Vier US-Astronauten fliegen in der Nacht zum Donnerstag zum Mond und sollen ihn umrunden. Über eine App der NASA kann man die aktuelle Position des Orion-Raumschiffes in Echtzeit verfolgen. Der Druck ist hoch: Die USA wollen vor China Menschen auf den Mond bringen. Der Mond ist wieder zum nächsten großen Schauplatz geworden – für Wissenschaft, Technologie, geopolitische Interessen.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Joel Kowsky/Nasa
In wenigen Stunden beginnt die finale Countdown-Phase für die Rückkehr der Menschheit zum Mond. Zum ersten Mal seit dem letzten Apollo-Flug von 1972 sollen wieder Menschen zum Mond fliegen. In der Nacht zum Donnerstag soll um halb eins Artemis II starten. Vier US-Astronauten sollen zum Mond fliegen und den Erdtrabanten umrunden, allerdings nicht landen. Dieser Flug soll erst eine Mondlandung in zwei Jahren vorbereiten. Die SLS-Rakete steht seit einigen Tagen auf der legendären Startrampe 39B des Kennedy Space Centers in Florida.
Nach dem Start fliegt Orion in nordöstliche Richtung, der Standardrichtung, und umkreist die Erde zweimal in derselben Richtung wie die Erdrotation. Die Erde „dreht sich also mit“, das spart Treibstoff, und die Inklination passt perfekt für den späteren Flug zum Mond. Dann nach dem TLI, dem Trans-Lunar-Injection-Burn, biegt sie ab Richtung Mond. Der Brennstoß ist mit 350 Sekunden Brenndauer des Triebwerks so getimt und bemessen, dass das Raumfahrzeug Kurs Mond einnimmt und dort in eine Umlaufbahn einschwenkt, die das Raumfahzeug auch sicher wieder zurück zur Erde bringt.
Allerdings fliegt ab jetzt Orion aus dem Erdorbit, ab jetzt kann sie nicht mehr umdrehen. Sie muss zum Mond fliegen, wird dort vom Gravitationsfeld eingefangen, umkreist ihn und hat immer noch die Geschwindigkeit drauf, bei der sie auch wieder aus der Umlaufbahn hinausbefördert wird auf dem Weg in Richtung Erde. Das ist sozusagen der sichere Weg zum Mond mit Rückfahrschein; die Astronauten kommen auch dann zurück, wenn das Triebwerk bei der Mondumrundung ausfällt und keine Zündung mehr der Kapsel den nötigen Schubs auf die Bahn zurück zur Erde verpassen könnte.
Dann fliegt sie in Richtung Mond, passiert ihn in ungefähr 8.000 km Abstand und kehrt in etwa 10 Tagen zur Erde zurück. Der Mond wird dabei vor den Fenstern der Raumkapsel nur so groß wie ein Ball sein, näher kommen die Astronauten auf ihrer Umlaufbahn nicht heran. Es ist ein reiner Testflug ohne Landung – Schwerpunkt: Lebenssysteme, Navigation und Schutzschild der Orion-Kapsel unter realen Bedingungen zu prüfen. Die Astronauten werden weiter ins All vordringen als je ein Mensch seit Apollo 13.
Mehr als 50 Jahre nach dem Ende des Apollo-Programms startet die NASA mit dem Artemis-Programm eine neue Ära der Mondforschung. Rund 93 Milliarden Dollar hat das Projekt bereits verschlungen – offiziell, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, tatsächlich aber auch im geopolitischen Wettbewerb, insbesondere mit China.
Private Firmen spielen bei Artemis eine Schlüsselrolle. Die Orion-Kapsel selbst stammt nicht von Elon Musk, sondern von NASA und Lockheed Martin; an ihrer Rückgrat-Technik ist zudem Europas Raumfahrtagentur ESA mit dem Servicemodul beteiligt. Dies in Bremen gebaute Modul liefert unter anderem Antrieb, Strom, Wasser, Sauerstoff und Temperaturregelung für Orion.
SpaceX ist bei Artemis vor allem für die Mondlandefähre wichtig: Das Unternehmen entwickelt mit Starship HLS das System, mit dem Astronauten später vom Mondorbit auf die Oberfläche und zurückkommen sollen. Blue Origin ist als zweiter privater Lander-Anbieter ebenfalls dabei. Auch die SLS-Rakete entsteht mit Hilfe großer Industriekonzerne wie Boeing und Northrop Grumman. Artemis ist damit ein staatlich geführtes Programm, das ohne private Raumfahrtunternehmen in seiner heutigen Form gar nicht möglich wäre. Das war übrigens seinerzeit nach Beendigung der Apollo-Programme die Absicht, dem unbeweglich und träge gewordenen bürokratischen Koloss NASA wieder Beine zu machen.
Die erste bemannte Mission, Artemis II, soll die Astronauten wieder so weit von der Erde entfernen wie zuletzt 1972. Der eigentliche wissenschaftliche Durchbruch wird jedoch erst mit späteren Landungen erwartet. Dann sollen Proben vom Südpol des Mondes untersucht werden – einer Region, die bisher kaum erforscht ist. Dort vermuten Forscher nicht nur Wasser-Eis, sondern auch wertvolle Hinweise auf die Entstehung des Mondes und des gesamten Sonnensystems, wie das immer so schön heißt, damit Politik dies verkaufen und die Gelder freigeben kann.
Zugleich verfolgt die Mission praktische Ziele: Der Mond soll langfristig als Basis genutzt werden. Wasser, Sauerstoff und sogar Treibstoff könnten vor Ort gewonnen werden. US-Präsident Donald Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit gesagt, Ziel sei, die amerikanische Flagge auf dem Mars aufzustellen.
Die neue Orion-Kapsel der NASA markiert den technologischen Neustart der bemannten Mondflüge. Äußerlich erinnert sie zwar an die Apollo-Raumschiffe der 1960er Jahre, doch dahinter steckt eine komplett neue Konstruktion. Der Grund für die ähnliche Form ist simpel: Die Physik hat sich nicht geändert. Eine kompakte Kapsel minimiert die extreme Hitze beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.
Im Inneren ist Orion deutlich moderner und komfortabler. Die Kapsel bietet rund 60 Prozent mehr Platz als Apollo, inklusive Toilette, ein Novum im Vergleich zu den frühen Missionen. Die Aufteilung in drei Module – Crew, Technik und Rettungssystem – erlaubt eine internationale Zusammenarbeit. Das zentrale Servicemodul stammt von Airbus, während die NASA zentrale Antriebskomponenten zuliefert.
Technologisch zeigt sich der Fortschritt besonders bei den Lebenserhaltungssystemen. Kohlendioxid wird an Bord recycelt, Sauerstoff effizient wiederaufbereitet. Die Bordcomputer sind bei deutlich geringerem Gewicht um ein Vielfaches leistungsfähiger als bei Apollo. Energie liefern ausklappbare Solarpaneele mit hocheffizienten Zellen.
Dennoch bleibt der Zeitplan riskant. Artemis II wird den Mond nur umrunden, ohne Landung. Die eigentliche Herausforderung liegt bei den Landefähren: Hier setzt die NASA auf private Anbieter wie Elon Musk und Jeff Bezos. Deren Systeme befinden sich teils noch in der Testphase.
Der Druck ist hoch: Die USA wollen vor China wieder Menschen möglichst schnell auf den Mond bringen. Der Mond ist damit wieder zum nächsten großen Schauplatz geworden – für Wissenschaft, für Technologie, aber auch für geopolitische Interessen.
Falls nötig, gibt es weitere Fenster bis 6. April und am 30. April 2026. Die NASA betont jedoch: „Wir sind bereit – und wir zielen auf den 1. April.“
Über eine App der NASA kann man Flug und aktuelle Position des Orion-Raumschiffes in Echtzeit verfolgen.


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Diese Mondfahrt interessiert mich, einen alten Mann durchaus mit naturwissenschaftlichen Interessen, erstaunlich wenig. Einen großen Fortschritt für die Menschheit kann ich nicht erkennen.
Ich hoffe, dass die Besatzung heil wieder kommt. Aber das ist wirklich alles. Andere Dinge beschäftigen mich erheblich mehr.
Ich drücke den Amis die Daumen. Unsere Schnarchzapfen geben Entwicklungshilfe an Indien und China, die längst selbst Mondpläne haben, während wir nicht einmal mehr Atomkraftwerke betreiben wollen. Es ist zum Heulen.