Partei am Ende: Die SPD verwaltet nur noch ihren eigenen Verfall

Die SPD berät nicht über die Rettung des Landes, sondern über die Rettung ihres Apparats. Heraus kommt der immer gleiche alte Reflex: mehr Steuern, weniger Leistung für die Falschen, keine Ahnung von Arbeit, Wirtschaft und Wirklichkeit. Wer seit Jahrzehnten regiert und heute nicht mehr weiß, wofür er kämpft, ist nicht in der Krise – er ist selbst die Krise.

picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Hätte es noch eines Beleges bedurft, dass die SPD nur noch ein Apparat als orientierungslose Verlustmasse einer Partei ist, dann hatte der Freitagnachmittag den Beweis dafür geliefert. Mit der eilig anberaumten Sondersitzung des Präsidiums des Apparats im erweiterten Kreis, mit dazu geladenen Bundesministern, Ministerpräsidenten, Vertretern der Fraktion, SPD-Spitzenkandidaten und ausgewählten Kommunalpolitikern, mit SPD-Bürgermeistern und Landräten gestern um 13.30 Uhr wurde die Ratlosigkeit des Apparats, der Funktionäre und der Abgrund, vor dem die SPD steht, deutlich. Die Partei befindet sich nicht in der Krise, sie ist selbst die Krise.

Erinnern wir uns: Mit einer kurzen Unterbrechung regiert die SPD seit 1998 Deutschland, mal mit den Grünen, mal in der Ampel, die längste Zeit mit der Union. Sie trägt eine hohe Verantwortung und eine hohe Mitschuld an Deutschlands Niedergang. Nach dem Schock der Folgen der Agenda 2010 für die Partei, hat sie sich von diesem Kurs verabschiedet, wofür sie in der grünen Merkel die perfekte Partnerin fand. Dass die SPD paradoxerweise ihre Wähler, ihr Wählerpotential durch ihre Migrations- und Sozialpolitik vertrieben hatte und sie immer woker, immer linker, immer grüner, immer stärker zu einem Apparat ohne Partei wurde, sahen die Funktionäre nicht.

Dabei hätte die SPD nur nach Dänemark schauen müssen, um zu begreifen, wie man auch als Sozialdemokratie Politik im 21. Jahrhundert machen kann, in Zeiten der Neuordnung der Welt. Es ist schon eine taktische Meisterleistung, mit Grünen und Linkspartei um die gleichen Wähler konkurrieren zu müssen, um die Woken. Dass der SPD jetzt erst auffällt, dass sie keine Arbeiterpartei mehr ist, dass die neue Arbeiterpartei AfD heißt, zeigt die intellektuelle Unfähigkeit, Ideologie statt Analyse, Phrasen statt Politik.

Mit einem undurchdachten, zufälligen, zutiefst voluntaristischen Sammelsurium an Ideen, die Klingbeil mit Unterstützung des Handelsblattes und anderer Medien als „Reform“ den Bürgern verkaufen wollte, versuchte der SPD-Chef nicht in die Offensive, das wäre zu viel gesagt, doch zumindest in Bewegung zu kommen und seinen Posten zu retten. Letzteres ist ihm vorerst gelungen. Doch die Bewegung gleicht einem Tänzchen auf der Stelle oder dem Joggen auf dem Laufrad im hauseigenem Fitneßstudio des Willy-Brandt-Hauses. Im Wesentlichen gehen Klingbeils Ideechen in zwei Richtungen, erstens in die Kürzung von Leistungen für Bürger, die arbeiten, und zweitens in Richtung Steuererhöhungen. Klingbeils Reform-Ideen erschöpfen sich bis jetzt im Umverteilen und darin, mehr Geld von den Steuer- und Beitragszahlern einzunehmen, im Kürzen von Leistungen, doch vor allem werden sie an der Rezession nichts ändern und kein Wirtschaftswachstum generieren. Nicht eine der Ideen kurbelt das Wirtschaftswachstum an.

Klingbeils Raubzug, den er Reform nennt, könnte man so zusammenfassen, kräftig an den hohen Spritpreisen mitverdienen, nichts daran ändern, sich dafür mehr und mehr öffentlich über die Mineralölkonzerne entrüsten, unter Vortäuschung von Eile möglichst lange Placebos diskutieren und auf der Klassenkampfschalmei blasen. Kurz gesagt: öffentlich die Backen aufblasen und heimlich märchenhaft an der Abzocke verdienen, denn der größte Abzocker von allen ist der rot-schwarze Staat. Steuern sollen erhöht und die Familienversicherung und das Ehegattensplitting wegfallen. Dass die SPD es jetzt nicht gewesen sein will, die über Mehrwertsteuererhöhungen nachdachte, passt ins Bild eines Apparates, der politisch auf dem ersten Signalsystem kommuniziert, aufgrund von Atavismen und Gemeinplätzen, von Klischees und den populistischsten aller Populismen. Man könnte sagen, die SPD ist in der Geschichte stecken geblieben, es ist viel schlimmer, sie hat die Geschichte verloren, sie ist längst Geschichte.

Dem Apparat der SPD sind zwei Welten unbekannt, die terra incognita der Wirtschaft und die terra incognita der Arbeitswelt. Das Markenzeichen des Apparates ist das Bürgergeld, die Klimaideologie und dann noch ein bißchen Genderkram und Postmodernismus-Tüdeleien von Politikwissenschaftsstudenten.

Es sagt alles über die Orientierungslosigkeit des Apparates aus, wenn der Generalsekretär der SPD, Klüssendorf, über das erweiterte Präsidiumstreffen äußerte, dass die SPD sich mit dem Treffen ein klares Bild davon machen wolle, wofür sie eigentlich kämpfe. Das weckt fast Mitleid. Die SPD, am 23. Mai 1863 in Leipzig gegründet, die seitdem die deutsche Geschichte mitgeschrieben hatte, weiß nicht mehr, „wofür sie eigentlich kämpfe“? Leute, dann löst den Laden auf – kommt für alle, insbesondere für alle, die vorgestern und gestern noch eure Wähler waren, billiger. Nachdem sich mit dem Ausgang des I. Weltkrieges Reichsregierung und Reichswehrleitung mit einem veritablen Nervenzusammenbruch in die Büsche geschlagen hatten, war es die SPD, die Deutschland rettete – long long ago und eigentlich schon gar nicht mehr wahr.

Was brachte die Sitzung denn Neues, außer, dass Klingbeil und Bas viel Zustimmung bekommen haben? Logisch, wer jetzt putscht ohne klares Konzept, denn trifft die Schuld für den Sturz in den Abgrund. Bärbel Bas brachte es sogar fertig zu sagen, dass man sich jetzt auf die Themen Wirtschaft und Arbeit konzentrieren wolle. Guten Morgen, liebe SPD. Es wäre ein Fortschritt, wenn konzentrieren bedeuten würde, wir wollen uns schulen lassen, um die Themen Wirtschaft und Arbeit zu verstehen.

Die SPD ist jetzt geneigt, vielleicht dann doch etwas gegen die hohen Benzinpreise zu unternehmen, während das Land an der Tanksäule ruiniert wird. Andere Staaten handelten längst. Denn umso länger sie nachdenken, um so länger fließen die üppigen Einnahmen in die SPD-Staatskasse. Bas, die sich gerade noch auf Wirtschaft und Arbeit konzentrieren wollte, hat den hehren Vorsatz schon vergessen und kommt mit der alten Klassenkampfleier um die Ecke: „Es kann nicht sein, dass die Ölkonzerne uns abzocken.“ Anstatt die Spritpreise ab einer gewissen Höhe von Steuern und Abgaben zu befreien, was von jetzt auf gleich ginge, denkt man über die Übernahme des sogenannten „Luxemburger Modells“ nach, wo eine Obergrenze des Spritpreises mehrmals pro Woche festgelegt wird. Und denkt, und denkt, und denkt. Ach ja, und natürlich typisch SPD-Apparat muss eine neue Steuer her, die Übergewinnsteuer. Dabei benötigen wir längst eine Übergewinnsteuer für den Sozi-Staat, für Klingbeils Steuern und Abgaben. Deutschland rutscht immer tiefer in die roten Zahlen, doch der Finanzminister schaut nur auf die Einnahmenseite. Ein ganzes Ministerium denkt unter der Herrschaft des SPD-Apparates nur darüber nach, wie noch mehr Geld einzunehmen ist, derweil die Ausgaben schneller und stärker explodieren, als die Einnahmen hinter her kommen. Wenn man will, könnte man sofort 60 Milliarden Euro einsparen. TE hat es vorgerechnet.

Irgendwann zwischen dem 20. und dem 21. Jahrhundert ist die SPD verloren gegangen, irgendwann in der Geschichte. Übrig blieb nur ein Apparat, der verbissen ums Überleben kämpft, nicht für die Bürger, nicht für die SPD, nur noch für sich selbst. Es wird zunehmend ein einsamer Kampf.

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Kommentare ( 64 )

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Fulbert
17 Tage her

Seltsamerweise ist noch nirgendwo zu lesen gewesen, dass die Pläne der SPD eine Revanche am deutschen Wähler sein könnten. Zeitlich würde dies hervorragend zu den verlorenen Landtagswahlen passen. Denn warum sollte man irgendwelche Rücksichten auf Menschen nehmen, die einem nicht die Stimme geben und dafür die AFD wählen, wird man sich bei der SPD sagen.

Last edited 17 Tage her by Fulbert
Rolling_Stone
20 Tage her

Ertrinkende klammern sich an alles, was ihnen vermeintlich hilft über Wasser zu bleiben. Die SPD zieht so, dank Merz, die CDU mit zum Grund ihres politisches Brackwassers. Die aktuelle Staatsverwahrlosung, zusammen mit einer schamlosen Ausplünderung unsers Landes, ist die Folge.

Phil
20 Tage her

„Irgendwann zwischen dem 20. und dem 21. Jahrhundert ist die SPD verloren gegangen, irgendwann in der Geschichte.“ Dem würde ich wiedersprechen, die SPD ist mitnichten verloren gegangen, ihnen geht einfach das Geld der eigenen Staatsbürger aus, um die über die Jahrzehnte des Wohlstandes geschaffene staatliche Umverteilung weiterhin finanzieren zu können. Nachdem man das Land mit sozialistischer Umverteilung, Pöstchenverteilung und Bürokratie effizient in die Pleite getrieben hat, ist halt ausser Schulden nichts mehr da, was man ausgeben könnte um die eigenen Wähler zu bestechen. Man hat die Kuh gemolken so lange es gegangen ist, zur Schlachtbank bringen sie nun jene Fanatiker… Mehr

Schlaubauer
20 Tage her

Ich darf ergänzen. Nicht nur den Verfall der SPD, dass wäre ja ein Gewinn, auch den Verfall des Landes.

Reinhard Schroeter
20 Tage her

Mein lieber Herr Mai, ich bin ja so gut wie immer mit Ihnen einer Meinung, nur das mit dem Ende der Arbeiterverräter nehm ich Ihnen nicht ab . Freilich kann man sich das wünschen, nur da sind die Genossen der Blockparteien, vornehmlich die der CDU/CSU vor. Die werden alles tun, damit ihnen die SPD nicht abhanden kommt. Auch eine Verrinigung nach dem Muster der SED darf nicht ausgeschlossen werden. Und denken Sie bitte auch an das riesige Netzwerk àn Wirtschaftsunternehmen und Beteiligungen. Allein diese werden dafür Sorgen das im Willy-Brandt-Haus die Lichter niemals aus gehen werden und die Bewohner des… Mehr

eschenbach
21 Tage her

Sehen Sie sich – z.B. bei DAWUM- die Zahlen der Sozis ab März ’25 bis heute an. Da hat sich nicht viel verändert, da ist nichts abgestürzt. Über die Hartnäckigkeit der SPD- Wähler – es sind zwischen 12 und 16 Prozent, je nach Umfrage- Institut- muss man sich sehr wundern. Wer sich einer solchen Realitätsverweigerung hingibt, verdient entweder Geld damit, oder muss sich Fragen zu seinem mentalen Wohlbefinden gefallen lassen….

Last edited 21 Tage her by eschenbach
Gerhart
21 Tage her

Eine Stunde PK Verspätung und dann ist es der Sprit. Also 1,80 fürn Liter waren für den Arbeitsmann OK ?
Tut mir Leid, aber zu dieser SPD eine Zeile schreiben, ist einfach nur Zeitverschwendung.

Schwabenwilli
21 Tage her

Bei aller, mehr als berechtigter Kritik an Merz niemals die Grundursache des Übels Merkel und die Witzveranstaltung Ampel mit Scholz vergessen.
Merz hat einen komplett maroden Laden übernommen.
Mit seiner Schuldenorgie stopft er insbesondere die Löcher welche die Vorgänger zu verantworten haben.
Leider sind bis heute keine positiven Signale von ihm gekommen.

Michael Palusch
20 Tage her
Antworten an  Schwabenwilli

Wenn die aktuelle Regierung immer nur das weiterführt was die alte hintelassen hat, brauchte man weder Kanzler noch Minister. Dafür genügte eine halbwegs funktionierende Verwaltung.
Wenn sich z.B. ein Kanzler hinstellt und sagt, wir müsste mit der Energiepolitik die wir nun einmal haben zurechtkommen, ist das eine politische Bankrotterklärung die für mich zudem auch noch an Arbeitsverweigerung grenzt.

Juri St.
21 Tage her

Wenn man Klingbeil anschaut sieht man ihm an, dass er weiß, dass er es nicht kann und mit seinem Job heillos überfordert ist. Warum tut sich der sensible Lars das an? Ist es das Geld? Geltungsbedürfnis? Oder merkt er es tatsächlich nicht und erscheint er nur völlig überfordert?

puke_on_IM-ERIKA
21 Tage her
Antworten an  Juri St.

der weiß genau, dass er mit seinen „Leistungen“ nirgendwo anders soviel Geld bekommt wie aktuell mit seinem idiotischen dümmlichen Herumgestümpere.
Warum will er wohl nach den RLP und BW Wahlen keine Personaldiskussionen ? So blöd ist Luschi-Lars ja auch nicht !

Last edited 21 Tage her by puke_on_IM-ERIKA
Michael Palusch
20 Tage her
Antworten an  puke_on_IM-ERIKA

„dass er mit seinen „Leistungen“ nirgendwo anders soviel Geld bekommt wie aktuell“
Da täuschen Sie sich aber gewaltig. Der Parteienstaat sorgt schon für seine Granden. Die ehmalige SPD-Chefin und Ex-Ministerin Andrea Nahles zum Beispiel, streicht für ihren aktuellen Posten als BfA-Chefin ein Jahresgehalt von 225.000€, manche munkeln sogar etwas von 400.000€, ein. Nicht anders sieht es mit gut dotierten Versorgungsposten für verdiente Mitglieder der anderen Parteien aus.

Last edited 20 Tage her by Michael Palusch
Or
21 Tage her

Die SPD steht doch seit Jahrzehnten nur noch für, Sie Plündern Deutschland.