Moritz Bleibtreu: „Unsere nationale Identität ist kaputt.“

Eine Regung, die zukünftig noch interessante Diskussion mit dem großen deutschen Schauspieler erwarten lassen dürfen? Oder Werbung für sein Regiedebüt?

imago Images/Future Image

Schauspieler Moritz Bleibtreu ist neuerdings auch als Regisseur tätig. Als Schauspieler zählt er zweifellos zu den Besten, die wir in Deutschland haben. Um nur eine herausragende Leistung zu benennen, sei seine Darstellung des Bruno Klement in Oskar Roehlers Verfilmung aus dem Jahr 2006 des Weltbestsellers „Elementarteilchen“ von Michel Houellebecq erwähnt. Was für eine Zusammenarbeit mit Bernd Eichinger und Oliver Berben als Produzenten und Corinna Harfouch sowie weiteren hochkarätigen deutschem Personal auf der Besetzungsliste. Die Frankfurter Allgemeine nannte den Film damals zwar eine „kleine lebenszeitvernichtende Ewigkeit“, andere aber schauen Elementarteilchen heute schon wie einen Kultfilm in Widerholungsschleife. So verhält sich eben bisweilen die Diskrepanz zwischen Filmkritik und Filmpublikum. Zwischen Geschmack und Gefallen.

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Bleibtreu nun also selbst auf den Spuren Roehlers. Wird er es genauso gut oder schlecht machen? Was er vorab ebenso beherrscht, ist das Trommeln. Roehler ist ja ein wahrer Meister der Selbstvermarktung. Pünktlich zum Erscheinen seines Regiedebüts „Cortex“, eines Mystery-Thrillers, wie Ankündigungen beschreiben, bringt sich der 49-Jährige Bleibtreu weit über sein Debüt hinaus ins Gespräch, indem er gegen die Erwartungen ein Fass aufmacht, das so gar nicht in seine bisherige Lebenswelt zu passen scheint: Bleibtreu entdeckt seine Liebe zu Deutschland, zu seiner nationalen Identität.

Für Deutschland befindet der einer teils österreichischen Schauspielerdynastie abstammende Bleibtreu: „Unsere nationale Identität ist kaputt.“

Was soll das aber nun bedeuten von einem, der im Hamburger Problemkiez St. Georg aufgewachsen ist, der viele enge und freundschaftliche Bindungen hat zu anderen Kulturen und zu Deutschen türkischer Herkunft, welche auch seine Filmografie nachhaltig prägten beispielsweise in vielfacher Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Hamburg (Altona) aufgewachsenen Fatih Akin. Der Regisseur sagte einmal über Bleibtreu, dieser sei sein Michael Ballack. Und er meinte damit, Bleibtreu als Führungsspieler in einer Mannschaft voller Neulinge.

Monika Maron
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Zunächst einmal bezieht Moritz Bleibtreu seine überraschende Kritik auf die Situation des deutschen Films. Der wäre am Boden, weil die Deutschen ihre nationale Identität verloren hätten. So hätte es der deutsche Film beispielsweise verlernt, von Heldenfiguren zu erzählen, mit denen sich der Zuschauer identifizieren könnte. Interessant dürfte hier sein, inwieweit Bleibtreu erst im Rahmen seiner eigenen Regiearbeit erfahren musste, was gerade auch in der Filmförderung, auf die fast jeder neue deutsche Film angewiesen ist, wie da mittlerweile schon verbindliche Diversity-Checklisten Grundbedingung für den Antrag von Fördergeldern sind.

Und wenn der alte weiße heterosexuelle deutsche Bleibtreu in seinem Regiedebüt auch gleich die Hauptrolle spielt neben der deutschen weißen Nadja Uhl, dann kann es eben eng werden für Fördergelder – aber das bleiben Mutmaßungen.

Moritz Bleibtreu möchte von diesem „blöden Minderwertigkeitskomplex“ der Deutschen wegkommen. Das wäre aber auf „absehbare Zeit“ kaum zu schaffen, angesichts besagter „kaputter nationale(r) Identität“ sei das leider nicht möglich, sagte er in einem kurzen Interview mit der Nachrichtenagentur Teleschau.

Jetzt ist die Vita von Bleibtreu alles andere als geprägt von einer Suche nach einer deutschen Identität. Seine Filmografie erzählt bisweilen eher das Gegenteil als einen künstlerischen Blick in die deutsche Seele – wie auch immer. Jedenfalls dann, so man davon ausgeht, Bleibtreu verstehe unter „nationaler Identität“ das Gleiche wie mutmaßlich die Mehrheit der Deutschen. Diese Mehrheit allerdings ist aktuell zunächst unter dem Eindruck einer jahrelangen Massenmigration und zuletzt den Corona-Maßnahmenpaket der Regierung nachhaltig verstört.

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Ist Bleibtreu davon vielleicht ebenso verstört wie eine Reihe von prominenten Abweichlern von Xavier Naidoo, über Wendler bis möglicherweise hin zu Nena? Denn selbstredend ist auch die Filmwirtschaft nachhaltig von diesen Maßnahmen geschädigt worden. Und die deutsche Geschichte hat gezeigt, dass gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten die Nation und das Nationalgefühl als verbindendes Element identifikationsstiftend sein können, in welche nationale Komplettdüsternis auch immer die Reise dann führt.

Da ist Moritz Bleibtreu dann wieder ganz deutsch. Fiel ihm jetzt ein, dass da doch noch etwas war? Eine Regung, die zukünftig noch interessante Diskussion mit dem großen deutschen Schauspieler erwarten lassen dürfen? Oder doch nur ein Werbegag für sein Regiedebüt oder gar die irgendwie auch wieder sympathischen Wirrungen eines im multikulturell geprägten St. Georg aufgewachsenen alten weißen Mannes in einer nicht ungewöhnlichen Sinnkrise eines 49-Jährigen, die Bleibtreu schon vor Jahren so hinreißend abstoßend in Oskar Roehlers „Elementarteilchen“ dargestellt hat?

Bis zur Beantwortung solcher Fragen aber ganz egal: Bleibtreu hat sein Publikum bisher oft bestens unterhalten. Verdienste, die er sich auch selbst nicht mehr nehmen kann. Die ihm bleiben werden.

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Kommentare ( 109 )

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mr.kruck
24 Tage her

Habe nach der Lektüre ein Schräges Grinsen im Gesicht,
ob dieser Diskussionen mit Menschen,die eine im Fernsehen oder aus einer gewogenen Zeitung aufgeschnappte Meinung als ihre eigene vertreten und sogar verteidigen, ohne je ernsthaft darüber nachgedacht haben , und an deren ignoranter Firewall Fakten und Wahrheiten einfach abprallen.

Wolfgang Schuckmann
27 Tage her

Wie schön, wenn „Intellektuelle“ , die trefflich an der Internationalität verdient haben, irgendwann merken, dass es da mehr gibt als Offenheit nach allen Seiten. Mit dem älter werden stellen sich ganz seltsame Dinge ein. Unter anderem auch die Frage der Herkunft und des Zieles. manche beginnen sich dann vor der Versenkung im Vergessen zu fürchten, denn das haben da Einige schon bemerkt, dass man den Begriff „Deutsch“ gerade am schleifen ist. Geschieht das über einen längeren Zeitraum, dann stirbt der Geschleifte und das Vergessen beginnt. Allein schon die Verhunzung unserer Sprache ist ein Indiz für diesen Vorgang. In Frankreich gibt… Mehr

B. Krawinkel
1 Monat her

Aber hallo, Herr Wallasch,

glauben Sie nicht, daß sie in diesen einzigen dürren Satz von Herrn Bleibtreu zu viel hineininterpretiert haben?

Nicht nur, daß ich den durchaus anders interpretieren könnte, nein, auch Bleibtreu selbst gehört zu den Leuten, die vom linken System leben und es damit stützen.

Bestenfalls lese ich ein gewisses Unwohlsein heraus, weil die Marschrichtung nun auch auf seinen Futtertrog zielt.
Zum Desperado wird der dadurch noch lange nicht.

Dorothe
1 Monat her

Wir s o l l e n unsere nationale Identität verlieren. Das ist Merkels Agenda, wie soll man sonst die Schaffung der EU bei gleichzeitiger Abschaffung der Nationalstaaten realisieren, und die immerwährende Bereitschaft Migranten aufzunehmen kreieren. Uns länger hier Lebenden, die keine Nationalmannschaft, nur noch „die Mannschaft“ haben, wird die Kultur abgesprochen (Özugus ), ein Deutschlandfähnchen schwingender Minister Gröhe, wird von Mutti mit angeekelt-missbilligendem Blick bedacht, bevor das Fähnchen entsorgt wurde, „Die Grünen“ wollen dass sich die geschenkten Menschen in unserem Sozialsystem wohlfühlen, das tägliche Miteinander muss immer häufiger ausgehandelt werden…………. Unterstützt wird dies von den allermeisten Medien, die nimmermüde… Mehr

RMPetersen
1 Monat her

Sie verkennen die Mehrheitverhältnisse.
Deutschland ist überwiegend sehr anders als Berlin-Mitte und Köln-Chorweiler.

B. Krawinkel
1 Monat her
Antworten an  RMPetersen

Leider nein.
Auch in der Provinz ist das nicht mehr viel anders.
In Solingen z.B. werden Sie keinen Muttersprachler mehr in der Fußgängerzone finden, der Ihnen in verständlichem Deutsch den Weg zum Finanzamt weisen kann.

Vorige Woche noch erlebt.
Und ich habe nur die gefragt, bei denen ich vom Aussehen her Deutschkenntnisse vermutet habe.

Deutsche finden dort nur noch vereinzelt in Form von alten Frauen mit Rollator oder Trolley statt.
Es gibt da weder Jugend noch deutsche altersmäßige Mittelschicht.
Aber möglicherweise müssen die arbeiten.
Irgendeiner muß das alles ja finanzieren.

RMPetersen
1 Monat her

Der Satz „.. aufgewachsen im Problemkiez St. Georg“ führt etwas in die Irre, denn Bleibtreu wuchs in wohlhabenden Verhältnissen und im Milieu erfolgreicher Schauspieler(ei) auf, auch als Kinderstar. Zum Hauptthema, der nationalen Identität: Bleibtreu ist – wie man in seinen Filmen sehen kann – ein kluger, nuancierter Schauspieler mit einer grossen Breite. Bisher hat er sich von den opportunistischen Äusserungen der Medien“stars“ zu Flüchtlingen, Klima u.ä. zurückgehalten, was für seine Intelligenz spricht. Die ökonomische Klugheit hätte geboten, in und mit dem linksgrünen Klüngel die üblichen Äusserungen und Aufrufe „gegen Rechts“ (- was ja „gegen Rechte“ bedeutet) heraus zu trompeten. Das… Mehr

Deutscher
1 Monat her

„Unsere nationale Identität ist kaputt.“

Ja, richtig! „Kulturschaffende“ und selbsternannte Zivilgesellschaft haben ganze Arbeit geleistet! Sie können stolz auf sich sein, Bleibtreu!

Riffelblech
1 Monat her

Man muss dem Herren Bleibtreu recht geben . Die nationale Identität ist kaputt . Aber sie ist nicht wie eine Glasvase vom Tisch gefallen sondern wurde in einem Jahrzehnte andauernden Prozeß von einer linksgrünen ideologischen Säure zzerstört . FJS hat nicht umsonst wortgewaltig vor dem Aufkommen der Grünen gewarnt . Wusste er doch wessen Geburtshelfer die Grünen hatten . Und das waren beileibe keine Deutschlandfreunde . Die säurefraßartige gutmenschelnde Idee grünen Denkens wurde kultiviert ,ins Land und seine Funktionsträger eingetragen . Und damit wuchs auch die Pflanze des Deutschlandhasses. Sie wurde in Schulen und in der Justiz und im Regierungsbereich… Mehr

chez Fonfon
1 Monat her

Die Auflösung der deutschen Identität beseitigt auch die gemeinsame deutsche Geschichte, und damit geht jegliche gemeinsame Erzählung den Bach runter. Was soll man einer Gruppe von Steuerzahlern denn als gemeinsames Narrativ anbieten, wenn man die exzessive Hitlerei mal außen vor lässt? Faßbinders Filme oder das „Wunder von Bern“ hatten noch den Anspruch, den Deutschen ihre Vergangenheit nahezubringen. Aber da es diese gemeinsame Geschichte nicht mehr geben darf, da sie identitätsstiftend wirken könnte, gibt es natürlich auch keine Geschichten mehr. Und plötzlich merken Schauspieler und Filmemacher, dass es ja gar kein Publikum für ihren volkspädagogischen Belehrungskitsch gibt. Und von Filmen für… Mehr

Johanna
1 Monat her

Kleine Aufmunterung für verstörte Deutsche: weit über die Hälfte der klassischen Musik wurde von Deutschen komponiert. Seelenverwandt in der Liebe zur Musik scheinen uns hierbei die (kulturell anders geprägten) Ostasiaten zu sein. Das ist schön. Denn zumindest unsere Musik wird dort überleben.

B. Krawinkel
1 Monat her
Antworten an  Johanna

Das ist schön aber das reicht mir nicht.
Mich interessiert nicht, was mal auf meinem Grabstein stehen wird.