Italien: Auch in Sardinien punktet die Lega von Salvini

Einmal mehr traf Lega-Chef Matteo Salvini den Nerv der Bürger und Landwirte sowie Schäfer, als er quasi die EU-Politik am sardischen Beispiel veranschaulichte.

imago/ZUMA Press
Italiens Innenminister Salvini, hier beim Wahlkampf in Bari am 20.2.2019

Nachdem viel Milch die Schnellstraßen hinunter geflossen ist, stieg am Sonntag die Wahlbeteiligung im Vergleich zu den Wahlen von 2014 leicht an, als etwa 52 % der anderthalb Millionen wahlberechtigter Sarden an die Wahlurnen ging. Es wurde denn auch ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Kandidaten und dem ehemaligen sardischen Hauptstadt-Bürgermeister in Cagliari, Massimo Zedda, aus dem Mittelinks-Bündnis und dem Juristen Christian Solinas von der Partei Sardo d’Azione, und zu Salvinis Bündnis gehörend. Im Vorfeld war zu hören, dass keineswegs alle PD-Wähler Zedda favorisierten, auch, wenn die Medien in Zedda bereits einen neuen Renzi sehen wollten. Und Solinas wiederum, der den Konservatismus pflegt, aber in Cagliari auf regionaler Ebene auch schon mit Zedda Pakte schmiedete, rechnete auch mit Wählern der PD.

Die Cinque Stelle halbierten auch bei dieser Wahl ihre Stimmen und kommen nun auf nur 20 Prozent. Salvinis Koalitionspartner befindet sich auf einer Themen- und Sinnsuche. Auf Radio24 wurde heute früh bestätigt, dass die Auszählung laufe, und nach den ersten ausgewerteten fünf Regionen, hatte das Linke Zentrum zwei gewonnen, ebenso zwei das Mitte-Rechts-Bündnis und eine Region entfiel auf die Fünf-Sterne. Höchstens ein Prozentpunkt liegt die Mitterechts-Liste demnach vorn.

Doch mit diesem Ergebnis von prognostizierten 40 Prozent (aber allein bei Salvinis Lega werden zwischen 43 und 47 % kalkuliert) erntet Salvini einen weiteren Erfolg, auch Dank seines unermüdlichen Einsatzes auf der weltbekannten Ferieninsel, die bei Normalbürgern sowie der Upperclass aus Sport, Film und Business so beliebt ist.

Bei der Kaufkraft der Einheimischen steht die autonome Region Sardinien allerdings auf Rang 15 von 20 Regionen.

Der Tourismus und die Agrarwirtschaft, aber auch die Erdölindustrie sind die Standbeine, und die Arbeitslosenquote liegt bei 17 Prozent auf der Insel, die Salvini die vergangenen Tage der Länge und Breite nach bereiste, um auf den Piazze die Leute zu treffen und einzustimmen.

Populistisch, aber stets authentisch und überzeugend, forderte er die Bewohner auf, die Lega zu wählen, da diese die Kaufkraft, Familien und Frauen stärken, und damit auch die Geburtenrate wieder mit Anreizen steigern wolle – oder es bliebe natürlich auch die Demokratische Partei (PD), die dem demographischen Wandel mit mehr Migration begegnen wolle.

Salvini schreibe „natürlich“ keinem vor, wer wen und warum wähle. Wie eine saure Milch stieß aber einigen Kontrahenten auf, dass Salvini via Social Media auch am Wahltag „Werbung und Propaganda“ für seine Lega postete. Das gehöre sich nicht, was andere einhielten, könne nicht ausgerechnet der Innenminister brechen.

Doch einmal mehr traf der Lega-Chef den Nerv der Bürger und Landwirte sowie Schäfer, als er quasi die EU-Politik am sardischen Beispiel veranschaulichte.

Die Genuss- und Nahrungsmittel-Industrie ganz speziell, müsse wieder geschützt werden mit ihren in Italien hergestellten Erzeugnissen. Das „made in Italy“, in Zukunft noch klarer zu erkennen auf den Produkten, müsse wieder seinen Stellenwert bekommen, den es verdiene. Immer wieder forderte Salvini, dass Italien über 60 Milliarden Euro verloren gingen, indem falsche oder Nachahmer-Produkte ins Land geholt würden, unter den italienischen Tricolori, der Nationalflagge.

„Reis, Fisch, Mozzarella sowie unseren Weizen müssen wir uns nicht aus anderen Ländern holen“, die, die Produkte auch noch mit dem „Okay“ der EU anders behandelten mit Chemie. Salvini und sein Pendant Luigi di Maio wollen wieder einheimische Produkte zu fairen und erschwinglichen Preisen forcieren. Der Binnenmarkt soll gestärkt werden, damit die Kaufkraft der Bürger. Italien könne seine Dinge und Produkte gern exportieren und nicht einen „Mozzarilla“ (Wortkreation Salvinis) mit rumänischer Milch oder gar im Allgäu hergestellt, importieren. Das sei doch absurd, so der Lombarde und Genussmensch Salvini.

Ob Salvinis Lega und Cinque-Stelle auch die zahlreichen, ja tausende Schäfer und Milchbauern erreichte, die aus Sardinien vor kurzem sogar nach Rom pilgerten, um dort vor der Abgeordnetenkammer gegen die niedrigen Milchpreise zu protestieren?

In Rom, aber auch in Sardinien selbst, riefen die sardischen Bauern und Demonstranten nach „fairen Preisen“ und skandierten Slogans gegen die – ihrer Ansicht nach – „schon lächerlich niedrigen Milchpreise“, die auf 60 Cent pro Liter gefallen seien.

Damit, und das bezeugten die Landwirte und Schäfer frank und frei in die „Tele“-Kameras, könnten sie die Kosten der Produktion nicht decken.

Damit nicht genug, aus Protest und um diese Aussage zu unterstreichen, wurden auf der Insel rund eine Million Liter Milch auf den Asphalt der Hauptstraßen ausgeleert, Straßenblockaden wurden organisiert, wie der Landwirtschaftsverband Coldiretti, und dessen Präsident Ettore Prandini berichteten. Als besser angesehen wurde bei Di Maio und Salvini, wenn Schafsmilchhersteller ihre Milch an Altenheime und Bedürftige verteilten. Beide Regierungs-Vize erwähnten dies auch lobend im Fernsehen.

Auch Giuseppe Conte schaltete sich als Vermittler ein, nachdem der Preis für einen Liter Schafsmilch von 85 Cent in der vergangenen Saison derzeit auf 60 Cent gesunken war, behaupten viele Züchter, es besser sei, die Milch auf die Straße zu schütten, als sie für einen Preis unterhalb der Herstellungskosten zu verkaufen.

Das saß, und Conte sollte die Milchbauern und Molkereien der Insel befrieden. Aber auch Ministerpräsident Giuseppe Conte wies daraufhin und warnte vorsorglich, dass sich Italien „in Sachen Milch an europäische Vorschriften halten müsse.“ Und da war man dann gleich wieder bei der EU-Wahl im Mai.

Die sardischen Schäfer und Milchbauern wissen aber um die Wichtigkeit ihres Standes, denn die Schafzucht ist ein wichtiger Eckpfeiler der sardischen (Land-)Wirtschaft.

Mehr als die Hälfte der vier Millionen italienischen Schafe befänden sich auf Sardinien. Außerdem ist die Insel auch wegen der Verarbeitung der Milch zum Schafskäse Pecorino international bekannt. Ein ums andere Mal ließen sich Ministerpräsident Conte sowie Salvini diesen Käse schmecken, zwar medienwirksam, doch: wer lehnt Einladungen und Probiergeschenke schon öffentlich ab? Salvini bei der Käseherstellung, Pecorino naschend, dann wiederum bei einem regionalen Bäcker hinter der Theke, die Brötchen einpackend für die Kundschaft, nur unterbrochen von kurzen Erholungsphasen. Das kommt (noch) an bei den Leuten. Erst recht, wenn Salvini zwischendurch und en passant Polizisten und Feuerwehrmänner besucht und Ehrungen vornimmt.

Salvini versprach den sardischen Bewohnern, dass auch die Verkehrs-Infrastruktur, zu Wasser, zu Boden und in der Luft verbessert würde. Die Straßen und Zuglinien sollten verbessert und die Fähren zum Festland modernisiert/erneuert werden. Außerdem, und das berichten auch immer wieder Touristen als auch Einheimische, die Zuwanderung afrikanischer Männer, die in den Städten „herumlungern“, und einfach warten, müsse eindeutig reguliert werden. Auf Dauer wären das zu viele Einwanderer und „Probleme“ für die Insel.

Sprich, die autonome Region solle ihre Eigenständigkeit behalten, doch beide Seiten des Meeres sollten voneinander profitieren. Die Sarden, als eigensinniges und stolzes „Völkchen“ bekannt, strömten zwar zu den Kundgebungen der Lega und Cinque Stelle, doch um den Finger wickeln lassen wollen sie sich auch nicht. Das zeigte auch die recht ausgeglichene Wahl zwischen dem rechten und linken Lager nahe der Mitte. Die Regierung werden sie an deren Taten messen – was sie aber derzeit mit Matteo Salvini teilen, ist die Kritik an einer weltfremden Europapolitik der EU.


Giovanni Deriu, Dipl. Sozialpädagoge, Freier Journalist, ist seit 20 Jahren in der (interkulturellen) Erwachsenenbildung tätig.

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Kommentare ( 7 )

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In Leipzig lungern die Araber etc. am Hauptbahnhof herum und dealt mit Drogen. Es gibt Messerstechereien und Überfalle, die Leute saufen zudem. Das ist Frau Merkel ihre Politik in der Realität. Und der Clon 2.0 macht mit den Grünen, Linken, etc. weiter. DasGeld für die Zukunft des Landes fliesst in diesen Irrsinn von geistenkranken moralisierenden Politikern anstatt in die Zukunft des Landes. Marode Infrastruktur, abgehängt bei Chipproduktion, KI usw. Ein einziges Desaster. Dafür Kleinstaaterei und Bürokratieirrsinn mit diesen Bundesländern mit ihren albernen Landesgesetzen für jeden Müll. Wozu brauchen wir 16 Wassergesetze, Polizeigesetze, Nachbarschaftsrechte usw??

Kämen die Migranten über die Nordsee, so wäre Sylt fest in den Händen der AFD.

„Außerdem, und das berichten auch immer wieder Touristen als auch Einheimische, die Zuwanderung afrikanischer Männer, die in den Städten „herumlungern“, und einfach warten, müsse eindeutig reguliert werden. Auf Dauer wären das zu viele Einwanderer und „Probleme“ für die Insel.“ Wer seine Augen aufmacht, kann dies auch in unserem Lande beobachten (z.B. Münchner Hauptbahnhof) und sich fragen, was wir mit diesen vielen kulturfremden Männern machen sollen. Sagen darf man so etwas bei uns natürlich nur hinter vorgehaltener Hand. Viva Italia!

Erstaunlich, dass die sardische Mafia nicht die Kriminalität unter Kontrolle hat.

Zitat: „…was sie aber derzeit mit Matteo Salvini teilen, ist die Kritik an einer weltfremden Europapolitik der EU.“

Ergo: Keiner, dem etwas an EUROPA liegt, …der diese im höchsten Maße undemokratisch agierenden als auch zustande gekommene (!) EUROPÄISCHE UNION (EU) jedoch „zum Teufel jagen“ will, darf auch nur einen dieser Repräsentanten von diesen „selbsternannten sog. demokratischen Parteien“ bei der nächsten EU-Wahl wählen (!)

Ansonsten haben wir bald kein „Deutschland“ und keine anderen Länder mehr, sondern nur noch die „VEREINIGTEN STAATEN VON EUROPA“, mit dann jeder Menge von ab da nur noch „Menschen“ genannten Einwohnern, aber keinen einzelnen „Staatsbürgern“ mehr.

„VEREINIGTEN STAATEN VON EUROPA“

Nicht mal mit einer gemeinsamen Sprache.

Es erinnert immer mehr an das „Galaktische Imperium“ aus Star wars. Krieg als Legitimation zur Einschränkung der Bürgerrechte.