überall gleich schlimm
Am Donnerstag, 12. März, nun antwortete das Ministerium schriftlich auf den Offenen Brief der Elternvertreter. Das Ministerium lässt wissen: Nach ministeriellen Erkenntnissen lasse sich für die Schulen im Landkreis Northeim keine außergewöhnliche Häufung oder Zunahme von Gewalt feststellen. Auch eine überdurchschnittliche Quote geflüchteter Schüler lasse sich nicht bestätigen. Der Prozentsatz an Kindern ohne oder mit sehr geringen Deutschkenntnissen sei vereinzelt allerdings hoch. Besondere Herausforderungen an Grundschulen hätten jedoch in der Regel mehrere Ursachen und ließen sich nicht auf einzelne Faktoren – wie mögliche Spätfolgen der Coronapandemie oder mangelnde Deutschkenntnisse – reduzieren.
Das Kultusministerium räumt ein, dass die Versorgungsquote hinsichtlich zusätzlicher sonderpädagogischer Unterstützung und Förderschullehrkräften mit 74,8 Prozent „noch nicht zufriedenstellend“ sei. Dieser Fachkräftemangel sei jedoch ein bundesweites Problem, so das Ministerium. Die „in Teilen gefühlten und in Teilen nachvollziehbaren“ Sorgen der Elternvertretungen würden sehr ernst genommen. Dort, wo einzelne Schulen vor besonderen Herausforderungen stünden, die von der Schulgemeinschaft selbst nicht bewältigt werden könnten, sei das zuständige Regionale Landesamt für Schule und Bildung im engen Austausch mit den Schulen.
In Anlehnung an das Gedicht von Christian Morgenstern mit dem Titel “Die unmögliche Tatsache“ kann man auf das Kultusministerium in Hannover reimen:
Und es kommt zu dem Ergebnis: Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt es messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.
Northeim ein Einzelfall?
Northeims Grundschulen sind kein Einzelfall. Auch kein niedersächsischer Einzelfall. Erst Mitte Dezember 2025 hatte TE von ähnlichen Verhältnissen in einer Grundschule in Cottbus (Brandenburg) berichtet.
Northeim, Cottbus und Co. stehen repräsentativ für die (vormalige) Bildungsnation. Zudem muss man all diesen Fällen attestieren: Es sind hausgemachte, politisch geschaffene, zumindest geduldete Probleme, und es sind importierte Probleme, die die Bildung in Deutschland zur Farce machen.
Was Niedersachsen betrifft, kommt eine grün indoktrinierende ministerielle Spitze hinzu. Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (39; Grüne), selbst ohne Berufs- oder Studienabschluss, lässt keinen Stein auf dem anderen. Aktuell krempelt sie den Religionsunterricht um: Es soll weniger Jesus, dafür mehr Klima, Gender und Scharia geben.
Ab dem Schuljahr 2026/27 verzichtet Niedersachsen – weil angeblich zu komplex – auf das Erlernen des schriftlichen Dividierens in der 4. Grundschulklasse.
Die Folgen werden noch gravierender sein als schon bislang. Die Metallarbeitergeber haben erst kürzlich festgestellt, dass ein erheblicher Teil der Lehrstellenbewerber nicht ausbildungsreif ist.
Ach ja: Ministerin Hamburg sitzt im Aufsichtsrat von VW. Das soll aber hier im Kontext mit den akuten VW-Problemen nicht weiter thematisiert werden.






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Das 1000 Schüler Gymnasium meiner Tochter hat einen guten Ruf. Aber zuletzt wurden alle Toiletten gesperrt: Wegen Verstopfungen (bei Girls) und Schüssel auch bei großen Geschäft nicht treffen (bei Jungs). Jeder Schüler, der mal muss, muss sich im Sekretariat gegen Unterschrift den Schlüssel abholen. Dazu kommen Fahrrad und Scooter Diebstähle, Vandalismus ohne Ende. Und nochmal: Es handelt sich um ein „gutes“ Gymnasium, nicht um eine Gesamtschule!!
Es ist wahrlich ein grosses Glück, dass die Sorgen der Eltern – oder, ganz allgemein, die der Bürger – immer sehr ernst genommen werden.
„Niedersachsen schafft sogar das schriftliche Dividieren ab“ Auf die grüne Landtagsabgeordnete und Kulturministerin Julia Willie Hamburg geht der Vorschlag zurück, schriftliches Dividieren nicht mehr in der Grundschule zu lehren. Für die gymnasiale Oberstufe wirbt sie für die Abschaffung der Pflicht, zwei Fremdsprachen parallel zu belegen. Auch Geschichte und Politik sollen nach Wunsch Hamburgs nicht mehr Pflicht sein. Ein Blick in die Vita der Grünen erklärt alles: „Nach dem Abitur an der hannoverschen Goetheschule im Jahr 2004 studierte Hamburg bis 2008 Politikwissenschaft, deutsche Philologie und Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen. Einen Abschluss erlangte sie nicht. Ausbildung oder Arbeit Fehlanzeige. Eine für die GRÜNEN so typische Karriere vom Kinderzimmer in den… Mehr
Sehr geehrter Herr Kraus, vielen Dank. Nun stellt sich die Frage, was zu tun ist. Da (1) eine kräftige Mehrheit der Wähler-Klicklaut-innen das nach wie vor so will oder zumindest (billigend) in Kauf nimmt, da (2) der popellus nobilis multicoloratus viridis, für welchen die hochgebildete Ministerin als Beispiel gelten kann, wenn nicht als Leuchtspeck der Hoffnung, nach wie vor das Sagen hat – so ist ein Weg der Umkehr nicht in Sicht. Daher gilt es sich anzupassen. Man sollte beispielsweise den Mathematik-Unterricht durch Übung in Konfliktlösungs- und Unterwerfungstechniken ersetzen. Ist nicht das Wesen der Mathematik, dass Zahlen per (skandalöser) Ungleichheit… Mehr
Dieses ganze Elend noch mit der Coronapandemie in Verbindung zu bringen, greift deutlich zu kurz. Das hat bestenfalls marginal damit etwas zu tun. Es ist eher die gesamte Bildungspolitik, die Ideologie, die woke Philosophie der Bildung. Der Grundstein für die derzeitige Situation wird bereits in den Kindergärten gelegt. Erziehung, Disziplin, Regeln – Fehlanzeige. Wenn ein Erziher Regeln durchsetzen will, wird er gescholten (Infos aus erster Hand). man beobachtet nur noch, die Kids können tun und lassen, was sie wollen. Wie sollen die sich später an Regeln halten können? Das geht schlichtweg nicht. Viele Elternhäuser sind heillos überfordert, weil sie Regeln… Mehr
Northeim ein Einzelfall?*….was soll man noch sagen. Interessant ist ja das die die was machen könnten/müssten alle hoch gebildet sind. Es scheint das unsere ganze hoch gebildete elite total versagt oder wie vater Mike es in dem video* direkt am anfang sagt „die haben die kontrolle verloren“.
Tichy, das können nur Fake-News sein. Im ZDF habe ich davon noch nix gehört;-)
Wenn immer mehr Schüler in den Schulen aufschlagen deren Elternhäuser außer Geld alles an diesem Land, Gesellschaft, Religion usw usf ablehnen dann ist Kalkutta näher als wir denken.
Herr Josef Kraus ist nicht nur ein ehrenwerter Mann, sondern seine Lebensleistung ist überaus bemerkenswert und verdient höchstes Lob.
Leider rufen jedoch seine berechtigten Schilderungen der bildungs- wie kulturmäßigen Verwahrlosung dieses Landes … mit Verlaub – überwiegend Langeweile hervor, so oft wiederholen sich besagte Beschreibungen in ihrer grundsätzlichen Art.
So sehr Herrn Kraus Durchhaltewillen zu wünschen ist, viele Leser haben dieses Land aufgegeben.
Niedersachsenlied
Von der Weser bis zur Elbe,
Von dem Harz bis an das Meer
Stehen Niedersachsens Söhne,
Eine feste Burg und Wehr
Fest wie unsre Eichen
halten alle Zeit wir stand,
Wenn Stürme brausen
Übers deutsche Vaterland.
Wir sind die Niedersachsen,
Sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm!
Wir sind die Niedersachsen,
Sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm!
(Original 2 Strophen)
Hier im Artikel wird das Ende vom Lied beschrieben, nicht besungen!