Steuer auf Stromer: Großbritannien plant Abgabe auf Elektroautos

London will Elektroautos künftig pro Kilometer besteuern – ein Kurswechsel, der zeigt, wohin die grüne Reise führt. Was Großbritannien vormacht, könnte sehr gut auch bald auf Deutschland treffen: Wenn die Ideologie immer teurer wird, sucht der Staat neue Wege, um die Bürger dafür zur Kasse zu bitten.

IMAGO / Uwe Steinert

Lange galten Elektroautos als sakrosanktes Symbol des Fortschritts. Sie sollten den Planeten retten, den Verkehr dekarbonisieren und die Bürger moralisch entlasten. Jetzt zeigt sich: Das grüne Versprechen war unbezahlbar teuer, konnte nie gehalten werden und das Geld ist weg. Also was tun?

Nach Informationen der (gerade wieder massiv in der Kritik stehenden) BBC erwägt die britische Regierung eine neue Abgabe auf Elektrofahrzeuge. In internen Runden habe es „Gespräche“ gegeben, wie sich die milliardenschweren Haushaltslöcher füllen lassen. Eine Möglichkeit: eine kilometerabhängige Steuer, die pro gefahrene Meile kassiert werden soll.

Im Gespräch sind 3 Pence pro Meile – rund zwölf Pfund zusätzlich auf einer Strecke von London nach Edinburgh. Auch Hybridfahrer sollen zahlen, wenn auch etwas weniger. Der Clou: Die Fahrzeughalter müssten künftig ihre Jahreskilometer schätzen und vorab bezahlen. Wer am Ende mehr fährt, zahlt nach; wer weniger fährt, erhält ein Guthaben.

Offiziell begründet das Finanzministerium den Vorstoß mit „Gerechtigkeit“. Benzin- und Dieselfahrer zahlen doch schließlich Kraftstoffsteuer, Stromer bislang nicht. „Wir wollen ein faireres System für alle Fahrer“, erklärte ein Regierungssprecher. Der Satz steht für das alte Dilemma der Subventionspolitik: Was einst belohnt wurde, wird jetzt bestraft, sobald die Förderkosten explodieren. Und gutgläubige Elektrofahrzeughalter schauen wieder mal geprellt in die Röhre.

Denn der britische Staat verliert mit der Elektromobilität Milliarden. Die Einnahmen aus der Benzinsteuer brechen weg, während der Haushalt ohnehin unter Druck steht. Schon im April strich London die Kfz-Steuerbefreiung für E-Autos, nun folgt der nächste Schritt.

Wirtschaftlich ist das nachvollziehbar, politisch ist es ein Offenbarungseid. Die Regierung hatte sich selbst zum globalen Vorreiter beim Umstieg erklärt. Vier Milliarden Pfund wurden in Kaufprämien und Ladeinfrastruktur gesteckt. Jetzt will dieselbe Regierung die Nutzer zur Kasse bitten, weil die Energiewende teuer wurde.

Der Widerspruch ist perfekt: Erst wird das Elektroauto mit Milliarden gefördert, dann zur Einnahmequelle umfunktioniert. Statt Klimaschutz wird Kassensturz betrieben. Der Gegenwind ist entsprechend heftig. Der Verband der Automobilhersteller (SMMT) nennt die Pläne „die falsche Maßnahme zur falschen Zeit“. Eine komplizierte, teure Regelung, die genau jene Fahrzeuge treffe, deren Absatz ohnehin stocke, sei „ein strategischer Fehler“.

Auch Edmund King, Präsident des britischen Automobilclubs AA, warnt: Die Regierung solle „vorsichtig vorgehen, es sei denn, ihre Maßnahmen verlangsamen den Übergang zu Elektrofahrzeugen“. Die Verkaufszahlen sanken zuletzt deutlich; die staatlich verordnete Wende bleibt hinter den Zielen zurück. Nathan Coe, Chef der Plattform Autotrader, bringt es auf den Punkt: „Elektroautos sind in der Anschaffung teurer, dafür im Betrieb günstiger. Diese Steuer nimmt ihnen den entscheidenden Vorteil.“ Die liberaldemokratische Abgeordnete Daisy Cooper nennt den Plan „unfassbar“. Inmitten einer Lebenshaltungskostenkrise wolle die Regierung ausgerechnet jene bestrafen, die auf ein sauberes Fahrzeug umgestiegen seien. Tja.

Hinter alldem steckt ein tieferes Problem: Die Energiewende war nie fiskalisch auch nur irgendwie durchdacht. Sobald eine Technologie Massenmarkt wird, bricht das Subventionsmodell zusammen. Was als „Anreiz“ begann, verwandelt sich in ein fiskalisches Loch, das gefüllt werden muss. Und am Ende zahlen wieder die Bürger.

Dass die Regierung jetzt die „Gerechtigkeit unter Autofahrern“ bemüht, ist ein rhetorischer Trick. In Wahrheit geht es um Haushaltsdisziplin und um den Versuch, die Kosten der grünen Transformation zu verstecken. Einmal mehr zeigt sich: Der Traum vom klimaneutralen Verkehr endet dort, wo die Realität der Staatsfinanzen beginnt.

Was jetzt in Großbritannien vorbereitet wird, ist kein Sonderfall, sondern ein Vorgeschmack. Dieselbe Logik zieht längst durch Brüssel und Berlin. Auch in Deutschland wird über neue Formen der Straßenfinanzierung diskutiert. Zunächst für E-Autos, dann für alle. Die Argumentation ist identisch: Wer keine Mineralölsteuer zahlt, müsse „gerecht“ beitragen. Das oft bemühte „Gerechtigkeit“ von Politikern lesen die Menschen mittlerweile ebenso wie die Vokabel „ein Mann“. Hinter dieser Gerechtigkeitsrhetorik steht nichts anderes als fiskalische Panik.

In Wahrheit zerbricht das Geschäftsmodell der Energiewende an sich selbst. Milliarden wurden ausgegeben, um Bürger in die E-Mobilität zu treiben. Nun, da sie folgen, sollen sie erneut zur Kasse gebeten werden. Das Märchen vom „sauberen, günstigen Fahren“ entlarvt sich als Illusion: teure Anschaffung, knappe Rohstoffe, wackelige Netze – und jetzt auch noch neue Steuern.

Deutschland wird dem britischen Beispiel folgen, sobald die Lücke in den Steuereinnahmen groß genug ist. Und sie wächst täglich. Die E-Auto-Steuer ist damit mehr als nur eine fiskalische Maßnahme: Sie ist das Eingeständnis, dass der grüne Weg in die Abhängigkeit führt. Von Subventionen, Schulden und staatlicher Gängelung.

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Kommentare ( 82 )

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Ombudsmann Wohlgemut
2 Monate her

Meines Wissens gibt es weltweit keine Mobilitätssteuer, die davon abhängig ist, wie lange man unterwegs ist. Dafür gibt es dann aber deutlich höhere Versicherungskosten. Und was sind das für dämliche Gründe? Mit Verbrenner zahlt man Abgaben wie Mineralölsteuer (ca. 61%), aber mit Elektroauto zahlt man ebenfalls Abgaben wie Stromsteuer (ca. 60%). Es ist also bereits gleichwertig besteuert und darf nicht noch mehr besteuert werden! Während sich hier einige freuen, es den Grünen heimzuzahlen (was damit nicht funktioniert), kommt es mir eher so vor, als sei das sogar ein weiterer Vorstoß der „grünen Transformation“, denn die wollen ja die utopischen 15min-Städte… Mehr

Don Didi
2 Monate her
Antworten an  Ombudsmann Wohlgemut

Die Mineralölsteuer ist letztlich eine entfernungsabhängige Steuer.
Dazu kommt noch die bei Verbrennern deutlich höhere KFZ-Steuer.
Ich hatte von Anfang an gesagt, sobald die kritische Masse erreicht ist, wird Strom für Mobilität ähnlich zusatzbesteuert, wie Heizöl für Mobilität. Das war abzusehen und nur logisch.
Daß die ganze Nummer sowieso nicht funktionieren würde, sobald die Nische verlassen wird, war ohnehin klar.

Karl Renschu
2 Monate her

Was zusammenbricht ist die Lüge, dass möglichst viele möglichst fremde Ausländer hier ein Schlaraffenland für die schon länger hier wohnenden schaffen…

Ron
2 Monate her

Ich und gleich gesinnte Patrioten sind dankbar für diese Idee. Wieder ein paar Stimmen mehr für Nigel. Ganz ähnlich wie in D. Je schwachsinniger oder dreister die Regierung agiert, umso mehr Wahlhilfe für Reform UK, AfD oder, wie in meiner alten Heimat, die FPÖ. Passt, weiter so.

FrankV
2 Monate her

Bei 1,65 Mllionen reinen E-Fahrzeugen hierzulande die bis 2035 von der Steuer befreit sind, entspricht das einem Steuerausfall von rd. 236 Millionen Euro jährlich. Die KFZ-Steuer liegt in Summe bei ca. 9,5 Milliarden Euro jährlich.
Also eine massive Subvention der e-Mobilität. Das wird sich auch hierzulande ändern !

Ohanse
2 Monate her
Antworten an  FrankV

Hier geht es aber nicht um die Kfz-Steuer, sondern um die Steuer auf Kraftstoff, also um die Einnahmeausfälle, die dadurch entstehen, daß die E-Auto-Fahrer nicht an die Zapfsäule fahren, sondern an der Steckdose aufladen.

Last edited 2 Monate her by Ohanse
Ombudsmann Wohlgemut
2 Monate her
Antworten an  Ohanse

Ausfälle, aha.
Zusatzabgaben auf Sprit: ca. 60%
Zusatzabgaben auf Strom: ca. 60%

Don Didi
2 Monate her
Antworten an  Ombudsmann Wohlgemut

Nicht ganz. Heizöl wird bereits versteuert und mit CO2-Abgaben belastet, wenn es für Mobilitätszwecke genutzt wird, kommt die Mineralölsteuer noch oben drauf.
Das wird bei Strom genauso sein, Strom für Heiz-(haushalts-)zwecke wird mit Stromsteuer, Netzentgelten etc. belastet,wird der Strom für Mobilitätszwecke genutzt, wird er eben analog zusätzlich mit einer „Mineralstromsteuer“ belastet.

Peterson82
2 Monate her
Antworten an  FrankV

Allein die steuerliche Vergünstigung für Diesel-Kraftstoff gegenüber anderen Kraftstoffen kostete Deutschland im Jahr 2019 nach Aussage des Deutsche Bundesministerium der Finanzen (BMF) etwa 7 Mrd. Euro

Don Didi
2 Monate her
Antworten an  Peterson82

Nein. Komplett falsch. Zum einen ist die KFZ-Steuer beim Diesel höher, zum anderen gibt es keine „Vergünstigung“ und es „kostet“ auch nicht „Deutschland“ irgendetwas. Dem Dieselfahrer wird von der Regierung (nicht von Deutschland) etwas weggenommen. Nur weil dem Benzinerfahrer in einem Bereich der Abzocke etwas mehr weggenommen wird, als Vergünstigung für den Dieselfahrer zu bezeichnen, halte ich für extrem abwegig. Was die Regierung etwas kostet, ist die Unterstützung der Ukraine, die Vollversorgung der Asylanten, die Politiker. Der Dieselfahrer kostet nichts, er bringt Geld. Ob jetzt exorbitant viel, oder fast exorbitant viel, ist dabei unerheblich, Kosten sind das nicht, es sind… Mehr

Harry Hirsch
2 Monate her

„Wir wollen ein faireres System für alle Fahrer“,

Das fairste System für alle wäre in meinen Augen mittlerweile die komplette Abschaffung aller Regierungen des „Wertewestens“.

Juergen P. Schneider
2 Monate her

Das Ziel der E-Mobilität war ja nicht, dass jeder ein vollelektrisches Kraftfahrzeug in der Garage stehen hat, sondern dass dort dann ein E-Bike steht. Die Abkehr von allen grünen Schnapsideen wird die vielen grüngläubigen Untertanen noch eine Menge Geld kosten. Leider sind diejenigen, denen das heraufziehende Fiasko schon frühzeitig klar gewesen ist, auch von dem ganzen Wahn betroffen. Man darf gespannt sein, wann die Mehrheit im Land endlich erkennt, dass man den links-grünen Märchenerzählern aus Union, SPD, Grünen und SED nicht alles glauben darf, wenn man seinen Wohlstand behalten will.

FrankV
2 Monate her
Antworten an  Juergen P. Schneider

Wobei die e-Bikes dann auch besteuert werden müssen, denn irgendwoher müssen die Steuerausfälle durch den Entfall der Verbrenner finanziert werden.

joe limburger
2 Monate her

Solche Kinkerlitzchen wie etwas Steuern auf den Gebrauch seines Moralvehikels soltte doch den mit stolzgeschwellter Brust Klimaneutralität simuliernden Aufsitzbatterienbesitzer und Retter des Planeten nicht anfechten. Hehre Ziele bedeuten Opfer.Rückwärts immer, vorwärts nimmer.
Abgezockt werden für diesen Unsinn leider auch die Vernunftdenker für den Deppenkult rund ums Klimärchen. Und diese sind in Summe noch zu wenig, um mit diesem Schwachsinn und der Steuergeldverschwendung per Wahlzettel aufzuräumen.

Freiheit fuer Argumente
2 Monate her

Was kaum einer bedenkt: Die Belastung und Lebensdauer der Fahrbahnen durch die enorm schweren E-Fahrzeuge.

Last edited 2 Monate her by Freiheit fuer Argumente
Peterson82
2 Monate her

die ENORM schweren Fahrzeuge wiegen in der Regel lächerliche 300-400kg mehr. Verteilt auf 4 Reifen. Völlig nebensächlich gegenüber den Gewichten durch den Schwerlastverkehr.

Ombudsmann Wohlgemut
2 Monate her
Antworten an  Peterson82

Ein Tesla M3 wiegt so viel wie ein BMW 330i mit Vollausstattung, aber gleichmäßiger verteilt, man kann also nicht pauschalisieren. Und neuere Modelle wiegen immer mehr, weil durch die vielen EU-Richtlinien immer mehr verbaut sein muss.

Michael W.
2 Monate her

Sehr gut, weiter so.
Bald kapiert auch der letzte Depp, dass die „Energiewende“ nichts anderes ist als eine gewaltige Abzocke der Bürger.
Um Umweltschutz ging es dabei nie, „Klima“ ist wie eine Religion: Ein mal Fuß gefasst und die Gläubigen werden abgezockt.

hoho
2 Monate her
Antworten an  Michael W.

Das bezweifle ich. Es ist schon schwer genug bestimmte Abhängigkeiten zu verstehen und selbst zu forschen. Die große Propagandamaschine der Massmedien und die damit verbundene Militäreinrichtungen (in GB das wäre die 77. Brigade) sorgen dafür, dass der Schlafmichel das tut, was er schon immer getan hat.

Wilhelm Roepke
2 Monate her

3 Dinge sind unendlich, nicht zwei, wie Albert Einstein irrtümlich glaubte:

– das Universum
– die menschliche Dummheit und
– der Erfindungsreichtum des Fiskus.