„Das muss doch Satire sein, eine Parodie auf die Nazis“

Erzählt man im Ausland von den Realitäten in Deutschland, glauben Gesprächspartner, man würde scherzen. Die bundesdeutsche Realität 2019 übersteigt das Vorstellungsvermögen von Menschen in anderen Ländern, die sich nicht wie viele Inländer jahrelang an den Irrsinn gewöhnt haben und abgestumpft sind.

mago images / Rolf Zöllner

Die ukrainischen Kollegen sehen mich verdutzt an, als ich ihnen bei einem Treffen bei Bier und Wein in Kiew von der deutschen Politik erzähle, von dem, was in Berlin passiert. Sie schütteln immer wieder den Kopf, lachen, wollen nicht glauben, was ich ihnen berichte: „Das kann doch nicht wahr sein“. Sie sind überzeugt, es könne sich nur um Satire handeln. Oder um Auswüchse der russischen Propaganda. „Sind das Nachrichten von Russia Today?“, fragen sie immer wieder. Und immer wieder muss ich zum Smartphone greifen und ihnen Quellen zeigen. Auch wenn sie alle kein Deutsch verstehen – so lassen sie sich wenigstens ansatzweise überzeugen:‬

– Dass im Görlitzer Park in Berlin die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann, Drogenhändler nicht ausgrenzen, sondern integrieren will (und sich gleichzeitig nachts nicht mehr auf die Straße traut).

– Dass ein 60-Kilo-Heroin-Schmuggler in Brandenburg freikam, weil zeitnah kein Gerichtstermin frei war

– Dass in Deutschland die alten Kommunisten wieder mitregieren, etwa in Berlin, und ein Kultursenator von ihnen den bekanntesten Stasi- und SED-Aufklärer als Leiter einer Stasi-Gedenkstätte feuerte.

– Dass in einer der größten Zeitungen im Land für einen „lässigeren Blick“ auf die DDR geworben wird und die Autorin kurz darauf eine Audienz bei der Kanzlerin bekam, wo sie ein „Interview“ machte, das an Prawda-Zeiten erinnerte.

– Dass in unserer Bundeswehr ein Kampf für Diversivität geführt wird und die Verteidigungsministerin dazu aufrief, mehr sexuelle Minderheiten und Behinderte in die Truppe aufzunehmen.

– Dass beim Berliner Flughafen völlig unklar ist, wann und ob er jemals fertig gebaut wird, während das Management für Klimaneutralität der Flughafen-Ruine kämpft.

– Dass ein Kreuzberger Stadtrat Autofahrer schikanieren will und für eine Millionensumme in die Fahrbahn „Begegnungszonen“ einbauen ließ, die de facto durch den Länderfinanzausgleich aus Bayern finanziert werden

– Dass der gleiche Stadtrat, also ein Politiker in Regierungsverwaltung, von der Schaffung eines neuen Menschen schwadroniert – ein Thema, das die Kollegen aus der früheren Sowjetunion zur Genüge kennen.

– Dass Berlin in Unisex-Toiletten investiert und die Stadtregierung Frauen-Pissoirs plant, weil es ungerecht ist, wenn diese nur für Männer da sind.

– Dass Berliner Grundschülern in der dritten Klasse mehrheitlich nicht einmal die Mindeststandards in Sachen Rechtschreibung erfüllen.

– Dass Deutschland das Weltklima retten will.

– Dass die „Offene-Grenzen“-Ideologie in Deutschland viele Anhänger hat

– Dass der Chef der liberalen Partei von einem Journalisten des per Gebühren finanzierten Fernsehens in die rechtsextreme Ecke gestellt und damit verleumdet wird, nur weil er sagt, man müsse sich wieder an geltendes Recht halten und Asylbewerber aus sicheren Drittländern an der Grenze zurückweisen.

– Dass Herbert ein Musikstar, Herbert Grönemeyer, unter dem Jubel der Massen grölt: „Dann liegt es an uns, zu diktieren, wie die Gesellschaft auszusehen hat.“ Dass der Außenminister das begrüßt, und Medien äußert einseitig darüber berichten und ihre Sympathie für den Sänger kaum verhüllen.

Als ich den Kollegen die Grönemeyer-Rede vorspiele, stockt ihnen der Atem. „Das muss doch Satire sein, eine Parodie auf die Nazis“, meint einer der Kollegen. Sie wollen mir auch lange nicht glauben, dass man in Deutschland diffamiert und in die rechts(extreme) Ecke gesteckt wird, wenn man über diese Missstände berichtet, dass der alte Begriff des „Volksfeindes“ in neuen Varianten und Versionen – etwa „Hetzer“ und „Nazi“ – eine Wiederauferstehung feiert. Dass man sich – ausgerechnet von den selbst ernannten „Vorkämpfern für alles Gute“ – als „brauner Mistkäfer“ beschimpfen lassen muss, nur weil man auf Facebook von einer Begegnung mit einer Frau schreibt, die Angst hat, spät nachts allein auf die Straße zu gehen.

„Das kann doch alles nicht wahr sein“ – das ist der Tenor der Kollegen. Und diese Reaktion ist hilf- und lehrreich: Eine Art Erdung mit der Realität. Zeigen die Reaktionen doch deutlich, wie stark bei uns im Inland der Frosch-Effekt ist – also wie wir durch langsames Gewöhnen an den Irrsinn über die letzten Jahren diesen kaum noch wahrnehmen – wie Frösche, deren Wasser so langsam erwärmt wird, dass sie gar nicht mehr mitbekommen, dass sie gekocht werden.

P.S.: Einer der Anwesenden, bis vor kurzem Abgeordneter der Rada, des Parlaments, und für seine pro-europäische Haltung bekannt, erzählt zum Entsetzen der anderen Gäste, wie er in Heidelberg in einen von Asylbewerbern dominierteren Straßenzug kam. Zitat: „Die Zustände und die aggressive Atmosphäre dort erinnerten mich an die Dritte Welt. Ich fotografierte, und die Feindseligkeit, die mir entgegen schlug, war unglaublich, ich hatte Angst um meinen Mietwagen, und nur meine sehr kräftige Statur und das lautstarke Verwenden von russischen Mutterflüchen retteten mich.“


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Lesen Sie auch Reitschusters Kolumne «Berlin extrem – Frontberichte aus Charlottengrad»: Darin lüftet der Autor ironisch den Blick hinter die Kulissen der russisch-ukrainisch-jüdischen Diaspora an der Spree, deren Außeneinsichten oft ungewöhnliche Perspektiven eröffnen. Darüber hinaus spießt der Autor den Alltags-Wahnsinn in der Hauptstadt auf – ebenso wie die Absurditäten in der Parallelwelt des Berliner Politikbetriebs und deren Auswirkungen auf den bodenhaftenden Rest der Republik.

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Kommentare ( 211 )

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211 Kommentare auf "„Das muss doch Satire sein, eine Parodie auf die Nazis“"

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Absolut zutreffend, mir geht es in solchen Gesprächen genauso: die Menschen dort können es gar nicht glauben, wie unfrei Deutschland inzwischen ist.

Abgesang

Nun ade, Du mein lieb Heimatland
Du jagst mich fort zum fremden Strand,
lieb Heimatland, oh weh …

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht.
Wo sind sie hin, Deine Dichter und Denker?
Die haben noch im Dunkeln die Augen zugemacht.

„Verbrüht“ Dein Glanz, verwest Dein Glück
und ich komm auch nicht mehr zurück.

Dir bleiben ja noch Deine Richter und Henker,
Politiker und Banker,
VW und andere Betrüger.

Und Sami A.
HA! HA!

Licht aus und Gute Nacht, mein Land.
Du warst auch hinterher nicht klüger.

(Aus: https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=judith+panther+deutschland+schafft+uns+ab+eine+aerztin+mutter+und+zunehmend+desintegrierte+inlaenderin+berichtet

Die 68er haben ganze Arbeit geleistet. Und ausserdem: Sefton Delmer, ehemaliger britischer Chefpropagandist nach der Kapitulation 1945 zu dem deutschen Völkerrechtler Prof. Grimm: „Mit Greuelpropaganda haben wir den Krieg gewonnen … Und nun fangen wir erst richtig damit an! Wir werden diese Greuelpropaganda fortsetzen, wir werden sie steigern bis niemand mehr ein gutes Wort von den Deutschen annehmen wird, bis alles zerstört sein wird, was sie etwa in anderen Ländern noch an Sympathien gehabt haben, und sie selber so durcheinander geraten sein werden, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun. Wenn das erreicht ist, wenn sie beginnen, ihr eigenes… Mehr

Da bleibt einem nur noch Heine:
Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

Nein, nicht „wir“ haben die Frosch-Mentalität angenommen, sondern „die“. Wir nehmen noch sehr bewusst wahr, was hier geschieht. Aber langsam gekocht werden wir auch – von unserem eigenen täglichen Zorn, der inzwischen sehr nah am Siedepunkt ist. Hoffentlich bringt er das Fass endlich zum Überlaufen, damit wir den Sprung heruas wagen und uns endlich zur Wehr setzen. Denn wir haben eine Mitschuld an allem, weil wir es tatenlos geschehen lassen und nur schriftlich klagend vor unseren Bildschirmen hocken.

Vielen Dank für diese Zustandsbeschreibung – auch wenn sie noch so desaströs ist!

Die Wahrheit muß immer wieder ans Licht, auch wenn Politik, Justiz und Medien derzeit alles unternehmen die Dinge unter den Teppich zu kehren.

Gefangen in der Umerziehung und der ewigen Schuld mit ewigem Bekenntnis, eine Grundbedingung, die ein Nichtdeutscher garnicht verstehen kann, unterschwellig aber in sich trägt, dieses Bild vom industriellen Mördervolk, ist den allermeisten Kindern und Enkeln der Kriegsgeneration gleichsam auf den DNA-Strang geklebt. Diese Umerziehung, die, wie Walter Lippmann einst formulierte, ist dann gelungen, wenn die Propaganda der Sieger Einzug in die Schulbücher gefunden hat und dann von den folgenden Generationen geglaubt wird. Wenn man diesen Ausspruch mit dem Goetheschen in Verbindung bringt, der da heißt: Wahrheit ist Weisheit, dann wird deutlich, daß nur das Volk selber sich befreien kann. Die… Mehr

Vor einigen Wochen hatte ich einen Kundenbesuch aus Russland. Der Leiter der Niederlassung übersetzte den russischen Besuchern eine Stellungnahme von mir für die ich mich in Deutschland als NAZI beschimpfen lassen muss. Nazis sind vor dem Hintergrund der Geschichte in Russland nicht sonderlich beliebt. Nach Übersetzung antwortete einer der russischen Gäste mit voller Stimme: „Nein! – Patriot!“
Danach habe ich den russischen Gästen die Sequenz gezeigt, wie im Jahr 2013 die Bundeskanzlerin dem Generalsekretär der CDU das Deutschlandfähnchen entreißt und entsorgt. Anschließend kommt der abwertende Blick von Mutti!
Die russischen Gäste haben nur noch den Kopf geschüttelt.

Bei dieser sogenannten „Erdung“ überkommt mich direkt eine absolute Fassungslosigkeit.

Sehr geehrter Herr Reitschuster, konnten Sie Ihren ukrainischen Kollegen auch vermitteln, dass die Frau, unsere Kanzlerin, die diesen Irrsinn hier im Lande zu verantworten hat, in den Mainstream-Medien immer noch als die/der beliebteste/r Politiker/in (heute im Focus beim Arzt gelesen) geführt wird?
Den Menschen in Osteuropa (auch in Russland und Weißrussland), die doch sehr große Hoffnungen auf Deutschland gesetzt hatten, muss es doch angst und bange sein angesichts der realen Zustände in diesem Deutschland.

Müßte… Die realen Zustände in Merkel-Deutschland kommen den Menschen dort surreal vor und werden deshalb oft als maßlose Übertreibung abgetan.

Geht mir im Ausland auch so. Ich ernte ungläubiges Staunen bis Fassungslosigkeit. Und wie befreit bekomme ich auch Lachanfälle.