Was Norbert Röttgen und Uta Ogilvie eint und trennt

Norbert Röttgen darf ein bisschen poltern. Aber Röttgen ist Teil des Systems und kann der Kanzlerin nicht gefährlich werden. Frau Ogilvie hingegen muss mit ihrer öffentlichen Empörung direkt in ein Vakuum vorgestoßen sein.

Zwei Meldungen sollte man heute nebeneinander legen, denn sie haben unmittelbar miteinander zu tun, auch wenn nur eine der Meldungen von den so genannten Leitmedien aufgenommen und verbreitet wird.

Zum einen ist da eine Merkel-Kritik des Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen (CDU): Er ist einer von denen, die Angela Merkel schon frühzeitig aus der Diskussion um ihre Nachfolge gedrückt hatte, als sie ihm den Ministerposten nahm und die Süddeutsche dazu titelte: „Von unersetzlich zu unbrauchbar“. Und die zweite Meldung handelt von Uta Ogilvie, einer Hamburger Mutter und Ehefrau, die mit einem „Merkel muss weg“-Schild wohl das selbe erzählen wollte wie Röttgen, aber dafür einen nächtlichen Anschlag auf ihr Wohnhaus kassierte und sich auf der Straße von Hundertschaften von Polizisten gegen von der Antifa organisierte linksautonome Hundertschaften schützen lassen musste.

Röttgen hat diese (an)schlagfertigen Fans von Angela Merkel nicht zu befürchten, er bringt sich einfach mit seinem 52 Jahren noch einmal ins Gespräch, genau jetzt, wo seine Parteichefin auch intern wackelt. Wer von den beiden Mut und Courage braucht, muss hier nicht erzählt werden. Erwähnt werden könnte höchstens noch, das Röttgen der CDU unter Merkel eine „inhaltliche Entleerung“ bescheinigte, ebenso, wie er anprangerte, dass es noch nie in der Geschichte der CDU einen „emotional und politisch (…) so weitgehenden Vertrauensverlust“ gegeben hätte.

Von diesem Vertrauensverlust wollte auch Uta Ogilvie öffentlich erzählen, jetzt hat sie das Handtuch geworfen. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Erst einmal schon, ich gebe auf. Warum? In erster Linie, weil ich meine Familie nicht schützen kann.“, erklärte Ogilvie gestern Abend über die sozialen Medien. Noch einmal fasste sie zusammen, was passiert war, als „selbsternannte Anti-Faschisten“ Kinderzimmerfenster einschmissen, Autoreifen zerstochen und ihr Haus mit Schmutz beschmierten. „Ich möchte nicht darüber nachdenken, was hätte passieren können, wenn die Betten der Kinder direkt unter diesem Fenster stehen würden.“

Alsterblick von drinnen
Hamburg: Bericht aus einer verwunschenen Welt
Auch auf dem Weg zur Demo wurde Frau Ogilvie attackiert. Sie und Ihr Vater seien dabei tätlich angegriffen worden. Sie hätten aber Glück gehabt, die Polizei konnte sie „aus dem Mob fischen, bevor Schlimmeres passiert ist.“ Solche Angriffe hätten auch viele andere auf dem Weg zur Demo erlebt. Für Frau Ogilvie ist klar, wer diese Angriffe finanziert: „Der Staat selber und zwar mit unseren Steuergeldern.“ Indem er die Antifa mit finanziert. Wir erinnern uns, die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder hatte gegenüber der Welt vor einer Antifa-Finanzierung aus ihrem Ex-Ministerium gewarnt: „Man kann nicht mit Linksextremisten gegen Rechtsextremisten kämpfen, nicht mit Rechtsextremisten gegen Linksextremisten und nicht mit Islamhassern gegen Islamisten.“

Finanzierung hin oder her: Für Frau Ogilvie ist jedenfalls klar: „Der Staat macht mich mundtot.“ Und sie bittet ihre Leser: „Verbreiten Sie meine Geschichte, reden Sie mit Familie, Freunden und Kollegen.“ Genauer darüber, dass wir in einem Land leben würden, indem wir „unser Grundrecht auf freie Meinungsäußerung nicht ausleben dürfen.“

Nun stellt sich natürlich die Frage, was der einzelne zukünftig sonst tun kann, wenn er Angela Merkels Politik nicht nur nicht mehr will, sondern sie für gefährlich für das ganze Land empfindet. Ein Land, das aktuell ohne wirkmächtige innen- wie außerparlamentarische Opposition dieser Merkel-Politik gegenübersteht. Zählt man die Nichtwähler und nicht Wahlberechtigten mit, haben weniger als 20 Prozent der CDU ihre Stimme gegeben. Wenn aber Abwählen trotzdem nicht funktioniert, weil die SPD erneut für eine knappe Kanzlerinnen-Mehrheit bereitstehen wird und die SPD und der SPD-nahe Deutsche Gewerkschaftsbund die Sache der Antifa betreiben, dann bleibt wohl tatsächlich nur eine außerparlamentarische Mehrheit, die ihre Stimme erhebt.

Am Fall Ogilvie wird immerhin eines deutlich: Uta Ogilvies Aktivismus wird als Gefahr empfunden, tatsächlich die bestehenden Verhältnisse verändern zu können. Die außerparlamentarische und radikale Linke halten offensichtlich an diesen Verhältnissen fest, halten fest an ihrer Kanzlerin. An Angela Merkel. Also darf Norbert Röttgen zwar ein bisschen poltern. Aber Röttgen ist Teil des Systems und kann der Kanzlerin nicht gefährlich werden. Frau Ogilvie hingegen muss mit ihrer öffentlichen Empörung direkt in ein Vakuum vorgestoßen sein. Das musste sie am eigenen Leibe erleben. Was sie mitnimmt und sichtbar machen konnte, war aber auch die Erfahrung, wie mächtig jeder einzelne Bürger ist, wenn er nur für seine Überzeugung auf die Straße geht. Die wütende Abwehr dieser Willensbekundung spricht für sich.

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Kommentare ( 129 )

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Herr Röttgen kann ja bei der Kanzlerwahl einfach seine Stimme verweigern. Das wäre ein glaubwürdiger Anfang.

Frau Ogilvie hat gewonnen.

Das, was sie erlebt hat, wird die Bürger nicht abschrecken, sondern empören. Und wieder hat die nächste Demo – vielleicht schon der „Frauenmarsch zum Kanzleramt“ am Sonnabend in Berlin – Hunderte, bald Tausende Teilnehmer mehr.

Ihr Mut wirkt also weiterhin, auch wenn sie selbst keine Demos mehr organisiert.

Vielen Dank an Sie, Frau Ogilvie!

Die Demonstration „Merkel muss weg“ hat nach Aufgabe von Fr. Ogilvie eine neue Demo-Anmelderin gewonnen. Wieder eine junge Frau aus Hamburg, deren Demonstration für Montag, den 19.02.18 um 1900 Uhr auf dem Gänsemarkt terminiert ist.

Ich bitte die Foristen aus Hamburg und dem Umland um rege Teilname. Engagieren Sie sich und unterstützen Sie die Hamburger Demonstranten!

Sitze gerade im Zug mit Ziel Berlin. Bin mit dabei. Ich gebe aber zu, dass mir die Linksterroristen Sorge bereiten.

Mir auch. Aber da bin ich der Meinung von Frau Ogilvie: „Wenn wir das jetzt nicht machen, dann wird es später noch viel schlimmer. Und davor hab ich viel, viel größere Sorge als vor dem, was heute Abend passiert.“

Ich kann nur mein Mitgefühl ausdrücken. Es ist eine bedrückende Zeit für Menschen, die sehen und fühlen was falsch läuft in unserem Lande. Frau Ogilvie wünsche ich alles Gute und viel Kraft. Danke!

Sie stellen die Frage, was der Einzelne zukünftig sonst tun kann, wenn er Angela Merkels Politik nicht nur nicht mehr will, sondern sie für gefährlich für das ganze Land empfindet. Am effktivsten ist, wenn jeder der AfD beitritt oder sie zumindest finanziell unterstützt und vor allem wählt. 12,6% reichen natürlich nicht gegen ein 87,4% Kartell. Bei über 30% oder gar 40% sähe das aber ganz anders aus. Dann würde als erstes den Antifa Schlägern mit ihren Dutzenden Hilfsorganisationen, angefangen bei Kahanes Amadeu, über die Rote Flora bis hin zu anderen der Geldhahn zugedreht. Auch das Medienkartell käme ins Wanken. Ich… Mehr

Ich werde mich an den Kölner Dom stellen mit dem Schild:
WAS
MUSS
WEG?
Ich bin schon auf die Antworten gespannt…

Leider hat die AfD es bisher nicht geschafft sich so zu positionieren, dass sie für die breite Masse an Menschen mit fortschrittlicher und trotzdem konservativer Lebenseinstellung wählbar zu sein scheint, das schreckt viele unsichere Menschen ab. Mir ist schon klar, dass es eine junge Partei ist, bei der mit unfairen Maßstäben gearbeitet wird um diese zu diskreditieren. Trotzdem sollten sich da mal einige unglückliche Darsteller überlegen, ob sie weitsichtig genug agieren.

Zugegeben! Was unlängst Herr Meier (immerhin Richter) und Herrn Poggenburg von sich gegeben haben, ist nur dumm. Aber soll ich deswegen den Deutschland-Verwüstern, an deren Bösartigkeit die jüngsten Ereignisse in Hamburg die letzten Zweifel ausgeräumt haben, meine Stimme geben oder sie durch Wahlenthaltung gleichwohl stärken?

Könnten Sie konkret darlegen, warum Ihrer Meinung nach die AfD “ für die breite Masse an Menschen mit fortschrittlicher ( was immer das sein mag ) und trotzdem konservativer Lebenseinstellung nicht wählbar zu seien scheint „. Meiner Meinung nach liegt das in erster Linie an der geschlossenen Diffamierung durch die Medien. Ich bin immer wieder überrascht, eigentlich schon erschrocken, wie leicht Menschen manipuliert werden können, und unreflektiert sich alles aneignen, was sie täglich hören und sehen, und nicht nur die Dschungelcampgucker. Und was die von Ihnen erwähnten unglücklichen Darsteller betrifft, kann ich in der AfD keine Merkels, Altmeiers, v.d. Leyens,… Mehr

Ich empfinde es beginnt etwas starkes in die gleiche Richtung zu streben, „Merkel muss weg“ ist die Parole und das Ziel.
Es ist der Schrei nach Luft, Sicherheit und Souveränität, nach direkter Demokratie.
Wer nun glaubt, es könne keine intensive Zusammenarbeit der Polizei mit dem Volk entstehen, was von der Antifa bedroht wird, ist unlogisch positioniert.
Was sich in diesem Jahr ereignet ist der Niedergang alter Kader-Strukturen, denn die Volksdemokratie ist auch in Gesamt-Deutschland nicht tot zu kriegen, sie wird Merkel unter noch mehr öffentlichen Druck setzen, als ihre Helfer hoffen.

Vielen Dank an Frau Ogilvie und die Mitstreiter in Hamburg, ihren Mut und den Glauben an demokratische Werte. Jedoch wird demokratischer Protest an allen Enden von den Horden niedergemacht, der Rechtstaat massiv untergraben und der Staat und seine Bürger geplündert. Ein schauriges Spektakel wird sich Bahn brechen. Das nennt man Zeitenwende und für Deutschland und Europa steht eine solche bevor.

Frau Ogilvie – für mich eine moderne Heldin. Ihr Rückzug: völlig verständlich, und ohnehin hat sie eine Saat gelegt, die ihr bzw. uns keiner mehr nehmen kann. Die hier schon zitierte Rosa Parks brauchte auch nur einmal Bus zu fahren, um die Welt zu verändern!

Die hier genannte Aktion mit den Aufklebern finde ich gut und werde ich kopieren. Weiterhin habe ich die Stellungnahme Frau Ogilvies ausgedruckt und gebe sie im Kollegenkreis herum.
Und wer immer in Hamburg für eine Fortsetzung sorgt: ich komme hin!

Andernorts habe ich gelesen, die mutige Frau Ogilvie könnte noch Merkels schwarzer Schwan werden und auch in Tunesien habe es mit nur Einem angefangen. Ist da was dran? Bei Tichys ~ 2,5 Mio. monatlichen Lesern wäre zumindest für ausreichend Öffentlichkeit gesorgt.

Ein Rosa Parks Moment.

„Und sie bittet ihre Leser: „Verbreiten Sie meine Geschichte…“
Ich verbreite seit gestern nette kleine Aufkleber im Scheckkartenformat mit der Aufschrift: MERKEL MUSS WEG!
Mein bescheidener Beitrag zur Solidarität mit Fr. Ogilvie.

Super!!!
Und darunter noch ein kleiner Aufkleber- Wir schaffen das!
Zusammen:
Merkel muß weg!
Wir schaffen das!

Gute Idee! Das werde ich bei der zweiten Auflage mit reinnehmen.

Der Anschlag gegen Frau Ogilvie und ihre ganze Familie ist ein Anschlag auf unsere Verfassung. Als ich aber gestern einem guten Freund von mir empört davon berichtete, behandelte er mich, als würde ich mich über eine Schlägerei zwischen Fußball-Hooligans aufregen, so, als ob die Frau doch eigentlich selbst Schuld sei: Warum mischt sie sich auch in die Politik ein?

Dieser Freund ist gebildet, intelligent und wohlhabend. Dass sich ein solcher Mensch nicht für das Gemeinwesen interessiert (oder vermutlich erst dann, wenn seine eigenen Kinder ohne Grund zusammengeschlagen werden), zeigt mir, dass Deutschland eine Scheindemokratie ist, eine formale Demokratie ohne Demokraten. Erschreckend.

Na Sie haben ja Freunde😥. Geht mir aber genauso. Vielen anderen offensichtlich auch. Das Schlimme ist, daß diese Leute trotzdem, bei völliger Blindheit, wählen dürfen. Aber genau das ist ein Merkmal unserer Demokratie. One man, one vote (gilt auch für Frauen und alle anderen Geschlechter). Die Einführung eines „Wahlbefähigungszeugnisses“ könnte Abhilfe schaffen. Aber wenn dann die falschen Leute „prüfen“, wäre das undemokratisch. Wenn Sie Ihren Freund aufklären wollen, müssen Sie sehr subtil vorgehen und ihn durch geschicktes Fragen zu Themen, die ihn wirklich interessieren, dahin bringen, die negativen Veränderungen in unserem Land, die auch bei „seinem“ Thema offensichtlich sind, selbst… Mehr
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