Die Silvesterkluft: Berlin und Brüssel im Polizeinotstand, Prag und Budapest unbeschwert

Auch an Silvester zeigt es sich: Der europäische Kontinent bleibt in Ost und West geteilt. Wo in Warschau, Budapest und Prag große friedliche Feiern im öffentlichen Raum möglich sind, müssen sie in Berlin, Brüssel und Paris immer stärker eingeschränkt werden.

picture alliance/dpa | Sebastian Willnow

Nicht nur in Berlin und anderen deutschen Städten hat das beginnende Jahr wieder zu „kriegsähnlichen Zuständen“ (laut Rettungskräften) geführt. In Bielefeld experimentierten sich zwei Jugendliche in den Tod. In Berlin soll es 2340 Einsätze in zwölf Stunden gegeben haben, woraus 800 Ermittlungsverfahren resultierten. In Hamburg wurden zehn Polizisten verletzt und hatten es mit 1398 Einsätzen zu tun. In Leipzig und Berlin mussten Wasserwerfer eingesetzt werden.

Aber auch im (west-)europäischen Ausland sah es nicht besser aus. In Amsterdam geriet ein historischer Kirchenbau aus dem 19. Jahrhundert derart unter Beschuss, dass er bis auf die Außenmauern ausbrannte. Anwohner fühlen sich an die Kathedrale Notre-Dame in Paris erinnert, die um einiges größer, kunsthistorisch sicher um einiges bedeutender ist. Zudem war die Amsterdamer Vondelkirche, unweit des Grachtenrings gelegen, schon seit Jahrzehnten profaniert. Aber es ist doch der gleiche fahrlässige Umgang mit dem architektonischen Erbe des Christentums, das auch hier auffällt. Auch in den Niederlanden sprach die Polizeigewerkschaft von einer „beispiellosen Welle der Gewalt“, mit Molotowcocktails, die auch auf Polizisten geworfen wurden.

— Ahmad Mansour (@AhmadMansour__) January 1, 2026

Wer dieser Tage nach Brüssel fährt, kann sich mit eigenen Augen von einer Atmosphäre der Angst, des Misstrauens zumindest überzeugen. Man muss sich nur einen Straßenzug zuviel von den Gebäuden der Kommission oder des Europaparlaments entfernen, um die andauernde, unbestreitbare Fremdheit der meist muslimischen Zuwanderer zu empfinden. Diese Straßenzüge sind folglich von Misstrauen geprägt, das natürlich vor allem dem gilt, der fremd erscheint. Auffällig ist zudem, wie viele der Alteingesessenen hier mit Hunden spazieren gehen.

In der Silvesternacht wurden auch in Brüssel Einsatzkräfte mit Feuerwerk angegriffen. Straßenbahnen, 25 Fahrzeuge brannten, schreibt der Staatssender VRT NWS. Busse und Stadtmobiliar wurden beschädigt. In Schaarbeek zündeten eifrige „Feierer“ die Gleise von Trambahnen an. 684 Mal musste die Polizei insgesamt ausrücken, berichten die BRF Nachrichten. Ist das noch eine Feier oder schon Krieg? Der Blick aufs Ausland ruft manchmal Selbstverständliches in Erinnerung. Auch auf deutschen Straßen herrscht Krieg gegen Ordnung, Recht, Staat, aber die Mächtigen wollen es nicht zugeben.

Einen Tag zuvor hatte Marokko den Afrika-Cup im Fußball gewonnen, was zu ähnlichen Ausschreitungen führte, wie der EU-Abgeordnete Tom Van Grieken berichtet. Doch die großen Medien verschweigen solche Zustände. Dabei und an Silvester sieht man auch allerhand Gewehrartiges – manchmal wohl auch echte Kalaschnikows.

Just zum Jahresende fielen zudem die Eurostar-Verbindungen zwischen London, Brüssel, Amsterdam und Paris aus. Genauer gesagt: Die Zuggesellschaft setzte sie nach zwei technischen Zwischenfällen im Kanaltunnel aus, wie das belgische Grenzecho berichtet.

In Frankreich? Kein Unterschied, oder vielleicht doch, aber einer zum Schlimmeren. Allein in Straßburg zählte man über 100 abgefackelte Kraftfahrzeuge, 25 verletzte Polizisten, eine durch Feuerwerkskörper in Brand gesetzte Wohnung und mehr als 30 Festnahmen.

In ganz Frankreich wurden gar 1.173 Kraftfahrzeuge in Brand gesetzt, wie das Innenministerium berichtet. Das sind noch einmal 200 mehr als am letzten Neujahrstag. Ebenso haben sich Festnahmen und kurzfristige Inhaftierungen leicht erhöht, von 420 plus 310 auf 505 plus 403 dieses Jahr, wie der Chefredakteur des Magazins Valeurs actuelles, Amaury Brelet, berichtet. Während Emmanuel Macron in seiner Neujahrsansprache vom Krieg in der fernen Ukraine und gegen das noch fernere Russland sprach, tobte der Krieg in Wahrheit in den Straßen aller französischen Städte – ein Krieg, der durch die Straflosigkeit von Drogenmafia und kriminellen Migranten am Leben erhalten wird.

Nicht zuletzt deshalb war auch ein festliches Freiluftkonzert auf den Champs-Élysées abgesagt worden. Man wusste schlichtweg, dass die Vorstadt- und die Innenstadt-Gauner (frz. racaille) eine so große friedliche Menschenansammlung ausnutzen würden, sicher auch zu Raubzügen. Aber was den Sicherheitskräften darüber hinaus bekannt ist, müssen wir noch lange nicht wissen. In Marseille wurde ein 36-jähriger Algerier von einer Gruppe von Tretrollerfahrern erstochen. In Nanterre wurden zudem ein Polizeikommissariat mit Mörsern beschossen, in Nîmes Polizisten mit Steinen beworfen. Das ist schon fast französischer Alltag geworden. Der Kontrollverlust ist evident.

Derweil lässt sich vom angeblich autoritär und antidemokratisch regierten Ungarn sagen, dass die Stadt ebensowenig falsche Asylbewerber hat wie sie keine Bereitschaftspolizei für Unruhen (englisch riot police) im Einsatz hat. Weihnachtsmärkte in Budapest können ohne Pollerschutz veranstaltet werden.

Übrigens: Auch die Raubtaten sind niedrig im Osten Europas und hoch in dessen Westen, der einst als fortschrittlich und entwickelt galt.

In Polen sind vollkommen friedliche Silvesterkonzerte mit internationalen Stars wie Sting möglich. Ordnung ist attraktiv, Chaos stößt ab. Auch von Prag lässt sich Ähnliches sagen.

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