Warum ist der Turm von Pisa schief?

Nur die aktuellen Fehler zu korrigieren (selbst wenn man das gegen NGO-Propaganda und Staatsfunk ginge), würde wenig nutzen, wenn der »weiche Boden«, die vernunftfeindlichen (»linken«) Denkweisen darunter dieselben bleiben.

Davide Ragusa

Ich schreibe diesen Text am Morgen des 24.12.2019. Elli und die Kinder sind unterwegs um letzte Besorgungen zu erledigen. Die Kinder dürfen sich noch ein Geschenk aussuchen, das dann von ihren Großeltern kommt.

Die LED-Lampen am Kunststoff-Weihnachtsbaum leuchten so weihnachtlich wie sie können, die goldenen Plastik-Kugeln glitzern feierlich mit dem ökologisch abbaubaren Lametta-Ersatz um die Wette, und Ihr liebster Essayist hat sich einen Kaffee gemacht und etwas Plätzchen stibitzt, und er macht sich auf, eine der häufigsten (An-)Fragen zu beantworten.

Es gibt da diesen Aufruf, der an mich immer wieder herangetragen wird, mal als Frage, mal als Bitte, und ja, mal als Vorwurf, und er lautet etwa so: »Herr Wegner, Sie kämpfen ja gar nicht!«, oder: »Herr Wegner, sollten wir nicht kämpfen, damit es besser wird?«, »Der Meister sitzt auf seiner Terrasse und der Wegner schwärmt vom Innenhof, wo soll da die Veränderung herkommen?«, oder sogar: »Herr Wegner, Sie predigen ja die Passivität!«

Was und wofür?

Wie es sich gehört, fragte ich Kämpfer zurück: Was ist dein End-Szenario? Welchen Ausgang erhoffst du dir? Ich bin ja prinzipiell bei dir, doch sollten wir nicht wissen, wofür wir kämpfen?

Ich bin vorsichtig. Ich will nicht werden wie die, die ich kritisiere! Mein Vorwurf an Gutmenschen ist ja, dass sie es zum Kern ihres Prinzips gemacht haben, nicht darüber nachzudenken, was die Folgen ihres Handelns sind. Es ist dem Gutmenschen wesentlich, nicht zu Ende zu denken und also eine Handlung ausschließlich nach dem Bauchgefühl im Moment des Handelns zu bewerten. Ein Gutmensch hält sich für gut und bewirkt Böses – ich weiß, dass ich fehlbar bin, und ich versuche, Gutes zu bewirken – wie und wofür soll ich also kämpfen?

Eine gemeinsame und definierende Eigenschaft der neuen linken Aktivisten ist, dass sie Dinge fordern, deren Kontext sie nicht verstehen. Wohlstandsverwahrloste Dummbratzen twittern auf ihren iPhones ihre Forderungen nach Sozialismus ins Internet, auf der Rückbank von Mamas SUV ihren Starbucks-Kaffee schlürfend. Eine Generation, für die der Strom aus der Steckdose, das Essen aus dem Kühlschrank und das Taschengeld von Papis Lehrergehalt kommt, fordert die De-Industrialisierung Deutschlands, wegen der Umwelt (und zum Vorteil von China und anderen Wettbewerbern). Ich will nicht nur sagen dürfen, dass ich kämpfe, dass ich gegen Widerstände anlaufe, bis sie oder mein Wille zerbrechen, dass ich die Zeiten zwinge und die Wahrscheinlichkeit zu meinen Gunsten drehe, was für ein Drehmoment es auch braucht – ich will doch wissen, was all das Gesagte überhaupt bedeutet!

Mit Mühe die Schäden

Manche Leser wollen darum kämpfen, Merkel nach allen Regeln demokratischer Kunst aus dem Amt zu jagen (der Wegner hat »jagen« gesagt – jagt ihn!), und dann mit Mühe die Schäden rückgängig machen, welche die Zerstörerin in ihrer um bisher eineinhalb Jahrzehnte zu langen Amtszeit über das Land und seine Menschen brachte (was sie wohlgemerkt mit Hilfe ihrer Schemelhalter und den Einpeitschern in den Redaktionen tat – später werden sie alle schon immer »Merkel muss weg« gerufen haben). Manche wollen schlicht Deutschland davon abhalten, im Namen von Moral und Umwelt sich selbst zum Schwellenland zu machen (schon jetzt begibt sich Deutschland in Strom-Abhängigkeit von seinen Nachbarn, ohne echte Not außer hysterischer Moralpanik). Manche sehen in der Islamisierung Deutschlands und Europas ein Problem für die Werte der Aufklärung. Und einige wären schon froh, wenn die Regierung aufhören würde, mit orwellschen Gesetzen die Grundlagen des Rechtsstaats anzugreifen.

Ich stimme solchen Zielen ja prinzipiell zu, ich teile und unterstütze sie – doch ich erlaube mir eine Fußnote: Merkel aus dem Amt zu wählen oder etwa das verfassungswidrige »NetzDG« rückabzuwickeln wäre zweifellos richtig, aber allein wäre es wenig nachhaltig, wenn man nicht die Ursache behebt, wie es überhaupt dazu kommen konnte!

Was Deutschland sich und seinen Bürgern antut ist die Folge von Denkweisen. Das Bauchgefühl vor den Verstand zu setzen ist eine »mentale Verhaltensweise«. Selbst wenn wir den Energie-Irrsinn und den Welteinladungs-Irrsinn und den Deutschland-zahlt-Schulden-anderer-Länder-Irrsinn und den 1984-als-Anleitung-Irrsinn rückabwickeln könnten (und magischerweise die bereits verpassten Chancen aufholen würden), so würden die Deutschen bei gleicher Denkweise wieder neue und üblere Fehler machen!

Beim berühmten Schiefen Turm von Pisa sind die oberen vier Stockwerke in einem Winkel zum restlichen Turm gebaut. Der Turm begann sich schon während des Baus zu neigen, also »korrigierte« man es, indem man den Rest schief draufsetzte. Das Problem war aber der weiche Boden! Nur die aktuellen Fehler zu korrigieren (selbst wenn man das gegen NGO-Propaganda und Staatsfunk bewerkstelligen könnte), würde wenig nutzen, wenn der »weiche Boden«, die vernunftfeindlichen (»linken«) Denkweisen darunter dieselben bleiben.

Im Essay »Eine Falle für Idioten« las ich letztes Jahr gemeinsam mit Ihnen das Gedicht »If–« von Rudyard Kipling. Ich versuche noch immer, den Zeilen jenes Gedichtes gerecht zu werden. Ein Gedanke daraus bewegt mich bei der Frage, warum und wofür ich kämpfe: »… wenn du dir selbst vertraust, während alle an dir zweifeln, und wenn du dennoch ihren Zweifel zumindest bedenkst«. – Ich bin der tiefsten, lange durchdachten Überzeugung, dass das größte Problem (oder zumindest dasjenige, das ich selbst angehen möchte) die Frage ist, wie wir Menschen zu unseren ethischen Einschätzungen gelangen. Ich halte es für die dringlichste persönliche Aufgabe (ob man diese nun »philosophisch«, »humanistisch« oder gar »spirituell« nennt), uns dessen bewusst zu werden, was wir wichtig und beschützenswert finden und warum, und es aus diesem Bewusstsein heraus zu verteidigen. Ich könnte falsch liegen, und ich behalte das im Auge, und anders als Linke bin ich aktiv froh darüber, dass andere Menschen die Dinge anders sehen, denn nur so lernen wir voneinander, nur in fröhlicher Verschiedenheit werden wir klüger statt dümmer – und doch ist es dies, was ich für mich als wichtig und richtig erkannt habe. Das ist, wofür ich kämpfe.

Ich kämpfe nicht für eine politische Richtung oder gar Partei (aber für die Demokratie!), und es bereitet mir wenig Kopfzerbrechen, alle derartigen Anfragen und Aufrufe abzulehnen. Ich kämpfe nicht politisch gegen bestimmte Maßnahmen (weise aber gern und laut auf deren logische und ethische Mängel hin, weil es ja auch unser Denken schärft). Ich kämpfe und arbeite für das Wohl meiner Familie, doch das ist ja nicht Ziel und Gegenstand meiner Texte.

Ich kämpfe zuerst und zuletzt für das Recht des Einzelnen, selbst zu bestimmen und zu verteidigen, was ihm wichtig ist (ich nenne es die »relevanten Strukturen«). Ich tue alles in meiner Macht stehende, damit Menschen wieder darüber nachdenken, was die realistischen Konsequenzen ihrer Handlungen sind (also kluge und menschliche Verantwortungsethik statt die grausame und gefühlskalte Gesinnungsethik der Gutmenschen). Am Ende gewinnen weder Ideologie noch Gesinnung noch moralisches Bauchgefühl – am Ende gewinnt immer die Realität. Wenn man den Deutschen wieder genug Realitätssinn beibringen könnte, damit sie verstehen, dass man nach einem Beinschuss blutet, dann kann es vielleicht doch wieder gut werden, dann können wir vielleicht die Richtung wechseln.

Dass alle Türme gerade gebaut werden

Soll man kämpfen? Ja! – Wofür soll man arbeiten, worauf hoffen? Geld kommt immer wieder, aber jede Sekunde und jede Stunde, die wir für einen Zweck investieren, sei dieser Zweck edel oder müßig, ist für immer weg, das gilt für Knecht und König gleichermaßen – wofür sollen wir nun Geld und Lebenszeit investieren? Die Zeit ist weg, so oder so, also sollte man überlegen, wofür man sie aufgibt, und der Zwecke sollte es wert sein. – Selbstverständlich sollen wir für das kämpfen, was uns wichtig ist! Und dass die Menschen den Mut entwickeln, selbst zu bestimmen, was ihnen wichtig ist, das ist, wofür ich arbeite.

Ja, ich bin dafür, dass alle Türme gerade gebaut werden! Kämpft um die Winkelgerechtigkeit wie ihr um die Menschengerechtigkeit kämpft! Ich erlaube mir zugleich, daran zu arbeiten, dass das Fundament trägt. Wenn der Boden nachgibt, könnt ihr den Turm noch so oft korrigieren, er wird umso krummer werden, je häufiger ihr korrigiert. Oder, ein anderes Bild: Wenn der in Gefangenschaft aufgewachsene Panther die Freiheit fürchtet, könnt ihr ihn noch so oft freilassen, er wird doch immer wieder aus dem Dschungel zurück in den Käfig kriechen. (Warum sollte der Panther auch nach draußen wollen, wenn er doch meint, dass hinter tausend Stäben keine Welt liegt?)

Es ist, während ich diesen Text abschließe, kurz nach Mittag, wenige Stunden vorm Heiligen Abend. Inzwischen ist Elli mit den Kinder wieder da. Die Kinder haben sich als letztes Geschenk ein Whiteboard ausgesucht, auf dem sie gemeinsam Hausaufgaben lösen können, »wie in der Schule« (und ja, Papa Dushan und Mama Elli sind sehr stolz auf einen solchen Wunsch, auch wenn wir jetzt Schrauben in die Wand werden bohren müssen).

Was auch immer das Christkind uns bringt, wie friedlich die Weihnachtstage auch tatsächlich werden mögen – zu all den guten Wünschen ob einer besinnlichen Zeit und frohen Tagen auf dem Weg ins neue Jahr wünsche ich uns vor allem die Einsicht, zu wissen, was uns wirklich wichtig ist, den Mut, dafür zu kämpfen, und die Weisheit, zu erkennen, wo man kämpfen soll und wo man lieber abwartet und Kraft sammelt, ob mit einem Tee oder mit einem Rotwein, ob im Innenhof oder auf der Terrasse.

Lasst uns kämpfen. Lasst uns mutig sein. Vor allem aber: Lasst uns klug sein!


Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

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Kommentare ( 25 )

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Peter Mueller
1 Jahr her

„deren Kontext sie nicht verstehen“ Mit Verlaub: Sowohl Klimahysterie als auch die Masseneinwanderung dienen vor allem der Profitmaximierung. Es sind eben NICHT die indoktrinierten Lemminge und Schreihälse, die die Richtung vorgeben. Sie sind nur nützliche Idioten. Tatsächlich verantwortlich sind die Konzerne, die es sich leisten können, die NGOs für ihre Zwecke zu finanzieren und erheblichen Einfluß auf den politisch-medialen Komplex ausüben. Das ist nicht links, das ist wirtschaftliberal. So viel zum Thema „Kontext nicht verstehen“.

https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/RV8O3MWH8H6PH/ref=cm_cr_dp_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=394487241X

https://www.freiewelt.net/nachricht/greta-thunbergs-deutsche-organisatorin-wird-von-george-soros-finanziert-10077715/?fbclid=IwAR15mGWtyZw0Fn3o0hY4l6QWwDWZD43Jbw5Nl0sRM904QAVab8t2XamRfwU

https://www.iwd.de/artikel/geschaeftsmodell-klimaschutz-413595/

Nicholas van Rijn
1 Jahr her

Der beste Ansatzpunkt für eine Veränderung der Gesellschaft ist man selbst. Die persönliche Selbstverantwortung, so wie sie die christlich-jüdische Tradition lehrt, ist der Ausgangspunkt für jedes Handeln, nicht Systemänderungen oder große gesellschaftspolitische Theorien verbessern das Leben des Menschen. Jordan Peterson hat das u.a. in seinen Vorträgen und Büchern gut herausgearbeitet. Er verweist ja oft an Solschenizyn als Beispiel. Set your house in perfect order before you criticize the world.

Farbauti
1 Jahr her

Ich schwanke immer darin, ob ich ihre Artikel gut find, weil Sie wirklich sehr schön schreiben, oder nicht, weil mich am Inhalt was stört. Sie werden wissen wollen was mich heute stört. Es ist der Eindruck, dass Sie (verzeihen Sie meinen Ausdruck, aber er bringt es auf den Punkt), zuviel Geschiss um sich machen. Alles argumentativ richtig was sie sagen, aber. Wozu sind wir geboren? Ich stelle mir manchmal vor, ich lebte im 30jährigen Krieg. Dann gehts mir wieder besser. Wir suchen es uns nicht aus, der Sinn kann doch nicht sein das wir uns am Tagesgeschehen abarbeiten, gar noch… Mehr

Herbert Wolkenspalter
1 Jahr her

Merken „wir“ eigentlich nicht, wenn die eigenen Vorstellungen in sich widersprüchlich sind und sich deshalb nicht erfüllen lassen?

Was ist in diesem Zusammenhang eigentlich… Vernunft?

Ich fürchte, die Wege sind noch sehr weit, und sogar mancher, der ernsthaft gut sein will, muss nochmal zurück an die Stelle, wo er in eine Gasse ohne Ausgang abgebogen ist, weil er sich der Widersprüche nicht bewusst war.

Das sind zuvorderst gar keine politischen Fragen. Aber sie können politisch und dann auch zu echten Problemen werden, wenn man damit Politik macht.

Hannibal Murkle
1 Jahr her

@“Was ist in diesem Zusammenhang eigentlich… Vernunft?“ Nehmen wir Klimadingens als Beispiel – Green-Tech-Firmen aufbauen, die irgendwo auf der Welt verdienen, ist vernünftig. Mit CO2-Bepreisung einen Markt schaffen, den man komplett bezahlt, wo sich jeder bedienen kann – nicht. So gerne erzählen manche von einer „Führung“ Deutschlands bzw. der EU – doch beim Schaffen des Marktes für andere, nicht beim Verdienen. Dann wird noch Angst mit Kipppunkten gemacht – und wenn ein CO2-Molokül mehr in die Atmosphäre kommt, soll wie in einem Hollywood-Film die Katastrophe kommen. So funktioniert das nicht – und die Kippunkte-Theorie beruht auf einem Aufsatz mit vielen… Mehr

Herbert Wolkenspalter
1 Jahr her
Antworten an  Hannibal Murkle

Ich sehe schon, man kann mal an dem einen oder andere Einzelbeispiel (Un-)Vernunft erkennen, aber das ergibt keine allgemeingültige Definition.

Wenn man dies rückwärts liest, kann man es auch nicht an vermeintlichen Beispielen festmachen, weil die von der Defintion abhängig wären. Auch ungeheuer unvernünftige, teuer erscheinende Entscheidungen könnten so wichtige Gründe haben, dass der Aufwand gerechtgertigt ist, wobei auch an Kurz-, Mittel- und Langfristigkeit der Absichten zu denken wäre und was diesbezüglich an Prioritäten vernünftig wäre.

Ananda
1 Jahr her

„Lasst uns kämpfen. Lasst uns mutig sein. Vor allem aber: Lasst uns klug sein!“ Ergänzen möchte ich …. Aber lasst uns auch nicht zu lange warten, sonst haben die einfältigen Unterdrücker Ideologen den Käfig aus Vorschriften und Fessel-Gesetzen zuende gebaut.
Werter Herr Wegner, Sie sehen doch auch wie bereits ein wenig Gegenwind, der sich gerade erhebt, unsere ausbeutende (herrschende) Klasse nervös und ungehalten macht. Auch der Faktor „eingelullte Menge“ muss mit den Alternativmöglichkeiten Kontakt erhalten, sonst bleibt „der Boden“ immer weich.
Wie auch immer … lassen Sie uns gemeinsam das gepeinigte Schildbürgerland wieder auf überlebensfähige Pfade führen. FROHE WEIHNACHTEN.

Del. Delos
1 Jahr her

„…ich will doch wissen, was all das Gesagte überhaupt bedeutet!“ Das schon, ja. Aber wie lange wollen Sie denn darüber nachdenken? Und: glauben Sie, dass Sie zu einer Antwort gelangen, bloß weil Sie LÄNGER darüber nachdenken? Sind die Gedanken wertvoller oder im Ergebnis richtiger, wenn sie länger im Kopf bewegt werden? Gibt es ein Ende des Nachdenkens… so dass man sagen könnte: „Jetzt ist es genug, hier bitteschön ist das Ergebnis…“? Wann sollte dieses Ende sein? Schließlich geschehen immer wieder neue Ereignisse, die ein erneutes Überdenken der Gedanken erforderlich machen können. Und was ist in der Zwischenzeit… bis Sie und… Mehr

Jasmin
1 Jahr her
Antworten an  Del. Delos

Danke, Del. Delos, für Ihre Worte! Sie drücken genau das aus, was auch ich denke. Irgendwann ist der Punkt gekommen, in dem es für jeden Einzelnen an der Zeit ist, für das, was ihm wichtig ist, zu kämpfen. Jeder Einzelne hat sicherlich unterschiedliche Werte, die ihm wichtig sind, die er verteidigen will, die er über die Zeit/ in eine neue Zeit retten will. Ich bin der festen Meinung, dass die Einzelnen aber auch Werte haben, die, unabhängig von den individuellen Werten, sie gemeinsam haben, die ich jetzt einfach mal kollektive Werte nenne. Für mich sind diese kollektiven Werte wesentlich dafür,… Mehr

Del. Delos
1 Jahr her
Antworten an  Jasmin

Ihr letzter Absatz ist für mich eine Schlüsselaussage.
Er macht nämlich darauf aufmerksam, dass es nicht unbedingt ZUERST der MUT ist, der gefördert werden muss, der also vorhanden sei muss, BEVOR eine gemeinsame Aktion gestartet werden kann,
sondern dass oft der Mut zusammen mit einer Anfangsaktion kommt… Man nimmt an etwas teil oder man sieht diese Aktion von Weitem…. und der Mut kommt dann durch die eigene Teilnahme daran.
Mut machen und Mut bekommen ergänzen sich gegenseitig.
Noch ein Grund mehr, aktiv zu werden.

Watchdog
1 Jahr her
Antworten an  Del. Delos

Richtig, wir haben denke ich alle bereits genug nachgedacht. Und dabei muss man nichtmal nachdenken um zu wissen dass man z.B. ohne Luft nicht atmen kann oder dass die Hand verbrennt wenn man sie ins Feuer hält.

Marcel Seiler
1 Jahr her

Ich halte es schon für ein Problem, wenn alle Kritiker der jetzigen Politik sich weigern, in die Politik zu gehen, so wie es jetzt der Fall ist. Viele haben da Angst um „ihre Unabhängigkeit“ oder so, verständlich. Aber wenn die prominenten Kritiker keine andere Partei unterstützen: wie soll sich da etwas ändern?

Harry Charles
1 Jahr her

ES MUSS VON GRUND AUF REFORMIERT WERDEN Unser Land ist ein (linker) Saustall – der jetzt ausgemistet werden muss. Aber aus höchsteigener Erfahrung (2 akademische Abschlüsse, über 15 Jahre Gymnasiallehrer) kann ich sagen: in keinem Gesellschaftsbereich ist es so schlimm wie im Bereich Bildung. Dabei erschließen sich mir die Gründe mittlerweile in völliger Klarheit. Man braucht nur ein gutes Gedächtnis und die Fähigkeit, über Zeiträume hinweg vergleichen und dann Schlüsse zeihen zu können. All jene, die lange Texte nicht mögen jetzt bitte weiter gehen, denn ich werde hier detailliert (muss detailliert werden). -Zu Beginn meiner schulischen Karriere in den 60-ern… Mehr

AnSi
1 Jahr her
Antworten an  Harry Charles

Also einige Ihrer Thesen kann ich, Ex-Ossi, durchaus nachvollziehen, bzw. sehe sie genau so. Kurz zu mir: auch ich habe einen höheren Bildungsgrad erhalten. So war mir trotz 100%-Arbeiterkind „erlaubt“, das Abitur zu erwerben und eine Berufsausbildung zu absolvieren. Danach habe ich an einer TU meinen Dipl.-Ing. im Maschinenbau gemacht. Als Frau und Ossi! Aber, der Absatz mit der Stasi ist m.E. Bull***! Wir hatten im Osten ein gutes und funktionierendes Bildungssystem. Da ging es nach Leistung, nicht nach Menge (Qualität vor Quantität). Oder, wie Sie es ausdrücken, wir hatten einen „hohen Verschulungsgrad mit ausgeprägter Zielorientierung“. Während meiner Berufsausbildung gab… Mehr

karacho
1 Jahr her
Antworten an  AnSi

Sie haben den Kommentar von Herrn Charles wohl nur überflogen oder nicht richtig verstanden. Er schrieb ja nicht, dass die Bildung in der DDR von den Linken torpediert wurde, sondern von DDR Linken hier im Westen.

Zitat: „Welche Ideen hat die Stasi (die vermutlich über Mittelsmänner geschickt an die westdeutsche Studentenschaft und Dozenten „andockte“) insbesondere forciert, um hier maximalen Schaden anzurichten?“

So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass nach der Wende, der von den DDR Linken zuvor geworfene Bumerang wieder in den Osten zurück kam.

Harry Charles
1 Jahr her
Antworten an  karacho

Eben. Und jetzt haben wir gesamtdeutsch eine Bildungsseuche. Aber Aussicht auf die für Reformen notwendige politische Veränderung kommt wohl doch eher aus dem Osten.

AnSi
1 Jahr her
Antworten an  Harry Charles

Da sind wir uns absolut einig! An der Bildung muss dringend etwas getan werden und eine Veränderung ist, wenn überhaupt, nur möglich, wenn der Osten den Anfang macht. Leider sind dort aber auch schon 30 Jahre ins Land gegangen und vieles durch die Linken versaut!

Harry Charles
1 Jahr her
Antworten an  AnSi

Denken Sie logisch: die Stasi hat ja auch nicht das Bildungssystem der DDR zersetzen wollen, sondern das der BRD. Dass die DDR-Schulen in vielerlei Hinsicht so schlecht nicht waren will ich nicht bestreiten. Aber das war wohl weniger ein Verdienst des Sozialismus, sondern des preußischen bzw. bürgerliche Erbes aus der Zeit davor (wie bei manchen was in der DDR gut war [wobei es aus meiner Sicht als Wessi – übrigens auch Arbeiterkind – in der DDR auch unendlich viel krottenüble Dinge gab, z.B. Autos, Straßen, Gebäude, Mangelwirtschaft, etc.]). Ich bin nach wie vor überzeugt, die Stasi hat bei dem ganzen… Mehr

AnSi
1 Jahr her
Antworten an  Harry Charles

Sie haben recht. So herum habe ich es nicht betrachtet. Manchmal ist man halt in seinen Sichtweisen etwas beschränkt.

Farbauti
1 Jahr her
Antworten an  Harry Charles

Über das was heute alles falsch läuft können sicher viele Kommentatoren 100te Seiten schreiben. Es betrifft jeden Bereich, nicht nur Schule und Studium. Es war in meiner Erinnerung damals so: Ich kam aus der Kirche und vor mir war ein Stand aufgebaut, da konnten wir darüber abstimmen ob wir für oder gegen die Einführung der Gesamtschule waren. Jahrzehnte später lernte ich eine Gesamtschule in Münster kennen, die war einfach klasse. Das Gro dieser Schulen war das nicht, meine Kinder haben an so einer Katastrophengesamtschule Abi gemacht und ich habe es verflucht. Der ganze Inklusionsrummel ist natürlich auch Schwachsinn, aber wir… Mehr

Johann Vetter
1 Jahr her

Das mit dem „kämpfen“ ist mir ein bischen martialisch.
Erinnert mich an die Grünen, Linken, SPD, die auch immer wieder für irgend einen Unsinn „kämpfen“ wollen.

Ich denke es sollte eine persönlich gut vertretbare politische Wahlalternative für jene bestehen, die sehen, dass eine CDU mit Merkel/Kramp-Karrenbauer, …, eine CSU mit Söder … oder eine FDP mit Lindner … letztlich auch nur eine „grün-linke-light-Politik“ machen wollen.

Die Alternative sollte es solchen Bürgern (noch) besser „erleichtern“ nicht länger die CDU, CSU und FDP zu wählen.
Dann würde sich etwas ändern. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten.

bfwied
1 Jahr her

Sie schreiben gute und kluge Texte! Sicher, die Realität siegt immer, sie siegte auch über Hitler, aber wann, nach wie vielen Toten und wie viel Elend, wie viel Zerstörung! Selbstverständlich ist die Meinungsvielfalt die einzige dauerhafte Möglichkeit für ein sinnvolles prosperierendes Gemeinwesen. Demokratie ist bitter notwendig, aber wir erleben das Gegenteil. Wer die Demokratie, die Meinungsvielfalt erschwert, verunmöglicht, also zerstört, das Grundgesetz in Teilen faktisch außer Kraft setzt, und das nicht durch Parlaments- oder – der einzige Weg – Volksentscheide, sondern in Verfügungen, hat längst die Diskussionsrunde und die Demokratie verlassen. Mit gutem Zureden kann man denen nicht kommen, sie… Mehr