Die Stromversorgung und das Geld

18,5 Milliarden Euro betrug die EEG-Förderung im Jahr 2024, im Jahr danach waren es 17 Milliarden Euro. Mit diesem Geld wurden die „Erneuerbaren“ am Leben erhalten und die Profite der Betreiber gesichert. Das Geld ist also weg. Für die Folgejahre werden absehbar zwischen 14 und 20 Milliarden Euro fällig werden. Wind und Sonne schicken saftige Rechnungen: Jahr für Jahr.

picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde

Dass die sogenannte Energiewende zum Nulltarif zu haben ist, behauptet niemand. Aber auch niemand weiß, was sie bisher gekostet hat und künftig kosten wird, wenn der „ehrgeizige“ aber erfolglose Kurs der Dekarbonisierung so weitergeführt wird. „Es ist ja nur Geld“, war einer der legendären Sprüche des unverstandenen Genies Robert Habeck. Die große asoziale Umverteilung geht weiter.

Die Bundesregierung gibt an, eine verlässliche, kostengünstige und umweltfreundliche Energieversorgung erhalten zu wollen, obwohl sie schon nicht mehr existiert. Gegen den Paragrafen 1 des Energiewirtschaftsgesetzes, die Verpflichtung zu einer auch preiswerten Energieversorgung, wird seit Jahren ungestraft verstoßen.

Bisher ist die Energiewende vor allem eine angefangene Stromwende, die durch Übergang von fossilen und Kernkraftwerken zu emissionsfreien Naturstromerzeugern geschehen soll, angeblich aus Gründen des „Klimaschutzes“. Ein vorgeschobenes Argument, wie der Ausstieg aus der emissionsfreien Kernkraft zeigt. Um die Strommenge der zuletzt abgeschalteten drei Kernkraftwerke zu ersetzen, müssen die nächsten zirka 6.000 Windkraftanlagen (WKA) für den Ersatz des entfallenen Atomstroms gebaut werden. Also für den Ersatz emissionsfreien Stroms durch emissionsfreien Strom.

Dass dieser Ersatzstrom nur mengenmäßig, zeitlich zufällig und am Bedarf vorbei produziert wird, weiß immer noch nicht jeder. Zudem wies Fachkraft Claudia Roth von den Grünen darauf hin, dass man „mit Atomenergie im Winter nicht heizen“ könne. Sie kannte Wärmepumpen offenbar nicht, hat aber insofern Recht, dass der Wärmesektor überwiegend fossil gesichert wird. Die mächtige „Erneuerbaren“-Lobby, fest verankert in den Regierungsparteien, hat es dennoch geschafft, das Land exzessiv mit Wind- und Solaranlagen zuzustellen. Gleichzeitig werden konventionelle Kraftwerke ersatzlos abgeschaltet, auch die mit ökologisch und ökonomisch vorteilhafter Kraft-Wärmekopplung.

Per Gesetz und steigenden Preisen durch den Emissionshandel versuchen Bundesregierungen mit Gesetzeskraft, unwirtschaftliche emissionsarme Technologien durchzudrücken. Dazu braucht es Subventionen und Vergünstigungen wie den Einspeisevorrang für Wind- und PV-Anlagen und Vergünstigungen beim Netzanschluss.

Inzwischen beträgt die installierte Leistung der Wind- und PV-Anlagen Stand Februar 2026 sagenhafte 196 Gigawatt (GW) – bei einer maximalen Netzlast von 80 GW. Energiewender rechnen gern um in eine Anzahl von „Atom“kraftwerken. Diese 196 GW entsprächen etwa 130 Kernkraftwerken. Die hätte allerdings niemand gebraucht, nicht einmal 50 Anlagen hätten für die bedarfsgerechte Vollversorgung ausgereicht. 17 hatten wir schon gleichzeitig in Betrieb.

Was kostet die „erneuerbare“ Welt?

Der politisch korrekte Aufschrei bei dieser Zahl lautet, „Atomenergie“ sei viel zu teuer. Dann folgt zum Beispiel der Hinweis auf die Kosten, die das Kernkraftwerk Olkiluoto 3 in Finnland verursachte. 11 Milliarden Euro und 18 Jahre Bauzeit schlugen zu Buche. Nun ist es in Betrieb und wird für mindestens 60 Jahre grund- und regellastfähig Strom liefern, es erspart Stromspeicher und ein Endlager gibt es auch.

Die deutsche EEG-Förderung betrug im Jahr 2024 satte 18,5 Milliarden Euro, im Jahr danach 17 Milliarden Euro. Sie war notwendig, um die „Erneuerbaren“ im Land am Leben zu erhalten und die Profite der Betreiber zu sichern. Das Geld ist also weg und für die Folgejahre werden absehbar, je nach Aufkommen an Naturenergie, zwischen 14 und 20 Milliarden Euro fällig werden – jährlich, wie gesagt.

Jedes Jahr also mehr als ein Neubau von Olkiluoto, etwa eineinhalb Mal so viel wie der Gotthard-Basistunnel und die Deutsche Bahn könnte davon knapp 700 ICE-Züge kaufen. Während das finnische Kernkraftwerk, der Gotthard-Basistunnel und viele ICEs jahrelang weiter Dienst tun, schicken Wind und Sonne jedes Jahr aufs Neue saftige Rechnungen.

Die Betriebskosten von Olkiluoto 3 sind überschaubar, seit Inbetriebnahme sind die Stromkosten in Finnland gesunken. Würden wir in die Kernkraft (oder moderne Kohlekraft) investieren anstelle in das Überleben nicht marktfähiger Technologien, wäre das eine Stromwende mit Erfolgsaussicht.

Beharrlich behaupten ideologisch gefestigte Energiewender, der Naturstrom sei die billigste Energie. Ich würde das sofort akzeptieren, wenn die EEG-Förderung gestrichen würde, auch für Bestandsanlagen. Es mag sein, dass Anlagen an wind- und sonnengünstigen Standorten niedrige Stromgestehungskosten aufweisen, die haben aber nichts mit den am Markt erzielbaren Preisen zu tun, weil zufällig und am Markt vorbei produziert wird. Also, liebe Energiewender, Haltung zeigen und der Abschaffung der EEG-Förderung zustimmen.

Viel Wind um wenig

Der Maximalbedarf in Deutschland von etwa 80 GW kann von der gigantischen Wind- und PV-Kapazität auch nominell nicht gedeckt werden. Im Januar 2026 lieferten Licht und bewegte Luft zwischen 12 und 63 GW, erratisch nach Weisung des Wettergottes. Den Rest besorgten die bösen Fossilen und der Import. Ein paar tägliche Schwankungen bügelten die Pumpspeicherwerke aus, Großbatterien waren nicht spürbar. Die Hoffnung, dass bald Tausende von ihnen helfen werden, ist hypothetisch, die Geschwindigkeit sinkender Füllstände in den Gasspeichern hingegen aktuelle Realität. Investitionen in sichernde Infrastruktur verlieren den Wettlauf gegen den allgemeinwirtschaftlichen Abstieg.

Weder Wärmepumpen noch batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) sind schlechte Technik oder per se unwirtschaftlich. Ihr großflächiger Einsatz macht aber nur Sinn, wenn, wie in Norwegen, große Mengen regelfähigen Grünstroms zu niedrigen Preisen verfügbar sind. Es macht keinen Sinn, Gasheizungen zu verbieten und Wärmepumpen im Winter mit Strom aus Gaskraftwerken zu betreiben. Die Emissionen einer modernen Gasbrennwertheizung unterschreiten im Winterbetrieb die einer Luftwärmepumpe mit einem COP (Coefficient of Perfomance) von 2, wenn diese mit Strom aus dem deutschen Mix mit jahresdurchschnittlich 380 Gramm CO2 pro Kilowattstunde betrieben wird. Im Winter ist dieser spezifische Emissionswert mangels PV-Strom noch höher.

Die Gaskraftwerke müssen zum Teil erst noch gebaut werden, Kapitalkosten fallen an und Subventionen sind erforderlich. Sie werden einen Großteil der heutigen Kohlekraftwerksleistung übernehmen müssen, wenn diese nach dem weiter geltenden Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) wegfällt. Das Framing, die Gaskraftwerke würden nur zeitweise laufen, „wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint“ ist ein interessengeleiteter Fake oder, auf gut Deutsch: eine Lüge.

Es findet zumindest teilweise ein Brennstoffwechsel statt und einige Gaskraftwerke werden durchlaufen müssen, auch auf Grund nötiger rotierender Massen und der Bereitstellung von Systemdienstleistungen, also der Frequenz- und Spannungshaltung. Der Anteil an Ökostrom liegt im Jahresdurchschnitt (ein Parameter, der im Echtzeitsystem Stromversorgung im Grunde ohnehin obsolet ist) bei über 60 Prozent, die Systemverantwortung liegt bei ziemlich genau Null Prozent.

Kostenpflichtige Extras

Weitere Überweisungsformulare liegen schon auf dem Tisch. Nach diesem Winter wird sich die Regierung einer nationalen Erdgasreserve kaum verweigern können. Das Füllen der Speicher über den Sommer 2026 dürfte marktgetrieben auf Grund der Preissituation und der Kriegslage am Golf wiederum nicht angereizt werden. Staatliche Hilfe für einzuspeichernde Mengen ist absehbar, andernfalls würden auch einige der Speicherbetreiber mit Stilllegung drohen. Die Kosten für eine nationale Erdgasreserve sind nicht abschätzbar, aber einige Milliarden sind dann fällig.
Da ab Ende 2027 EU-weit kein russisches Gas, auch Flüssiggas (LNG), mehr importiert werden soll, werden Importmengen an LNG aus anderen Ländern steigen und es müssen reguläre Terminals anstelle der Schiffsanleger für gemietete Regasifizierungsschiffe gebaut werden. Auch hier wird es ohne Geld vom Staat nicht funktionieren.

Der Weg zu neuen Gaskraftwerken ist lang, die Ausschreibungen sind immer noch nicht erfolgt. Die Genehmigung neuer Gaskraftwerke in Deutschland fällt der EU-Kommission sichtbar schwer, geht es doch hier um fossile Kraftwerke. Man wundert sich in Brüssel, warum Kohle- und Kernkraftwerke abgeschaltet wurden, um dann wieder fossile Kraftwerke zu bauen. Anders bei der Genehmigung der staatlichen Unterstützung für polnische Kernkraftwerke, die im Grunde emissionsfrei laufen. Die polnische Regierung folgt, wie andere europäische Staaten auch, mit ihrer Energiestrategie übrigens einer Empfehlung des IPCC.

Insbesondere für die neu zu bauenden Gaskraftwerke treibt die Aussicht auf hohe Betriebskosten die Erwartungen potenzieller Bieter im Ausschreibungsverfahren auf umfangreiche staatliche Hilfe. Wenn nach vieljähriger Verzögerung die Ausschreibungen erfolgen, sitzen die Interessenten an einem sehr langen Hebel. Es wird um Baukostenzuschüsse, vergünstigte Gaspreise und die Gestaltung des Kapazitätsmarktes gehen, das heißt um die Höhe der Zahlungen für die Reservestellung der Anlagen. Möglich wären auch garantierte Vergütungen für den eingespeisten Strom, ähnlich der EEG-Förderung. Jedenfalls müssen künftige Gaskraftwerksbetreiber kräftig angefüttert werden, damit sie anbeißen.

Eine Kostenschätzung für diesen Sektor ist völlig unmöglich. Es wird teuer, möglicherweise wird eine neue Umlage auf den Strompreis fällig. Die Notwendigkeit neuer „Sondervermögen“ scheint unausweichlich.

Der Kassenbon – die Stromproduktion

Zurück zum Geld, was summiert sich nun an Stromwendekosten? Zunächst: Es ist seriös nicht möglich, die Kosten exakt zu ermitteln. Zu viele versteckte oder indirekte Kosten fallen an, eine Kostenabgrenzung mit ohnehin nötigen Aufwendungen wie dem Netzausbau ist schwierig bis unmöglich.

Prinzipiell handelt es sich bei allen Sektoren der Stromversorgung, also der Produktion, dem Transport und dem Verbrauch, bereits heute um ein staatlich gestütztes System. Die Stromerzeugung wird direkt subventioniert bei den sogenannten „Erneuerbaren“. Nach EEG gibt es, für 20 Jahre garantiert, einen festen Abnahmepreis, zudem den Einspeisevorrang, der die Netzbetreiber zur Abnahme verpflichtet, ungeachtet des Bedarfs. Das ist zwar bei Neuanlagen und negativen Preisen am Strommarkt eingeschränkt, die Masse der Bestandsanlagen ist jedoch nicht betroffen.

Beeindruckend ist die Verstetigung der EEG-Förderung als Dauersubvention bei der Windkraft. Beginnend mit dem Stromeinspeisegesetz 1991 erfolgt die Förderung bis heute, neue Anlagen bekommen weiterhin für 20 Jahre die garantierte Einspeisevergütung. Ein im Wirtschaftsleben und wohl auch international einmaliger Sachverhalt. Mithin wird diese Technologie alter „Erneuerbarer“ für mindestens 55 Jahre finanziell gestützt.

Die Unzuverlässigkeit der „Erneuerbaren“ führt dazu, dass auch das konventionelle Backup subventioniert werden muss. Zu Beginn des EEG steckte der Strommarkt die vergleichsweise kleinen Mengen an Ökostrom einfach weg, inzwischen wird das Netz von großen Mengen dieses Stroms geflutet, sodass ein wirtschaftlicher Betrieb fossiler Kraftwerke auf Grund permanenten Regelungsbedarfs und geringerer Betriebsstunden kaum noch möglich ist. Dazu kommt die politisch gewollte Verteuerung durch den CO2-Emissionshandel. Da aber dieses Backup gebraucht wird, muss es nun ebenfalls subventioniert werden. Das geschieht bereits durch das System der Kapazitäts- und Kraftwerksreserve, in der Kraftwerke für ihre Reservestellung bezahlt werden und ihre Aufgabe als „Netzfeuerwehr“ erfüllen. Künftig kommen die Kosten für den Bau (Subventionierung) und Betrieb (Kapazitätsmarkt) hinzu. Kostenschätzungen dazu sind mir nicht bekannt.

Was steht nun bisher auf dem Kassenbon für die Stromproduktion, zahlbar durch Steuergeld?

  • EEG-Förderung: 14 bis 20 Milliarden Euro
  • Subventionierung neuer Gaskraftwerke, Bau, Betrieb, Kapazitätsmarkt: zig Milliarden Euro
  • Finanzierung regulärer LNG-Terminals: x Milliarden Euro
  • Kosten einer nationalen Erdgasreserve: x Milliarden Euro

Dazu kommen die Kosten des bereits vorhandenen Systems an Kapazitäts- und Reservekraftwerken, über das jährlich über den Winter eine festgelegte Kraftwerkskapazität vorgehalten wird. Das ist übrigens nur in Deutschland der Fall, andere Länder produzieren ihren Strom bedarfsgerecht und ersparen sich ein solches zusätzliches System.

Unverdrossen sägt man am Ast, auf dem wir sitzen und durch die Festlegung auf „Erneuerbare“ sitzen bleiben werden. Gasleitungen sollen demontiert und die all-electric-society eingeführt werden, bei gleichzeitiger Schwächung der gesicherten Stromproduktion. Das funktioniert nicht ohne dauerhafte Spritzen von Staats- also Steuergeld und ist kennzeichnend für staatsplanwirtschaftliche Gesellschaften. Dies funktioniert dauerhaft nur, wenn infolge marktwirtschaftlich sinkender Wertschöpfung eine permanente Neuverschuldung erfolgt, die durch Inflation teilweise kompensiert wird. Verlierer sind die Steuerzahler. Die Belastung soll sozialverträglich erfolgen. Man will die „Reichen“, das wird künftig jeder sein, der mehr verdient als den Mindestlohn, mehr abkassieren. Das funktioniert so lange, bis die Reichen arm sind. Dann ist ein hoher Grad an Gleichheit erreicht, den manche mit Gerechtigkeit verwechseln. Es ergibt am Ende einen vermeintlich guten Gini-Koeffizienten.

Damit ist jeder Ehrgeiz zu persönlicher Leistung, die auch der Gesellschaft nutzt, erstickt. Wie zu DDR-Zeiten erfolgt der Rückzug in die persönliche Nische, wo sich jeder halbwegs gut einzurichten versucht. Ehrgeiz und Kreativität, beruflich voranzukommen, wird erstickt, denn Leistung wird nicht mehr belohnt. Nicht davon betroffen sind die Eliten aus der Oberschicht der Politik mit der Möglichkeit der Selbstbedienung, das wachsende Heer von Beamten und Teile des öffentlichen Dienstes.

Natürlich hinkt jeder DDR-Vergleich. Matthias Müller, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, sprach von der DDR 2.0, der wir zustreben. Die Staatliche Plankommission der DDR war aber überwiegend von Leuten besetzt, die zumeist aus den entsprechenden Branchen stammten, für die sie dann die Pläne schrieben. Der letzte DDR-Energieminister war gelernter Elektromonteur, er wäre nie auf die Idee gekommen, Strom im Netz zu speichern. „Die Kader entscheiden alles“, hieß es im SED-Parteijargon, aber am Ende entschied natürlich die Partei und die Plankommission versuchte, das Beste aus den ideologisch basierten Vorgaben zu machen. Die Praxis von heute, fachlich ahnungslose Quereinsteiger an sensiblen Stellen einzusetzen, macht mehr Schaden als Nutzen. Juristen als Führungskräfte in Bergbaubetrieben, Karrieristen von Unternehmensberatungen oder anderen überbezahlten Voodoo-Organisationen in den Führungsetagen von Kraftwerksbetreibern haben oft keinen Schimmer von den technischen und technologischen Prozessen in den Unternehmen. Ihre Standardempfehlung bei Jobbeginn ist immer Personalabbau.

In der Politik von heute sind viele Kader nicht nur fach- sondern auch lebensfremd. Die zunehmende Zahl gelernter Politologen ist haltungs- und ideologiefest, aber sach- und wirtschaftsfremd. Die neue Wirtschaftsministerin in Brandenburg, Martina Klement (CSU, ja, wirklich), ist Juristin und war bisher Digitalstaatssekretärin im Berliner Senat. Nähere Kenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse in Brandenburg, insbesondere der Probleme des Kohleausstiegs und des Strukturwandels, kann nicht vermutet werden. Ihre Erfahrungen liegen im Bereich von Verwaltung und Parteiarbeit. Während jeder Würstchenverkäufer ein Gesundheitszeugnis beibringen muss, werden fachkenntnisfreie Politiker und -innen mit Risiko auf für das Land brisante Posten gesetzt und begründen damit ein erhebliches Schadenspotenzial.

Der Kassenbon – der Stromtransport

Die Netzentgelte sind heute der zweitgrößte und am schnellsten steigende Posten auf der Stromrechnung. Der Ausbau des Netzes in allen Spannungsebenen, um auch die WKA an der letzten Milchkanne und die Wallbox in der Pampa von (bitte selbstgewähltes Bundesland einfügen) anzuschließen, hat seinen steigenden Preis.

Um den Anstieg der Strompreise aus kosmetischen Gründen zu verschleiern, gibt es in diesem Jahr 6,5 Milliarden Euro Stützung an die Netzbetreiber, um die Endkunden zu entlasten. Ähnliches praktizierte man 2022 mit der EEG-Umlage, die sich von einer Umlage auf den Strompreis zu einer staatlichen Stütze wandelte. Es half, den Anstieg der Strompreise zu mildern, dem steuerzahlenden Stromkunden hilft es hingegen nicht. Ob man es sich nach 2026 politisch leisten kann, diese Stützung der Netzentgelte wieder entfallen zu lassen, wird eine spannende Frage.

Der Kassenbon – der Stromverbrauch

Ein gestützter Industriestrompreis soll die energieintensive Industrie entlasten, um der zunehmenden Abwanderung vorzubeugen. Er soll aber nur für drei Jahre gewährt werden. Das gibt den Unternehmen Zeit, ihren Abgang sorgfältig zu planen für die Zeit danach. Zudem ist dieser subventionierte Strompreis mit Rücksicht auf EU-Vorgaben wieder ein Musterbeispiel an Bürokratieaufbau. Die begünstigten Unternehmen, zum Beispiel der Chemie-, Stahl, Glas- und Papierbranche, erhalten den niedrigeren Preis nicht einfach so über die Abrechnung, sondern können diesen erst im Folgejahr beantragen. Die Ermäßigung durch den Preis von „zirka“ fünf Cent pro Kilowattstunde müssen zur Hälfte in „Klimaschutzmaßnahmen“ im Unternehmen reinvestiert werden.

Halten wir also fest:

  • Es muss gesichert sein, dass die Firma zum begünstigten Kreis gehört. Gießereien gehören mit Sicherheit dazu, Zinkgießereien, Verzinkungsbetriebe und Galvaniken wohl nicht.
  • 5 Ct/kWh werden „angestrebt“, sind nicht sicher.
  • Es darf im Folgejahr (nur bis 2029) ein Antrag gestellt werden, das heißt, es ist nicht sicher, ob er genehmigt wird, weil gleichzeitig preiskonkret die Nachhaltigkeitsauflage geplant werden muss, beispielsweise die Installation von PV auf Hallendächern. Diese Planung ist für die Tonne, wenn der Antrag nicht bewilligt wird.

Der Industriestrompreis ist ein zweischneidiges Schwert, denn es entsteht eine Erpressungsoption durch die nur zeitweise Begünstigten. Die Androhung der Abwanderung wird umso stärker gezogen, wenn ab 2029 die Vergünstigung entfällt.

Immerhin schafft der Industriestrompreis Arbeitsplätze: Eine Datenbank muss her, ein Formular muss entworfen und veröffentlicht werden, ein Antrag geprüft und gegebenenfalls genehmigt oder die Ablehnung begründet, die Umsetzung der Nachhaltigkeitsauflage muss kontrolliert werden, Geldzahlungen müssen angewiesen werden. Da freut sich das zuständige BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) über mehr Arbeit und sicherlich einen Personalaufwuchs.

Der Kassenbon – die jährliche Summe für 2026

Drücken wir nun die Enter-Taste und lesen den Bon nochmal durch:

  • EEG-Förderung 14 bis 20 Milliarden Euro
  • Zuschuss Netzentgelte 6,5 Milliarden Euro
  • Stromsteuersenkung (Verarbeitendes Gewerbe) 3,9 Milliarden Euro
  • Strompreiskompensation 3,0 Milliarden Euro (für ausgewählte Unternehmen zur Entlastung im Zertifikatehandel)
  • Industriestrompreis 1,5 Milliarden Euro

Summe: 28,9 bis 34,9 Milliarden Euro

Dazu kommen die oben angeführten noch nicht bezifferbaren Kosten für die Subventionierung neuer Gaskraftwerke, die Finanzierung regulärer LNG-Terminals, die Kosten einer nationalen Erdgasreserve, die Kosten für die Reservekraftwerke (die nichts mit den Neubauten zu tun haben) sowie die Kosten der Übernahme der Anteile des niederländischen Übertragungsnetzbetreibers Tennet für 3,3 Milliarden Euro. Die Aufzählung ist mit Sicherheit nicht abschließend.

In Stromproduktion, -transport und -verbrauch muss inzwischen der Staat eingreifen und finanziell stützen. Bleibt das Geld aus, fällt das System zusammen, es basiert nicht mehr auf einem funktionierenden Markt. Dies ist eine Parallele zur DDR.

Im Stromsektor geschieht keine Wende, sondern ein mühsamer Umbau, der staatsgetrieben ist und in freien Märkten so nicht ablaufen würde. Man könnte stoisch sagen, okay, es wird teurer und dauert länger. Aber der Kurs ist gefährlich, solange ersatzlos Stromerzeuger abgeschaltet werden. Der gesunde Menschenverstand würde gebieten, bestehende Kraftwerke erst abzuschalten, wenn belastbare Alterativen verfügbar sind. Gesunder Menschenverstand ist im politischen Raum allerdings auf dem Rückzug, er wird durch Glauben und Ideologie ersetzt.

Am Ende ist das Ziel aller Wenden die Große Transformation, wobei niemand so genau weiß, was das eigentlich bedeutet. Die Wirtschaftweise Frau Professor Grimm schaute voraus mit der Prognose, dass ab 2029 kein Staatsgeld mehr vorhanden sein wird außer für Soziales, Rüstung und Schuldendienst.

Deshalb meine Vorhersage: In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre wird diese deutschnationale und international einmalige Form des Umbaus eines Energiesystems schon bei der Stromwende am Geldmangel verhungern, dabei sind die Kosten der sogenannten Verkehrs- und Wärmewenden noch nicht betrachtet.

Die Folgen werden drastisch sein. Die meisten der politischen Verantwortungsträger sind dann bereits pensioniert. Die Gefahr einer Haftung für ihre Fehlentscheidungen besteht nicht.

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