DFB-Trikots zu teuer: Weimer sorgt sich um „deutsche Kultur“

Wirtschaft, Energie, Wohnen, Rente, Pflege, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur. Es gibt viele Aufgaben, die zu lösen wären. Jetzt hat die Republik ein Thema, das den Ernst der Lage bündelt – oder vielleicht vom Ernst der Lage ablenken will? Fußballtrikots sind zu teuer.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer findet die Preise für DFB-Trikots zur Fußball-Weltmeisterschaft zu hoch. Er hat der Rheinischen Post erklärt, Fankultur sei auch Teil der deutschen Kultur. Und Kultur müsse für jeden bezahlbar sein. Das klingt zunächst harmlos, fast volksnah. Bis man kurz innehält und fragt: welche deutsche Kultur? Darf es die „deutsche“ Kultur im besten Deutschland aller Zeiten überhaupt noch geben, ohne ein Stirnrunzeln auszulösen?

Weimer sagt weiter, Fußballtrikots sollte sich jeder leisten können, „um sein Team in den Nationalfarben zu unterstützen“. Auch das noch: Schwarz-Rot-Gold als erschwingliches Textilangebot. An wen richtet Weimer seine Kritik eigentlich? An den DFB? An die Fan-Artikel-Hersteller? Was will er wem damit sagen? Man würde sich nicht wundern, wenn als nächstes der Vorschlag irgendeines Politikers käme, jedem Bürgergeld-Empfänger ein DFB-Trikot zuzuteilen.

Auch Aydan Özoguz (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, hat sich eingeschaltet. Obwohl eine „spezifisch deutsche Kultur“ für sie „jenseits der Sprache schlicht nicht identifizierbar“ sei, wie sie 2017 schrieb. Doch auch sie wünscht sich, dass die Preise „fan- und familienfreundlicher“ sind. Das ist ein Satz aus der Wünsch-dir-was-Welt, jener politischen Welt, in der Familienfreundlichkeit offenbar im DFB-Fanshop endet. Wie wäre es zur Abwechslung mit einer bürgerfreundlicheren Politik, die sie nicht zuerst über Steuern, Abgaben, Beiträge, politisch verursachte Inflation und hohe Energiekosten ausnimmt, um sich anschließend darüber zu sorgen, dass das Fan-Trikot für Familien zu teuer ist?

Viele Familien haben derzeit andere Sorgen als einen Mangel an DFB-Textilien. Sie überlegen, was am Monatsende übrig bleibt, wie sie ihre Miete zahlen, die Heizung, die Versicherung, die Klassenfahrt, den Einkauf. Aber in Berlin entdeckt man pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft den kleinen Mann im Fanblock. Nicht als Steuerzahler, nicht als Familienvater, nicht als Pendler, nicht als überlasteten Beitragszahler, sondern als potenziellen Trikotkäufer.

Özoguz warnt, es wäre schade, wenn die Trikots teure Ladenhüter blieben, „anstatt Deutschland während der WM bunter zu machen“. Bunter, natürlich. Das Schlüsselwort darf nicht fehlen. Man hört den Unterton gegen das angebliche „Einheitsgrau“, wahlweise „Einheitsbraun“. Bestimmt geht Bärbel Bas als gutes Vorbild für die Graubraunen voran und zieht sich demonstrativ ein DFB-Trikot über.

Die Frage ist: Gibt es noch irgendetwas, wozu sich der Staat nicht berufen fühlt? Was gehen einen Kulturstaatsminister die Preise von DFB-Trikots an? Was geht eine Ausschussvorsitzende an, ob Fanartikel Ladenhüter bleiben? Der DFB verkauft ein Produkt. Der Hersteller kalkuliert einen Preis. Kunden entscheiden, ob sie kaufen. Bleiben die Trikots liegen, sinkt der Preis oder der Hersteller bleibt darauf sitzen. Das nennt man Markt. In der Politik scheint dieses Prinzip inzwischen fast so fremd zu sein wie das der Eigenverantwortung.

Natürlich kann man hohe Trikotpreise kritisieren. Fans dürfen das. Familien dürfen das. Verbraucher dürfen das. Sie dürfen kaufen, verzichten, warten, ausweichen, gebraucht kaufen oder das alte Trikot tragen. Aber niemand benötigt eine politische Preispredigt aus Berlin, die erklärt, dass ein Fan-Artikel zu teuer ist.

Der Reflex ist immer derselbe: Erst belastet die Politik den Bürger, dann erklärt sie ihm mit sorgenvoller Miene, dass Fußballtrikots bezahlbar bleiben müssten. Erst schröpft der Staat die Steuer- und Beitragszahler, die Familien, dann spielt er Anwalt der großen und kleinen Fußball-Fans.

Herr Weimer, Frau Özoguz, verehrte politische Trikotwarte: Lassen Sie es doch einfach. Vertrauen Sie dem Markt. Vertrauen Sie den Bürgern. Vertrauen Sie den Fans. Wer ein Trikot will, wird schon entscheiden, was es ihm wert ist. Und wer keines kauft, begeht keinen kulturpolitischen Akt der Verweigerung, sondern trifft eine private Kaufentscheidung.

Deutschland braucht keine staatlich betreute Fankultur. Und die „deutsche Kultur“ wird sicherlich nicht an mangelnden DFB-Trikots zugrundegehen. Deutschland braucht weniger Bevormundung, weniger symbolische Anteilnahme von Politikern, die lediglich von ihrem Versagen ablenken und ihre Macht erhalten wollen – nach dem Motto: Gebt dem Volk Brot und Spiele.

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Kommentare ( 9 )

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Privat
40 Minuten her

Deutsche Kultur im eigenen Land gibt es Dank des Kartells nicht mehr – nur noh eine undiffinierbares Mischmasch an Sprachen und Gesichtern

Teiresias
43 Minuten her

Das ist klar eine Variation von „Haltet den Dieb!“.
Erst raubt der Staat den Bürger aus, um dann die Sorge zu heucheln, Fanartikel könnten zu teuer sein für den staatsgeplünderten Bürger.
Als ob die Trikotpreise der Kern des Problems wären!
Sie halten das Volk für total verblödet.
Das Schlimme ist, daß sie in weiten Teilen damit Recht haben.

Sanijo
43 Minuten her

Altparteien-Politiker sind allesamt teuer und nutzlos, wie wäre es, alles als Ehrenamt zu vergeben?

hoho
46 Minuten her

Ich schaue diesen Mist prinzipiell nicht. Meine Kinder aber doch – der Druck der Gesellschaft ist da zu stark. Ob für gut oder schlecht, die Bindungskräfte der Gesellschaft wirken bei denen immer noch.
Ideal für den Einsatz an der Ostfront.

Lars Baecker
54 Minuten her

Wenn’s einem selbst zu gut geht, man sich um nichts Existenzielles Sorgen machen muss, dann widmet man sich den wirklichen Problemen. Danke Herr Weimer und Frau Özuirgendwas, an Leute wie Sie wird man sich noch lange nach ihrem Ableben erinnern. Die Geschichtsbücher werden Ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. Irgendwo im Index zwischen K wie Korruption und D wie Deutschlandhass.

Maja Schneider
1 Stunde her

Ja, Herr Weimer, die Bevölkerung sorgt sich hier in erster Linie um unser Land, um ihr früher einmal gewohntes Leben in Sicherheit, mit bezahlbarer Energie, mit einer guten Gesundheitsversorgung und hervorragender Bildung, zu der auch die Kultur gehört, und um Politiker, die endlich einmal zum Wohle ihrer Bürger handeln statt sie ständig auszupressen und zu beschimpfen.

fatherted
1 Stunde her

Kein Angst Herr Weimer…..bei den Trikots handelt es sich ja um Fanartikel von „der Mannschaft“…..mit „Deutsch“…hat das ja (und das war ja wohl gewollt schon unter Frau Merkel) rein gar nichts mehr zu tun.

Privat
38 Minuten her
Antworten an  fatherted

„Die Mannschaft“ hatte die alte Merkel erfunden- ein weiterer Grund, die Alte zu hassen.

Laurenz
1 Stunde her

Wer ist denn jetzt schon wieder dieser Weimer? Jeder Hinz & Kunz meint hier im Land, lächerliche Fässer aufmachen zu müssen.