Statt Herbst der Reformen – Frühling der Reformen oder Winter des Rücktritts?

Die Bilanz zum Jahreswechsel steht bereits im Herbst fest. Friedrich Merz hat seine Kanzlerschaft bei SPD und Grünen legalistisch erkauft, seitdem ist ihm nichts mehr gelungen. Jetzt schwafelt Berlin von einer Minderheitsregierung. Aber die traut er sich nicht, da ist Karin Prien vor.

picture alliance/dpa | Michael Brandt

Der Herbst der Reformen sollte es werden. Nun ist das gesamte Reformpaket der Regierung Merz (Rente, Pflege, Arbeitsmarkt, Steuern) insgesamt auf das Frühjahr 2027 verschoben. Dem Herbst der Reformen sollte der Winter der Verwirklichung folgen. Nun berichten von Bild bis auf X alte und neue Medien, Kanzler Merz rechne „im Frühjahr“ mit den Reformen „in trockenen Tüchern“.

Verschoben ist das Rentenpaket von 33 Empfehlungen der Rentenkommission. Von Merz geschrumpft auf einen Kabinettsbeschluss bis Ende 2026, in den Bundestags- und Bundesratsprozess geschoben. Warum soll die Zielvorgabe Frühjahr 2027 mehr wert sein als der Herbst 2026?

Die Streitpunkte ändern sich weder im Winter noch Frühling: abschlagsfreie „Rente mit 63“ oder 65 oder 67, Kapitalrente, Kopplung an Lebenserwartung. Die Opposition in der Nichtregierungskoalition verweigerte in Gestalt von Bärbel Bas den schuldigen Gesetzentwurf. Die Pflegereform hatte die Verschieberegierung Ende September auf Finanzierungskrücken von Leistungs-Kürzungen-Beschränkungen und Abgaben-Steuern-Beiträge-Erhöhungen amputiert. „Größere strukturelle Reformen“ hat sie in eine Kommission verschoben, die Vorschläge bis Ende Januar machen soll für das nun ausgegebene Ziel einer zweiten „Reformstufe“ bis zum Sommer.

Als Einkommensteuerreform wird ein Vorprodukt etwas verkauft, das nicht einmal die Inflation für Steuerbürger erträglicher macht. Der vollständige Abschluss des Pakets wird „später“ erwartet. Merz‘ Nichtregierungskoalition hatte im Sommer und Herbst 2026 mehrfach den zügigen Abschluss im „Herbst der Reformen“ – Entscheidungen im vierten Quartal angekündigt. Die verlorenen Wahlen im Osten bucht die SPD als Bestätigung ihrer Positionen. Merz wiederholt seine Sprüche, in der CDU geht’s wie in allen Fragen durcheinander. Am Ende erwartet niemand etwa anderes als bisher. Also die Kapitulation von Merz vor Klingbeil und Genossen.

Die gebetsmühlenartige Beschwörung des Kompromisses als demokratische Tugend ist in Deutschland zur Blindheit gegenüber der Wirklichkeit degeneriert. Von Koalition zu reden, wo die SPD ihre Opposition im Parlament und in der Regierung ausübt, ist  lächerlich oder zynisch oder beides. Friedrich Merz hat seine Kanzlerschaft bei SPD und Grünen legalistisch erkauft, sonst ist ihm nichts gelungen.

Thomas Kolbe konstatiert: „Ganz gleich, wie viel Staatskredit der Kanzler in die Sickergrube Deutschland pumpt – der Zerfall des Landes beschleunigt sich nur noch weiter. Die Monate vergehen, und noch immer findet sich kein Advokat wirtschaftlicher Vernunft, der wenigstens seine Stimme gegen den politischen Irrsinn unserer Zeit erhöbe.“

So wie Merz das Mandat der Union an die SPD in der Regierung abgetreten hat, im Bundestag an die Grünen und demnächst an die SED-PDS-Die Linke in Berlin, ist der Staat insgesamt dabei, sein Gewaltmonopol an Clans und andere Nichtlegimierte sowie an eine Art informelle medienöffentliche Gerichtsbarkeit fern von Verfassung, Recht und Gesetz abzutreten. Exekutive, Legislative und Justiz sind durchlöchert und unterwandert von nicht legitimen Kräften. Hört man sich Tichys Rechtsstaat jede Woche an, wird einem immer wieder neu erschreckend klar, wie Recht und Freiheit mit Füßen getreten werden.

ÖRR-, Partei-, Verbands- und NGO-Funktionäre nennen die einzige Opposition AfD „gesichert rechtsextrem“. Bei keinem Messer- oder sonstigen Gewalttäter vergessen Journalisten, ihn als „mutmaßlichen“ zu bezeichnen, was die Unschuldsvermutung bis zum gültigen Gerichtsurteil ausdrückt. Geheimdienste ersetzen keine Gerichte. Aber bei der politisch unerwünschten Konkurrenz halten sich die Funktionäre des Parteienstaats streng an die Sprachregelung, die als „Urteil“ in die Hinterköpfe der Bürger soll: „gesichert rechtsextrem“. Das erinnert mich an Ralf Dahrendorf, der vor Jahrzehnten einen „Populisten“ als den beschrieb, „der nicht deiner Meinung ist“.

Aus Merz‘ „Herbst der Reformen“ wurde nichts, wie lange das Herbstwetter bleibt, wie früh der Winter kommt, kann niemand gesichert vorhersagen. Hingegen darf als gesichert gelten, aus dieser Nichtregierungskoalition wird nichts mehr. Für Merz und Genossen gilt wie für jeden Sozialismus – nicht nur in der Landwirtschaft –, ihre Feinde sind Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Jetzt schwafeln Medien von einer „Minderheitsregierung“. Das bedeutet nichts anderes als Absprachen mit der AfD. Diese form der Zusammenarbeit hätte er zu Beginn billig haben können. Angesichts der seither erstarkten AfD und der geschwächten CDU wäre jetzt der Preis sehr hoch für die CDU. Die AfD würde jede Zustimmung zu einem CDU-Gesetz mit der umgekehrten Zustimmung zu einem AfD-Gesetz verbinden. Es wird also teuer für die CDU. Und die Merkelianer in der CDU um Karin Prien uns wie sie alle heißen drohen schon mit Widerstand gegen eine dann „konservative“ CDU. Es wird also nichts mit Merz. Er schleppt sich noch etwas hin, während das Land auf den Hund kommt.

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Kommentare ( 14 )

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14 Comments
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Skeptiker
15 Minuten her

Ist doch kein Problem: Wenn KEINE STEUERERHÖHUNGEN versprochen sind, dann muss man eben NEUE Steuer erfinden, wenn man Geld braucht.

Klaus D
17 Minuten her

Minderheitsregierung….de AfD wäre ja dumm das mitzumachen das es ihr nur wähler kosten würde – neuwahlen – dann sehen wir was die mehrheit will – links oder rechts – CDU CSU SPD FDP Grüne Linke oder AfD

Brauner Bodensatz
17 Minuten her

Nun ja, als ebenso demoralisierter wie degenerierter Möchtegern-„Kanzler“ hat Links-ist-vorbei-Merzel, der auch trotz erst ausge- und dann beschlossener Steuererhöhungen nach wie vor sicher nicht straflos Lügenfritz genannt werden darf, wahrscheinlich noch einmal weniger Cojones als unmittelbar vor bzw. zu Beginn seiner „Kanzler“-Schaft. Also ist sein Antrieb für eine Minderheitsregierung niedriger denn je. Außerdem gilt in „etablierten“ (Partei-) Kreisen nach wie vor „Mehr“ als Mittel der Wahl, was angesichts des grassierenden Bildungsverfalls wohl so bleiben wird. Also mehr Schätzungen von Wählerstimmen, mehr Energie-„Wende“, mehr „Fachkräfte“, mehr Subventionen, mehr (mindestens genauso viel;-)) Brandmauer. Dagegen käme Merzel erst recht nicht mehr an. Deshalb… Mehr

Last edited 16 Minuten her by Brauner Bodensatz
Peter Klaus
23 Minuten her

Pinocchio Quattro Stagione – vier Jahreszeiten voller Lügen.

Siggi
29 Minuten her

Ich denke, wir sollten langsam in kleineren Dimensionen denken. In ein paar Tagen schmeißt der Wahlbetrüger und Komplettversager hin. Was für eine elendige Pfeife, was für ein Schaumschläger dieser Merz.

Guzzi_Cali_2
36 Minuten her

Die AfDler sind im Gegensatz zu der KOMPLETTEN CDU-Riege nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen. Daher werden die sich ausnahmslos JEDE Zustimmung zu einem CDU-Vorstoß vergolden lassen. Und das mit vollstem Recht.

babylon
38 Minuten her

Ein Fakt ist doch klar, die SPD hat Mauer-Merz vollständig in der Hand, da er jeden Koalitionswechsel ausgeschlossen hat, wie er in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland schon mehrfach innerhalb einer Legislatur stattgefunden hat. Merz versteht in Konsequenz seines Dogmas das politische Handwerk nicht. Seine Festlegung auf die SPD als alleinigen Koalitionspartner, bringt nicht nur seine Partei, die CDU samt CSU, in einen beispiellosen Abwärtsstrudel sondern das ganze Land gleich mit dazu. Merz ist die Unfähigkeit in Person,was einen realistischen Blick auf die Wiklichkeit angeht. Ein Gefangener seiner selbst.

Skeptiker
14 Minuten her
Antworten an  babylon

Aber wieso denn: Was hat der Mann nicht schon alles ausgeschlossen und es dann doch gemacht oder gebilligt?

heinrich hein
42 Minuten her

Interessiert es eigentlich überhaupt noch jemanden in diesem Land, was dieser Typ den ganzen Tag von sich gibt. Ich höre da schon gar nicht mehr hin. Und sein Gesicht kann ich auch nicht mehr sehen.

Last edited 41 Minuten her by heinrich hein
Knilch
43 Minuten her

Von unserem Kanzlernden ist doch nicht anderes zu erwarten.
Sein bester Freund, der ach so senible Lars Klingelbeutel braucht doch nur einmal kurz eine Augenbraue fragend anzuheben, und schon fallen alle schönen Sprüche wie ein Soufflé in sich zusammen. Quousque tandem…

Last edited 43 Minuten her by Knilch
Deutscher
47 Minuten her

Abwählen ist die einzige Reform.