'Politico' behauptet unter Berufung auf anonyme „Diplomaten“, der slowakische Regierungs-Chef Robert Fico sei nach seinem Besuch in Mar-a-Lago „traumatisiert“ vom gefährlichen Geisteszustand Donald Trumps zurückgekehrt. Fico spricht von „glatten Lügen“ eines pro-brüsseler Portals, das Zitate ohne Zeugen und Belege konstruiere.
Screenprints: Politico, Welt, X - Collage: TE
Wenn ein Regierungschef eine große Brüsseler Plattform als „hasserfülltes, probrüsseler liberales Portal“ bezeichnet und ihr „Lügen“ vorwirft, ist das mehr als eine übliche Medienkritik. Genau das tut der slowakische Premier Robert Fico und legt sich frontal mit Axel Springers Politico an.
Auslöser ist ein Bericht, den Politico auf vage „anonyme europäische Diplomaten“ stützt. Diese wollen gehört haben, Fico sei nach seinem Treffen mit Donald Trump in Mar a Lago „schockiert“, „alarmiert“ und „traumatisiert“ gewesen und habe dessen „psychologischen Zustand“ als „gefährlich“ bezeichnet. Nicht öffentlich, versteht sich, sondern angeblich am Rande eines EU-Gipfels in Brüssel, in vertraulichen Gesprächen.
Fico bestreitet das nicht nur, er zerlegt die gesamte Konstruktion. Niemand habe etwas gehört, niemand etwas gesehen, es gebe keine Zeugen – trotzdem habe Politico kein Problem, ihm diese Zitate unterzuschieben. Das ist genau die Methode, auf die sich ein Teil des transatlantischen Medienbetriebs spezialisiert hat: Man erfindet ein Zitatumfeld, packt „Diplomaten“ oder „hohe Beamte“ davor, und fertig ist die Story.
Fico spricht von „grenzenlosen Medienlügen“ liberaler und progressiver Blätter, die souveräne Regierungen in der Slowakei und in den USA schwächen sollen. Zu diesem Arsenal zählt er nicht nur die Berichterstattung, sondern auch den „Missbrauch des Strafrechts“, um politische Gegner zu zerstören, und die systematische Ausgrenzung abweichender Meinungen. Mit anderen Worten: Medienfront und Justizfront arbeiten Hand in Hand gegen missliebige Regierungen.
Dass Fico zu den offen pro-trump’schen Politikern in Europa gehört, macht ihn zum idealen Ziel. Wer Trump verteidigt, gehört in diesem Milieu automatisch auf die Anklagebank. Entsprechend passt der Politico-Bericht perfekt ins gewünschte Bild: Der „unkalkulierbare“ Trump erschreckt sogar seine Verbündeten, die dann hinter vorgehaltener Hand über seinen Geisteszustand tuscheln. Eine Geschichte, die man schon vor dem ersten anonymen „Diplomaten“ fertig im Kopf haben kann.
Fico hält dagegen: Er habe mit keinem EU-Kollegen informell über seinen USA-Besuch gesprochen, weder am Rande des Brüsseler Treffens noch in vertraulichen Runden. Den Gipfel selbst bezeichnet er als schlecht vorbereitet. Und er erinnert daran, dass es schon bei seiner Moskau-Reise Versuche gab, ihn zu behindern, bis hin zu verweigerten Überflugrechten einzelner Mitgliedstaaten. Souveräne Außenpolitik, die nicht in Brüssel oder Washington vorab abgestimmt ist, soll offenbar ausgetrocknet werden.
Bemerkenswert ist, wer sich auf welche Seite stellt. Politico beruft sich auf Quellen ohne Namen und Gesicht. Fico geht offen in die Öffentlichkeit und stellt sich zu seiner Version. Und das Weiße Haus – also ausgerechnet die Trump-Administration, um deren „psychologischen Zustand“ es gehen soll, bezeichnet den Politico-Bericht als „absolut total fake news“. Ein hochrangiger Vertreter, der beim Treffen dabei gewesen sein will, spricht von einer „positiven und produktiven“ Begegnung ohne Spannungen.
Hier stehen sich zwei Welten gegenüber: auf der einen Seite ein Portal, das seine Glaubwürdigkeit fast ausschließlich aus „mehreren Diplomaten“, „hochrangigen Beamten“ und „eingebundenen Quellen“ bezieht. Auf der anderen Seite ein Regierungschef und die offizielle US-Seite, die übereinstimmend sagen: So war es nicht. Trotzdem wird die Story in die Welt gesetzt, mit der bekannten Methode der „faceless sources“, die weder befragt noch überprüft werden können.
Dass dieses Muster nicht neu ist, macht den Fall Fico brisant. Die bekanntesten antitrump’schen Erzählungen der vergangenen Jahre beruhten genau auf solchen anonymen Quellen – vom berüchtigten Steele-Dossier bis zum Atlantic-Bericht von 2020 über angebliche Schmähungen gefallener US-Soldaten. Viele dieser Geschichten gelten inzwischen als widerlegt, unzuverlässig oder nie wirklich belegt. Das System dahinter ist gleich geblieben.
Nun trifft dieses System nicht nur Trump, sondern einen EU-Regierungschef, der es wagt, eine eigene Linie zu fahren. Fico wirft Politico vor, die Beziehungen der Slowakei zu internationalen Partnern bewusst zu sabotieren, einschließlich der Zusammenarbeit mit den USA bei der Nukleardiversifizierung. Wer so arbeitet, mischt sich nicht nur in Debatten ein, sondern versucht aktiv, außenpolitische Spielräume zu verengen.
Der Fall zeigt, wie Medien funktionieren können, wenn sie sich nicht mehr als Beobachter, sondern als Akteur verstehen. Ein paar anonyme Zitate, ein williger Resonanzraum in Brüssel und Washington, fertig ist das Narrativ. Dass ein Regierungschef dem widerspricht und sich direkt ans Publikum wendet, ist da eher Störung als Anlass zur Selbstkritik.
Am Ende bleibt die Frage, wem man glauben soll: einem Bericht, der sich hinter anonymen „Diplomaten“ verschanzt oder denjenigen, die ihren Namen unter eine klare Aussage setzen und sich dafür gerade machen. Fico hat diese Entscheidung für sich getroffen und Politico „glatte Lügen“ attestiert. Wer nach Jahren anonymer Kampagnen noch ein Minimum an Misstrauen gelernt hat, dürfte sich mit einer einfachen Beschwichtigungsformel „aber die Quellen sind seriös“ nicht mehr zufriedengeben.

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> Am Ende bleibt die Frage, wem man glauben soll: einem Bericht, der sich hinter anonymen „Diplomaten“ verschanzt oder denjenigen, die ihren Namen unter eine klare Aussage setzen und sich dafür gerade machen.
Anonym riskiert man nichts während öffentliche Beschuldigung des Wahnsinns zieht den Zorn des wahnsinnigen Diktators auf die namentlich genannte Person und ihr Land. Wozu das riskieren? Wer den Geisteszustand des Herrn sehen wollte, hat ihn eh schon mitgekriegt.
> Fico spricht von „grenzenlosen Medienlügen“ liberaler und progressiver Blätter, die souveräne Regierungen in der Slowakei und in den USA schwächen sollen
Wieso schwächen? Dass Bidens Zustand jahrelang vertuscht wurde, das hat die Regierung geschwächt.
Da Trump als rachsüchtig gilt, wundert nicht, dass Fico jetzt alles abstreitet. Nicht dass Seine Trumpigkeit Brünn bombardieren oder Fico entführen lässt, wie mittlerweile gewohnt.