SPD-Parteitag: Ohrfeige für Schulz – 44% gegen GroKo

Der SPD-Parteitag hat den Weg zu Koalitionsverhandlungen freigegeben - aber nur knapp. Es gab jede Menge scharfe Kritik an der Parteiführung und 44% stimmten gegen den Antrag des Parteivorstandes!

© Sascha Schuermann/Getty Images

Obwohl ich inhaltlich in allen Punkten entgegengesetzter Meinung bin wie die Rebellen in der SPD um Kevin Kühnert, so bewundere ich doch deren Mut. Und die CDU sollte sich wegen ihrer Feigheit schämen. Erinnern Sie sich noch, wie die CDU auf ihrem Parteitag devot elf Minuten Beifall für Angela Merkel klatschte – also für jene Frau, die Deutschland und auch ihre eigene Partei ruiniert? Was für ein Kontrast zum heutigen SPD-Parteitag! Als ich heute auf Phoenix die Debatte des SPD-Parteitages verfolgte, waren meine Gefühle gemischt:

  • Einerseits: Wenn man sich die Inhalte anschaut, die dort von den meisten Rednern propagiert wurden, dann stellt sich die Frage: Warum seid ihr noch nicht bei Sahra Wagenknecht? Warum schließt ihr euch nicht mit ihr und Leuten wie Trittin & Hofreiter zur Grünsozialistischen Einheitspartei Deutschlands zusammen? Mag sein, dass es Wagenknecht nach diesem knappen Ergebnis gelingt, die SPD zu spalten und viele Genossen für die von ihr geplante linke Sammlungsbewegung zu gewinnen.
  • Andererseits: Respekt vor dem Mut der Aufständischen unter Anführung von Juso-Chef Kevin Kühnert, sich gegen die eigene Parteiführung aufzulehnen. Er ist zweifelsohne ein politisches Talent, kann gut reden und mobilisieren. Seinen Namen wird man sich merken müssen, auch wenn er es heute nicht ganz geschafft hat. Seine Stellvertreterin sagte im vorletzten Redebeitrag: „Wir sind selbstbewusst, wir haben keine Angst!“ Dafür bekam sie tosenden Applaus der Delegierten. Die dümmsten und peinlichsten Beiträge kamen von Schulz-Fans, von denen einer „Hossianna“ rief und Schulz allen Ernstes den „Heiland“ nannte. Schulz klatschte dabei.
Gibt es noch Mutige in der CDU?

Merkel ist innerhalb von wenigen Monaten zwei Mal gescheitert:

  • bei den Wahlen hat sie das schlechteste Ergebnis für die Union geholt
  • bei der Jamaika-Regierungsbildung ist sie gescheitert, weil Lindner bei ihrem Schmusekurs mit den Grünen dazwischen gegangen ist.

Fast wäre sie heute ein drittes Mal gescheitert, wenn der SPD-Parteitag die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen abgelehnt hätte. Merkels Rücktritt ist schon lange überfällig. Aber sie wird so lange an der Macht bleiben, bis sich Mutige in der Union finden, die sie stürzen – wenn es solche mutigen Menschen in der Union noch geben sollte. Oder gibt es in der CDU nur noch feige Anpasser und Opportunisten?

Gibt es in der CDU Menschen, die so viel Mut haben, wie ihn die Aufständischen in der SPD bewiesen haben? Mein Traum: Friedrich Merz entscheidet sich für ein Comeback, hält eine fulminante Rede auf einem CDU-Sonderparteitag und der Merkel-Spuk ist endlich beendet. Aber ich fürchte, das bleibt nur ein Traum.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 114 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Nur als Hinweis:

Rechnet man die Stimmen vom Podium komplett aus dem Gesamtergebnis heraus, kommt man unter den Delegierten, ohne Vorstand und Präsidium, sogar nur noch auf ein Ergbnis von 53% Ja- zu 47% Nein-Stimmen.

Und es ist nicht davon auszugehen, dass in der Parteiführung allzuviele „Abweichler“ zu finden waren. JuSo-Spitzen sind (z. B. kraft Amtes) jedenfalls schon mal nicht drin.

Die Abstimmung sollte erst durch Handheben erfolgen. Man soll sich diese Szene bitte genau anschauen! Maas blickt über die Leute in der Halle hinweg und man hört an seiner Stimme, als er verkündet, dass das Ergebnis nicht eindeutig ist, dass er innerlich zittert. Auch sein Gesicht versteinert. Er versucht äußerlich ruhig zu bleiben. Für die da vorne, waren das bestimmt die schlimmsten Minuten.

Den Altvorderen der SPD wird die Zukunft der eigenen Partei gänzlich egal sein, da nach der Legislaturperiode wohl keiner mehr dauerhaft für die SPD arbeiten wird und Deutschland zu regieren auch kein zuckerschlecken mehr sein wird. Hier geht es nun nur noch darum die letzten Paar Zahlungen abzugreifen und sich danach aus dem Staub zu machen. Das schöne ist, dass die Altparteien mit derzeitigen Gesetzen insb. im Finanzsektor unbewusst ihr eigenes Grab schaufeln. Sobald Rechte an die Macht kommen…und das ist nur eine Frage der Zeit…sind so schon die feinsten Werkzeuge in Position um die Politiker und Beamtenpensionen mal genauer… Mehr

Was soll dieses Katzengejammer, gestern war ein großer Tag für Deutschland, gestern hat die SPD seiner Selbstentsorgung zugestimmt… und wer glaubt ernsthaft, das wir darauf nun 4 Jahre warten müssten.

Merz ist zweifellos intellektuell herausragend in der durch Merkel abgewirtschafteten CDU. Ob er allein deshalb ein Segen für dieses gebeutelte Land wäre, stelle ich leise in Zweifel. Wäre er tatsächlich derjenige, der die Grenzen sichert und sich gegen den linksgrünen Mainstream stellt? Wie stünde er zu einer schwarz-blau-gelben Zusammenarbeit, die ja rechnerisch zu einer konservativen Regierung ausreichen würde? Sicher wäre ich mir bei Merz, dass er den französischen Begehrlichkeiten nach deutschem Steuergeld einen klaren Riegel vorschieben würde. Allein, bevor o.g. Fragen nicht beantwortet sind, kann ich mich solchen Träumereien nicht anschließen. Aber zugegeben: Merz wäre wesentlich besser als Merkel –… Mehr

Das ist genau das Problem. Es gibt keinen, der nicht nur zu marginalen Korrekturen, sondern zu einer Kursumkehr willens und in der Lage wäre. Die wäre aber nötig, um den Verfall der Zivilisation, bislang nur in manchen Stadtteilen und Regionen, aber schon bald für fast jeden spürbar, aufzuhalten bzw. die Entwicklung wieder umzukehren.

Von daher: abwarten, dass schwarz-rot den Druck auf dem Kessel noch weiter erhöht. Es wird passieren.

Richtig, so sehr ich Merz schätze, aber eine richtige konservative Revolution traue ich diesem Mann nicht zu. Er ist ein Systemling.

Warum sollte er sich das antuen. Er hat doch einen sicheren, gut dotierten Job in der freien Wirtschaft. Egal wer dieses abgewirtschaftete Land eines Tages übernehmen wird, er wird es nicht leicht haben. Wenn es schlecht läuft fliegt einem vielleicht alles um die Ohren, was in den letzten Jahren nur mühevoll kaschiert wurde. Nein das Risiko geht man nicht leichtfertig ein. Mich würde es jedenfalls gravierend abschrecken. In diesem Land wird ja nicht reflektiert, man muss sich dann für Dinge verantworten die ganz Andere heraufbeschworen haben. Die Leute vergessen einfach zu schnell, bzw. lassen sich einfach medial zu stark manipulieren.

Der Auftritt von Andrea Nahles: Wie primitiv ist diese Person! Ihre Formulierungen sind einfach peinlich und einer Top-Politikerin (!?) unwürdig. Ist das der Generationenwechsel?

Es ist eben schwer, passendes Personal zu finden- bei den Löhnen!

Ihr Traum ist auch mein Traum, Herr Zitelmann.

Ihren Traum teile ich. Aber wir werden wohl in einen sozialistischen Albtraum gehen. Sarkastische Pointe: dass ausgerechnet Steuerzahlermillionäre, die selber kaum Steuern zu zahlen haben wie Schulz, das initiieren werden …

Schulz und Naaales wären auch mit 50,0001 % noch in die GroK.O.- Verhandlungen gegangen… – die haben schlicht nichts anderes.

Ob Ihre Vermutung wohl das Innenleben des SPD-Vorsitzenden wiedergibt?

Statt einer Ohrfeige fühlt er womöglich eher Erleichterung und hat bereits fest das europäische Parkett im Blick.

Ich glaube nicht, daß man dort einen Verlierer zurücknehmen wird.

Und ob man da Verlierer* nimmt. Wie einst einen gewisssen abgehalfterten Kleinstadtbürgermeister, den hier niemand mehr haben wollte. Die EU ist schließlich dazu da, Politiker*, die sich in der Heimat überflüssig oder unmöglich gemacht haben, vor dem schlimmsten Schicksal zu bewahren, das einem Politiker* zustoßen kann: den eigenen Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen zu müssen.

* Frau*innen sind mitgemeint.

Als Außenminister natürlich!