„Frau sein allein genügt nicht“ (Alice Schwarzer) – sie muss auch die richtige Gesinnung haben

Was erlaubt sich diese Frau? Daniela Niederberger erklärt: „Frauen gefährden die Demokratie“. Angriff auf ein Tabu und auf die feminisierte Macht in Medien, Justiz und Universitäten.

picture alliance / dts-Agentur

Was erlaubt sich diese Frau? Fürchtet sie keinen Shitstorm, wenn sie gegen das Heiligtum der Neuzeit vorgeht, gegen „die Frau“? „Frauen gefährden die Demokratie“, so der Titel ihres Essays, der in der Weltwoche abgedruckt ist. Geschrieben von Daniela Niederberger, Journalistin seit 40 Jahren. Ihre These, angelehnt an einen Essay der amerikanischen Autorin Helen Andrews: „Die Feminisierung gefährdet wichtige Institutionen“.

Soso. Sollte die weibliche Übermacht an den Universitäten, in der Rechtssphäre, in der Medizin, in den Medien nicht Anlass sein, das Gemaule über mangelnde Gleichberechtigung (oder, sic, Gleichheit!) von Frauen endlich einzustellen? Nicht nur in den USA, auch in der Schweiz liegt der Anteil von Frauen in den Medien bei an die 50 %.

Prima! Sieg im Geschlechterkrieg! Das kann doch nur gut sein: Heißt es nicht immer, Frauen seien das friedliche Geschlecht? Vielleicht wird ja auch deshalb über bestimmte Themen nicht berichtet, weil sie Gefühle verletzen könnten, etwa die von Muslimen, wenn es bei einem Tötungsdelikt einen islamischen Hintergrund zu geben scheint?

Und was bedeutet es für die Justiz, wenn dort empathische und friedliebende Frauen dominieren? Sie werden doch gewiss verstehen, dass gewalttätige Migranten traumatisiert sind, man muss ihnen also eine Chance geben. So eine, zum Beispiel? In Deutschland vergewaltigten zehn Männer, mehrheitlich Migranten, ein fünfzehnjähriges Mädchen. Die Richterin sprach acht von ihnen frei.

Oder nehmen wir den Fall der in einer Stadtbahn bei Charlotte in den USA erstochenen Iryna Karutska. Der Täter: ein mehrfach verurteilter Serientäter, den die Richterin Teresa Stokes zuvor wieder auf freien Fuß ließ gegen das Versprechen, bei der nächsten Verhandlung zu erscheinen. Stokes hat keinerlei juristische Ausbildung, und wurde nach DEI-Kriterien berufen, weil sie eine schwarze Frau ist. Nach DEI – Diversity, Equity, Inclusion – sind Rasse und Geschlecht wichtigere Kriterien als Kompetenz.

Andere Frauen wiederum möchten nicht akzeptieren, dass auch einem der Vergewaltigung beschuldigten Man ein Anwalt zusteht. Eine gewisse Frau Löwenherz jedenfalls möchte verdächtige Männer öffentlich kastrieren lassen – Unschuldsvermutung gilt im Falle von Christian Ulmen nicht. Moral und Gefühl siegen über den Rechtsstaat.

Einzelfälle? Gemäß einer Umfrage aus den USA sagen 71 Prozent der Männer, Meinungsfreiheit zu schützen sei wichtiger als gesellschaftlicher Zusammenhalt, während Frauen zu 59 % das Gegenteil sagen. Und 57 % der Frauen wollen objektive Wissenschaftlichkeit und Parteilichkeit nicht trennen. Heißt das, dass Gefühle und Empathie über dem Buchstaben des Gesetzes stehen?

Auch in Deutschlands Universitäten, wo die Mehrheit der Studenten weiblich ist, blüht die Cancel Culture, vor allem, wenn es um konservative Meinungen geht. Nehmen Männer das hin? Oder ziehen sich zurück? Es sieht so aus, als ob Männer Berufs- und Forschungsfelder mit hohem Frauenanteil meiden eher. Das liegt nicht daran, dass Frauen es besser können als Männer. Sondern dass Frauen vormals männlichen Institutionen ihre femininen Normen aufdrücken.

Es könnte Männern, die das weibliche Feingefühl nicht berücksichtigen, überdies so ergehen wie dem Präsidenten der Universität Harvard, der 2005 von Frauen gecancelt wurde, weil er wahrheitsgemäß sagte, dass es „im High-End-Bereich unterschiedliche Verfügbarkeiten in puncto Fähigkeiten gebe“. Kurz: dass es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gebe, nicht nur, was ihre Interessen, sondern auch was ihre Begabung betrifft. Und das ist nichts als die Wahrheit. Aber die hat ihm nicht geholfen.

Niederberger schreibt, was nicht nur ich erlebt habe: „Frauen als Gruppe ziehen Konsens und Kooperation vor. Männer tragen Konflikte aus. Frauen unterminieren und ächten ihre Kontrahentinnen im Verdeckten.“ Und halten bei jeder Umarmung den Dolch im Gewande. Lieber einen autoritären Sack als Vorgesetzten denn eine bei jeder Gemeinheit lächelnde Frau.

Bemerkenswert und furchterregend ist, was Helen Andrews über Frauen und Krieg schreibt. Männer haben Konflikte ritualisiert und eingehegt: auch auf die gewaltsame Austragung eines Konflikts folgt ein Friedensschluss. Die Moralisierung von Krieg aber macht ihn tendenziell endlos. Wenn Putin ein Kriegsverbrecher ist, geradezu die Verkörperung des Bösen, ist kein Gespräch, keine Verhandlung mehr möglich. Und natürlich auch keine Diplomatie: „Moralische Empörung verlängert den Krieg.“

Trifft Niederbergers Philippika alle Frauen? Natürlich nicht. Sie attackiert die woke, die feministische Auffassung von Weiblichkeit. Wir, die wir nichts von Feminismus, aber viel von Streit mit offenem Visier halten, machen da schon lange nicht mit. Weshalb es auch unsereins treffen kann. Macht nichts: woke ist nicht satisfaktionsfähig.


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