Zahlreiche afrikanische Autokraten lassen ihre Völker regelrecht verrotten – und fliegen zu Behandlungen nach London oder Genf. Während in ihren Ländern Krankenhäuser ohne Strom, Wasser oder Ärzte verfallen, alimentiert westliche Entwicklungshilfe weiter genau jene Machtzirkel, die Gesundheit, Bildung und Zukunft ihrer eigenen Bevölkerung systematisch ruinieren. Ein Beitrag von Volker Seitz, Botschafter a. D.
Pascal Lissouba
Afrikanische „Eliten“ lassen Krankenhäuser in ihren Ländern verkommen. Selbst die größten Krankenhäuser haben nicht immer Strom, fließendes Wasser oder Isolierstationen. Kein Wunder, dass sich die Mächtigen, ihre Beamten und deren Angehörige dort nicht behandeln lassen. Genolier Swiss Medical Network (GSMN) ist seit 1970 für sehr diskreten Umgang mit dem medizinischen Tourismus afrikanischer „Eliten“ bekannt.
Gerade ist wieder ein einflussreicher kenianischer Politiker in Kerala/Indien, wo er in Behandlung war, verstorben. Raila Amolo Odinga war von 2008 bis 2013 Premierminister in Kenia.
Wenn die afrikanischen „Eliten“ krank werden, haben sie die Möglichkeit, sich in Europa, den USA, Indien oder anderswo behandeln zu lassen. Deshalb sterben auch so viele afrikanische Staatschefs im Ausland. Hier einige wenige Beispiele hoher Repräsentanten des Staates:
- Guineas Diktator Sekou Touré, 1984 nach einer Herzoperation in Cleveland/Ohio.
- Der autokratisch regierende Präsident von Togo, Gnassingbé Eyadéma, 2005 auf dem Flug zur Behandlung in Israel.
- Präsident von Sambia, Levy Mwanawasa, 2008 in Paris.
- Präsident von Gabun, Omar Bongo, 2009 während einer Behandlung in Barcelona.
- Premierminister Zeles Zenawi von Äthiopien 2012 in einem Brüsseler Krankenhaus.
- Staatspräsident Malam Bacai Sanha von Guinea Bissau 2012 in dem französischen Militärkrankenhaus Val-de-Grâce bei Paris.
- Der sambische Präsident Michael Sata starb 2014 im King Edward VII Hospital in London.
- Präsident der Republik Kongo (Brazzaville), Pascal Lissouba, 2020 im Krankenhaus in Perpignan / Frankreich
- Ehemaliger Präsident von Mali (2002–2012) Amadou Toumani Touré, 2020 in Istanbul/Türkei, wo er sich aus medizinischen Gründen aufgehalten hatte.
- Ehemaliger Präsident von Nigeria (1983–1985 und 2015–2023), Muhammad Buhari, 2025 in einem Londoner Krankenhaus.
Der senegalesische Schriftsteller Abasse Ndione sagte bereits bei den Nibelungen-Festspielen in Worms 2015 in einer Rede:
„Die führenden Politiker in Afrika haben die Rückschrittlichkeit des afrikanischen Kontinents durch fehlende Visionen, ihre Unfähigkeit, die Probleme der jeweiligen Bevölkerung, von der sie ja gewählt worden sind, in Angriff zu nehmen und zu lösen, durch die Misswirtschaft ihrer Regime, die auf Veruntreuung öffentlicher Gelder, Korruption, Vetternwirtschaft und Verschwendung aufgebaut sind, zu verantworten. Alle afrikanischen Staatschefs, die nicht bei einem Putsch getötet werden, sterben in europäischen oder amerikanischen Krankenhäusern.
Das hat sich in den letzten 10 Jahren nicht geändert. Afrikanische ‚Eliten‘ lassen nach wie vor Krankenhäuser in ihren Ländern verwahrlosen, qualifizierte Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern verlassen die Länder. Sie werden dann teilweise durch Europäer im Rahmen der Entwicklungshilfe mit hoch dotierten Verträgen ersetzt. Wäre es nicht sinnvoller, afrikanisches Gesundheitspersonal aus der Diaspora wenigstens zeitweise für eine Rückkehr in ihr ursprüngliches Heimatland zu gewinnen? Denn europäische Ärzte legen, wie ich beobachtet habe, oft westliche Maßstäbe an. Afrikaner, auch wenn sie schon längere Zeit in Europa leben, kennen die lokalen Besonderheiten, Werte, Traditionen und Machtstrukturen. Soziokulturellen Faktoren wird in der Entwicklungshilfe nicht genug Raum gegeben.
In Ghana gibt es eine geringe Ärztedichte, nämlich nur einen Mediziner pro 10 000 Einwohner, das sind derzeit etwa 3000 Ärzte. Mindestens genauso viele ghanaische Ärzte arbeiten in Großbritannien. In Frankreich arbeiten mehr beninische Ärzte als in Benin selbst. Etwa 12.000 Mediziner aus Sub-Afrika sind in den USA zugelassen. Das sind mehr Ärzte, als es derzeit in den Ländern Äthiopien, Ghana, Liberia, Tansania, Uganda, Sambia, Sierra Leone und Simbabwe zusammen gibt. 37 Prozent der in Südafrika ausgebildeten Ärzte arbeiten in OECD-Ländern. Die Migrationsbewegung des Gesundheitspersonals wird in Zukunft zunehmen, wenn afrikanische Regierungen nicht durch bessere Bezahlung (mit speziellen Anreizen für die Arbeit in abgelegenen Gegenden) und Ausrüstung der Krankenhäuser gegensteuern. Der schmerzliche Aderlass, der die meisten Länder in Afrika betrifft, ist gefährlich. Und der Westen? Schickt Ärzte und finanziert das absurde System mit. Gesundheitswesen, Bildung und Landwirtschaft sind bevorzugte Domänen der internationalen Spender.
David Van Reybrouck schreibt in seinem exzellenten Buch ‚Kongo‘ (2010, deutsch 2012, Seite 559) über den Präsidenten Kabila. „Große Teile des Kongo wurden seit dem Krieg von internationalen Hilfsorganisationen gemanagt, die Verwaltungsaufgaben übernahmen. Dass Kabila für sich selbst eine achtmal so hohe Summe ansetzte wie für den Gesundheitssektor, resultierte aus seiner Überzeugung, dass das Geld für die Gesundheit sicherlich aus dem Ausland kommen würde.“
Das war und ist nicht nur im Kongo so. Die Autokraten in vielen afrikanischen Staaten stehen für eine zutiefst menschenverachtende Gesellschaft durch die Klasse der Einflussreichen, Mächtigen und Reichen, die in ihrer eigenen Welt leben, fern der Realität.
Auch hier sehe ich einen fatalen Zusammenhang zwischen Entwicklungshilfe und der Vernachlässigung des Gesundheitssektors: „Hilfe“ verhindert Vorsorge. Wir alimentieren afrikanische Gewaltherrscher und verantworten damit auch Korruption und Unterdrückung. Die prekäre Situation in afrikanischen Ländern ist ein hausgemachtes Übel, Ergebnis schlechter und in wirtschaftlicher Hinsicht inkompetenter Regierungsführung und schwacher Bildungssysteme. Und überall dieselben Verfahren der Veruntreuung, dieselben kleinen Arrangements, dieselben Tricks, derselbe Klientelismus, Kultur der Straffreiheit, dieselbe klägliche Feigheit der Eliten.
Politische Macht wird von autokratischen afrikanischen Herrschern – die über dem Gesetz stehen – als persönlicher Besitz angesehen. Eine Clique unterwirft sich den Staat, um dessen Ressourcen auszubeuten. Während die Bevölkerung verarmt, schöpft die herrschende Clique unfassbare Beträge ab.
Dass sie sich sehr oft lange an der Macht halten können, liegt an den Schwächen der Institutionen und nicht zuletzt an der Entwicklungshilfe-Industrie.
Volker Seitz ist Botschafter a. D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“, im TE-Buchshop erhältlich >>>


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Mit afrikanische Herrscher sind wohl negroide Herrscher gemeint. Mir sind keine arabischen Herrscher aus den Ländern Nordafrikas bekannt, die bei ihren ehemaligen Kolonialherren starben.
Was geht uns das an ? Kümmern sich die Afrikaner darum, wie und wo ein Europäer stirbt und wenn doch , würden wir das denn den wollen ? Afrika steht nicht unter dem Vormund von irgendwem, auch nicht von Europa. Sie haben jedes Recht, so zu leben und zu sterben, wie sie denn wollen. Warum mischen wir uns da ein ? Südamerika, Nordamerika, Australien eben so wie Asien bleiben von den Anmassungen der Europäer verschont, warum nicht die Afrikaner? Sie können auf ihrem Kontinent tun und lassen , was sie wollen, nur verschonen sollen sie uns mit ihren Problemen, die… Mehr
Das Problem ist doch, daß uns hier unsere Demokraten und linke Afrikaner seit der Entkolonialisierung die Schuld einreden und wollen, daß wir auf ewig zahlen. Und dazu schicken sie die Gummiboote rüber ins gelobte Europaland.
Ich gebe ihnen grundsätzlich Recht, Afrikanische Probleme sollten zuvorderst durch Afrikaner gelöst werden, europäisches Gutmenschentum ist oft von Anmaßung nicht zu trennen, trotzdem interessieren mich die beschriebenen afrikanischen Probleme jedenfalls weitaus mehr als die Bundesliga oder der Eurovisions Contest.
Vielen Dank für den schönen Beitrag, der an einem kleinen, aber um so prägnanteren Detail illustriert, wie die Dinge in Afrika und anderswo in der „3. Welt“ tatsächlich laufen. Ich habe selbst sehr viele solche Länder bereits, aber auch mal ein Jahr mit einem lokalen Vertrag als Halb-Eingebürgerter dort gelebt. Das ist eine ganz andere Erfahrung, als als Besucher da zu sein. Denn selbst wenn man für eine lange Zeit im Land ist – mit einem westlichen Vertrag bleibt man immer mit einem Bein auf einem anderen Planeten. Mal wirklich Teil einer dortigen Gesellschaft zu werden ist etwas ganz anderes.… Mehr
Es ist das Anreizsystem: Die absolutistischen Herrscher Europas (17./18. Jh.) wussten, dass ihr eigener Wohlstand (Prunk, Militär) von der Produktivität des eigenen Territoriums abhing und betrieben aktive Wirtschaftsförderung im eigenen Land. Nur so konnten sie ausreichend Steuern erheben.
Die absolutistischen Herrscher Afrikas hingegen wissen, dass ihr Wohlstand gesichert ist, wenn sie ihr Geld in der Schweiz, den USA oder der EU investieren STATT im eigenen Land. Sie wären blöd, es anders zu machen. Entwicklungshilfe fließt, indirekt natürlich, am Ende auf Schweizer Konten.
Solange dies so bleibt, bleibt die Bevölkerung Afrikas arm.
Afrika hat Staatsgrenzen, die von Europäern mit dem Lineal gezogen wurden. Die Stämme haben sich gegenseitig in die Sklaverei verkauft. Und zwar zuerst in den Nahen Osten und später dann in die übrige Welt. Auf natürlichem Weg hat sich nie etwas anderes entwickelt als Stammeswesen mit Clanwirtschaft. Aber Entwicklungshilfe nimmt das nicht zur Kenntnis. Entwicklungshilfe ist ein Projekt, das bereits länger läuft, als andere politische Projekte wie z. B die Energiewende. Und sie zeigt, dass Politiker unfähig sind, Projekte anzupassen, wenn das Ziel nicht näher rückt. Bis dahin ist eine Schattenwirtschaft auch im Geberland entstanden, die von dem Projekt finanziell… Mehr
Man könnte fast den Eindruck bekommen, der Herr Botschafter redet über Deutschland…
Ja , wir sind so attraktiv, weil jeder afrikanische, vorderasiatische oder muslimische Heuler, der sich keine medizinische Behandlung leisten kann, zu uns zur ärztlichen Behandlung kommt. All inklusiv ist hier nicht nur das Bürgergeld oder weiße Frauen sondern auch die weiße kostenlose Medizin. Es kommen nicht nur die schwarzen Superreichen, sondern deren gesamtes Gesinde.
«Afrika wird armregiert.» Mag sein. Aber als Beispiel ausgerechnet das aus dem Westen importierte Krankenhaus-Medizinsystem? Ist z.B. die Genspritzmedizin (neuerdings «Biologika») des Westens besser, als deren Verweigerung, wie man sie bei den Afrikanern (die Corona als «European Madness» bezeichnet haben) während der «Pandemie» beobachten konnte? Es wäre sinnvoll, zu lesen, was Ärzte mit Arfikaerfahrung berichten, z.B. Dr. med. Helmut Jäger in seinem «Medizinischen Coaching» über Tansania 1983 und 2022.
Entwicklungshilfe bedeutet, dass die Armen der reichen Länder den Luxus der Reichen der armen Länder finanzieren.
Neuerdings scheint es so, als seien zumindest große Teile der Deutschen wirklich verarmt. Allerdings weniger monetär, sondern vielmehr geistig.
Bestes Beispiel dafür sind die letzten Bilder der „wir sind das Stadtbild-Demonstranten“, auf denen ich keinen einzigen Afrikaner entdecken konnte.
Es kommen zu uns vorwiegend keine superreichen oder hochgebildeten Afrikaner, sondern alles was es schafft hier an den Grenzen Asyl zu sagen
Und aus denen im Artikel aufgeführten Gründen ist es Elend auch nach bald 100 Jahren Entwicklungshilfe in afrikanischen Staaten auch heute noch immer groß. Ja, weltweit betrachtet hat die Armut der Menschen, insbesondere die extreme Armut enorm abgenommen. Die Verbesserung der entsprechenden statistischen Kennzahlen ist tatsächlich enorm. Unzähligen Millionen von Menschen wurde dadurch das Leben gerettet. Allerdings hatte sogenannte Entwicklungshilfe daran praktisch keinen Anteil. Den größten Anteil daran hatte das, was bei manchen Linken ungefähr wie Weihwasser bei Satan wirkt: der Kapitalismus. Dabei mangelt es Hilfsorganisationen ja nicht an gutem Willen. Absolut nicht. Es mangelt an der Umsetzung und es… Mehr
Kritik ist die Beurteilung einer Sache , ob positiv oder negativ.
In Afrika und auch in der arabischen Welt , ist man nicht der Lage , Fehler zu benenen.
Es gab in diesen Regionen , nie soziale Aufstände oder Revolutionen aus dem Gefühl der Ungerechtigkeit.
Eine Multikulti Gesellschaft , baut auf diese Unfähigkeit und spaltet im Sinne der Herrschenden.
Das ist richtig. Der Nationalismus ist ein Produkt der Demokratie.