Nach dem Sommerloch mit den Bienen zurück ins Wespennest Politik

Bienen, über die wir zu wenig wissen, Politfrauen, über die wir noch was erfahren. Dass sich CSU und CDU über Obergrenzen streiten, lässt ahnen, wie das Spitzentreffen der Parteien an diesem Sonntag ausgehen wird: Alles bleibt, wie es ist, nur die Sprüche werden geklopfter. Roland Tichy und Fritz Goergen lasen für Sie Sonntagszeitungen.

Bienen, über die wir zu wenig wissen, Magersucht und ein neuer Plan für Syrien; einladend und verlockend kommt die Frankfurter Allgemeine SONNTAGSZEITUNG nicht daher. Auch dass sich CSU und CDU über Obergrenzen streiten, weckt keine Erwartungen. Man ahnt ja ohnehin, wie das Spitzentreffen der Parteien an diesem Sonntag ausgehen wird: Alles bleibt, wie es ist, nur die Sprüche werden stärker.

Es zieht sich, im politischen Teil der FAS, ein langer, träger Strom grauer Buchstaben von schon oft Gesagtem. Über Usedom werden Wolken lokalisiert, weil die Wähler frech geworden dort der AfD das beste Ergebnis schenkten und den Wahlkreis von der CDU zur neuen Konkurrenz verschoben haben. Entsetzen und Drohung mit Urlaubsstornierungen, dabei hat es nichts mit Flüchtlingen zu tun. Gibt keinen auf der Insel. Aha. Es sind Ortsprobleme, Unzufriedenheit bricht sich Bahn. Aha.

Lange widmet sich Peter Carstens dem zukünftigen „König der Grünen“ und mit welcher Koalition der Land gewinnen will. Anfangs ganz vielversprechend konstatiert der Autor, dass niemand mehr was wissen will, von der „friedlichen Revolution“ durch Zuwanderung, über die sich die Grünen-Prinzessin Kathrin Göring-Eckardt so freute. Jetzt sei den Deutschen angst und bange geworden vor dem neuen Deutschland, das sie so herbeisehnten – und das sich dafür von den Grünen regieren lassen soll.

Es ist die Koalitonsarithmetik der Macht; Jürgen Tritttins überragende Intelligenz wird gefeiert und Özdemirs Schufterei für eine grünschwarze Koalition. Da wird es ermüdend. Was kommt im Herbst? Immer nur so weiter nach der alten Rechenlehre? Ist die Raumstation Berlin schon so weit weg vom Planeten Erde?

Die eifrige Beschreibung hilft über die wachsende Ratlosigkeit nicht hinweg, und wird noch bestärkt durch ein Feullleton, das Fragen zu stellen zum Stilmittel erhebt von 1. („woran liegt es, dass der Einzelne sich nicht wohlfühlt, obwohl es uns allen so gut geht?“) bis zur wirklich klugen Nr. 31: „Ist nicht das die Falle der AfD: die Partei will nicht regieren, das Volk will nicht von ihr regiert werden, aber mit jedem Wahlerfolg wird ihr Programm ein Stück mehr umgesetzt?“ Wo wird es denn in die Tat umgesetzt, außer in Papier bleibenden Gesetzen, deren Kleingedrucktes die Präambel konterkariert?

Bei so viel Fragezeichen hält man sich am Reellen fest und der eigentlich zur Anzeigenbesorgung gedachte Rubrik „Die Stadt als Partyzone“. Alle sind gegen sterbende Innenstädte, aber angesichts immer neuer Touristen-Hotspots oder wie in Frankfurt immer neuer Innenstadtbeschallungs- und Lärmvermüllungsfeste können nur noch Taube dort wohnen. Oder man liest im Geldteil über die Restrampe von Eon, dem Kohlekraftwerkbetreiber Uniper. Es ist eine Wette auf das Scheitern der Energiewende: Wenn Strom aus Solarkraftwerken und Windrädern nicht reicht, kann der Kohlestrom teuer verkauft werden. Damit wird die Aktie ein Wert für kritische Geister. Die Politik ist endgültig in der Wirtschaft tonangebend.

Oberhalb des Zeitungslogos der WeLT AM SONNTAG lesen sich die Top-Teaser, die natürlich nicht zusammengehören, gerade deshalb inspirierend: Icon – Terroranschlag 9/11 – Müde Akademiker – Ganz großes Tennis. Beim Tennis geht es um: „Der stille Aufstieg der Angelique Kerber“. Auf den Seiten 2 und 3 geht es um den „Sanierungsfall CDU“, vielleicht also um den stillen Abstieg der Angela Merkel.

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Robin Alexander erinnert daran, dass die Deutschen Merkel nicht für die Globalisierung gewählt haben, sondern im Gegenteil als „Globalisierungs-Fernhalte-Kanzlerin, die mit immer gleichen Gesten und Worten den Bürgern suggerierte, ausgerechnet in der Mitte Europas ändere sich ichts, während drumherum die Welt in Brand geriete. ‚Sie kennen mich. Gute Nacht!‘ – die Worte, mit denen sich Merkel beim Fernsehduell vor der vergangenen Bundestagswahl verabschiedete, waren ihr eigentliches Programm. Ob Finanz- oder Eurokrise, ich regel‘ das für euch, ihr könnt euch wieder hinlegen, lautete ihr Versprechen.“

Was dann kam, als Merkel weiter immer nur auf Sicht fuhr, wissen wir alle, jetzt ist der Stand in der Union, dass mit Merkel und Seehofer im wählermotivierenden Kernthema Zuwanderungspolitik zwei Strategien konkurrieren, die sich ausschließen:

„‚Deutschland bleibt Deutschland‘ will Merkel so lange wiederholen, bis es die aufgescheuchten Deutschen doch noch glauben. ‚Deutschland muss Deutschland bleiben‘, hat Seehofer seine CSU beschließen lassen, als sei das eine Aufgabe. Sie sagt: Es gibt kein Problem. Er sagt: Wir arbeiten an einer Lösung. Beides zusammen passt allerdings nicht.“

Robin Alexander lesen, lohnt eigentlich immer.

„Wir wollen KEINEN Bürgerkrieg“ nennt die WamS ihr Interview mit Frauke Petry. Die Runde haben Beat Balzli und Matthias Kamann glatt verloren. Petry lässt sie überall auflaufen, wo sie mit den üblichen Klischees das tun wollten, was in den Meinungsmachermedien seit einiger Zeit „stellen“ genannt wird. Dass Frau Petry das nachhaltig kontaminierte Wort „völkisch“ falsch beurteilt, liegt offenkundig nicht an ihrer Gesinnung, sondern an fehlendem politisch-historischem Hintergrund. Wo sie ihr gegen Ende doch Fragen zur Sache stellen, kriegen sie Antworten, auf die sie nicht zurückkommen, sondern Petry ganz am Schluss das Wort im Mund verdrehen. Meine Herren, das ist eine glatte 6. Bitte nachsitzen.

Nach dem Portrait von Sarah Wagenknecht – „Die rote REALISTIN“ kiegt man den Eindruck, die Vorfrau der Linkspartei (mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine als Spindoktor) ist der AfD-Frau (mit ihrem Spindoktor Michael Klonovsky) als Populistin überlegen.

„Fortpflanzung MANGELHAFT“, was für Politikfolgen hat es, dass viel Politiker kinderlos sind? In Deutschland fast ein Drittel, 35 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer. Die Frage wird gestellt und nicht beantwortet. Kann ja noch kommen.

„Flüchtlinge beantragen Urlaub – und reisen ausgerechnet dorthin, woher sie vertrieben wurden. Beamte, die davon erfahren, sollen es für sich behalten“ – liest sich die Erläuterung des Beitrags „Fragwürdige HEIMREISE“. Das BAMF sagt, es führt dazu keine Statistik, aber die WamS-Redakteure merken an: „Doch offenbar herrscht in den Behörden Betriebsamkeit. Dem Vernehmen nach arbeitet man daran, sich einen Überblick zu verschaffen.“

Was Nachrichten über „Urlaub – und zwar mit dem Wissen der Bundesagentur für Arbeit“ von Asylbewerbern dort, wo ihr Asylgrund liegt, in der deutschen Öffentlichkeit bewirken müssen, ist doch ebenso so klar, wie niemand solches Amtshandeln akzeptieren wird.

In die „Die perfekte FALLE“ schreibt Stefan Aust, was 9/11 begann und nicht mehr aufhört: „Osama Bin Laden, die Symbolfigur … ist tot, aber der Krieg geht weiter – und er ist in die Zentren des Westens gelangt … Allmählich trägt er Züge eines neuen dreißigjährigen Glaubenskrieges, ausgelöst von Fanatikern, denen eine tumbe amerikanische Regierung auf den Leim ging. Wer auf Rache sinnt, so heißt es, muss zwei Gräber ausgeben. Mindestens.“

Austs Rechnung, dass es noch 15 Jahre so weitergeht, ist leider nicht unrealistisch.

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