Brexit und Ihr Geld: Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Kaum hat der Brexit seine Spuren in ganz Europa hinterlassen, werden die Folgen erkennbar. Wer Geld sicher anlegen will, braucht dennoch nicht zu verzweifeln. Denn die Krise birgt Chancen.

© Thomas Lohnes/Getty Images

Die Kurse der Bankaktien verheißen nichts Gutes, sie senden ein Warnsignal nach dem anderen aus: Deutsche Bank auf Schlingerkurs abwärts, Italiens UniCredit seit Jahresbeginn mehr als halbiert, Monte dei Paschi wieder mal reif für die nächste Rettungsaktion – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Der Brandherd befindet sich nach dem Brexit und dessen verheerender Auswirkung auch auf den Kontinent überall. Er richtet am schnellsten dort Unheil an, wo die Banken am schwächsten sind: in Italien – mit Ansteckungsgefahr für ganz Europa. Wie ihn löschen, bevor alles noch schlimmer wird? Die Bankenaufsicht täte gut daran, die Schwächlinge so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen. Zögert sie zu lange, ist ein Großbrand nicht auszuschließen.

Dies umso mehr, als beileibe nicht allein Europas Banken im Feuer sind, sondern auch europäische Staaten und damit deren Anleihen. Diesbezüglich gebührt wieder den Italienern die Vorherrschaft, denn ihre Staatsanleihen sind im Euroraum am meisten verbreitet. Sie rentieren höher als deutsche Bundesanleihen, die als besonders sicher gelten und deshalb auszutrocknen drohen. Die Konsequenzen sind absehbar. So hat die Commerzbank ausgerechnet, dass unter den handelbaren Bundesanleihen im Wert gut 1 Billion Euro nur noch ein Drittel von der EZB aufgekauft werden kann. Italien, aber auch Frankreich und weitere Kandidaten, würden mit ihren Anleihen zwar nur zu gern in die Bresche springen, aber dafür müsste die EZB ihre Kaufkriterien lockern. Genau das ist zu befürchten.

Die Aktienkurse senden Warnsignale aus

Ob die EZB-Investitionen in Bundesanleihen der Weisheit letzter Schluss sind, bleibt zu bezweifeln. Mal ehrlich: Würden Sie Ihr Geld für eine „Rendite“ von minus 0,18 Prozent anlegen? So niedrig „rentieren“ zehnjährige Bundesanleihen. Oder für minus 0,68 Prozent, die „Rendite“ der dreijährigen? Die EZB tut es. Allerdings eher aus Verzweiflung, weil der deutsche Spatz in der Hand ihr lieber ist als die italienische Taube auf dem Dach. Womit nicht gesagt sein soll, dass so etwas auf Dauer gut gehen muss, nur weil die EZB es tut.

Die Warnsignale häufen sich ja. Sie kommen,wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten, besonders deutlich von den Aktienkursen. Nicht allein vom schwindsüchtigen Dax, über den ohnehin zu viel geschwafelt wird, sondern von den internationalen Börsen. Wieder erweisen sie sich als Indikatoren, die man nicht ernst genug nehmen kann. Wie der Finanzdienst wellenreiter-invest.de aktuell ausgerechnet hat, liegen in diesem Jahr per Stichtag 6. Juli die Aktienkurse in Peru (plus 54,5 Prozent), Brasilien (plus 42,8 Prozent) und Argentinien (plus 23,6 Prozent) vor allen anderen. Wobei anzumerken ist, dass auf den Plätzen 4 bis 10 fast ausschließlich Aktien aus Rohstoffländern landen – Vorboten der kommenden Inflation. Dagegen befinden sich europäische Aktien so gut wie durchweg im Minus. Hier die Flop 3: Griechenland (minus 17,0 Prozent), Italien (minus 24,4 Prozent) und nur 0,2 Prozentpunkte von Italien entfernt Nigeria mit minus 24,6 Prozent.

Briten wollen die besseren Schweizer werden

Ach ja, nachzutragen bleibt noch, dass britische Aktien sich in der fraglichen Zeit mit minus 7,0 Prozent recht tapfer geschlagen haben. Alle Veränderungen basieren übrigens auf US-Dollar, sodass bei britischen Aktien aus Sicht der Inselbewohner der positive Effekt der Pfund-Abwertung hinzukommt. Profitieren die Briten am Ende womöglich vom Brexit-Kladderadatsch?

Auszuschließen ist das nicht. Und weil sie als Erfinder von Kompromissen gelten, macht in Finanzkreisen bereits eine Prognose die Runde, wonach Großbritannien in Zukunft auf einen Status zustrebt, der bislang der Schweiz vorbehalten blieb: Von Europa profitieren, aber autark bleiben – und obendrein den Finanzplatz London hoch halten. Als Alternative böte sich zwar der Eintritt in den sogenannten Europäischen Wirtschaftsraum nach dem Muster von Norwegen, Liechtenstein und Island an, aber das Vorbild Schweiz gilt als wahrscheinlicher.

Wenn die Inflation kommt und wirklich Bares Wahres wird

In Anbetracht der aktuellen Gemengelage der Finanzmärkte drängen sich Schnellschüsse an den Aktienbörsen nicht gerade auf. Der Goldpreis wird mit Unterbrechungen weiter nach oben streben, doch die meisten Leser dieser Kolumne dürften schon reichlich mit dem Edelmetall eingedeckt sein. Warum also nicht so lange Bares horten, bis die Aktienkurse wieder zum Kaufen einladen? Tagesgeld unter 100.000 Euro pro Person und Bank ja. Und darüber hinaus? Da die gängigen Bundesanleihen bis zu zehn Jahren Laufzeit keine Renditen abwerfen und noch länger laufende tabu bleiben sollten, am besten inflationsindexierte Anleihen kaufen! Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation in den nächsten Jahren kommen wird – man beachte die erwähnten Aktienkurse an den Börsen der Rohstoffländer –, ist größer als das Verharren der Inflation nahe Null.

Hierzu die Wertpapier-Kennnummern von drei inflationsindexierten Bundesanleihen mit unterschiedlichen Restlaufzeiten: 103052 (Fälligkeit 2020), 103054 (Fälligkeit 2023) und 103056 (Fälligkeit 2026). Es empfiehlt sich, Kaufaufträge über mehrere Tage zu verteilen, bei Anlagen im siebenstelligen Bereich über mehrere Wochen. Viel Glück!

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