Soziales Pflichtjahr? Na klar!

Keine junge Generation lebte in so einem großen Wohlstand wie hier und heute. Unglaubliche Sozialleistungen, Hilfen von ihren Eltern und Großeltern sind für viele selbstverständlich, genauso wie lieber nehmen statt erarbeiten. Den Weltuntergang beschwören hingegen ist für ein Großteil der Jugend ein nettes Hobby.

IMAGO / Achille Abboud
Schüler besuchen den Bundestag, 01.06.2022

Hart und lang arbeiten mag unser jugendlicher Nachwuchs nicht mehr so sehr. Doch fast in allen Gewerken, Dienst- und Sozialleistungen fehlen die Leute. Nach den zermürbenden Corona-Jahren ohne Partys, Disco und Konzerte könnte man das noch verstehen. Aber den großen Trend einer wohlstandverwöhnten Jugend zum Dolce Vita für wenig Arbeit, den gab es schon vorher. Jetzt ist er wieder völlig in.

Reisen in alle Welt während des Studiums oder am Ende der Ausbildung sind schön. Wer nicht so weit weg, dafür die Gesellschaft umerziehen will, klebt sich dann im Zentrum der Städte auf wichtigen Hauptstraßen fest und behindert Menschen auf dem Weg zur Arbeit aus Angst vor einer angeblich sterbenden Umwelt. Dabei gibt es heute soviel Schutz der Natur wie noch nie.

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In kaum einem anderen Land der Welt werden von jungen Sprayern im Freizeitpark fast überall Züge, Brücken, Häuser und Wände bis in die entlegensten Dörfer besprüht. Nachts aktiv sein geht also schon, aber nicht mit Arbeit. Einen intellektuellen Aufschrei dagegen gibt es nicht.

Wohlstand zu erarbeiten oder zumindest zu erhalten, also der Weg dahin, geht einem großen Teil der kommenden Generation offensichtlich verloren. Überhaupt greift im noch herrschenden Überfluss Deutschlands bei den Eliten wie auch in breiten Schichten eine „spätrömische Dekadenz” um sich. Läuft doch alles – wird auch morgen so sein. Jeglicher Corona-, Energie- und Kriegskrise zum Trotz. Nicht nur die Politik, sondern vor allem deren staatstragende Medien vermitteln dieses Bild. Elitäre Minderheiten spielen die Hauptrolle – malochende Arbeitnehmer hingegen längst nicht mehr.

Sollte es jetzt etwa ein Erwachen geben?

Mit glänzenden Ideen konnte Deutschlands Bundespräsident bislang nicht aufwarten. Doch selbst dem uninspirierten Sozialdemokraten Frank-Walter Steinmeier dämmert inzwischen, mit dieser Jugend könne es wohl so nicht weiter gehen. „Ich wünsche mir, dass wir eine Debatte über eine soziale Pflichtzeit führen“, versucht Steinmeier einmal mutig voranzuschreiten. Unserem Land würde es guttun, „wenn sich Frauen und Männer für einen gewissen Zeitraum in den Dienst der Gesellschaft stellen.“ 

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Steinmeier wäre nicht Steinmeier, wenn er nicht gleich wieder den Rückzug im Programm dabei hat. Das müsse ja nicht bei der Bundeswehr sein, eine soziale Pflichtzeit könnten junge Menschen seiner Meinung nach genauso bei der Betreuung von Senioren, in Behinderteneinrichtungen oder in Obdachlosenunterkünften ableisten. Und vor allem meint der Mann aus dem Bellevue: „Es muss kein Jahr sein.“ Ja, und eine Debatte über die Wiederauflage der Wehrpflicht will er natürlich auch nicht.

Ein Pflichtjahr täte einer Generation im Wohlstand ziemlich gut

Wir gehen hier jetzt mal mutiger voran als dieser Bundespräsident: Selbstverständlich tut ein Pflichtjahr allen jungen Menschen in diesem Land gut – wahlweise bei der Bundeswehr wie auch in sozialen Einrichtungen. Freie deutsche Jugend bau auf!

Die Regierenden in Berlin müssten sich schließlich fragen: „Wie sonst wollen wir Ampel-Helden von SPD, FDP und Grünen unter tatkräftiger Mithilfe der Union unser 100-Milliarden-Schuldenpaket für die Aufrüstung der Bundeswehr und unsere teure Politik der Corona-Angst mit entsprechendem Personal umsetzen?“ 

Doch viel wichtiger als militärischer und sozialer Pflichtdienst sind die Lebenserfahrungen, die immer mehr wohlbehütete oder auch arbeitslustlose Jugendliche in einem Jahresdienst für ihr Land sammeln könnten.

Denn es geht doch. Zumindest einige engagieren sich. In Deutschland leisten nach Angaben der Bundesregierung derzeit annähernd 100.000 Menschen einen Jugend- oder Bundesfreiwilligendienst. Aber warum sollen es nur die Bodenständigen, Vernünftigen und Fleißigen sein?

Bei Verteidigungsministerium und Bundeswehr heißt es reflexhaft, man setze auf Freiwilligkeit. Wie die aussieht, zeigen diese Zahlen: Von aktuell etwa 184.000 Soldaten leisten lediglich 9.200 freiwillig Wehrdienst.

Eine Abwehrfront bildet sich schnell fast parteiübergreifend

Ein Pflichtjahr für Jugendliche? Die Abwehrfront hat sich dazu schnell fast parteiübergreifend gebildet. „Ein sozialer Pflichtdienst würde einen Eingriff in die individuelle Freiheit eines jeden Jugendlichen bedeuten“, protestiert sofort die grüne Bundesfamilienministerin Lisa Paus. Sie denkt dabei wohl gleich an ihre Jungwähler. Festkleben auf Verkehrsadern von großen Städten von grünen Vorfeldaktivisten ist natürlich besser. Zum Protest in China oder Indien ist die angeblich „Letzte Generation“ jedoch zu feige. Bettpfannen reinigen in Krankenhäusern oder Stiefel putzen bei der Bundeswehr hingegen wären für solche Klima-Kleber, die mit ihren hirnlosen Aktionen auch noch gefährliche Staus und so höhere Schadstoffbelastungen verursachen, zumindest eine nützliche Erfahrung.

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Auch die Nachwuchsorganisation von FDP-Chef Christian Lindner lehnt umgehend ab: „Einfach nein. Die Idee der Dienstpflicht gehört zurück in die Mottenkiste, aus der sie von der Union und anscheinend auch von Steinmeier alle paar Monate rausgeholt wird.“ Die Befürchtung braucht Lindners Parteireserve gar nicht haben, selbst die Christsozialen von CSU-Chef und Alleskönner Markus Söder, wollen keinen Ärger vor ihrer Landtagswahl im Herbst kommenden Jahres. CSU-Sozialministerin Ulrike Scharf hält einen Pflichtdienst daher „nicht für zielführend“. Und FDP-Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger versichert: „Eine Dienstpflicht wird es mit uns nicht geben.“

Interessant ist immerhin, dass neben Steinmeier und Teilen der CDU auch die Alternative für Deutschland einen „verpflichtenden Bundesdienst“ für alle unter 27 Jahren vorschlägt.

Doch es sind keine Klischees von trägen oder verwöhnten Jugendlichen. Es wird immer mehr Wirklichkeit. Für viele Jungen und Mädchen, spätere Lehrlinge und Studenten kommt mittlerweile die sogenannte „Work-Life-Balance“ an erster Stelle bei der Berufswahl. Das kann inzwischen fast jeder Gastwirt, Hotelier, Bäcker Fleischer, Handwerker oder Unternehmer bestätigen, wenn es um die Berufswahl für den Nachwuchs geht.

Immer weniger sind bereit, hier noch einen Job anzunehmen.

Am Wochenende, morgens früh oder spät abends arbeiten – bloß nicht! Schichtdienste oder mehr als sieben Stunden – um Gottes/Allahs willen nicht! Schuften, wie die Altvorderen, die ihnen den Wohlstand erwirtschaftet haben, so blöd wollen viel nicht sein. Arbeiten sollen offensichtlich andere. Die meisten verstehen ohnehin nicht, dass sozialer Wohlstand erst durch eine florierende Wirtschaft und hart arbeitende Menschen geschaffen wird.

Selbst junge Hartz-IV-Empfänger haben heute schon ein Recht, das im Zweifel schnell als Anspruch von findigen Sozialanwälten durchgesetzt wird, auf eine staatlich finanzierte Erstausstattung ihrer Wohnung genauso wie bei Asyleinwanderern ins Sozialsystem. Damit stellt dieser Staat einen Grundpfeiler der sozialen Marktwirtschaft auf den Kopf. Das Ergebnis – keine Leistung muss sich auch lohnen.

Schon deswegen wäre ein soziales Pflichtjahr für Jugendliche, aber auch für junge Asylbewerber oder Sozialhilfeempfänger eine vernünftige Regel – dem Nachwuchs zu vermitteln: Das erstens, Manna oder Geld nicht vom Himmel fällt, Leistungen für die Gesellschaft sich lohnen genauso wie Erfahrungen sammeln und früh Verantwortung übernehmen.

Vor allem aber der wohlstandsverwöhnten FFF-Jugend täte mal eine sinnvolle Betätigung gut. Anstatt die sauberste Luft der Neuzeit einzuatmen, und sich dabei einzureden, morgen wegen Klimawandel sterben zu müssen. Erst Schulstreik und Demo, aber gleich danach mit dem Geld von Mami und Pappi zu Mc Donald’s – wer soll das in wirklichen Krisenregionen der Welt noch verstehen.

Wohlstand scheint für immer mehr Jugendliche heute selbstverständlich, der ist einfach da und muss nicht erst erarbeitet werden. Eltern oder Oma und Opa sponsern gern. Gelder sind also jederzeit vorhanden, jedenfalls für sehr viele Nachwachsende. Selbst im prekären Sozialbereich reicht die Kohle bei oft übergewichtigen Jugendlichen auf den Jahrmärkten für Pommes, Wurst, Eis, Waffeln, Bier, Alcopops und Fahrgeschäfte für inzwischen ziemlich üppige Preise. 50 Euro sind an einem Volksfesttag ganz schnell weg.

Da wäre es zumindest ganz nützlich, wenn sich alle Jugendlichen mit einem freiwilligen Jahr im Sozial- oder Wehrdienst wenigstens etwas hinzuverdienten. Also tue Gutes, und bekomme noch etwas dafür. Die wertvolle Lebenserfahrung für den obligatorischen Dienst an der Gesellschaft ist obendrein noch kostenlos.

Aber vielleicht hat ja die Debatte in einem Land mit grassierender „spätrömischer Dekadenz” auch eine andere Funktion – nämlich, die der Ablenkung. Brot und Spiele hatten sich bei aufziehenden Krisen zwar bewährt – jedoch nur für kurze Zeit.

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Kommentare ( 94 )

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chino15
17 Tage her

Ich sehe das Ganze weniger pauschal und deutlich mehr ambivalent. Sicher könnte ein Pflichtdienst mit geregeltem Alltag arbeitsscheue Migranten und psychisch auffällige FFF-Kids wieder auf den Boden der Realität bringen. Aber es gibt doch bereits sehr viele junge Menschen, die auch ohne unterbezahltes Pflichtjahr sinnvolle Arbeit für die Gesellschaft leisten. Ein aktuelles Beispiel ist das Team von Apollo-News, das in mühevoller Kleinarbeit den Berliner Wahlskandal aufgedeckt hat. Sie alle werden sicher auch weiterhin ihren Weg gehen, um zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft zu werden, und brauchen keine Erziehung durch einen Pflichtdienst. Auch meine Kinder sind nicht so ganz misslungen. Meine Tochter… Mehr

santacroce
17 Tage her

Ob die Abkömmlinge der Clans ebenfalls ein soziales Pflichtjahr ableisten?
Ich habe meine Zweifel. Das wird nur was für die Braven und Kartoffeln.

puke_on_IM-ERIKA
17 Tage her

Wenn der Staat eine Arbeit zu erledigen hat, dann darf er die gerne adäquat bezahlen. Die unsolidarische Ausbeutung und Ausnutzung mit über 50% Abgaben bei den Arbeitnehmern ist mehr als solidarisch.
Jetzt sind mal die dran, die nur aus dem Solidartopf entnehmen und die einen hohen Anteil ihrer Bezüge steuerfrei bekommen- wenn das erledigt ist, reden wir weiter.

Gutmuetiger
17 Tage her

Ganz ehrlich, es ist doch nicht die Schuld der faulen Jugend.
Schuld sind die Eltern, die dieses Faul-sein tolerieren, die Schule, die keine Leistung mehr fördert, die Politik, die mantraartig kommuniziert: Alle sind gleich, alle brauchen nichts machen, alle bekommen ihr Geld.
Die Jugend ist zu blöde das zu kapieren und nutzt es schamlos aus aber die Schuldigen sind die jetzige Elterngeneration.

generischer Name
17 Tage her

Für dieses D****sland mache ich nicht einen Finger krumm, schon gar nicht umsonst. Kommt das „soziale Jahr“, dann wird man zur billige Arbeitskraft für rot-grüne NGOs degradiert
Wir haben doch in den letzten Jahren Millionen von „Flüchtlingen“, „Asylanten“ und Migranten importiert, von denen ein Teil gut und gerne auf Steuerzahler kosten lebt.
Diese Menschen zu einer Gegenleistung zu zwingen, einem „sozialen Jahr“, wäre moralisch einwandfrei. Stattdessen will man Rentner dazu nötigen. Unglaublich…

Orlando M.
17 Tage her

Die Jugend zwingen, ein Jahr ihres Lebens für das System Weltraumsozialstaat zu opfern, das Deutschland finanziell ruiniert?
Wenn dann als Anschauungsunterricht, denn den Sozialstaat, der das arbeitende Volk brutal-hemmungslos ausplündert, um den nicht arbeitenden Teil auf einem Niveau am Leben zu halten, dass sie in wahren Massen aus Entwicklungsgebieten wie Südosteuropa zu uns strömen, wird es nicht mehr lange geben.

Donald G
17 Tage her

Irgendwas mit Pflicht, oder noch schlimmer „Verantwortung“, bei unseren Heranwachsenden? Das kann man getrost vergessen. Die wissen gar nicht was das ist und wollen das schon deshalb nicht. Der eine Teil von ihnen übt sich in Selbstdarstellung (pathologisch mit Influenz beschrieben), vor allem in den sog. sozialen Medien. Manche meinen es wäre schon harte Arbeit wenn sie dort medienwirksam Pakete auspacken und darüber lamentieren. Blöd nur, das sie dafür ein vielfaches mehr an Geld in ihren Allerwertesten geblasen bekommen, als jene verdienen, die ihnen die Pakete im Akkord liefern müssen. Ein weiterer Teil meint, es sei schon größte Verantwortung, wenn… Mehr

Marco Mahlmann
17 Tage her

Volle Zustimmung, Herr Opitz, genau die Gründe, die Sie anführen, sprechen für das Pflichtjahr. Wer dabei gleich an den Reichsarbeitsdienst denkt, begeht zwei Denkfehler. Erstens geht es beim angedachten Pflichtjahr um die Wiederbelebung der Wehrpflicht, die weiß Gott viel älter ist als der Nationalsozialismus und die ausgeweitet werden soll auf alle, also auch auf Frauen; zweitens ging es beim Reichsarbeitsdienst um Arbeit in allen Berufen, also um billige Arbeitskräfte für die vom Staat finanzierten öffentlichen Aufträge, während beim Pflichtjahr der Dienst an den Menschen im Vordergrund steht. Der Reichsarbeitsdienst diente zudem dazu, die gesellschaftlichen Schichten und Klassen durcheinanderzumischen, um damit… Mehr

F.S.
18 Tage her

Impfen – sozial, Frieren für die Ukraine – sozial, Arbeitsplatzverlust für Sanktionen – sozial. Klimaschutz – sozial. Soziales Jahr natürlich nur geimpft.
Geht’s noch?

Ohanse
18 Tage her

Ja klar, den jungen Leuten soll legal Lebenszeit gestohlen werden können, von denen, die sich ohnehin schon schamlos die Taschen vollstopfen. Kühnert, Fester, Kinnert – warum sollte man solchen Leuten die Probleme, die sie selbst jeden Tag neu schaffen, durch einen Zwangsdienst abnehmen müssen? Solange im Bundestag Minderleister, Arbeitsscheue, Feiglinge und Maulhelden ihre Zeit absitzen, gibt es keinen Grund, die Fleißigen, Gebildeten, Mutigen und Zupackenden noch weiter bestrafen zu dürfen. Weg mit den Polit-Versagern, runter mit den Abgaben, Wiederherstellung der bürgerlichen Freiheit – dann kann man vielleicht wieder über Formen des sozialen Engagements reden. Vorher – No Way. Das ist… Mehr