Hinter den Jahrhundertfehler der Epigonen des Obersten Führers Ruhollah Mostafavi Musavi Khomeini führt kein Weg zurück. Aber für die Stämme Arabiens und Israels wie Europa gibt es einen nach vorn. Die Kulturwende hat ihren Anfang genommen.
Dubai / Privatfoto
Ayatollah („Zeichen Gottes“) Ruhollah Khomeini war der hoch gebildete, intelligente, mit ausgeprägt strategischem Denken begabte Gründer der Islamischen Republik Iran – der als Oberster Führer von 1979 bis zu seinem Tod 1989 den Gottesstaat errichtete. In Iran oft „Imam Khomeini“ genannt – war er die zentrale Figur der modernen schiitischen politischen Theologie, der absoluten Herrschaft der islamischen Rechtsgelehrten (Velayat-e Faqih). Khomeini war nicht der allererste Träger des Titels, aber ikonisch der erste „Ayatollah“ mit absoluter politischer Macht.
Khomeini in die Reihe der zahllosen Diktatoren der Weltgeschichte einzureihen, wäre grundfalsch. Khomeini ergriff nicht nur die absolute Macht im Gottesstaat, sondern baute einen dezentralen politischen und militärischen Machtapparat neben und hinter dem offiziellen Staatsapparat. Der Machtapparat sollte auch dann funktionieren und weiterwirken, wenn Khomeini selbst nicht mehr wäre.
Denn Khomeini errichtete den Gottestaat Iran als jenen Ort, von dem aus der Islam die Herrschaft weltweit erobern sollte. Nicht militärisch, sondern propagandistisch. Für ein derartiges Unterfangen brauchte es einen aus der persischen Hochkultur der Antike gewachsenen Mann wie ihn. Dazu kam: Seine Familie aus der Khorasan-Region im Nordosten beansprucht eine Abstammung vom Propheten Mohammed über den siebten Imam Musa al-Kazim.
Die Bodenschätze des Iran, das Öl voran, und seine breite Schicht an erstklassig gebildeten und ausgebildeten Bürgern mit einem extrem hohen Jugendanteil und selbstgewussten jungen Frauen ließen das Land trotz der ewigen Sanktionen des Westens – manchmal gerade dadurch mit viel Einfallsreichtum zur Umgehung – zu einem technisch hoch modernen Staat werden. Die geistige und kulturelle Unfreiheit der Gesellschaft verschwand hinter privaten Mauern, entlud sich jahreszyklisch in Protesten, die brutal niedergeknüppelt wurden. Die iranische Dispora weltweit wuchs und wuchs. Hilfe zur Umgehung der Sanktionen kam aus China, das sein Öl zu 80 Prozent von Iran bezog.
Vor allem lieferte der Ölexport nach China Jahr für Jahr die Milliarden und Milliarden, die Khomeinis Propaganda-Apparat in Universitäten, Institute, Medien, Journalisten, Unternehmen, Politiker, Parteien und so weiter im ganzen Westen investierte. Der vom ahnungslosen Westen hofierte UN-Komplex lieferte mit Migrations- und Klima-Pakten, WHO-Diktaten und anderem die Erziehungsmaßnahmen für verängstigte Bürger. Machte sie bereit für die Masseneinwanderung aus Afrika und Asien. Das Tor entscheidend weit auf in Europa machte Frau Merkel und lockte die Millionen aus islamischen Ländern nach Europa zu denen hinzu, die in Frankreich, Spanien, den Beneluxländern, Schweden, Dänemark und Großbritannien (dort mithilfe von Teherans pakistanischen Brüdern) schon da waren.
Mit den Millionen islamischen Einwanderern überall, auch in ganz Amerika, waren nun die Fußtruppen da, die auf ganz natürliche Weise die Propaganda Teherans mit Leben füllten. Peter Scholl-Latour hatte die strategischen Fähigkeiten Khomeinis seinerzeit in Frankreich erkannt, bevor er ihn nach Teheran zum Beginn der Islamischen Revolution begleitete, die der ganze Westen unterstützte, weil er dem sozialistischen Narrativ der kolonialen Befreiung auf den Leim ging. Im Iran gab’s keine Kolonialmacht, von der die Iraner hätten befreit werden können. Die kolonialen Grenzen, von Briten und Franzosen gezogen, des Irak, des Iran, Israels und Jordaniens wie die kolonialen Grenzen Russlands in seinen Istans sind nebenan.
Die Millionen Einwanderer aus islamischen Ländern in den Westen bewirkten dort den entscheidenden Qualitätssprung. Wo so viele an so vielen Orten sind, muss sich niemand mehr eingliedern. Wo so viele an so vielen Orten sind, konnten sie immer selbstbewusster auftreten, mussten sich nicht mehr um die Einheimischen scheren. Erst konnten sie von den Einheimischen verlangen, die Eingewanderten und ihre mitgebrachten Sitten zu tolerieren. Im nächsten Schritt trafen sie auf immer mehr Einheimische und Zuwanderer der zweiten und dritten Generation, die es als ihre Pflicht ansahen, sich selbst den Sitten der Einwanderer anzupassen – oder still zurückzuziehen. Nach den Parallelgesellschaften der Einwanderer suchen sich Einheimische unauffällige Parallelnischen.
In 45 Jahren Mullah-Iran machte der Propaganda-Feldzug des Islam unglaublich große Fortschritte. Keinem Feldzug vorher mit so wenig Militär war das gelungen. Doch dann kam mit Khomeinis Nachfolger Khamenei einer, der keine einzige der herausragenden Fähigkeiten des Gottesstaats-Gründers hatte. Ohne Khomeini verlor sich die Funktionsärsschicht genauso in Korruption wie in allen autokratischen Regimen überall. Unter den Übriggebliebenen ist keiner wie er.
Und nun machten die Epigonen den strategischen Kardinalfehler. Die Schiiten in Teheran bombten die Sunniten in arabischen Nachbarländern in die Arme der USA und Israels. Wer noch zögerte, den Abraham Accords offen beizutreten, ist auf dem Weg, es zu tun.
Noch funktioniert vom Mullah-Apparat genug, noch gibt es Fabriken, die Raketen und Drohnen produzieren. Deren Nachschub für Hamas, Hizbollah und Houthis wird vor dem für die Revolutionsgarden versiegen, danach auch für diese. Die Uhr tickt. An die Milliarden des Regimes im Ausland (VAE – Qatar) kommt es bald nicht mehr ran. In dem Ausmaß, wie die Milliarden versiegen, kommt der Welt-Islam-Feldzug zum Erliegen. Das ist „nur“ noch eine Frage der Zeit.
Epigonen des Ayatollah Khomeini bombten seinen erfolgreichen Islam-Feldzug ins Aus. Diesen strategischen Fehler kann der Mullah-Iran nicht rückgängig machen. Wer in den Golfstaaten war, sah es. Nirgendwo anders heute in der zivilisierten Welt lässt es sich so kultiviert und luxuriös, sicher und angenehm leben und arbeiten wie dort. Sicherer, als es in den goldenen Zeiten des Westens war. Das lassen sich die Araber am Golf nicht wegnehmen. Bis die Westler zuhause auch nur annähernd wieder so sicher und angenehm leben können wie einst, erholen sie sich am Golf von den Zuständen daheim – fern der Zugewanderten aus islamischen Ländern, welche die Araber in Nahost nicht einreisen ließen.
Der Islam gründet im Iran auf eine völlig andere Kultur als die der Araber auf der anderen Seite des Persischen Golfs. Sie handeln in den Stammestraditionen der Beduinen und der am Golf gewachsenen Fürsten- und Herrscherhäuser. In die Wüste ziehen die Nachkommen der Beduinen nur noch zum Vergnügen. Sie leben in ihren hochmodernen, künstlich angelegten Stadtlandschaften als Minderheit unter den zahlenden Gastbeduinen aus aller Welt.
Und in Europa? Bevor keine neue Generation herangewachsen ist, die sich auf sich selbst besinnt und keinen woken Narrativen folgt, ändert sich am Niedergang der europäischen Kultur nichts, genauer gesagt, nur dort ist Licht, wo es Männer und Frauen an die Spitze schaffen, die gegen das Woke immun sind. Ein paar gibt es, neue werden hinzutreten, ob die Jetzigen an der Macht es wollen oder nicht.
Es war nicht die Absicht des echten Ayatollah und Obersten Führers Ruhollah Mostafavi Musavi Khomeini. Im Gegenteil. Aber es kann sein wahres Erbe werden. Es sind andere Mächte über uns auf Erden. Zum ersten Mal könnten die Stämme Arabiens und Israels über ein verträgliches Nebeneinander zum Miteinander finden. Beide Geschäftsmodelle als Hightech-Wirtschaften und high-end Luxus-Tempel der Arbeit und Freizeit für moderne Mittelschichten, die Automatenautomaten (KI) für sich arbeiten lassen, sind voll kompatibel.
Die Kulturwende hat ihren Anfang genommen.



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