Wind und Sonne stellen fette Rechnungen

2025 kassierten Wind- und Solarbetreiber 16,5 Milliarden Euro Zuschuss für Strom, der oft wertlos war, verschenkt oder gar nicht produziert wurde. Die Zeche zahlen Mieter, Autofahrer und Betriebe, während die Politik das teure Irrsinnssystem weiter verteidigt.

picture alliance / Andreas Franke | Andreas Franke

Die Jahresabrechnung der Stromnetzbetreiber über die Subvention von Windkraft- und Solaranlagen für 2025 liegt vor. Danach haben Windkraft- und Solarbetreiber im Jahr 2025 16,5 Milliarden € Zuschuss aus dem Bundeshaushalt erhalten.

Betreiber dieser Anlagen bekommen 20 Jahre lang eine Einspeisevergütung von 6-12 €ct/kWh (je nach Anlage). Immer dann, wenn die Einspeievergütung unterschritten wird, wird die Differenz aus dem Klima- und Transformationsfonds des Bundes erstattet. Das passiert, wenn zu viel Windenergie und Solarenergie (zumeist mittags) eingespeist werden. Dann sinkt der Strompreis gegen Null und der Betreiber erhält trotzdem die Festvergütung. Diese Milliarden werden bezahlt von den Mietern und den Autofahrern, die über den CO2-Preis bei der Gas- und Ölheizung sowie an der Tankstelle abkassiert werden.

Das ist eine unsoziale Milliarden-Umverteilung von Mietern und Autofahrern an kapitalkräftige Investoren in Wind- und Solarparks. Es wird also Strom subventioniert, der zu diesem Zeitpunkt nichts wert ist und nicht gebraucht wird. Um das Netz nicht instabil werden zu lassen, wird der Strom dann häufig ins Ausland verschenkt. Oder Anlagen werden durch den Netzbetreiber abgestellt und der Betreiber bekommt 95 % der EEG -Vergütung für nicht produzierten Strom zu einem Zeitpunkt, an dem er nichts wert ist. Aber es wird noch verrückter: Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht und Strom teuer importiert werden muss, kann der Strompreis leicht auf 20-40 €ct/kWh hochschnellen. Dann bekommt der Solar- und Windparkinvestor den vollen Betrag, der die EEG-Vergütung überschießt.

In den letzten Tagen war beides zu beobachten. Wie man in der nächsten Grafik sieht, schwankte der Strompreis von 0 bis 40 €ct/kWh (Grün: Erneuerbare, Grau: Gas und Kohle, rot: Strompreis). Man sieht sehr schön in der roten Kurve die Nullstellen (blaue Pfeile), bei denen die Solar- und Windbetreiber subventioniert werden und die Extremzeiten (rote Pfeile), in denen Solar- und Windkraftbetreiber Extraprofite einfuhren. Es ist wie bei „Hase und Igel“: Die Wind- und Solarinvestoren gewinnen immer. Bezahlen müssen es Mieter/Vermieter, Autofahrer und Industrie über den CO2-Preis und den Strompreis.

Abbildung: Stromerzeugung und Strompreis im März 2026. Die linke y-Achse gilt für die Leistung: Erneuerbar (grün), Kohle und Gas (grau). Die rechte y-Achse gilt für die rote Strompreiskurve. Rote Pfeile: hohe Strompreise, blaue Pfeile: Strompreis nahe Null

Die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche trägt sich daher mit dem Gedanken, diese abenteuerliche Politik zu reformieren. Sofort gab es fundamentalen Widerspruch von SPD und Grünen. Nina Scheer (SPD) kritisierte, dass diese Reform „den Ausbau der Photovoltaik massiv ausbremsen würde“. Und Katrin Uhlig (Grüne) geißelte den Versuch als „Angriff auf das Erfolgsmodell der Energiewende“. Diese verlogene Kritik, die offen und unverfroren die Abzocke für wertlosen Strom weiter rechtfertigen will, erfuhr eine breite verständnisvolle Wiedergabe in den Medien von ARD bis zu Zeit und Spiegel.

Jetzt wäre die Zeit, alte ideologische Zöpfe abzuschneiden

Jetzt wäre die Zeit, über den Weiterbetrieb der Kohlekraftwerke, die Aufhebung des deutschen Verbots der Schiefergasförderung aus dem Jahre 2017 und die Abschaffung des Kernenergieverbots in Deutschland zu diskutieren. Es war Bundeskanzler Helmut Schmidt, der als Antwort auf die erste und zweite Ölkrise ein massives Ausbauprogramm der Kernenergie umsetzte. Aber wir haben keinen Helmut Schmidt, sondern Friedrich Merz.

Als die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in diesen Tagen die Abkehr von der Atomkraft als einen strategischen Fehler bezeichnete, eierte Kanzler Merz rum: „Ich bedaure das, aber es ist so, und wir konzentrieren uns jetzt auf die Energiepolitik, die wir haben.“

Beim Neujahrsempfang der Wirtschaft in Halle im Januar 2026 sagte er dagegen, dass der Ausstieg aus der Kernenergie „ein schwerer strategischer Fehler“ war und die Energiewende „die teuerste und ineffizienteste der Welt“ sei. Er wurstelt weiter, weil er Rücksicht nimmt auf die völlig vergrünte SPD, die die Interessen der Industriearbeitsplätze aus den Augen verloren hat.

Umweltminister Schneider meint, Strom aus Solar und Windenergie seien günstiger. Er zeigt, dass er keine Ahnung hat: 16,5 Milliarden € aus dem Bundeshaushalt im Jahr 2026 an Subvention für Solar und Wind (s.o.). Dafür könnten wir jedes Jahr 2 Kernkraftwerke bauen und hätten für 60-80 Jahre zuverlässigen, günstigen Strom. Lieber Genosse Schneider: dann störe wenigstens unsere Nachbarn nicht, wenn sie die Kernkraftwerke der nächsten Generation bauen. Wir werden noch einmal um diesen Strom betteln.

Übrigens: Ursula von der Leyen war 2011 in Merkels berüchtigtem Ausstiegsjahr Arbeitsministerin (!) und unterstützte Merkels Kernenergieausstieg damals fulminant. Das hat uns seitdem 500 Milliarden € gekostet und zu den höchsten Strompreisen und einer massiven Deindustrialisierung geführt.

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Kommentare ( 1 )

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Raul Gutmann
57 Minuten her

Eines der kuriosesten Erscheinungen hierzulande besteht darin, daß ein Großteil der Niedrigeinkommensbezieher derart überzeugt die Regierungslinie vertritt, statt angesichts ihrer prekären Lebenssituation eine oppositionelle Haltung einzunehmen.