Das ABC von Energiewende- und Grünsprech 81: Ölkraftwerk

Wie baut man ein Stromsystem unter Maximierung der Kosten und Beibehaltung der Emissionen um? Die Bundesregierung zeigt es uns.

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Täglich werden wir mit Begriffen konfrontiert, die im Ergebnis einer als alternativlos gepriesenen Energiewende verwendet werden oder durch sie erst entstanden sind. Wir greifen auch Bezeichnungen auf, die in der allgemeinen Vergrünung in den Alltagsgebrauch überzugehen drohen – in nichtalphabetischer Reihenfolge.

Ö wie

Ölkraftwerk, das

Hin und wieder äußern pessimistische Zeitgenossen, in Deutschland würde zu wenig in die Infrastruktur investiert. Das stimmt so nicht. Es geht sogar viel Geld in Technologien, die eigentlich als gestrig verschmäht werden und – merkwürdig – zuweilen spielen bei unserer Energiewende auch Emissionen keine Rolle. „Die Zeit drängt“, vermeldete die Marbacher Zeitung und meinte damit den Bau eines Kraftwerkes auf Basis von leichtem Heizöl, welches 2022 in Betrieb gehen soll. Geplant ist eine 300-Megawatt-Anlage auf dem Gelände des bestehenden Kraftwerks Marbach am Neckar, welches wohl 2023 endgültig stillgelegt wird.

Hintergrund des Vorhabens ist der Paragraf 11/3 des Energiewirtschaftsgesetzes, der den Bau von „Netzstabilitätsanlagen“ vorsieht, die nicht mit den „Netzreservekraftwerken“ zu verwechseln sind. Letztgenannte sind existierende Kraftwerke, die zumeist zur Stilllegung angemeldet sind, aber auf Grund ihrer Systemrelevanz zeitweise weiter betrieben werden müssen. Warum kann ein Kraftwerk „systemrelevant“ sein? Das hängt von der örtlichen Lage und seiner Netzanbindung ab. Im Grunde sind alle konventionellen Kraftwerke südlich der Main-Linie zu systemrelevanten befördert worden, keineswegs zur Freude der Betreiber. Diese werden für die Bereithaltung zwar entschädigt, das erweist sich aber als nicht kostendeckend. Die Besonderheit des süddeutschen Raumes ergibt sich aus der Kapazität der noch abzuschaltenden Kernkraftwerke. Im Winter 2017/18 kamen Netzreservekraftwerke immerhin an 105 Tagen zum Einsatz (Betrachtungszeitraum Oktober bis April), also fast an jedem zweiten Tag. Inzwischen stellt die Bundesnetzagentur eine Verschärfung der Situation fest.

„Netzstabilitätsanlagen“ hingegen seien nur für den „absoluten Notfall“ gedacht, versichert Bauherr EnBW. Da die Windstromleitungen von der Küste nach Baden-Württemberg bis zum Aus des Kernkraftwerks Neckarwestheim noch nicht fertig sein werden, brauche man „für alle Fälle“ eine solche „Anlage“, die offiziell nicht Kraftwerk heißen darf. Sie soll auch nur wenige Stunden im Jahr laufen, wie viele das sein werden, kann freilich niemand seriös sagen. Technologisch ist die geplante offene Gasturbinenanlage ein Rückschritt. 500 Grad heißes Abgas wird ungenutzt in die Atmosphäre gejagt, die effizientere Anlage Marbach 3 mit GuD-Technik nutzt die Abgaswärme und kommt auf einen Wirkungsgrad von über 50 Prozent, wird aber stillgelegt. Inzwischen hat sich leichtes Heizöl wieder verteuert, im Jahr 2000 verlangte der Großhandel noch 32 Euro pro Hektoliter, 2015 waren es dann 46 Euro, im November 2018 dann 66. In jedem Fall wird die geplante Anlage in Marbach jeglichen Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und auch ständig beschworenen Emissionssenkungen hohnsprechen.

Neue Überlegungen ziehen den Begriff „Not“ allerdings weiter. Die Next-Kraftwerke GmbH wirbt damit, Notstromaggregate als Einnahmequelle zu nutzen. Gehen wir mal davon aus, dass zum Beispiel Krankenhäuser ihre autarke Versorgung beim echten Notfall dann beherrschen und auch noch genug Diesel da ist.

Unverdrossen wird die Vermutung als Gewissheit verkündet, dass die Anbindung an Norddeutschland und dessen Windkraftanlagen die Versorgung im Süden sicher stellen könnte. Genau dies wird nicht der Fall sein. Schwankende Strommengen aus den Küstenländern können künftig weniger durch rheinländische und Lausitzer Kohlekraftwerke ausgeregelt werden, politisch veranlassten Stilllegungen geschuldet. Fehlende Planungssicherheit wie im Fall des Tagebaus Hambach kommt hinzu.
Die Apologeten der Energiewende sehen eigentlich das Erdgas als Übergangsenergie auf dem Weg in die dekarbonisierte Welt. Im Fall Marbach gibt es keine ausreichende Pipeline, zudem geht man (wohl zu Recht) davon aus, dass auch das Gas knapp werden könnte.

Was sagen die Umweltschützer zum Projekt Marbach? Ihre Kritik richtet sich auf den 90 Meter hohen Schornstein, der zu dem 160 Meter hohen bereits vorhandenen hinzukommt. Eine „technische Vermüllung in einem der schönsten Abschnitte des Neckars“ wird beklagt, offenbar in Unkenntnis darüber, wie andere Regionen Deutschlands, Küsten wie Mittelgebirge, mit tausenden Windkraftanlagen technisch vermüllt werden. Daneben nur noch demütige Einsicht, es sei wohl wegen der Energiewende notwendig . . .

Strahlende Klimaschützer

Das Kernkraftwerk Neckarwestheim mit einer installierten (und gefahrenen) Leistung von 2,2 Gigawatt vermeidet jährlich 10 Millionen Tonnen CO2. Netzreservekraftwerke und Netzstabilitätsanlagen sind klimapolitisch kontraproduktiv. Ginge es ums Klima, müsste man die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängern. So aber wird Neckarwestheim teilweise durch neue „CO2-Schleudern“ in Marbach und an anderen Standorten ersetzt werden.

Eine Lösung nach dem Energiewende-Lehrbuch wäre gewesen, die Ufer des Neckar mit Windkraftanlagen vollzustellen und den Zappelstrom in angeblich schon bald zur Verfügung stehenden Stromspeichern zu puffern. Marbach ist das beste Beispiel dafür, wie sich Visionen und Szenarien angesichts reeller Problemlagen ins Nichts auflösen.

Warum brauchte man bisher keine Netzstabilitätsanlagen? Weil eine ausreichende Anzahl versorgungssicherer konventioneller Anlagen zur Verfügung stand, die Strom bedarfsgerecht erzeugen konnte. Diese Zeiten gehen zu Ende. Die deutsche Energiewende ist der kostenmaximierte Weg des Umbaus eines Energiesystems:

  • Die Betreiber der Windparks erhielten auf Grund der fehlenden Koordination des Zubaus von Windkraftanlagen und verfügbarer Netze im Jahr 2018 bisher eine Entschädigung von 610 Millionen Euro (237 mehr als 2017) für ihren Phantomstrom, den sie nicht einspeisen konnten.
  • Die Kosten für das Redispatch und Einspeisemanagement, also Eingriffe in den operativen Betrieb, beliefen sich 2017 auf 837 beziehungsweise 610 Millionen Euro.
  • Nach Abschaltung des letzten Kernkraftwerks fallen Zahlungen für entgangene Reststrommengen an die KKW-Betreiber an, die Erklärung findet sich hier.
  • Das Urteil des internationalen Schiedsgerichts ICSID zur Klage um die zwangsstillgelegten Vattenfall-Kernkraftwerke steht noch aus, aber dass Deutschland aus der Nummer gratis herauskommt, ist unwahrscheinlich.
  • Es braucht etwa 1,2 Milliarden Euro für 1,2 Gigawatt „Stabilitätsanlagen“, die nur kurze Zeit laufen sollen und die, wie im Fall Marbach, nur für eine Lebensdauer von 10 Jahren konzipiert sind.
  • Es fallen Kosten an für in Reserve stehende Netzreservekraftwerke (s.o.).
  • Der Kohleausstieg führt zu erheblichen Aufwendungen hinsichtlich der Strukturhilfen. Die Länder fordern 60 Milliarden.
  • Minister Altmaier erwägt Entschädigungszahlungen an Kraftwerksbetreiber, um das Abschalten zu beschleunigen. Dies führt zur Verknappung des Angebots und steigenden Preisen. Ergo: Mit dem Steuergeld der Bürger wird deren Strompreis erhöht und die Wirtschaft zusätzlich belastet.
  • Das kürzlich beschlossene Netzausbaubeschleunigungsgesetz bringt höhere Entschädigungen für betroffene Land- und Forstwirte. Es können 25 Prozent des Verkehrswertes in Ansatz gebracht werden (bei Erdkabeln 35 Prozent). Gibt es binnen acht Wochen eine Einigung, greift zudem ein „Beschleunigungszuschlag“ von 50 Prozent.
  • Weiteres Klimageld fällt an. In Kattowitz wurden zusätzliche 750 Millionen Euro für den Klimafonds zugesagt, weitere 70 Millionen für Anpassungsmaßnahmen in der dritten Welt.
  • Deutschland drohen Strafzahlungen an die EU, wenn es 2020 und absehbar auch 2030 die Emissionsziele nicht erreichen wird. Dann müssen von anderen Mitgliedsstaaten CO2-Mengen gekauft werden, ein Preisschild kann man heute noch nicht beschriften.

Inzwischen dämmert es auch der CSU, dass Süddeutschland zur Sonderenergiewendezone wird. „Zur Versorgungssicherheit sind regionale Gaskraftwerke eine gute Alternative. Dazu müssen sich jedoch die nationalen Rahmenbedingungen ändern, damit klimafreundliche Gaskraftwerke rentabel werden“, so Ministerpräsident Markus Söder in seiner Regierungserklärung. Ziel müssten regionale Kapazitätsmärkte sein. Diese werden aber von der Bundesregierung abgelehnt (Gabriel seinerzeit: „Es gibt kein Hartz IV für alte Kraftwerke.“).

Bayern unterstütze zwar den nationalen Kohleausstieg, so Söder weiter, die jedoch in der Kohlekommission diskutierten Ausgleichszahlungen von 60 Milliarden Euro seien der falsche Ansatz. Dies wäre „ein nationales Energie-Umverteilungsprogramm“, bei dem Süddeutschland massiv benachteiligt würde. Dass es das nationale Energie-, also Geldumverteilungsprogramm mit dem Namen EEG schon gibt und Bayern massiv davon profitiert, davon spricht der Ministerpräsident nicht. Und dass der Große Horst den Leitungsbau verzögerte, ist bei ihm auch kein Thema.

„Der Norden hat den Wind, Ost und West Ersatzgeld für die Kohle und wo bleibt der Süden? Auch Bayern und Baden-Württemberg als Wirtschaftsregionen brauchen eine nachhaltige energiepolitische Perspektive.“ Nun, Bayern steht nicht nur hinter dem Kohleausstieg (in der falschen Annahme, davon nicht betroffen zu sein), sondern auch hinter dem Atomausstieg. Erinnern wir uns an das Abstimmungsverhalten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Atomausstiegs- gesetz 2011, so sehen wir 224 Zustimmungen und nur 5 Gegenstimmen. Inwieweit blinde Kanzlerinnengefolgschaft oder Ahnungslosigkeit die Ursachen waren, lässt sich nicht mehr feststellen. Tatsache ist, die CSU wacht spät auf.

Die niemals Gewinn erwirtschaftende Investition in Marbach zeigt, dass diese Form der Energiewende dirigistischen Eingriffe ins Energiesystem nötig macht, die mit Marktwirtschaft und Wettbewerb nichts zu tun haben und die Kosten treiben. Absehbar ist, dass der erste Spatenstich für die Anlage in Marbach feierlich begangen werden wird. Sprechen wird man visionär von einem wichtigen Schritt der Energiewende . . .


Frank Hennig ist Diplomingenieur für Kraftwerksanlagen und Energieumwandlung mit langjähriger praktischer Erfahrung. Wie die Energiewende unser Land zu ruinieren droht, erfährt man in seinem Buch Dunkelflaute oder Warum Energie sich nicht wenden lässt. Erhältlich in unserem Shop: www.tichyseinblick.shop

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Kommentare ( 50 )

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Man kann nur mit dem Kopf schütteln bis er schmerzt. Kraftwerke jeder Art können nur einspeisen, wenn sie netzsynchron laufen. Also müssen sie – so sie spontan aushelfen können sollen – rund ums Jahr in Betrieb sein, das verbraucht Brennstoff und erzeugt Betriebskosten. Das wäre alles kein Problem wenn es keine Vorfahrt für Erneuerbare gäbe. Völlig dilettantisch jedoch gibt es die, das lässt die Netzstabilität einbrechen und verschiebt die Energieproduktion von modernen Kombikraftwerken hin zu alten Kohlemeilern. Der Nettoeffekt fürs Klima ist damit für die Katz. Weg mit der Vorzugsbehandlung! Die Folge wäre ein Ausbaustopp der Erneuerbaren, vielerorts sogar Rückbau,… Mehr

Womöglich sollte das SprichwortDie Spinnen die Römer
leicht Modifiziert werden in Die Spinnen die Deutschen!

Lieber Herr Hennig,

Wie kommen Sie bitte zu dieser unsinnigen Aussage?
„zudem geht man (wohl zu Recht[!]) davon aus, dass auch das Gas knapp werden könnte.“
Erdgas gibt es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer und reicht noch locker die nächsten 200 -300 Jahre…

Der zu erwartende Nachfrageschub nach Gas – in der Folge des Ausstiegs aus Kernkraft und Kohle in D – wird zunächst die Preise steigen lassen. Zudem baut Russland gegenwärtig zwei Leitungen nach China, eine in die Türkei, d.h. Russland kann unter mehreren Kunden die Preise für sich „optimieren“. Die deutsche und auch die niederländische Erdgasförderung gehen dem Ende entgegen, Norwegen muss weiter im Norden fördern, was die Sache auch nicht billiger macht.
Gas wird nicht in dem Sinne knapp, dass es nicht mehr geliefert wird, aber es wird Knappheitssignale in Form höherer Preise geben.

Danke für ihre antwort.

Auch wenn ihre antwort immer noch ignoriert, dass es erdgas derzeit und auch für die nächsten jahrzehnte im überfluss auf dem weltmarkt verfügbar ist.

Was sie vermutlich versuchen auszudrücken, ist die tatsache das deutschland unfähig ist die lieferanten zu diversifizieren…

Solange die Wähler Studienabbrecher der Gesellschaftswissenschaften und sonstige Gutmenschen als Umwelt-, Energie- und Wirtschaftsminister dulden, haben Elektroingenieure halt keine Chance. Da helfen nur Stromausfälle im großen Stil und mediale Kritik, um dem Wahlvolk das Denken beizubringen.

Vollkommen richtig. 60% der Wähler empfinden Grün-Infantil. Es ist religiöse Bewegung die impertinent und frei jeglicher Bildung vertreten wird.
Dieser Wähler wird erst durch Schaden an sich klug.

Manchmal muß man radikal denken. Angesichts Ihres Artikels kam ich auf die Idee, ob es nicht günstiger sein könnte, alle stromerzeugenden Systeme in Deutschland abzuschalten und den Strom übergangsweise ausschließlich aus dem Ausland zu beziehen. Dort regiert vergleichsweise der gesunde Menschenverstand und man freut sich sicher, die vorhandnen Kraftwerke optimal nutzen zu können. Auch hat der perteiübergreifende grüne deutsche Tüftler dort wenig Einfluß. Es ist in der Tat langweilig, immer wieder diesen als Shopping Mall mißglückten Großflughafen in Berlin als Beispiel heranzuziehen, aber Berlin könnte bald überall in Deutschalnd sein. Wenn sie genau hinsehen, sind die verantwortlichen Akteure immer vom… Mehr
Ihre Aussage zum technologischen Rückschritt, sollte eingeordnet werden: „Technologisch ist die geplante offene Gasturbinenanlage ein Rückschritt. 500 Grad heißes Abgas wird ungenutzt in die Atmosphäre gejagt, die effizientere Anlage Marbach 3 mit GuD-Technik nutzt die Abgaswärme und kommt auf einen Wirkungsgrad von über 50 Prozent, wird aber stillgelegt.“ Hier wird versucht, das bestehende Kraftwerk mit einer künftigen Netzstabilitätsanlage zu vergleichen. Einziges Kriterium ist der Wirkungsgrad ganz offenbar. Viel wichtiger ist der Umstand, dass nur das neue Kraftwerk geeignet ist, als Netzstabilitätsanlage innerhalb von ca. 30 Minuten einzuspringen, wenn es notwendig ist. Das bisherige Kraftwerk wird also durch erneuerbare Energien einerseits… Mehr

100 Mio Investition für 50 Betriebsstunden pro Jahr?!? Nach wieviel Jahrhunderten soll sich die Anlage dann amortisiert haben?

Netzstabilitätsanlagen gelten als Betriebsmittel, sind aber letztlich nichts anderes als Kraftwerke. Da ist die Betrachtung des Wirkungsgrades zwingend nötig. Woher kommt die Angabe der 50 Betriebsstunden und wie ist sie errechnet worden?

„Die neue Anlage darf nur 1500 Stunden im Jahr laufen, aktuell gehen die Planer aber von einem Wert von 40-50 Stunden pro Jahr aus.“ (Quelle: http://www.marbacher-zeitung.de/inhalt.marbach-plaene-fuer-neues-kraftwerk-praesentiert.0d1761d7-debd-4e28-8a0f-a288083caf8b.html)

Und noch einmal: Die Anlage, soll im Notfall Stromausfälle vermeiden. Durch Stromausfälle entstehen Kosten. Die Kosten für ein Ersatzkraftwerk wie dieses sind offensichtlich geringer als eine kalkulierte Anzahl Stromausfälle.

Die Anlage finanziert sich also niemals auf Basis ihres Betriebs, sondern darüber, zu existieren und bei Bedarf einzuspringen (oder umgekehrt dadurch, andere, höhere Kosten zu vermeiden).

Ich vermute, Cleanthinking ist ein kleiner Fehler Unterlaufen.
Die 50 Betriebsstunden sind der Mindeststandart. Und werden eingerechnet in die Vorlaufzeit der Anklage.
Sprich, die Anlage wird auch Angefahren, wenn keine Ersatzversorgung gefordert ist. Das hat etwas damit zu tun, damit die Anlage nicht festfährt.

Nein, mir ist kein „kleiner Fehler“ unterlaufen, sondern ich beziehe mich auf einen Artikel der Marbacher Zeitung.

„Die neue Anlage darf nur 1500 Stunden im Jahr laufen, aktuell gehen die Planer aber von einem Wert von 40-50 Stunden pro Jahr aus.“

Das deckt sich auch mit Zitaten von EnBW-Seite, bei denen von einer „sehr geringen Betriebsstundenzahl pro Jahr“ gesprochen wird.

Die Planer gehen von einer Laufzeit / wert von 40-50 Stunden pro Jahr aus. Ich bin mal gespannt wie viel es dann nachher tatsächlich werden / nötig sind. Bei Projekten ist es vielfach so, daß von vorne rein bewußt falsche Zahlen genannt werden oder zumindest nach den günstigsten bedingungen gerechnet wir, daß ein Projekt überhaupt sinnvoll erscheint und genehmigt / gebaut wird. Planer verdienen am Bau, sie Trasgen aber keine finanzielle Verantwortung dafür, wenn Ihre vorrausgesagten Zahlen nachher nicht stimmen. Im Gegenteil, wenn etwas nachher nicht so ist wie versprochen foinden Sichj dafür immer Entschuldigungen und dann mußman eventuell nachbessern,… Mehr

Also, ich habe mir die Ausschreibung einmal angesehen. In der Tat stimmt die Aussage der Marbacher Zeitung nicht. Die Anlage soll für „mindestens 500 Stunden“ Gesamtbetriebszeit pro Kalenderjahr ausgelegt werden. Sie soll 38 Stunden ununterbrochen laufen können.

(Quelle: https://ted.europa.eu/TED/notice/udl?uri=TED:NOTICE:280659-2018:TEXT:EN:HTML&src=0)

Ihre Aussage „Im Jahr 2018 bisher eine Entschädigung von 610 Millionen Euro (237 mehr als 2017) für ihren Phantomstrom, den sie nicht einspeisen konnten.“ ist schlecht recherchiert.

Die Entschädigung von 610 Millionen Euro bezieht sich nach meinen Recherchen auf das Jahr 2017. Der Unterschied von 237 Millionen Euro ist der Unterschied zu 2016 (vgl. tagesschau.de -> https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie-strom-101.html)

Bitte um Korrektur.

Die Zahlenangabe stammt vom (energiewendefreundlichen) TAGESSPIEGEL Background (nur Abonnenten zugänglich, wird per Mail versendet):
„Wegen fehlender Leitungen kann aber nicht die gesamte Kapazität der Windräder genutzt werden. Die Betreiber der Windparks erhalten dann eine Entschädigung, die von den Stromkunden über die Netzentgelte bezahlt werden muss. Im vergangenen Jahr waren das laut Bundesnetzagentur 610 Millionen Euro, 237 Millionen Euro mehr als 2017.“

„Im vergangenen Jahr waren das laut Bundesnetzagentur 610 Millionen Euro, 237 Millionen Euro mehr als 2017.“ Noch einmal: Die Zahlen existieren, gehören aber zu anderen Jahren. Der dpa-Artikel (https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energiemarkt-rekord-bei-oekostrom-1.4248375) enthält diesen Fehler bereits. Die Aussage „im vergangenen Jahr“ bezieht sich bei einem Artikel aus dem Dezember 2018 logischerweise auf 2017. Die Aussage „mehr als 2017“ muss dann also lauten „mehr als 2016“. Das wird auch am Nachfolgesatz deutlich: „Auch im ersten Quartal 2018 stiegen die Entschädigungsansprüche, um 86 Millionen auf 224 Millionen Euro.“ Wieso sollte zuerst die bisherige Gesamtsumme 2018 genannt werden und dann nochmal explizit die des ersten Quartals?… Mehr
Mit Aktien von deutschen Energieversorgern konnte man in den letzten Jahren ein kleines Vermögen machen, musst nur ein sehr großes mitbringen. Ob E.ON oder RWE je wieder auf die Beine kommen werden, oder das traurige Resultat wirtschaftlicher Zerstörung bleiben, ist schwer abzuschätzen. Was man jedoch sagen kann ist, dass weltweit 454 Atomkraftwerke in Betrieb sind, weitere 54 im Bau, und für die nächsten 8-10 Jahre 158 geplant, und bis 2030 weitere 351 Reaktoren beabsichtigt sind. In der nächsten Dekade dürfte sich also die Atomindustrie verdoppeln. Wen es interessiert, sollte einen Blick auf den Global X Uranium ETF werfen, und angesichts… Mehr

Die beschriebene Anlage kostet 100 Millionen Euro. In Baden-Württemberg soll es vier Anlagen geben mit einer Gesamtkapazität von 1,2 GW. 100 Millionen mal vier wären für mich Kosten von 400 Millionen Euro. Sie stellen Kosten von 1,2 Milliarden Euro in den Raum – ist diese Zahl belegbar?

Die Investition soll „über 100 Mio Euro“ kosten. In der Tat ist dies die richtige Zahl.

Und wieso steht dann dies in Ihrem Artikel?

„Es braucht etwa 1,2 Milliarden Euro für 1,2 Gigawatt „Stabilitätsanlagen“, die nur kurze Zeit laufen sollen und die, wie im Fall Marbach, nur für eine Lebensdauer von 10 Jahren konzipiert sind.“

Richtig ist, dass die Next Kraftwerke GmbH (korrekter Unternehmensname) Diesel-Notstromaggregate in virtuelle Kraftwerke zur Bereitstellung von Regelenergie integriert. Diese Aggregate müssen regelmäßig angefahren werden, um auf Einsetzbarkeit geprüft zu werden. Diese Testläufe, die oft Samstags Morgens stattfinden, können teilweise durch die Nutzung im Pool des Cleantech-Unternehmens Next Kraftwerke GmbH vermieden werden.

Eigentlich ziemlich logisch und sinnvoll, oder?

Dann ist das aber nicht mehr ‚Cleantech‘ sondern ‚Lügentech‘, wenn man in seine virtuellen Cleantech-Kraftwerke Dieselaggregate integriert. Folgerichtig nimmt die Next Kraftwerke GmbH dadurch den Tod von Tausenden, wenn nicht Millionen Menschen an NOx und Feinstaubbelastung fahrlässig in Kauf. Ich werde das der Deutschen Umwelthilfe melden!!!

Entscheidend ist, dass die Kapazitäten nur sehr selten gebraucht werden und noch dazu reinen Testbetrieb teilweise ersetzen.

Jetzt ist ein Bindestrich zu viel im Unternehmensnahmen schon ein Grund zur Korrektur?
Ich finde es zumindest merkwürdig, dass Notsysteme künftig für die reguläre Versorgung herangezogen werden sollen. Wenn sie weiterhin nur kurz – testmäßig – laufen, dürfte der Beitrag zur Strombereitstellung zu vernachlässigen sein.

Das nennt sich Redunanz, Herr Hennig.
Rück- oder Ausfallsicherung. Gab es auch in Bergwerken. Um Minimalleistung zu sichern.

Das Geschäftsmodell besteht darin, Kurzzeit -Regelenergie zur Vermeidung eines absehbaren Netzzusammenbruchs unter Ausnutzung der Notlage des Netzbetreibers extrem teuer zu verkaufen,vermutlich für weit mehr als 1 Euro pro kWh. Macht nix, der dumme Verbraucher zahlt ja, ob es ihm gefällt oder nicht.
Das Ganze erinnert mich immer wieder an den Fall, dass jemand ein Hemd falsch geknöpft hat, aber um jeden Preis vermeiden will, dies zuzugeben. Damit es möglichst spät offensichtlich wird, versucht man dies mit immer neuen Tricks zu verschleiern, auch um den Preis, das Gesamtvorhaben zu konterkarieren.

Hört sich nach freier Preisgestaltung an. Ist es aber nicht. Der Netzbetreiber schreibt die benötigte Regelenergie aus und präqualifizierte Anbieter machen ein Angebot. Wer immer der Teuerste ist, wird nie einen Zuschlag erhalten.