Frankreichs Wahl als Menetekel für Deutschland

Für linke oder grüne Freudentänze bietet das Wahlergebnis in Frankreich keinen Anlass. Frankreich war oft genug die Avantgarde, wenn es um gesellschaftliche Grundströmungen geht. Das Scheitern der Linken und der Grünen dort sollte auch hierzulande interessieren.

IMAGO / Le Pictorium
Eiffelturm in Paris nach der Stichwahl am Montag, 25. April 2022

Warum hat Saskia Esken einen Freudentanz aufgeführt, als sie vom Sieg Emmanuel Macrons in der Stichwahl um das französische Präsidentenamt erfuhr? Und warum fiel auch dem grünen Cem Özdemir ein Stein vom Herzen? Weil die Franzosen endlich mal auf die bedenklichen Stimmen ihrer europäischen Nachbarn gehört hätten, die vor der Wahl der Tochter des Bösen warnten – als ob sie etwas anginge, was die Franzosen für das Beste halten? Weil bei der sozialdemokratischen wie der grünen Antifa der Kampf gegen Rechts das Wichtigste ist, der erzböse Feind, gegen den alle anderen Widrigkeiten Peanuts sind?

Wenn sie sich da mal nicht täuschen, unsere wackeren Rotgrünen. Die normalerweise in Frankreich nicht gerade übliche Wiederwahl eines Staatspräsidenten verdankt Macron ausschließlich der Drohkulisse, die auch in Frankreich noch halbwegs fest und trutzig vor Marine Le Pen steht. Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten hat sich spürbar verringert, 2017 war er noch doppelt so groß. Vor allem aber: Während 18 Millionen Wahlberechtigte Macron wählten, taten es 30 Millionen nicht, etwa 16,6 Millionen wählten gar nicht oder ungültig. Aus Angst vor einem Sieg Le Pens? Womöglich. Und das hat Macron gerettet.

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In der Provinz – und die ist in Frankreich weit – wird überdies deutlich anders gewählt als in den Städten mit den woken Weltläufigen. In der Mehrzahl der 35.000 Kommunen wurde gegen Macron gestimmt. Wenn man sich anschaut, wo wer wie gewählt hat, wird deutlich, dass es in Frankreich kaum anders zugeht als in der Heimstatt von Brexit und Trump: Die Nation ist gespalten. Macron scheint das besser verstanden zu haben als die deutschen Beifallsklatscher: Bei seinem Auftritt nach dem Wahlsieg wirkte er deutlich demütiger als sonst. 

Die „Somewheres“ mögen hier wie bei uns Verhockte und Verstockte aufweisen – womöglich aber ist eine Mehrheit deutlich realitätstüchtiger als die „Anywheres“ und die städtischen und akademischen Eliten. Realitätstüchtig heißt: Festhalten am französischen savoir vivre, Abneigung gegen woke Spinnereien und allerhand „Diverses“. Oder gegen eine Verspargelung des „patrimoine“ durch „alternative“ Energiequellen. Die German Angst vor Kernkraftwerken kennt man hier nicht. Nicht zuletzt aber ist man bei den Somewheres gegen Zuwanderung aus islamisch geprägten Kulturkreisen. 

Einigermaßen absurd, übrigens, wenn es heißt, Le Pen erweise sich in ihrer Ablehnung von „Klimaschutz“ und Einwanderung als „deutschlandfeindlich“  – was insbesondere Migration betrifft, ist womöglich längst die Mehrheit der Deutschen eher auf Seiten von Marine Le Pen als auf der von Nancy Faeser, die für grenzenlose Offenheit steht. 

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Für Freudentänze gibt es keinen Anlass. Frankreich war oft genug die Avantgarde, wenn es um gesellschaftliche Grundströmungen geht. Wie ein Menetekel sieht daher das Scheitern der Linken und der Grünen aus. In den ehemals stramm linken Hochburgen im Norden Frankreichs sind die Wähler mittlerweile zu Le Pen übergelaufen. 17 Prozent der Wähler Mélenchons sind im zweiten Wahlgang zu Le Pen gewechselt.

Noch funktioniert der auch in Frankreich bemühte „Kampf gegen Rechts“ – allerdings immer weniger. Und das ist die Warnung, die an der Wand steht – und die Grüne und Sozialdemokraten in Deutschland so gern übersehen. Es hilft angesichts der Zuspitzung krisenhafter Lagen nicht mehr, alles, was nicht dem rotgrünen Wolkenkuckucksheim entspricht, als rechts zu brandmarken. Die Energieabhängigkeit von Russland hat den Blütenträumen von der „Energiewende“ einen schweren Dämpfer versetzt – und der Schwenk zum Bellizismus, den die einst pazifistischen Grünen angesichts des Ukraine-Kriegs vollzogen haben (als ob es davor nicht Gründe genug dafür gegeben hätte), macht sie nicht glaubwürdiger. 

Die noch Regierenden haben Gründe, sich vor dem Herbst zu fürchten. Und das liegt ganz gewiss nicht an „Corona“.

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Kommentare ( 25 )

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gmccar
22 Tage her

In AUF!.at gab es heute die Meldung, das während des Wahlvorganges bei der Auszählung 1,2 Millionen Stimmen beim Endergebnis von Le Pen fehlten. Diese Stimmen wurden aber im Laufband angezeigt.
Bei der letzten Wahl waren dort doch auch mehr als 4 Mio Stimmen ungültig. Davos verlässt die Seinen nicht.

Boris G
22 Tage her

Ja, Frankreich geht in vielerlei Hinsicht voran: Der Anteil nicht-assimilationsfähiger Zuwanderer hat eine kritische Grenze überschritten, die Staatsverschuldung ebenso wie die Staatsquote. Das „quantitative easing“ (vulgo Gelddrucken) der EZB hat vorhersehbar zu gallopierender Inflation geführt, auf die Franzosen viel rabiater als Deutsche reagieren werden. Macron hat demnächst seinen kleinen Bürgerkrieg als Flächenbrand zu bekämpfen. Nur fehlt es an Löschwasser.

EinBuerger
22 Tage her

Frankreichs Wahl als Menetekel für Deutschland“:
Ich würde es eher anders sehen: Der Anteil der Stimmen für die Rechte als Maßstab über die Wut in Teilen des Volkes und über die wirtschaftliche Lage.

Waldorf
22 Tage her

Sehr richtig Frankreich hat gezeigt, dass trotz der üblichen Einigkeit „der Etablierten“ der konservativ-nationale „Populismus“ stark zulegen konnte. im Herbst können die US-Demokraten, als Thronwächter und Prototypen der Etablierten, ein Wahldebakel erster Güte erwarten, sie werden aller Voraussicht nach ihre knappe Mehrheit im Abgeordnetenhaus und Senat verlieren, vermutlich sogar dramatisch. Damit wäre Biden nicht nur eine Lame Duck, sondern vermutlich ab dann Gegenstand von Untersuchungen bzgl „seiner“ (Familien)Geschäfte als Vizepräsident und ein Impeachmentverfahren wäre auch keinesfalls überraschend. Die Demokraten werden vermutlich viel eigene Medizin verabreicht bekommen, ähnlich fair und objektiv, wie sie gegenüber Trump waren. Das Mutterland des Wokeismus wird… Mehr

Kristallo
22 Tage her

Es geht um unterschwellige Tendenzen und Entwicklungen, und die gibt es bei uns auch. Man lasse sich nicht täuschen: Scholz und sein trostloses Kabinett, Merz und seine CDU als versagende Opposition, die manipulierenden und lügenden Medien usw. repräsentieren nicht die wirklichen Interessen und Stimmungen Deutschlands. Deswegen wird die verdeckte Unzufriedenheit steigen und sich in absehbarerZeit bei geeignetem Anlass entladen. Und auch der sog. Kampf gegen Rechts, eine der folgenschwersten Lügen, wird sich als solche entlarven und zur Veränderung der Verhältnisse führen.

Sani58
22 Tage her
Antworten an  Kristallo

Ihr Wort in der Vorsehung Ohr.
Allein mir fehlt der Glaube und auch die Hoffnung auf baldige Veränderungen in Deutschland…..Und somit ist das Schiksal besiegelt.
Grad Bilder aus Hamburg bekommen. Scheint es ist fest in ukrainischer Hand. Riesige Flaggen allerorten. Gut, werden nicht lange hin, von scharieagrünen und solchen mit Halbmond abgelöst. Entsprechend der Forderungen der dunkelhaarigen Demonstranten.
Nicht mehr meine Städte, nicht mehr mein Land. Nur meine Wurzeln und geographische Heimat mit Verwandten und Gleichgesinnten.

Waldorf
21 Tage her
Antworten an  Kristallo

Sehe ich genauso wie Sie Seit der Antike und dem was man moderne Gesellschaften, Kultur, Zivilisation etc nennen könnte, steht und fällt es für jede Regierung mit dem Geld, dem Wohlstandsversprechen für die „Untergebenen“, Bürger, Wähler etc Einschränkungen wurden und werden nur durch rationale Gründe in der Breite „akzeptiert“, nämlich innere oder äußere Gewalt (Diktatur/Krieg) oder temporäre Unglücke, Naturkatastrophen. Ansonsten hat der Laden einfach zu laufen oder die Führer werden als unfähig, unwillig, korrupt etc erkannt und früher oder später, je nach Geduld oder Mentalität, ausgetauscht, friedlich durch Wahlen oder eben unschön. Andere Varianten sind weder historisch noch sonstwie erkennbar.… Mehr

gorbi
22 Tage her

Die Linken , Grünen , Gutmenschen sind da realistischer als man denkt. Jeder Tag im Amt erhöht ein wenig die Pensionsansprüche. Wenn dann hier die Lichter ausgehen, lebts sich trotzdem gut . Die blöden Steuerzahler , auf die man gerne herabsieht , müssen ja zahlen . Im Landhaus in der Toscana mit grünen Gesinnungfreunden und trockenem Weißwein, kann man sich dann entspannt über diejenigen lustig machen , die diesen Müßiggang bezahlen.

j.heller
22 Tage her

Leute wie Faeser setzen vermutlich darauf, dass eine ständige massive Zuwanderung von Feinden unserer Freiheits-Werte (v.a. Scharia-bezogen), bald den Point of no Return überschritten hat. Von da an ist demografisch und wahl-technisch keine Korrektur und Gegenwehr mehr möglich. Ich will ja nicht destruktiv sein, aber für mich ist der Punkt schon erreicht. Vor allem weil Einsicht und Widerstand noch Lichtjahre entfernt sind, von ausreichender Wirksamkeit. Wenn das endlich der Fall sein wird, wird die Folge nur noch kalter oder heißer Bürgerkrieg wie im Libanon sein, statt demokratischer Korrektur. Auch in Frankreich gibt es ja schon Stimmen, die eine Teilung des… Mehr

Klaus Kabel
22 Tage her

Für Macron ist Deutschland ein nützlicher Idiot. Nicht mehr und nicht weniger. Nur die linksgrünen Speichellecker kapiert das nicht. Die bezahlen auch gerne für die französische Stromabnahme, wenn die Spargel mal zu wenig produzieren, gell Frau Baerbock!?.

Klaus Kabel
22 Tage her
Antworten an  Klaus Kabel

Muss natürlich “ wenn die Spargel ZU VIEL produzieren und die Speicherkapazität im Netz zu eng wird“ heißen.

Last edited 22 Tage her by Klaus Kabel
Friedrich Wilhelm
22 Tage her

Sehr geehrte Frau Dr. Stephan, danke für Ihren Beitrag über die Präsidentschaftswahlen der Grande Nation, der leider in Details der Korrektur bedarf. Zum einen ist eine Wiederwahl des Amtsinhabers alles andere als „nicht gerade üblich“, sondern die überwiegende Regel, folgt mithin den gleichen politischen Beharrungskräften wie dieseits des Rheins. Ferner liegt seit Jahrzehnten die Zustimmung für den gewählten Kandidaten bestenfalls im Bereich eines Viertel bis Drittel der Wahlberechtigten, was die Stichwahl im zweiten Wahlgang verschleiert; womöglich auch aus einer Art „Staatsräson“ heraus politisch-medial gewollt. Zudem erfolgt von diesem, für eine Herrschaftsform, in der angeblich die Macht vom Volk ausgeht, schon… Mehr

Friedrich Wilhelm
22 Tage her
Antworten an  Friedrich Wilhelm

Es ist leider nötig, den vorstehenden Kommentar zu korrigieren.
Von den sieben Vorgängern (Alain Poher übte das Amt zweimal nur kommissarisch aus) Emmanuel Macrons im Amt des Präsidenten der Fünften Französischen Republik wurden nur drei, mithin weniger als die Hälfte in ihrem Amt bestätigt.
Insofern beschreibt Frau Dr. Stephans Urteil, die Wiederwahl eines Staatspräsidenten sei in Frankreich in der Minderzahl, sprich eine Ausnahme, die Realität zutreffend.
Mit dem Ausdruck des Bedauern für die ursprüngliche Falscheinschätzung.
F.W.

Ali Mente
22 Tage her

Vermutlich setzten die grünlinken darauf, dass sie die Millionen Illegalen schnell einbürgern und diese dann als Wähler sicher haben! Doch mir schwant, das ist wie eine Merkelstrategie und wird daher nicht aufgehen. Denn wenn genügend Moslems da sind, werden die eigene Parteien haben und dann werden sich insbesondere die grünlinken wundern! Denn statt Dankbarkeit werden sie Hass, Verachtung und Erniedrigung erfahren!

Juergen P. Schneider
22 Tage her
Antworten an  Ali Mente

Die Links-Grünen haben immer noch nicht erkannt, dass die Anhänger des Propheten politisch deutlich weiter rechts stehen als die AfD. Es wird ihnen bei einer Übernahme unserer Gesellschaft durch die Nachkommen unserer Mittelalterimporte nichts helfen, dass sie die nützlichen Idioten des Islam gewesen sind. Man wird sie als Ungläubige nicht verschonen.