Trump in der Klemme: Kritik, Zweifel und Verschwörungstheorien

Schmälert der Iran-Krieg Trumps Rückhalt bei seinen Anhängern? Die Demokraten behaupten, es wäre so und verweisen auf wachsende Zweifel, schrille Vorwürfe und strategische Unklarheiten. Mit dabei die üblichen widerlichen und abstoßenden judenfeindlichen Vorwürfe der untersten Gosse. Droht dem „America First“-Versprechen nun die Zerreißprobe?

IMAGO / Newscom / AdMedia

Der Iran-Krieg enttäuscht immer mehr Anhänger von US-Präsident Donald Trump. YouTube-Star JP Sears, dem mehr als drei Millionen Fans folgen, zeichnet ein wahrlich düsteres Szenario über Amerikas Wirklichkeiten heute: Trump erweise sich als eine Marionette des weltweiten Judentums und Israels Premier Benjamin Netanjahu, so gerafft die These des konservativen Internet-Stars, die seine giftigen Anschuldigungen gegen den 79 Jahre alten Präsidenten am klarsten auf den kaum zu verbergenden antisemitischen Nenner bringt.

Auch wenn das noch keineswegs Sichtweisen der Mehrheit in der „Maga“-Bewegung („Make America great again“) sind, offenbaren die harschen Worte, dass dem selbstgefälligen, großspurigen Präsidenten ein gutes Jahr nach seinem Amtsantritt und sieben Monate vor den US-Zwischenwahlen eine erste wirklich veritable, innenpolitische Krise droht.

Unsicherheiten wachsen

Zumal noch immer unklar ist, ob der Waffengang einen Regime Change in Teheran bewirken soll oder nur eine militärisch definierte Zielsetzung hat – wie die endgültige Zerschlagung der Nuklearanlagen. Niemand sagt zudem, wie lange der Krieg dauern soll, und, für Trump besonders bedrohlich, niemand weiß bisher, welche ökonomischen Auswirkungen der Krieg haben wird – ablesbar dann auch an den Zapfsäulen in den USA.

Trump agiere spätestens seit dem Beginn der Kriegshandlungen am 28. Februar so, als ob er ein Handlanger der zionistischen Bewegung wäre, suggeriert Jonathan Patrikck Sears mit scheinbar naiven Fragestelllungen, theatralischem Augenzwinkern und Stirnrunzeln sowie der geschickten Verknüpfung von Fakten, Reizworten und Mutmaßungen.

Beispielsweise schlägt JP Sears einen Bogen von den bisher nur teilweise veröffentlichten Epstein-Akten, die ein globales Netzwerk des dubiosen Finanzmaklers und offensichtlich als Zuhälter der Reichen und Mächtigen agierenden Lebemanns zum israelischen Geheimdienst Mossad und den angeblich fragwürdigen Umständen des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 in Israel bis hin zur Familie Netanjahu, der Bankiersfamilie Rothschild und dem Weltjudentum. Denke sich jeder, was er mag, vermittelt Sears lachend und weiß alle auf seiner Seite, die schon immer an jüdische Weltverschwörung und Allmacht der Juden glaubten.

Gilt für Trump etwa „Israel first“?

Die konservativen Kritiker Trumps beschuldigen ihn, nicht mehr amerikanische Interessen zu vertreten: Für ihn gelte offenbar nur noch „Israel first!“. Jonathan Patrick Sears steht mit seinen wüsten Anschuldigungen keineswegs alleine da.

Vor wenigen Tagen trat Joe Kent als Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung zurück und begründete das mit dem Krieg gegen Iran, „von dem keine unmittelbare Bedrohung für die USA“ ausgegangen sei. Der ehemalige CIA-Agent machte den „Druck Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby“ sowie eine von den Medien und „israelischen Beamten“ gesteuerte „Desinformationskampagne“ für Präsident Trumps Entscheidung verantwortlich.

Netanjahu widersprach solchen Berichten heftig und sagte, Trump habe ihm immer wieder gesagt, „wir dürfen den Iranern keine Nukes erlauben“, Teheran müsse seine nukleare Aufrüstung aufgeben, wenn nicht freiwillig, so unter Zwang. Der israelische Premier, der zweifellos seit mindestens zwei Jahrzehnten – weitgehend ungehört und vergeblich – vor den Bemühungen der Mullahs warnte, Atomwaffen zu entwickeln, will seine Zufriedenheit über den Schlag gegen Teheran nicht verbergen.

Netanjahu schwärmt vom besten Freund Israels

Der Likud-Politiker, der am längsten dienende Ministerpräsident Israels in seiner 76-jährigen Geschichte, betont zwar immer wieder, dass Trump der „beste Freund Israels“ sei, den es je im Weißen Haus gegeben habe. Aber die Entscheidung zum Krieg sei in Washington gefallen, so Netanjahu. Israelische Medien wie die „Jerusalem Post“ hatten berichtet, Netanjahu habe dem US-Präsidenten mitgeteilt, Israel werde iranische Nuklear-Einrichtungen, Militäranlagen und Raketen-Stützpunkte angreifen, ob mit oder ohne die US-Beteiligung. Daraufhin habe Trump sich für ein gemeinsames Vorgehen mit der „Operation Epic Fury“ entschieden.

Trump muss schon seit geraumer Zeit mit heftiger Kritik von prominenten rechten Publizisten und Politikern fertig werden, die ihn früher glühend unterstützten; dazu zählen die populären Podcaster Tucker Carlson und Megyn Kelly sowie die Verschwörungstheoretikerin Candace Owens.

Der frühere Fox-News-Moderator Carlson verurteilte den Krieg als „absolut ekelhaft und böse“ und sprach recht unverhohlen von israelischen Interessen nach regionaler Macht. Kelly, die den Präsidenten stets verteidigt hat, meinte, der Krieg liege ausschließlich im Interesse Jerusalems. Podcaster Joe Rogan, ein Unterstützer Trumps im Wahlkampf, nannte den Krieg „einfach nur irre“.

Spannungen im Trump-Lager nehmen zu

Das konservative „Wall Street Journal“ (WSJ) sieht Anzeichen einer „wachsenden Spaltung“ im Trump-Lager; viele hatten gehofft, dass mit Trump die USA künftig auf militärische Interventionen verzichten, tendenziell sogar eine isolationistische Politik betreiben. Schließlich habe Trump immer wieder versprochen, Kriege zu beenden, nicht, sie zu beginnen.

Früher hatte Trump sogar den damaligen Präsidenten Barack Obama scharf kritisiert, weil dieser öffentlich einen Militärschlag gegen den Iran in Erwägung gezogen hatte – was gar nicht in das außenpolitische Konzept des Demokraten gepasst hätte und mehr als eine (wenig überzeugende) Drohgebärde gewertet wurde.

Zu den Skeptikern eines Krieges der USA gegen Iran gehörte wohl auch der im vergangenen Sommer ermordete Rechte Aktivist Charlie Kirk, der sich stets gegen einen Krieg gegen Iran ausgesprochen hatte. Kent und Sears verwiesen gleichermaßen auf die Warnungen des im Maga-Lager hoch angesehenen Kirk vor einem unwägbaren Kriegs-Abenteuer gegen die Mullahs in Teheran.

Ermordung Kirks in Zusammenhang mit dem Iran-Krieg?

Inzwischen wird in rechten Blogs darüber spekuliert, ob die Ermordung Kirks etwas mit seiner Iran-Haltung zu tun gehabt habe – fast zwangsläufig, dass auch hier wieder sofort auf Aktivitäten der jüdischen Lobby und des israelischen Geheimdienstes verwiesen wird. Kent formulierte unangreifbar und ominös in einem Interview: „Ich behaupte keineswegs, dass die Israelis dies oder jenes getan haben … Aber ich sage, dass es viele unbeantwortete Fragen gibt.“

Die konservative Kritik an Trump kommt vor allem von prominenten Journalisten und anderen Multiplikatoren sowie rechten Aktivisten; an der Basis scheint Trump noch viel Vertrauen zu genießen, so das WSJ am Mittwoch. Das Blatt berichtete über eine Umfrage der Vandenberg Coalition von 3. bis 5. März unter etwa 1200 Trump-Wählern.

84 Prozent hätten laut der Befragung die Kriegsziele begrüßt, den Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, das Raketenarsenal zu zerstören und die terroristischen Organisationen des Irans zu schwächen. Eine große Mehrheit meinte, die Tötung iranischer „Terroristenführer“ mache die USA sicherer. 84 Prozent befürworteten demnach die militärische Partnerschaft mit Israel.

Amerikaner würden Ausweitung des Krieges ablehnen

Allerdings gibt es einen Konsens der meisten amerikanischen Kommentatoren, dass bei einem Einsatz von amerikanischen Bodentruppen und der Fortsetzung der Kriegshandlungen auf unabsehbare Zeiten die Stimmung in den USA rasch gegen Trump umschlagen könne. Konservative Parteikreise und einige republikanische Abgeordnete drängen dem WSJ zufolge Trump dazu, den Konflikt deshalb rasch zu beenden.

Es gibt auch rechte Stimmen, die den Präsidenten vehement verteidigen. Die rechtsgerichtete Influencerin Laura Loomer bezeichnete Kirk als einen „verschwörungstheoretischen Spinner, der blind für die islamistische Terrorgefahr ist“.

Trump hat in seinen ersten 13 Monaten im Amt viele vor den Kopf gestoßen: sein hartes Vorgehen gegen illegale Migranten, der Versuch (mit Hilfe Elon Musks) Bürokratie und Ideologie im „deep state“ zu minimieren, die harschen Maßnahmen in Universitäten, Behörden und in den Streitkräften gegen eine woke, antisemitische Kultur waren begleitet von der Empörung der links-liberalen Medien und Demokraten; seine handelspolitischen und außenpolitischen Alleingänge, wie willkürliche Zölle, Militäraktionen in Iran und Venezuela, die Brüskierung von NATO-Partnern wie Kanada und Dänemark oder seine zuweilen irritierenden Bemühungen für eine Beendigung des Ukraine-Kriegs bleiben in den USA heftig umstritten.

Iran-Krieg birgt große Risiken für Trump

Mit dem Krieg gegen Iran riskiert Trump allerdings die Zustimmung vieler seiner Anhänger, die mit einer Politik des „Amerika first“ zumindest ein Ende des Engagements in aller Welt erwartet hatten, wenn es nicht unmittelbar um US-Interessen gehe.

Nun aber habe sich Trump auf ein Kriegsabenteuer eingelassen, dessen Ausgang und Ende nicht absehbar seien, das an die, letztendlich kläglich gescheiterten Kriege im Irak und in Afghanistan von Präsident George W. Bush (2001 – 2009) erinnert.

Die Vorstellung, mit dem Sturz der Diktaturen im Irak und in Afghanistan demokratische, friedliche und rechtsstaatliche Systeme nach westlichem Vorbild etablieren zu können, hatte sich relativ schnell als akademische Phantasien der Neokonservativen erwiesen, die auf Bush einen erheblichen Einfluss hatten. Die Kosten der Kriege waren für die USA enorm, für die Amerikaner bis heute ein Trauma: Viele Tausend Soldaten starben, zehntausende wurden verwundet, die Kosten waren gigantisch.

Das Trauma der Kriege im Irak und in Afghanistan wirkt bis heute

Die Befürchtung, dass die USA in Iran erneut in einen Konflikt hineinschliddern könnten, der immer mehr Opfer fordert, immer teurer wird und letztendlich scheitert, ist gerade bei den Republikanern in den USA enorm. Schließlich gibt es ja auch Experten, die im Iran-Krieg eine Gefahr sehen, dass er sich zu einem Dritten Weltkrieg ausdehnen könnte.

Bisher müssen alle Voraussagen nach der Zukunft dieses Krieges Spekulation bleiben. Sicher ist nur, dass es den USA und Israel in drei Wochen Krieg gelungen ist, das iranische Regime und insbesondere seine militärischen Kapazitäten erheblich zu schwächen. Ein Großteil der Luftabwehrsysteme, zahlreiche Raketen, Drohnen, Radaranlagen, Flugzeuge und Kriegsschiffe wurden zerstört, Stützpunkte, Flugplätze, Kommandozentralen, Sicherheitszentralen, Bunker und Verstecke zerbombt. Zudem bedeutet die Schwächung der Mullahs auch einen Schlag gegen chinesische Ambitionen in der Region.

Nun aber scheint die Lage wie festgefahren, die Straße von Hormuz teilweise zumindest geschlossen. Trump wirkte mit seinen erfolglosen Einklagen von Hilfe durch die NATO-Verbündeten in der Wasserstraße fast ein wenig hilflos.

Der britische „Spectator“ spottete über die „erkennbare Ratlosigkeit“ in Washington und schrieb: „Der Angriff auf den Iran steht so eklatant im Widerspruch zu den Wünschen seiner Anhängerschaft, so diametral im Gegensatz zu deren Auffassung vom nationalen Interesse, dass er wohl das Ende des Trumpismus als Projekt einläuten wird.“ Dahinter steht wohl weniger nüchterne Analyse als das Wunschdenken der liberalen Zeitschrift.

Krieg gegen Iran im Interesse des Westens

Trump glaubt, die Amerikaner letztendlich davon überzeugen zu können, dass der Waffengang gegen die Islamisten in Iran zutiefst im Interesse der USA und des freien Westens liege. Schließlich wollen die herrschenden Mullahs nicht nur Israel von der Landkarte auslöschen; sie sind auch erklärte Feinde des „Satans“ USA und des freien, demokratischen Westens.

Die Unterstützung von islamistischen Terrororganisationen und islamischen Zentren und Projekten weltweit belegt seit Jahrzehnten die gefährlichen globalen Ambitionen der Theokraten in Teheran. Wer die Verteidigung Israels, der USA und der westlichen Welt reduziert auf die Frage einer unmittelbaren Kriegsgefahr, ignoriert die klaren, vielfach geäußerten Absichten und Fernziele der Islamisten in Iran und auch in den sunnitischen Regionen der islamischen Welt.

Trumps Kampfbereitschaft gegen die Islamisten?

Die Anstrengungen Teherans, Atomwaffen und Trägerraketen für weite Strecken zu entwickeln, die Unterstützung und Ausrüstung zahlreicher anti-westlicher Organisationen und Gruppen in Europa und Nordamerika sowie die menschenverachtende Durchsetzung einer islamischen Ordnung – in der beispielsweise Frauen Menschen zweiter Klasse sind – sind mehr als nur Hinweise auf die offensive Kriegsbereitschaft und den ideologischen Expansionswillen der Mullahs.

Einen Kampf der Kulturen wollen im Westen viele nicht sehen, insbesondere in Europa werden solche Sichtweisen oft als rechtsextrem und rassistisch abgelehnt. Andere glauben zu wissen, dass dieser Kampf, in der die Auseinandersetzung mit den Islamisten eine zentrale Bedeutung hat, nicht nur real ist – sondern auch Krieg bedeutet. Donald Trump scheint so zu denken, auch wenn er nur sehr selten über das Thema spricht.

Trumps Gegner unterstellen ihm gerne, er betreibe Politik wesentlich aus ökonomischen Überlegungen heraus, oft im Interesse der Unternehmen seiner Familie. Zumindest beim Iran-Krieg, der sowohl die amerikanischen Wirtschaft als auch Trumps eigene politische und finanzielle Interessen massiv beschädigen könnte, scheint nur die Auseinandersetzung zwischen der freien Welt und dem Rest der Welt die Sinnhaftigkeit des Waffengangs erklären zu können.

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