„Immergrün“: Stromanbieter stellt Lieferung in Teilen Deutschlands ein

Der Billigstromanbieter mit Sitz in Köln stellt ab 19. Oktober die Versorgung mit Strom ein, so heißt es kurz und bündig in der Mitteilung an die Kundschaft; einen Grund nennt die Gesellschaft nicht. Betroffen sind offenbar vorerst Kunden in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bremen. Berichte über Kündigungen gibt es auch aus Sachsen.

IMAGO / photothek

Die Kündigung ihrer Stromlieferverträge bekam ein Teil der Kundschaft der Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft. Getroffen hatte es deren Marken mit den blumigen Namen »Immergrün« und »Meisterstrom«.

Der Billigstromanbieter mit Sitz in Köln stellt ab 19. Oktober die Versorgung mit Strom ein, so heißt es kurz und bündig in der Mitteilung an die Kundschaft; einen Grund nennt die Gesellschaft nicht. Betroffen sind offenbar vorerst Kunden in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bremen. Berichte über Kündigungen gibt es auch aus Sachsen. Eine nähere Begründung war bis jetzt nicht erhalten. Was mit Vorauszahlungen und versprochenen Boni der Kunden geschieht, ist derzeit ebenfalls unklar.

Der Begriff »Billigstromanbieter« hat sich zwar eingebürgert, ist dennoch ein Hohn im Vergleich zu den Strompreisen anderer Länder. Deren Geschäftsmodell sieht vor, an der Strombörse auf fallende Preise zu spekulieren, um wenige Cent günstiger Strom anzubieten – oftmals mit zweifelhaften Geschäftsmethoden. So warnte die Stiftung Warentest vor drastischen Preiserhöhungen, falschen Abrechnungen, falschen Bonusversprechen und zu hohen Abschlagszahlungen.

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Weitere Billiganbieter werden folgen. Denn exorbitant steigende Energiepreise machen diesen Billiganbietern jetzt einen Strich durch die Rechnung. Kurzfristig sind keine »günstigen« Stromkäufe im Großhandel mehr möglich.

»Immergrün« und »Meisterstrom« werfen ein Licht auf den Strommarkt. Es sind Geburten der Energiewende, entstanden aus der eher aberwitzigen Idee, einen Begriff wie »Markt« in ein Gebilde hineinzubringen, das von vornherein keinen Markt darstellt. Strom wird nicht dann geliefert, wenn der tatsächliche Markt ihn benötigt und nachfragt, sondern dann, wenn Sonne und Wind vorhanden sind. Vorgabe stattdessen: Preisgarantien für Betreiber von Windrädern und Solarzellen ebensowie wie der Vorrang von Strom aus diesen Anlagen – wenn es ihn gibt. Lieferpflichten gibt es für Wind- und Solarenergie nicht. Quoten und Ausbauziele sind reine Planwirtschaft.

Umso verkleisternder das Wortgeklingel wie »idealenergie« und »Meisterstrom« auf, Unsinnsbegriffen wie »grüner Strom« und Werbesprüchen »Gut für die Natur und den Geldbeutel«, ohne dazu zu sagen, für welchen. Immergrün ist bezeichnenderweise eine giftige Pflanze.

»Herkunftsnachweise« von Strom sollen dem unbedarften Kunden suggerieren, seine Elektronen seien grün angemalt und hätten weder mit böser Atomkraft noch mit CO2-ausstoßendem Kohlestrom zu tun. Grundsätzlich werden Strompreise immer teurer, der Strom immer knapper. Dies ist politisch gewollt, deswegen ist Heuchelei fehl am Platz. Knappheit und steigende Preise werden künstlich verursacht.

Glosse
Fangt endlich an mit der Ampel – aber richtig
Welch explosive Mischung da heranwächst, ist der Politik bewusst. Über die Energiekrise und ihr explosives Potential berieten in der vergangenen Woche beim EU-Gipfel die Staats- und Regierungschefs. Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien forderten eine gemeinsame Strategie und mehr Unabhängigkeit von Gazprom.

In Frankreich hat Macron bereits den Gaspreis begrenzt. Er will schließlich im April kommenden Jahr wiedergewählt werden. Das bedeutet letztlich, dass der Steuerzahler für die dramatisch hohen Preise aufkommt. Linke Tasche – rechte Tasche.

»Energie ist heute zu billig … Es müssen aus meiner Sicht gezielt die Steuern auf Energie angehoben werden, sei es über Mineralöl, Heizgas oder Strom«. Das sagte eine Angela Merkel, als sie Umweltministerin war. Am 17. Juni war das – im Jahr 1997.

16 Jahre Merkel und »Energiewende« – ein einzigartiges Zerstörungswerk an der Infrastruktur eines Industrielandes, in dem in über 120 Jahren Elektroingenieure eine Stromversorgung aufgebaut hatten, die preisgünstig und sicheren Strom immer dann lieferten, wenn er gebraucht wird.

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Kommentare ( 37 )

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37 Comments
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w.k.
5 Tage her

Es ist eine Gemeischaftsleistung, für 70% gilt immer noch: „Strom kommt aus der Steckdose und das Geld von der Bank, Energie wird im Netz gespeichert“. Die Gehirnströme werden dann aktiver, wenn Smartphon und Netflix aus sind und die Pizza nicht geliefert wird. Mit der minimalen Gehirnaktivität wird man die Schuldigen ausfindig machen: die Rechten, die Reichen, die Industrie, die Polen und Ungarn, die Amerikaner und Israelis. Leider, wird es kein Twitter, kein Facebook geben, um sich zu empören, um die Haltung zu demonstrieren. Es wird kein ÖRR geben um die heldenhaften Bemühungen der Regierung zu besingen, die Vorwürfe zu entkräften.… Mehr

egal1966
5 Tage her
Antworten an  w.k.

Der Schuldige ist doch schon längst gefunden: das ist Gazprom und der böse Russe, der angeblich nicht genug liefert. Wenn nun die Staats- und Regierungschefs mehr Unabhängigkeit von Gazprom wollen, dann ist dies mehr als heuchlerisch. Wer hat sich denn der „grünen Energiewende“ zugewandt, Atomstrom, Kohle und Gas verteufelt und auf „grünen “ Strom gesetzt? Wenn man wirklich eine relativ unabhängige, stabile und dennoch preisgünstige Stromversorgung haben möchte, dann hätte man erstens niemals den Strommarkt liberalisieren dürfen undzweitens weiter auf KKWs und Kohle gesetzt. Man fragt sich auch, wo denn nun die Amis sind mit ihren Fracking-Gas, die immer von… Mehr

Sonny
6 Tage her

Bei der Mehrheit im Bekanntenkreis und auch vereinzelt innerhalb der Familie sind die Wiederholungen solcher Fakten, was die Energiepreise und Versorgungssicherheit angeht, sehr unerwünscht.
Beliebtester Ausspruch: „Hör auf, ich will das nicht hören.“
Man hat sich entschieden, die Fakten und alles, was ein düsteres Bild an den Horizont malt, zu ignorieren.
Aber tief innen drin, sind viele, die diesen Satz von sich geben, längst überzeugt, dass das alles nicht mehr lange gut gehen kann.

Last edited 6 Tage her by Sonny
K. Sander
6 Tage her

Zitat: „»Energie ist heute zu billig … Es müssen aus meiner Sicht gezielt die Steuern auf Energie angehoben werden, sei es über Mineralöl, Heizgas oder Strom«. Das sagte eine Angela Merkel, als sie Umweltministerin war.“ Für die ist Energie wirklich „billig“. Die bekommt monatlich 25.000 Euro plus Zuschläge, womit 39.000 Euro rauskommen … ach nein, in ihre Tasche kommen. Noch immer haben die Stromerzeuger den Preis gegenüber 1998 nicht erhöht. Dazu kommen Steuern Abgaben, Umlagen, Gebühren usw. die der Staat nimmt. Dieser Anteil sind noch immer über 50%. Weil bei vielen, die am Ende des Monats nicht soviel Geld hatten,… Mehr

Lacantun
6 Tage her

Zu den beschriebenen Regionen kommt auch noch Südniedersachsen hinzu. Hier wird die Belieferung auch eingestellt.

Louie
6 Tage her

Der Anbieter Enermy stellt Ende des Jahres auch seinen Betrieb ein. Die Begründung ist, dass Lieferanten ausdrücklich deshalb die Zusammenarbeit einstellen, weil Enermy auch einen Atomstrom-Tarif im Angebot hatte.

thinkSelf
6 Tage her
Antworten an  Louie

Was vollkommener Quatsch ist. Denn Strom wird von den Lieferanten über den Terminmarkt der Börse bezogen. Da gibt es gar keinen zuordenbaren Lieferanten. Außer es handelt sich um ein Idiotenunternehmen. Ist natürlich auch möglich.

Hannibal Murkle
6 Tage her

Vielleicht ist Lebanon Vorbild hiesiger Energiepolitiker?

„Massiver Stromausfall in Libanon: Nun droht totale Dunkelheit“

https://de.rt.com/der-nahe-osten/125485-massiver-stromausfall-in-libanon-nun/

„… Die Stromversorgung im krisengeplagten Libanon droht sich weiter zu verschlechtern. Nach Angaben von „Reuters“ befinde sich das Land bereits in totaler Dunkelheit. …“

Auch unsere Zukunft?

„… Die Stromausfälle im Land dauern derzeit zwischen 18 bis 24 Stunden am Tag, wobei sich die meisten Libanesen inmitten einer bereits verheerenden Wirtschaftskrise auf kostspielige private Generatoren verlassen. Aber auch diese privaten Generatoren können wegen des Treibstoffmangels nur noch selten Strom liefern. …“

Last edited 6 Tage her by Hannibal Murkle
Ruhrler
6 Tage her

Erinnert ein wenig an Teldafax. Die konnten Strom nur deswegen billig anbieten weil sie ein Schneeeballsystem benutzten. Ich möchte gar nicht wissen wieviele Strom- und Gasanbieter (also Händler, nicht Erzeuger) noch mit solch fragwürdigen Geschätsmodellen hantieren und jetzt am Rand der Pleite stehen.

Deutscher
6 Tage her

Dass es überhaupt einen privaten Strommarkt gibt, ist an sich schon eine neoliberale Perversität, geschuldet der so gar nicht sozialen / ökologischen Deregulierungswut von Rot-Grün unter den Kapitalisten Schröder und Fischer.

Anything goes in dieser deregulierten Welt: Waren werden billiger, je weitere Strecken sie zurückgelegt haben (Beispiel Ökobiofairtrade-Honig aus Übersee: 5 €, deutscher konventionell erzeugter Honig 7 bis 9 €). Ich kann ein und denselben Strom, der aus ein und derselben Steckdose kommt, bei dutzenden verschiedenen „Anbietern“ (nicht Erzeugern) zu unterschiedlichen Preisen einkaufen. Kranker geht´s nicht mehr und die Linksgrünen als passionierte Globalisten und verkappte Neoliberale sind die Verursacher.

Last edited 6 Tage her by Deutscher
Beobachterin
6 Tage her

Die Tage werden kürzer. Letzte Woche kam die Lieferung: 12 Kg Kerzen in 2 Kartons für 59,83 € – Sieht hübsch aus und wärmt die Seele.
Man weiß ja nie, dachte ich mir …

K. Sander
6 Tage her
Antworten an  Beobachterin

Da müssen Sie aber vorsichtig sein. Erzählen Sie es nicht den Grünen. Bei Kerzen werden mehr Stickoxide erzeugt als bei Dieselautos. Als es vor 120 Jahren mit dem Erdöl losging haben die Fischer auch protestiert, weil deren Arbeit plötzlich weg war. Zuvor mussten die viele Pottwale fangen. Seit 1725 wurden die Wale gefangen, aus deren Kopf die Melonen ausgebaut und zu Kerzenwachs verarbeitet. Sobald es mit Kohlestrom und Erdöl vorbei ist, geht es wieder mit dem Fangen und Schlachten von Walen los.

Beobachterin
5 Tage her
Antworten an  K. Sander

Ja, ich dachte, Kerzen seien schon gemütlicher als ein Dieselaggregat im Wohnzimmer zu betreiben. Sie haben natürlich recht: Das „Grüne“ lauert immer und überall. –

JamesBond
6 Tage her
Antworten an  Beobachterin

Die Kerzen machen wir uns selber. Bei 20 Bienenvölkern haben wir immer einen Vorrat an Wachs im Keller, Dochte auch und das natürliche Wachs verbreitet neben Licht in der Dunkelheit auch einen angenehmen Duft.
Holzofen und Grill sorgen im Zweifel für eine längere Phase an Wärme bei einem möglichen Blackout. Die Auswirkungen wären aber auf die Lebensmittelversorgung fürchterlich, deshalb werden wir jetzt Grund- Nahrungsmittel und Wasser bunkern.
Deutschland hat fertig Danke CDU, CSU und SPD, ihr träumt immer noch.

Last edited 6 Tage her by JamesBond
Beobachterin
5 Tage her
Antworten an  JamesBond

Das ist ja großartig. 20 Bienenvölker und immer duftende Kerzen im Haus 🕯 🕯 🕯 – sicherlich auch leckeren Honig. Die armen Veganer!

pcn
6 Tage her

Hier ein Beitrag, der auf einen unvermeidlichen Blackout hinweist. Wenn wir Glück haben, dann trifft uns „nur“ gezielte Stromrationierung. Dass Frankreich mit seinen 53 AKWs nun auch Energieknappheit befürchtet, lässt darauf schließen, dass wir auf jeden Fall uns auf eine Substituierung aus Frankreich nicht werden verlassen können, wie zum Xten Mal in der Vergangenheit. https://eike-klima-energie.eu/2021/10/09/woher-kommt-der-strom-dringender-aufruf/ Dass diese Merkel die Deindustrialisierung aus einer links-perversen Ideologielogik heraus gewollt hat, ist völlig evident. Dass aber nun die FDP – unter anderen Kartellparteien – diese Zerstörung fortsetzt, indem sie mit den Grünen sich ideologisch verschwistert, ist unverantwortliche Dummheit oder sträfliches Machtkalkül. Beides ist eine… Mehr

Last edited 6 Tage her by pcn