Armin Laschet im Larifari-Land

Die Nachlässigkeit der Personenschützer von Armin Laschet bei dessen Auftritt in Erfurt war sehr bedenklich. Jenseits von Corona werden im öffentlichen Bewusstsein Gefahren und Risiken verharmlost.

IMAGO / Future Image

Bei einem Wahlkampfauftritt von Armin Laschet in Erfurt, rannte unvermittelt ein Mann auf die Bühne. Er stand mit nur wenigen Zentimetern Abstand Gesicht an Gesicht neben dem CDU-Kanzlerkandidaten, um spürbar emotionalisiert eine Frage zu stellen. Die Szene spielte sich innerhalb weniger Sekunden ab, der anwesende Personenschutz unterband das nicht. Als die Beamten endlich reagieren, weist Laschet sie zurück und nimmt sich des Aktivisten persönlich an. Der CDU-Vorsitzende kann die Situation mit seiner Erfahrung schnell erfassen und rhetorisch geschickt klären. Nicht im Sinne von Karl Lauterbach, der das maskenlose Verhalten seines CDU-Konkurrenten auf Twitter als „dumm“ bezeichnet und außerdem zu wissen behauptet, dass es sich bei dem aufgebrachten Mann um einen „Querdenker“ handelt.

Laschet zeigt im Gegensatz zu seinem Personenschutz eine gewisse Abgeklärtheit, mit der er in dieser Situation den emotionalen Dampf aus dem Kessel nimmt. Zumindest während der gemeinsamen Zeit mit dem Mann auf der Bühne, die zu beobachten ist.

Es geht mir in meinem folgenden Text nicht darum tiefgründig zu bewerten, ob das Anliegen des Mannes, der sich Sorgen um seine Kinder betreffs Tests und Impfungen in der Schule macht, berechtigt war oder nicht. Dazu nur kurz und knapp: Dessen Beunruhigung und offensichtlichen persönlichen Nöte kann ich empathisch nachvollziehen.

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Die Szenerie lässt jedoch viele Fragen offen. Unabhängig von diesem konkreten Fall war es einer Person gelungen, auf die Bühne zu laufen und unmittelbar in die Intimsphäre eines Politikers einzudringen. Dessen „scharfe Waffe“ war zum Glück (!) primär nur das gesprochene Wort. Einmal davon abgesehen, dass es in unserem Kulturkreis nicht üblich ist, fremden Personen derartig nahe auf die „Pelle“ zu rücken und damit, ob gewollt oder ungewollt, körperlich zu bedrängen. Dieses Zeitfenster von wenigen Sekunden hätten einem potentiellen Angreifer völlig ausgereicht, seine Zielperson beispielsweise mit einem Messer oder einem anderen gefährlichen Gegenstand schwer zu verletzen oder gar zu töten. Dem Personenschutz half lediglich Kommissar Zufall, dass dieses Ereignis diesmal nicht eingetreten ist. Andere Politiker hatten deutlich weniger Glück. Man denke an das Attentat auf Oskar Lafontaine 1990. Aber selbstverständlich steht jeder Fall für sich und kann nicht 1:1 verglichen werden. Grundsätzlich jedoch sehr wohl, wenn man das Geschäft des Personenschutzes professionell betreibt.

Nichts kommt aus dem Nichts

Die zu beobachtende unprofessionelle Nachlässigkeit in Sicherheitsfragen ist politisch so gewollt. Das betrifft nicht nur die seit Jahren anhaltende ungefilterte Zuwanderung, mit der auch sehr gefährliche Personen nach Deutschland einströmen. Von der bestehenden Corona-Hysterie einmal abgesehen, sind im öffentlichen Bewusstsein Gefahren und Risiken faktisch abgeschafft worden. Eine mögliche Hochwasserkatastrophe? Nur keine Sirenen einsetzen, dann bricht das Netz bei der Polizei zusammen, Panik bricht aus und Menschenleben werden gerettet! Ja und natürlich gibt es auch keinen Kriminalitätsanstieg, denn diese ist angeblich seit Jahren sinkend. Wer trotzdem Angst hat auf die Straße zu gehen, leidet unter einer unbegründeten subjektiven Kriminalitätsfurcht. Mit anderen Worten, an einer angeblichen Einbildung, die mit der Realität nichts zu tun hätte. Innenminister rühren lieber den Rückgang der Taschendiebstähle mit der schweren Kriminalität zusammen, um danach zu behaupten, die Kriminalität sinke.

Daraus entsteht ein naives Larifari-Verhalten, weil ein Gefahrenbewusstsein den Menschen regelrecht ausgetrieben worden ist. Das hat auch Auswirkungen auf die Polizei, den Personenschutz und last but not least die Politiker. Vorausgesetzt, es müssen keine Corona-Demonstrationen zerschlagen werden. In einem Land, in dem es „bunt, tolerant und vielfältig“ zugehen muss, passen innere und äußere Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr in die Zeit. Falls doch einige tragische Todesfälle nach oben gespült werden, kommt gebetsmühleartig die Moralkeule. Dann wird gemahnt, Verbrecher nicht zu stigmatisieren, ansonsten könne man nur einer dieser bösen „Rechten“ sein. So wird eine notwendige Diskussion über die Ursachen der Kriminalität erfolgreich im Keim erstickt. Es sei denn, es passt in den Kampf gegen rechts. Dann stigmatisieren jene besonders gern, die andere ständig vor Stigmatisierungen warnen. Eine Strategie, die jeden Tag Menschen mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit teuer bezahlen müssen. Eine positive Entwicklung bei der inneren Sicherheit wird somit verhindert.

Schlussfolgernd komme ich nicht umhin, nicht nur dem Personenschutz das stattgefundene Sicherheitsdefizit anzulasten, sondern auch dem betroffenen Politiker eine Verantwortung für diese Entwicklung zuzuschreiben, mit der er sich selbst in eine potentielle Gefahr hineinmanövriert hat.


Steffen Meltzer ist Herausgeber des Buches „Die hysterische Republik“

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Kommentare ( 43 )

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43 Comments
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Lars Baecker
22 Tage her

Die Qualität der Personenschützer scheint hier mit der politischen Qualität der Schutzperson zu korrelieren. Oder anders formuliert: Wie der Herr, so’s Gescherr.
Und was den Lauterbach und seine dümmlichen Kommentare zu allem und jedem angeht: Ist der nicht vor Tagen ohne Maske im Plenarsaal umeinandergelaufen und hat sich mit Hinz und Kunz unterhalten?

Lesterkwelle
22 Tage her

Unabhängig vom aktuellen Vorfall:Wie konnte es dazu kommen, dass Politiker, die im Auftrag ihrer Wähler das Land voranbringen sollen, sich nur noch in gepanzerte Limousinen, umgeben von schwerbewaffneten Leibwächtern, sich diem Wahlvolk zeigen können? Ist das Volk so gefährlich geworden? Sollte man vielleicht das Volk in Käfige wie wilde Tiere im Zoo einsperren, auf das es sich nicht auf ihre Respräsentanten stürzen möge? Was ist hier im Laufe der Jahre falsch gelaufen?

Schmidtrotluff
23 Tage her

Armin Laschet kommt aus demselben Land wie Helge Schneider.
Wer schon mal dort war, weiß, dass daraus nichts Genaues mehr wird. Das Homeland NRW ist mental- kulturell nicht mehr zu begreifen und lässt sich nur noch mit Dadaismus ertragen.
Insofern hat diese punktuelle Gelassenheit des Aacheners etwas sympathisches.
PS.: Warum soll es der Polizei anders gehen ? Die fahren bald zur Nachhilfe nach Lagos/ Nigeria. Die Polizeiausbildung Deutscher für Afghanen in Kabul wird bald zu einem Flachwitz werden, den auch der letzte versteht.

Teiresias
23 Tage her

Wer mit gepanzerter Limousine + Leibwächter unterwegs ist, wird sich natürlich weniger Sorgen um innere Sicherheit machen als Angehörige des gemeinen Fußvolks. Aus der Perspektive sind unseren Politikern die Sorgen ihrer Untertanen egal, sie fühlen sich sicher.

Dieser spezielle Vorfall stinkt aber durch die tiefenentspannten Personenschützer, die nicht eingreifen, verdächtig nach Propaganda und Inszenierung:

Wir sollen hier „lernen“, daß Querdenker alle Spinner sind, daß solche Spinner Gegner von Laschet sind und Laschet soll so als Kandidat der Vernunft erscheinen.

Wer`s glaubt…

Last edited 23 Tage her by Teiresias
the ministry of silly walks
23 Tage her

Die Deutschen haben kein Bewusstsein mehr dafür, dass Dinge auch so richtig richtig schiefgehen können. Vorsicht, natürliches Misstrauen, Achtgeben spielen keine Rolle mehr. Glück gehabt in diesem Fall – der psychotische islamistische heimgeholte Afghane in der Fußgängerzone in Ihrer Stadt wird rascher und mit anderen Mitteln handeln. Betrifft aber nur die naziaffine Mitte der Gesellschaft mit 1.500 € Nettoeinkommen…

Last edited 23 Tage her by the ministry of silly walks
Durchblick
23 Tage her

Das war doch gestellt. Weder Personenschützer noch die Polizei griff ein. Alles unwirklich und lächerlich. Ob der redegewante Busfahrer auch wieder von der Welt bezahlt wurde???

Deutscher
23 Tage her

Ich dachte erst: „Das ist doch Bruce Willis“ LOL

Aber bitte, jetzt haut doch nicht gleich wieder in die ewige worst-case-Kerbe! Sonst seid Ihr nämlich diejenigen, die den Burggraben um den Reichstag und immer noch mehr Abschottung der ohnehin weltfremd gewordenen Politkaste herbeireden. Ein bissel Bürgernähe schadet nicht und ja, auch der Politiker hat halt ein gewisses Berufsrisiko zu tragen.

Last edited 23 Tage her by Deutscher
Ralf Poehling
22 Tage her
Antworten an  Deutscher

Sagen Sie nichts gegen Bruce Willis.
Der Mann macht gute Filme.
Das Remake von „Death Wish“ kann ich wärmstens empfehlen.
Und mit dem Titel schließt sich dann auch der Kreis zum Artikel. 😉

dodge
23 Tage her

Für mich eine inszenierte Situation. Der sogenannte Querdenker ist dem Welt Artikel nach der Busfahrer Thomas Brauner. Mir kam er noch aus einer anderen Szene bekannt vor . Ende April störte er „massiv“ eine Live Schalte des Achtung : Welt Reporters Wüllenweber vor dem Bundeskanzleramt.( Bei google sind noch Screenshots zu finden) Man beachte die Berichterstattung von Welt damals wie heute. „Querdenker“ stehen dumm da. Presse sowie jetzt Laschet profilieren sich. Beides mal Welt involviert. Wer ist dieser Brauner und wie sieht es mit seinen Verbindungen zur Welt aus?

Skadi
23 Tage her

Ich finde den Fragensteller doch sehr zivilisiert. Er hat den direkten Weg genommen, um seine Frage zu adressieren. Da kann sich Herr Laschet glücklich schätzen. Herr Laschet ist Volksvertreter und somit für ihn der Ansprechpartner. Wo ist das Problem?

Noch eine Frage: Wann ist der AHA-Graben fertig?

Sonny
23 Tage her

Es könnte doch sein, dass die Personenschützer mittlerweile genauso empathielos reagieren wie unsere Politiker ihren Mitmenschen gegenüber?!
Wie man in den Wald hineinruft…
Und: merkel wäre das mit Sicherheit nicht passiert. Die zeigt sich nur noch einem handverlesenen Publikum. Und diese Angst, die sie mit Sicherheit umtreibt, hat sie völlig zu recht und ich hoffe, dass sie sie den Rest des Lebens begleiten wird, so wie uns die Angst begleitet, alleine die Straße entlang zu gehen.