Die Lage im Iran bleibt unübersichtlich: Das Regime schottet das Land ab, kappt Kommunikationskanäle. Über Starlink gelangen dennoch Informationen nach außen. Es halten sich Gerüchte, dass Khamenei nach Moskau fliehen könnte; doch ob das Regime stürzen wird, bleibt fraglich.
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Im Iran herrscht mittlerweile Ausnahmezustand. Die Massenproteste gegen das verhasste Mullah-Regime gehen auch nach mehr als zwölf Tagen weiter.
Am Freitagabend gingen Zehntausende von Menschen in Teheran sowie in über 50 weiteren Städten, darunter Täbris und Maschhad, auf die Straße. Mit Rufen wie „Tod dem Diktator“ fordern sie das Ende der Islamischen Republik. Kurdische Städte sind im Generalstreik. Kurdenkämpfer aus dem Nordirak greifen mit ein.
Während der Nacht gingen die Proteste und Demonstrationen weiter. In Teheran wurden Gebäude des Regimes unter Applaus angezündet, wie der Journalist Amirhossein Miresmaeili auf X postet. Sanandaj, die Hauptstadt der iranischen Kurdenregion ist geschlossen dabei.
In den Stadtzentren blieb die Lage auch in der vergangenen Nacht extrem angespannt. Berichte von Iran International deuten darauf hin, dass die Basidsch-Milizen in Wohnvierteln patrouillieren, um die Menschen einzuschüchtern und von Protesten abzuhalten. Die Milizen werden allerdings auch angegriffen. Wo möglich, zerstören Demonstranten Überwachungskameras.
Nach Informationen, die auf X kursieren, wurde auch in der Geburtsstadt von Ajatollah Ali Khamenei protestiert. Ein Video auf X soll zeigen, wie Menschen ein Gebäude der Revolutionsgarden anzünden und Bilder des früheren Kommandeurs der iranischen Revolutionsgarden, Soleimani, in Brand setzen. Zigarettenanzünden mit Khamenei-Bildern geht um.
Ein Bewohner der südiranischen Stadt Buschehr sagte laut New York Times, die Menschenmenge sei dort so groß, dass die Sicherheitskräfte sich zurückgezogen hätten. Ein Einwohner von Isfahan berichtet Solidaritätsbekundungen von Passanten und Schaulustigen gegenüber den Demonstranten.
Keine Frage: Der Iran erlebt Tage, die das Land verändern könnten. Nach mehr als zwölf Tagen anhaltender Massenproteste hat sich aus zunächst ökonomischer Wut eine offene Systemrevolte entwickelt. Die traditionsreichen Basare, über Jahrzehnte Seismograf der öffentlichen Stimmung, sind zu Brennpunkten der Erschütterung geworden. Der arabische Sender Al Jazeera berichtet, dass die Schließung der Geschäfte auf dem Großen Basar von Teheran der Funke war, der die landesweite Protestwelle entzündete. Händler, Arbeiter, Angestellte und zunehmend auch Teile der ländlichen Bevölkerung gehen auf die Straße. Sie alle sind durch wirtschaftliche Kernschmelze betroffen.
Der iranische Rial hat binnen eines Jahres fast die Hälfte seines Wertes verloren. Preise explodieren, Löhne stagnieren, Ersparnisse verdampfen. Was früher als soziale Unruhe kanalisiert wurde, entlädt sich nun politisch. In Teheran, Täbris, Maschhad und mehr als 50 weiteren Städten skandieren Demonstranten „Tod dem Diktator“ – eine direkte Kampfansage an die Islamische Republik.
Angstreaktion des Staates
Die Antwort des Regimes ist wie üblich repressiv. Sie verrät die Nervosität des Regimes. Die Chefs der iranischen Justiz und ihrer Sicherheitsdienste erklärten, sie würden harte Maßnahmen gegen jeden ergreifen, der protestiert. Doch die Drohungen schrecken die Demonstranten nicht mehr ab.
In weiten Teilen des Landes wurden Internet und Mobilfunk nahezu vollständig abgeschaltet, teilweise sogar der Strom gekappt. Auch sind vorhandene Festnetztelefonsysteme gekappt, es soll keine Kommunikation mehr stattfinden. Der Exil-Journalistin Masih Alinejad zufolge ist der Blackout Teil einer „bewährten“ Taktik.
Sie forderte öffentlich, Elon Musk solle mit Starlink den Zugang zum Netz wiederherstellen. Nach Berichten ist dies auch geschehen: Musk hat Anfang der Woche einige Dutzende Starlink-Satelliten über den Iran geschickt, über die die Verbindung zur Außenwelt hergestellt werden kann. Wieder ein eindrucksvoller Beweis für das in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzende Kommunikationssystem von Musk.
Ganze Wohnviertel werden nachts vom Stromnetz getrennt, um die lautstarken ‚Pahlavi‘-Rufe von den Balkonen zu unterdrücken. Doch Bilder brennender Barrikaden gehen dennoch um die Welt.
Menschenrechtsorganisationen sprechen von mindestens 45 Toten, darunter acht Minderjährige. Behörden bestätigen auch Tote unter den „Sicherheitsleuten“, Zeichen für heftige Auseinandersetzungen.
Pahlavi tritt nach vorn
In dieses Machtvakuum stößt Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs. In Videobotschaften spricht er vom „Berlin-Wall-Moment“ des Iran und ruft zu zivilem Ungehorsam auf. Er empfiehlt Straßensperren auf Hauptachsen, appelliert an Polizei und Armee, sich auf die Seite des Volkes zu stellen, und erklärt seine Bereitschaft, eine Übergangsregierung zu führen. Dabei betont er, keine Restauration der Monarchie anzustreben, über die künftige Staatsform solle ein Referendum entscheiden.
Bemerkenswert ist die Resonanz auf der Straße. Rufe wie „Pahlavi, komm zurück!“ werden aus Basaren und Wohnvierteln berichtet. Pahlavi fungiert damit zugleich als diplomatisches Bindeglied zum Westen und als Symbol für einen säkularen Neuanfang, auch wenn Teile der Opposition ihn skeptisch sehen.
Internationale Fronten
Aus Washington kommen die schärfsten Töne. US-Präsident Donald Trump warnte, wer auf Demonstranten schieße, werde „sehr hart“ getroffen; die USA seien „locked and loaded“. Pahlavi dankte ausdrücklich für diese Unterstützung.
Während Washington klare Kante zeigt, bremst die Europäische Union unter Kaja Kallas wie üblich. Die Außenbeauftragte Kaja Kallas „mahnt“ zur Zurückhaltung und fordert die iranischen Sicherheitskräfte auf, „maximale Zurückhaltung“ zu üben. Die Berichte über Tote und Verletzte seien besorgniserregend. In offiziellen Erklärungen wird betont, dass die Forderungen der Menschen nach sozioökonomischen Verbesserungen durch „inklusiven Dialog“ und nicht durch Gewalt gelöst werden müssten.
Betretenes Schweigen auch in Berlin. Bisher tat sich Berlin traditionell schwer mit einer entschlossenen Iranpolitik gegen das Mullah-Regime. Unvergessen Steinmeiers „Schandtelegramm“, als er 2019 zum 40. Jahrestag der Islamischen Revolution ein herzliches Glückwunschtelegramm an das Regime in Teheran schickte – im Namen aller Deutschen. Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus.
Oder Claudia Roth, die lächelnd mit Kopftuch neben Vertretern des Regimes posierte, während mutige Frauen im Iran ihre Kopfbedeckung als Zeichen des Widerstands ablegten und dafür Gefängnis riskierten.
Deutschland sei immer noch der größte Handelspartner der EU des Iran, beklagte 2022 ein Johann Wadephul, damals noch CDU-Bundestagsabgeordneter in einer skurrilen Debatte über „feministische Außenpolitik“.
Immerhin hat sich Friedrich Merz im Sommer 2025 hinreißen lassen, sich klar hinter militärische Schläge gegen iranische Einrichtungen zu stellen. Er bezeichnete das Regime als „wesentlichen Teil der Achse des Bösen“ und betonte, dass Deutschland ein strategisches Interesse an der Schwächung dieses „Terrorregimes“ haben müsse.
Ob ein Umbruch im Iran gelingt, ist derzeit offen. Das Regime setzt auf Abschottung und Gewalt, die Opposition auf Mobilisierung und internationale Rückendeckung.
Hinter den Kulissen kursieren Berichte über Fluchtvorbereitungen der Führung; als möglicher Zufluchtsort des Obersten Führers Khamenei und seines Gefolges wird Moskau genannt.

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Zu dem was in Venezuela passiert, zum Kapern des russischen Schiffs durch die US-Küstenwache, der US-„Anspruch“ auf Grönland und auch jetzt der „Aufstand“ im Iran empfehle ich dringend jedem dieses Interview mit Scott Ritter. Es öffnet die Augen. Ich jedenfalls war schockiert.
(Englisch, ggf. die KI-Übersetzung aktivieren!)
https://www.youtube.com/watch?v=8O49reYeJRw
Ich habe jetzt nicht nachgezählt, doch wird bei den landesweiten Protesten in Frankreich nicht weniger los gewesen sein. Festnahmen gab es da auch und wenn sich jemand der Festnahme widersetzt dann….
Wenn ich die wirtschaftliche Situation im Iran bedenken, dann geht es dort weniger gegen die Mullahs sondern gegen die wirtschaftliche Misere.
Da im Islamstaat alles mit allem verbunden und durch die islamischen Schriften geregelt ist geht es gegen all das.
Das lässt sich gar nicht trennen.
Wir sind hier auf gutem Wege – und die Kirchen machen den Platz ja schon lange frei für Neues.
Ich erkenne hier den vom CIA inszenierten Maidan Aufstand in der UA wieder. Sicher reiner Zufall
Gibt es denn im Iran überhaupt eine Opposition, welche mehr eint, als daß sie gegen die Mullahs sind? Wenn das das einzige einende Ziel wäre bei der Opposition, dann würde ich schwarz sehen für die Zeit nach einem Sturz der Mullahs.
Mein Kommentar zu Venezuela und der Tankerkaperung passt auch zur Iranproblematik: So gut wie alle Probleme, die die Welt heute hat, gehen von den USA aus, und innerhalb der USA von den Besitzern der Privatwährung Dollar. Der wird rigoros und skrupellos geschützt, weil er das wichtigste Instrument für die Erreichung einer weitreichenden bis allumfassenden Hegemonie ist. Energiehandel im Speziellen und Handel ohne Dollarbeteiligung generell lassen den Dollar implodieren.Regimechanges, Farbenrevolutionen, Protestbewegungen werden mit Dollars finanziert, Kriege geführt nur mit dem Ziel der Destabilisierung und Zerstörung mit anschließenden Dollarkrediten und Wiederaufbau. Irak, Libyen, Rußland, alle Länder, die bereit sind, Öl nicht mehr… Mehr
Vielleicht möchte Herr Steinmeier den Mullahs ja noch ein hoffentlich letztes Mal zum Revolutionstag gratulieren.
Frage: Wenn die Mullahs weg wären und im Iran gäbe es eine regulär gewählte Regierung…könnten dann nicht die ganzen Asyl-Iraner in ihr Land zurückkehren..die noch hier sind…? Ich frage für einen Freund.
Die Iraner, die vor dem Mullahregime geflohen sind, stellen eine andere Kategorie dar als diejenigen, die seit 2015 als Flüchtlinge firmieren. Im allgemeinen sind Exiliraner sehr tüchtig und bildungsbeflissen und neigen nicht zum Islamismus.
Wenn es Jihad ist werden sie bleiben.
„It seems like it is just a matter of time before there is civil war in Europe. If Europe tries to mass deport the fake refugees, they will burn down major cities. If Europe does nothing, they will be overwhelmed. No good solutions.“ https://x.com/WallStreetMav/status/1874625237519917358
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Denn sie sind aufgefordert alles Land der Erde für die Umma zu erobern.
Die Frage ist, werden die neuen Flüchtlinge aus dem Iran Anhänger oder Gegner des Mullah-Regimes sein?
Schön wenn den Menschen endlich klar wird, dass die 40 Jahre Melkkühe eines absolut korrupten Regimes wurde, das sich die Taschen vollmachte und die Bodenschätze stahl. Zudem stellt sich die Frage, warum der „Gott“ nicht für sich selbst sprechen kann, sondern einen Dolmetscher braucht .. oder mehre davon … was ist an den Geistlichen so besonders, was der NORMALO nicht kann ? Gerade hier stellt sich die Frage, was all die LINKEN, die sonst weitgehend Atheisten sind am politischen ISLAM so toll finden … das war schon immer so .. warum ? P..S: der „ISLAM“ wie der bei uns gelebt… Mehr
Iran brennt….werden sich wieder millionen menschen (iraner) auf den weg nach europa/deutschland machen?