Gold: Die Preismanipulation hat Tradition

Der Goldpreis hat seit jeher Signalwirkung: Er zeigt früh genug an, dass mit der internationalen Schuldenwirtschaft etwas nicht stimmt. Also versucht man ihn zu manipulieren. Das kann aber immer nur vorübergehend funktionieren.

Wer die Entwicklung des Goldpreises näher verfolgt, kommt seit einigen Tagen nicht mehr aus dem Staunen heraus: Da beginnt am Nachmittag unserer Zeit der Goldhandel am New Yorker Terminmarkt Comex, und prompt fällt der Preis wie vom Blitz getroffen. Aber was heisst schon seit einigen Tagen? Seit über zwei Jahren ist dieses Spektakel zu beobachten, in den vergangenen Tagen allerdings besonders heftig. Dimitri Speck, Autor des Buches „Geheime Goldpolitik“, hat darin sogar Beispiele aus den Jahren 2008 und 2009 aufgeführt. Nur handelte es sich damals um kurze Episoden im Zuge eines langfristigen Aufwärtstrends, und der wurde 2011 unterbrochen.




Quo vadis, Goldpreis? Die kurzfristige Betrachtung bringt kaum neue Erkenntnisse. Das zeigt sich am besten daran, dass nach jedem abrupten Preisverfall eine Erholung einsetzt, so auch wieder am vergangenen Freitag. Termingeschäfte wirken halt nicht nachhaltig. Der Schwanz wackelt mit dem Hund, pflegen Börsianer dazu zu sagen: Terminkontrakte, in Bruchteilen von Sekunden zustande gekommen, ziehen den Goldpreis nach unten. Doch irgendwann ist damit Schluss, spätestens dann, wenn die physische Nachfrage aus Asien – Käufe von echtem Gold – dessen Preis tags darauf wieder steigen lässt.

Druck auf den Goldpreis und andere rabiate Methoden

Die Terminmarkt-Interventionen sind leicht zu erklären: Hoch verschuldete Staaten unter Führung der USA können kein Interesse daran haben, dass der Preis des Goldes zu sehr steigt, auch wenn sie viel davon besitzen. Denn für den Fall, dass er vom jetzigen Preisniveau etwas unter 1200 Dollar wieder kräftig stiege – es muss ja nicht auf das Siebenfache sein, wie zwischen 2001 und 2011-, dürfte das Misstrauen in unser auf hohen Schulden aufgebautes Wirtschaftssystem rapide zunehmen. Folglich gilt es, Gold als den Antipoden der Schuldenwirtschaft in Schach zu halten: durch negative Preisprognosen von Großbanken, durch lancierte Beiträge in diversen Medien und eben durch Interventionen an der Comex in New York.
Die Geschichte ist reich an Beispielen, die belegen, dass Politiker wie auch Zentralbanken immer wieder versucht haben, Gold zu manipulieren: Entweder verboten sie dessen privaten Besitz, oder sie intervenierten an den Märkten. So stellte England mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Einlösung von Banknoten in Gold abrupt ein, nachdem die Bank of England in nur einer Woche fast ein Drittel des Goldes verloren hatte. Noch rabiater gingen die USA vor: Erst verboten sie 1933 den privaten Goldbesitz, dann erhöhten sie dessen Preis mittels Dollar-Abwertung. Erst seit Ende 1974 dürfen amerikanische Bürger wieder Gold besitzen.

De Gaulle trickst die Amerikaner aus

In den 60er Jahren geschah mit dem Edelmetall wieder etwas Seltsames: Führende Zentralbanken bildeten den Goldpool. Der hieß so, obwohl seine Aufgabe darin bestand, den Goldpreis über massive Verkäufe nach unten zu manipulieren. Warum? Weil das 1944 zustande gekommene, in erster Linie auf Gold und Dollar basierende Währungssystem durch zu viele Dollar Risse bekommen hatte. Jacques Rueff, Berater des damaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle, beschrieb es 1965 mit bitterböser Ironie so: „Wir befinden uns in der Lage eines Mannes, der aus dem fünften Stück fällt. Solange er fällt, ist alles gut.“
De Gaulle setzte um, was Rueff ihm empfahl, und ging sogar noch viel weiter: Er ließ Gold tonnenweise gegen Dollar aus den USA nach Frankreich liefern und trickste die Amerikaner zusätzlich aus, indem Frankreich 1967 den Goldpool verließ. Die Folge war, dass dem Goldpool auf einmal zu wenig Gold zum Drücken des Preises zur Verfügung stand. Es blieb dem späteren US-Präsidenten Richard Nixon vorbehalten, die amerikanischen Goldverkäufe durch einen einseitigen Akt im August 1971 zu stoppen. Die Bundesrepublik wagte erst gar nicht, wie Frankreich Gold aus den USA abzuziehen. Der frühere Bundesbank-Präsident Karl Blessing gestand kurz vor seinem Tod in einem Spiegel-Interview lediglich, er hätte sich „persönlich schuldig“ gefühlt, Dollar nicht gegen Gold getauscht zu haben.

Deutschland zögert und zaudert

Seitdem gab es eine lange Pause, bis Deutschland sich aufraffte, im Ausland mit Schwerpunkt in den USA lagerndes Gold wenigstens teilweise heim zu holen. Den ersten Anstoß dazu gab bereits im August 2002 der ehemalige CDU-Abgeordnete Martin Hohmann. Auf seine gezielten Fragen nach den Lagerstätten des deutschen Goldes erhielt er von der damaligen Staatssekretärin – heute Ministerin – Barbara Hendricks nur ausweichende Antworten. Im November 2010 machte der CSU-Politiker Peter Gauweiler der Bundesregierung Dampf. Dann endlich, im Oktober 2012, gab Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele im Interview mit der Bild-Zeitung kleinlaut zu Protokoll: „In den nächsten drei Jahren werden wir jährlich 50 Tonnen Gold von New York nach Frankfurt holen. Wie weit wir dabei gehen wollen, wird noch zu entscheiden sein.“ 50 von mehr als 3000 Tonnen – einfach lächerlich. Kleckern statt klotzen. Wie wäre es damit, das ganze in den USA lagernde deutsche Gold mit einem Schlag als Wiedergutmachung für das Ausspionieren deutscher Politiker und Unternehmer einzukassieren?

Die entscheidende Frage ist jetzt nicht, ob die internationale Schuldenblase platzt, sondern wann sie platzt. Der Goldpreis wird das rechtzeitig mit einem kräftigen Anstieg signalisieren; Interventionen am Terminmarkt werden ihn nicht auf Dauer daran hindern können. Wer Gold besitzt, braucht sich nur noch etwas in Geduld zu üben. Wer es noch nicht besitzt, kann sich bei denen bedanken, die den Preis zwischenzeitlich nach unten treiben und so einen günstigen Einstieg ermöglichen.




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