Die Kinder des Club of Rome

Der Club of Rome wollte die Bevölkerungsentwicklung nach Thomas Malthus einmauern, um die Bevölkerung ernähren zu können und den Planet vor dem sicheren Untergang zu retten. Wer das Buch von damals zur Hand nimmt, kann nur den Kopf schütteln.

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Etwas unbemerkt findet in diesem Jahr ein runder Geburtstag statt. Der Club of Rome wird 50 Jahre alt. Wahrscheinlich hatten und haben nur wenige Denkfabriken auf dieser Welt dessen Wirkungsmacht. Die geistigen Kinder sitzen heute in Parlamenten und Regierungen. Sie prägen die politische und gesellschaftliche Agenda. In Dax-Konzernen, in Verbänden und Medien. Ihr parlamentarischer Arm sind in Deutschland die Grünen.

Wer die Texte des Club of Rome und die Programme der Grünen liest, stellt viele Gemeinsamkeiten fest. So schreiben die Grünen in ihrem Wahlprogramm, im Geist des Club of Rome, wie folgt über die Marktwirtschaft: „Seit Langem ist klar, dass die industrielle Wirtschaftsweise nicht nur Wohlstand schafft, sondern auch systematisch unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen zerstört. Materielles Wachstum steigert nicht in jedem Fall die Lebensqualität. Die sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft ist die existenzielle Aufgabe unserer Zeit. Denn heute verschwendet unsere Art zu wirtschaften noch wertvolle Ressourcen, heizt unser Klima auf und bedroht weltweit unser Trinkwasser, unsere Luft und unsere Böden. In unserem eigenen Menschheitsinteresse müssen wir das dringend ändern. Und es ist möglich. Wir können unser Leben verbessern, ohne immer weiter materiell wachsen zu müssen.“

Das ist der gleiche Duktus den auch der Club of Rome in seinem bekanntesten Werk „Die Grenzen des Wachstums“ 1972 formulierte. Darin heißt es: „Unsere Erde ist nicht unendlich. Je mehr sich die menschliche Aktivität den Grenzen der irdischen Kapazität nähert, umso sichtbarer und unlösbarer werden die Schwierigkeiten. Die menschliche Gesellschaft hat noch nicht gelernt, diese Schwierigkeiten zu erkennen und sie zu beherrschen. Das offensichtliche Ziel des Weltsystems ist gegenwärtig, immer noch mehr Menschen zu erzeugen und sie mit noch mehr Nahrungs- und Gebrauchsgütern, mit reiner Luft und Wasser zu versorgen. Wir haben gezeigt, daß die Gesellschaft bei weiterer Verfolgung dieses Ziels über kurz oder lang gegen eine der vielen endgültigen Grenzen für das Wachstum auf der Erde stoßen wird.“

Beide Akteure atmen den gleichen fortschrittsfeindlichen Geist. 50 Jahre nach der Gründung des Club of Rome haben die Grünen dessen fatales Erbe angetreten. Dabei ist diese Fortschrittsskepsis nicht neu. Sie erinnert sehr stark an die Bevölkerungstheorie des Ökonomen Thomas Malthus, der im 18. und frühen 19. Jahrhundert die These vertrat, dass das Wachstum der Bevölkerung schneller vonstattengeht, als die Nahrungsmittelproduktion. Er schloss daraus, dass die Bevölkerung immer mehr an Hunger leidet, wenn das Bevölkerungswachstum nicht gedrosselt würde. Es hat sich als völlige Irrlehre herausgestellt, obwohl viele damals seine These schlüssig fanden. Damals lebten auf der Welt rund 1 Milliarde Menschen. Heute sind es 7,5 Milliarden. Anfang des 18. Jahrhunderts lebten 84 Prozent der Menschen in absoluter Armut. Heute sind es 8,5 Prozent. Prognosen gehen davon aus, dass sich diese Zahl bis 2030 weiter halbiert. Eigentlich ist die Prognose von Thomas Malthus genau umgekehrt. Auf der Welt gelingt es immer mehr Menschen aus der absoluten Armut zu führen, obwohl die Bevölkerungszahl massiv ansteigt. Die Grenzen des Wachstums finden eben nicht durch die Verschwendung von Ressourcen statt, sondern diese werden immer effizienter eingesetzt. Der Grund ist unser marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem, das Kapital zielgenauer einzusetzen versteht, als es ein staatlich gelenktes Wirtschaftssystem kann. Der Grund ist, wie es der Ökonom Ludwig Mises betonte, dass staatlich gelenkte Wirtschaftssysteme den Preismechanismus außer Kraft setzen, der so entscheidend ist, um Produkte und Dienstleistungen an der richtigen Stelle, in der richtigen Menge und zur richtigen Zeit bereitzustellen. Für den Anbau von Getreide braucht es also nicht immer mehr Böden, sondern bessere und effizientere Anbaumethoden führen zu einer Steigerung der Erträge.

Der Club of Rome wollte die Bevölkerungsentwicklung in der Gedankenwelt von Thomas Malthus einmauern, um die Bevölkerung ernähren zu können und den Planet vor dem sicheren Untergang zu retten. Wer sich heute das Buch von damals zur Hand nimmt, kann nur den Kopf schütteln. Keine der Prognosen des Club of Rome (CoR) stimmt. Im Buch prognostiziert der Club ein Bruttosozialprodukt pro Kopf im Jahr 2000 für Brasilien von 440 US-Dollar. Heute sind es 9821 US-Dollar, also das 22-fache. In China sollten es im Jahr 2000 100 US-Dollar sein. Tatsächlich sind es heute 10.087 US-Dollar. Und selbst in Entwicklungsländern wie Nigeria erreichte das BIP nicht 60 US-Dollar in 2000, sondern wenige Jahre später liegt es bei 1968 US-Dollar. Selbst wenn die Inflation berücksichtigt würde, läge der CoR völlig falsch. Der Grund ist, dass die Skeptiker die Dynamik des marktwirtschaftlichen Systems völlig unterschätzt haben. Sie ist die Grundlage für den Wohlstand der Menschen gestern, heute und morgen. Das sollten sich auch die heutigen Kinder und Enkelkinder des Club of Rome zu Herzen nehmen.

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Kommentare ( 106 )

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Die Fortschrittsfeindlichkeit trägt einen Namen: Club of Rome. Die geistigen Jünger dieser Menschenfeindlichkeit sind die Grünen. Ihre Dogmen werden inzwischen parteiübergreifend durchgesetzt. Vom Kritischen Rationalismus eines Karl Popper entfernen wir uns immer mehr und sind dabei, uns ein neues „Mittelalter“ zu schaffen.

Die Frage stellt sich weiterhin: was soll so gut daran sein, mehr Menschen zu haben? Besonders wenn gerade die Schichten, die am leichtesten durch Maschinen ersetzt werden können und dann erst recht keine gesellschaftliche Teilhabe mehr erhalten, die meisten Kinder bekommen, scheint mit Qualität doch klar vor Quantität zu gehen.

Mehr Mensch = mehr Spezialisten für immer mehr unterschiedliche Aufgaben. In Großstädten gibt es heute Reparaturwerkstätten speziell für Smartphones. Als der „Club of Rome“ seine Computersimulationen veröffentlicht hat, gab es noch nicht mal Mobiltelefone.

Falls Prognosen, besonders langfristige, sich als nicht zutreffend erweisen, könnte es daran liegen, dass man sie sich zu Herzen genommen und versucht hat, die prognostizierten Szenarien abzuwenden. Die Kernaussagen des Club of Rome wurden in jedem Fall ernst genommen, mindestens in dem Sinne, dass man sich mit ihnen auseinander gesetzt hat. Wichtig ist, dass der Club of Rome seinerzeit nicht ideologisch motiviert war und handelte, anders als so manche Apologeten der letzten Jahre und Jahrzehnte, die sich mit einer massenkonform getünchten Ideologie als Schutzschild und schwarz-grünen Zukunftsszenarien als Speerspitzen ausgestattet haben, ihre Auffassungen mit Vehemenz vertreten und gegenläufige Meinungen mit… Mehr

Es könnte daran liegen, daß manche Leute ihren Konsum gedrosselt haben. Gegen diese Annahme spricht, daß der durchschnittliche Wanderarbeiter in China heute mehr konsumiert als ein wohlhabender Pfarrer zu Zeiten von Malthus.

Der Malthus hat damals eine Menge Zusammenhänge weggelassen, genauso wie der Club of Rome. Die haben das nur statistisch hochgerechnet. Es gibt kein Bevölkerungswachstum obwohl es ein Bevölkerungswachstum erst einmal gibt. Wie das? Weltweit sinkt die Geburtenrate mit Ausnahme weniger afrikanischer Länder. Gleichzeitig nimmt weltweit die Bevölkerung zu. Wie geht das? Ganz einfach durch mehr Nahrung aus der Landwirtschaftsindustrie, mehr gesundheitliche Behandlung, mehr Industrie usw. Die Lebenserwartung steigt immer mehr. D.h. die Menschen werden immer älter. Aber irgendwann stirbt jeder Mensch. Deshalb wird die Bevölkerung dann immer weniger. Ich habe mir das mit den Originaldaten und nicht mit den üblichen… Mehr

Peak Child haben wir bereits überschritten, da hatte Rosling recht. Wahrscheinlich wird die Geburtenrate irgendwann wieder steigen, wenn in den wohlstandsverwöhnten Ländern die Atheisten weggestorben sind und die Freikirchler plötzlich die Mehrheit stellen. Aber das dauert noch, und der Import von Sprengreligiösen wird nicht viel daran ändern. Wer seine 72 Frauen im Jenseits sucht, zieht im Diesseits keine Kinder groß.

Es muss doch nicht schlecht sein, was der CoR vor bald 50 Jahren prognostiziert hat – aus der damaligen Sicht. In der Tat sind die Ressourcen der Erde endlich – auch wenn z.B. die nachgewiesenen Erdölreserven (noch) weiter steigen. Allein schon die zunehmende Erdbevölkerung und die Verschmutzung der Weltmeere – vom Grundwasser ganz zu schweigen – zeigen doch, dass die Menschheit nicht „so weitermachen“ sollte. Anstatt die Weltbevölkerung stabil zu halten – durch sinnvolle Maßnahmen – und den wirklichen Wohlstand aller Menschen anzustreben, lassen wir die Dinge so laufen wie bisher. Was sind das für Menschen, die Kinder in die… Mehr
@barth68 1. Ist auf unseren Planten NICHTS Endlich. Der Planet Erde ist ein Geschlossener Kreislauf…nur der FEHLENDE VERSTAND kann die Endlichkeit des Menschen hervorrufen. Ansonsten wird der heutige Menschen nicht mehr das gleiche Lebewesen sein, dass man in 10.000…100.000 Jahre antreffen wird. (Evolution lässt grüßen = Veränderung der Rahmenbedingungen/Umwelt (Chemie/Physikalische Zusammensetzung) 2. Hätten Ihr Vorfahren im Mittelalter nicht so viele Kinder in die Welt gesetzt so würde es Sie heute nicht geben…die Kinder waren für die Familie Überlebenswichtig…sie waren Ernährer und Arbeitskraft…auf dem Acker, im Wald und Weiher…. 3. Und jetzt will ich keinen Vorwurf an andere mehr lesen…jeder hat… Mehr

Lese ich da „Evolution“?
In welche Richtung – die des „Fehlenden Verstandes“?

Sieht so aus, als ob Milliarden Menschen in dieser Situation zumindest verharren – seit Jahrhunderten.

Blossen Konsum finde ich als „Evolution“ nicht wirklich prickelnd.

@spindoctor Der Mensch hat schon immer Konsumiert…ohne Konsumieren wäre der Mensch nicht mehr auf dieser Erde vorhanden. Oder gehen sie heute noch in den Wald zum Jagen und Sammeln….zerlegen Sie ihre Beute selbst und bereiten Sie ihr eigenes Brot selbst zu…holen Sie ihr Wasser aus dem Bach oder von einer Quelle…mit oder ohne Auto, Bus…. Sie leben in einer Konsumwelt…und müssen nicht um das tägliche Überleben kämpfen…wie unsere Vorfahren als Jäger und Sammler…. nicht wahr; Hr. Konsum Mensch alias Spindoctor. Konsum hat nichts mit der Evolution gemein…es ist die Physik und die Chemie die darüber bestimmt was aus uns in… Mehr
„Mir ist die Intention dieses Artikels nicht ganz klar.“ Die Intention des Artikels ist, die Vorhersagen des CoR als das blosszustellen was sie sind: Unseriöse Vorhersagemodelle mit propagandistischem Einschlag. Ebenso wie der CoR bedienen heute die Grünen eine Lobby, die an der Stilllegung von effektiven Energiekonzepten wie Kernkraftwerken, und dem gleichzeitigen kostenintesiven Aufbau von sogenannten ‚Erneuerbaren Energien‘ verdienen. Dass es sich bei den Grünen um Scharlatane handeln muß, erkennt man schon allein daran, dass seit mindestens dem 17. Jahrhundert bekannt ist, dass Energie zwar von einer Energieform in die andere umwandelbar ist, aber niemals neu geschaffen oder gar ‚erneuert‘ werden… Mehr

Um es kurz zu machen: Soziale Marktwirtschaft statt Sozialismus. Trotzdem gilt: Bevölkerungsexplosion stoppen. Beides ist sinnvoll und richtig.

Es gibt keine Explosion. Überall, wo genug Strom zuverlässig verfügbar ist, um regelmäßig Telenovelas und Seifenopern zu gucken, sinken die Geburtenraten.

So, wie es weiland irgendwelche ‚Gelehrten‘ schon taten, so tun es heute die Grünen. Mit der (Milch-) Glaskugel und Pendel bewaffnet ( das Pendel hat übrigens Claudia R. nach eigener Aussage in die Bundespolitik hineingezaubert ), beschwören sie nicht weniger als den absoluten Untergang. Ragnarök im Schrebergarten sozusagen. Was kann man dazu noch sagen? Ich sage es mit meinem Lieblingslieferanten für Hinkelsteine und wohlbeleibten Unternehmer aus einem kleinen, uns wohlbekannten, gallischen Dorf: “ Tok, Tok, Tok! Die spinnen, die Römer!“

Absolut richtig!
Maßlosigkeit gibt es nämlich auch bei den politischen Antipoden der „grünen Kutten“, zu denen ich allerdings Frank Schäffler nicht zählen mag, auch wenn für mich sein Appell ebenfalls unverständlich bleibt.

Ich lebe gerne in einer Stadt, wenn sie den sicher ist, und wenig Moslems in dieser leben. Aber ich muss immer vom Garten in den Wald hineinlaufen können, und 100 Km nichts als Wald haben, also keine Menschen, keine asphaltierten Straßen. Eine schöne Utopie. Mein Kompromiss, NOCH, ist der Schwarzwald hier in Deutschland. Vielleicht gehts irgendwann mal nach Calgary oder Vancouver.