Donald Trump gegen Social Media: Erlebt Twitter jetzt sein Waterloo?

Trump drohte sogar damit, die Netzwerke schließen zu lassen, was allerdings eher einer Allmachtsfantasie entsprungen sein muss, als dass es real durchführbar wäre gegen den ersten Verfassungszusatz der USA.

imago images / UPI Photo

Donald Trump erlebt gerade, was weltweit Hunderttausende Nutzer täglich erleben: Er wird von der Kommunikationsplattform Twitter für eine Nachricht gerügt, die er auf ebenjener veröffentlich hatte. Dass es anderen irgendwo hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen ebenso ging, wusste der Präsident möglicherweise, aber jetzt, wo er selbst betroffen ist, zieht der Präsident im ersten Durchgang mit einer Gesetzesverschärfung bzw. -änderung in den Krieg gegen dass US-amerikanische Internet-Unternehmen aus dem Silicon-Valley.

Ja, man könnte es denken, und sicher ist das Twitter-Verhalten des Präsidenten der USA in den Medien hyperpräsent, aber Donald Trump ist mit seinen 80 Millionen Verfolgern auf Twitter nicht einmal die stärkste Werbe-Lokomotive für das Social-Media-Unternehmen. Er liegt damit sogar nur auf Platz 9 weltweit (Stand 3. März 2020).

Mehr Einfluss und also auch mehr Werbeeinnahmen bei Twitter generieren aufsteigend hin zu Platz 1: Ellen DeGeneres (Talkmasterin USA), Lady Gaga, Cristiano Ronaldo, Taylor Swift, Rihanna, Katy Perry, Justin Biber und mit bald 125 Millionen Followern auf Platz 1: Barack Obama, Präsident der USA a.D.

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Interessant ist hier, dass keine der Personen durch Twitter berühmt und bekannt wurde, sondern es in der Regel schon vorher war. Twitter profitiert gratis und erreicht mit Werbung alleine über die ersten zehn Plätze im Ranking der meisten Follower hunderte von Millionen Menschen weltweit. Der Geldwert dieser freiwilligen Zuwendung der Promis muss astronomisch sein. 2014 erwirtschaftete das in San Francisco ansässige Unternehmen mit der Mitarbeiterzahl gerade mal eines größeren Familienunternehmens einen Umsatz von knapp eineinhalb Milliarden US-Dollar.

Und bisher funktionierte das alles auch mehr oder weniger reibungslos. Ein Win-Win-Geschäft. Denn die Promis profitieren selbstredend ebenso von der Verbreitung ihrer täglichen Botschaften über die gigantische Plattform und ihrer herausragende Bedeutung in der Welt. Aber jetzt droht Ärger im Nachrichtenparadies: Twitter hat mit seiner Lokomotive Platz 9 Knatsch angefangen. Der Präsident bekam plötzlich zu spüren, womit sich das Fußvolk auf Twitter schon länger herumschlagen muss: Er bekam das Lineal auf die Finger und das tat ihm weh.

Konkret hatte Twitter begonnen, den Präsidenten für bestimmte Tweets zu sanktionieren und Trumps Nachrichten in den letzten Tagen erst als irreführend oder wie nun gar als Gewalt verherrlichend zu bezeichnen, zuletzt am Freitagmorgen. Da nämlich hatte Donald Trump angesichts der Ausschreitungen in Minneapolis, wo ein Schwarzer durch einen weißen Polizisten gewalttätig ums Leben kam, drohend getwittert: „Beginnt das Plündern, dann beginnt das Schießen.“

Öffentliche Reaktion des Kurznachrichtendienstes: Die Nachricht verstoße gegen die Regeln und sei eine Gewaltverherrlichung. Zwar hatte sich Twitter entschlossen, diese Trump-Nachricht (Tweet) nicht zu löschen, weil möglicherweise ein öffentliches Interesse bestände, Nutzer allerdings können die Trump-Nachricht nicht mehr mit einem „Gefällt mir“ belohnen, nicht darauf antworten oder die Nachricht übernehmen und teilen. Eine weitere Hürde besteht darin, dass die Nachricht erst dann sichtbar wird, wenn der Warnhinweis von Twitter per Mausklick entfernt wird. Nicht nur in den USA ist der Warnhinweis sichtbar, sondern weltweit und obendrein übersetzt in die jeweiligen Landessprachen.

Trump hatte geschrieben:
„…These THUGS are dishonoring the memory of George Floyd, and I won’t let that happen. Just spoke to Governor Tim Walz and told him that the Military is with him all the way. Any difficulty and we will assume control but, when the looting starts, the schooting starts. Thank you!“

Und was macht Trump konkret dagegen? Der US-amerikanische Präsident geht jetzt per Erlass gegen Twitter vor. Und dann sagte er einen Satz, der Millionen Menschen, die sich irgendwann einmal freiwillig in Abhängigkeit zu diesem Netzwerk begeben haben, ein Balsam für die Seele sein dürfte: „Ich werde es nicht mehr zulassen, dass die Amerikaner von diesen Netzwerken schikaniert werden.“

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Und anschließend unterschrieb er ein Dekret, das die Haftungsregeln für die sozialen Netzwerke verändern soll. Verkürzt gesagt verfügte Trump quasi etwas, das auf den ersten Blick wie eine Trotzreaktion aussehen könnte, als er quasi analog zur deutschen Bundesregierung mit ihrer gigantischen Internetüberwachungs- und Löschmaschinerie eines Netzdurchsetzungsgesetz ein solches auch für die USA androhte, allerdings in Form einer zu erwartenden monströsen Klagewelle gegen das Unternehmen selbst, wenn, wie es Trump angedroht hat, §230 des US-Telekommunikationsgesetzes ausgesetzt wird, der bisher die Dienste in den USA davor bewahrt, für etwas in Haftung genommen zu werden, das Nutzer verbreiten.

Damit soll es nun zu Ende sein. Ebenso allerdings auch für die damit verbundene und erlaubte Aufgabe der Dienste, gegen bestimmte Inhalte oder Nutzer nach eigenem Gutdünken vorzugehen: In Hinblick auf die „Freedom of Speech“, also die heilige Kuh der Amerikaner und schon lange ein faustgroßer Dorn im Auge und nicht erst seitdem Trump selbst ist hier Twitter-Zensuropfer geworden.

Was im digitalen Deutschland längst tägliches Geschäft ist und für jede Menge Unmut sorgt, empört nun in den USA. Eine Facebook-Sprecherin warnte, so eine Verordnung würde dazu führen, dass die Netzwerke alles zensieren, was irgendjemand beleidigen könnte.

Wäre es nicht zu platt, man könnte fast annehmen, diese Scharade sei eine Finte. Den wenn jemand das US-amerikanische Internet einer harschen Kontrolle unterwerfen will, wie ginge das perfider, als damit, dass der Präsident selbst erstmals Betroffener ist und dann in einer Trotzreaktion ganz Amerika einer harschen Zensur unterwirft, als hätte er nur auf so eine Gelegenheit gewartet? Denn faktisch ist es ja so: Der Präsident wurde gerügt auf der Basis einer minimalen Restverantwortung für das Nutzer-Geschehen, welche dem Unternehmen noch rechtlich abgefordert wurde.

Trump drohte sogar damit, die Netzwerke schließen zu lassen, was allerdings eher einer Allmachtsfantasie entsprungen sein muss, als das es real durchführbar wäre gegen den ersten Verfassungszusatz der USA.

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Tatsächlich sind die innovativen Unternehmen im Silicon-Valley allesamt links eingestellt, wie die deutsche Tagesschau online kommentierte und mutmaßte, Trump seinen Wählern einmal zeigen wolle, dass er es mit dem Valley aufnimmt. Allerdings verwechselt die Tagesschau hier wohl Aktion und Reaktion, denn viel wahrscheinlicher wäre hier doch die Annahme, dass es das Valley einmal mit dem Präsidenten aufnehmen wollte, als es Nachrichten von Donald Trump mit dem öffentlich einsehbaren Du-Du-Finger belegte.

Nun ist dieser Streit für die Kommunikation der Zukunft für die Nutzer der sozialen Medien in den USA von wesentlicher Bedeutung. Von Bedeutung ist aber auch, dass die Anbieter, die sich gerade so vehement über das Ersuchen des Präsidenten beschweren, anderswo durchaus längst bereit sind, auch aus kommerziellen Beweggründen solche massiven Einschränkungen hinzunehmen wie beispielsweise in Deutschland.

Selbstverständlich hätte beispielsweise Facebook sagen können: Nein, so eine Einschränkung und Zensur nehmen wir nicht hin und ziehen uns aus dem deutschen Markt zurück. Interessant wäre gewesen, inwieweit sich Millionen deutsche Nutzer dann ihrer Plattformen beraubt wütend an ihre Regierung gewandt hätten. Dazu kam es aber gar nicht, da Zuckerberg und Co gleich illegitimen Staatsmännern mit der Bundesregierung Deals ausgehandelt haben. Nun ist das Geheule in den USA groß.

Was das längst für Folgen in Deutschland hat, zeigt gerade wieder einmal die lebenslange Löschung eine Nutzers auf Twitter, der TE eine unendliche Geschichte des Hin- und Hers im Vorfeld diese Sperre zusandte, die mittlerweile dann doch wieder keine lebenslange sein, soll, wenn der Nutzer bereit ist, freiwillig zehn Nachrichten zu löschen, die Twitter ihm angefügt hatte.

Nun ist aber keine dieser Nachrichten dahingehend selbsterklärend, warum das überhaupt geschehen soll. Es fehlt auch eine Begründung im Einzelnen. Und wenn eine da ist wie bei der ersten Meldung, die ja zur Sperre geführt hatte, dann wird eines ganz offensichtlich: Solche Sperren leben zu einem Großteil von einer Denunziation im Sinne einer Falschanzeige beim Anbieter oder sie basieren schlicht auf Übersetzungsfehlern und Missinterpretation: Ja, die deutsche Sprache ist schwer. Ja, deshalb kann man auch komplizierte Sachverhalte gut ausdrücken. Und ja, es gibt auch Kommentare, die zur Gewalt aufrufen. Es gibt also gute Gründe, die Entwicklung in den USA auch von Deutschland aus genau zu beobachten.

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Kommentare ( 74 )

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74 Kommentare auf "Donald Trump gegen Social Media: Erlebt Twitter jetzt sein Waterloo?"

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Das Ganze ist ein Politikum, fern ab von individuellen Verhaltensweisen Präsident Donald Trumps.
Auf Verhaltensweisen oder Befindlichkeiten der handelnden Person Donald Trump abzustellen, wäre ein fundamentaler Attributionsfehler.
In diesem speziellen Fall geht es um ein Spiel am politstrategischen Spieltisch, an dem mit Nash-Gleichgewichten in Nicht-Kooperativem Spiel hantiert wird. In solchen Situationen gilt die Regel, dass ein Vorteil für einen Spielteilnehmer wie Präsident Trump nur dann erzielbar ist, wenn der Gegner, die Social Media, ihre Strategie ändern. Und genau das haben sie mit der, zuvor nicht angewandten, Kommentierung des Tweets getan.
Präsident Trump bzw. seine Analysten und Berater brauchten nur abzuwarten.

All diese Plattformen sind doch von Linken Denunzianten überlaufen worden. Aus Angst diese zu verlieren, was sowieso völlig abwegig ist, auf ihren eigene Plattformen haben sie zu wenig Öffentlichkeit, haben die Betreiber, welche obendrein auch noch Links angehaucht sind, gekuscht.

Das Trump jetzt mal die Fenster aufmacht und querlüftet ist mir eine Freude.

Die ersten 10 Plätze der Rangliste lassen wirklich Schlimmes vermuten, wie es um den geistigen Zustand der Menschheit bestellt ist. Millionen folgen täglich? den Ergüssen eines Balltreters, ner Quasseltante und irgendwelchen wir versuchen es mit Singen, die in 10 Jahren kein Schw… mehr kennt. Das kann man mit nur Oberfächlichkeit nicht mehr Erklären, die Realisation des Films Idiocrazy ist anscheinend schon weit fortgeschritten.
Frohe Pfingesten!

Trump mit einer klaren Ansage👍 Vielen Dank. Wir sind heute hier um die freie Rede zu verteidigen. Vor einer der größten Gefahren, in der Geschichte Amerikas, offen gesagt. Wie jeder weiss, ist das nicht gut. Eine kleine handvoll, mächtiger Soziale-Medien Monopolisten kontrolliert einen Großteil an öffentlicher und privater Kommunikation in den USA. Wir wissen was sie sind. Wir haben ihre Namen. Sie erhalten eine komplette Liste und eine unterzeichnete Kopie dessen, was ich vor ein paar Minuten unterschrieben habe. Sie können dann exakt sehen, was wir machen. Sie hatten unkontrollierte Macht zu zensieren, beschränken, verändern, verformen, oder zu verstecken. Nahezu… Mehr
Leider verlegen sich – seit Trump – immer mehr Politiker auf die „Twitter-Diplomatie“, mit der man die Massen und damit einen großen Teil der Wähler erreicht. Das Niveau dieser „Diplomatie“ ist entsprechend primitiv. Man hat aber mit den „asozialen Medien“ wie Twitter, Fcebook etc. gleichzeitig dem „Pöbel“ eine „Massenvernichtungswaffe“ in die Hand gegeben, mit der Menschen durch einen „Shitstorm“ ruiniert und „fertig gemacht“ werden können. Das mögen diese Politiker nun aber gar nicht. Deshalb wollen sie jetzt immer mehr in diese Art von „Meinungsbildung und Kommunikation“ eingreifen. Das dürfte aber zu spät sein. Es ist wie immer. Wer „den Teufel… Mehr

100 % Zustimmung Herr Walter.
Die Daumen-Runter-Fraktion liegt hier eindeutig daneben, weil Twitter, Gesichterbuch etc. braucht niemand und es nützt einzig und allein den Internetkonzernen.

NetzDG für die USA, klasse, könnte man den Spieß doch mal umdrehen und so manchen seine eigene Medizin verabreichen… Telegram wirds freuen.

Knaller am Morgen: Trump: USA raus WHO! Nach dem Schuß gegen Zensur-Twitter, Klimawahn und UNO-Sumpf nun der nächste Kracher. Gott schütze Trump!

Ich kann auf Facebook, Instagram, Twitter und wie sie alle heißen wunderbar verzichten.

Ich habe mich diesen Kraken nie ausgesetzt. Kann ich allen empfehlen, dann sind die Kraken bald pleite.

Tja, eigentlich logisch: Wenn sie redigieren wie Verlage, sollen sie haften wie Verlage. Ich bin mal wegen Darstellung sexueller Inhalte gesperrt worden, es war die Verlinkung von Dirk Maxeiners Kurzwerk „Muttis Mundschutz“ auf der Achse, also mitnichten Schmuddelkram.
Eine FB- Bekannte sitzt noch ihre 30 Tage wegen einer Beleidigung ab, war tatsächlich „Schlafschaf“ – pfui.
Die Übergriffigkeit der Plattformen wird aber gegen die Übergriffigkeit Trumps bewußt mißinterpretiert: Entweeder darf jeeder Schei** dastehen oder es wird redigiert. Das ist nun wahrlich kein Anschlag auf die Freiheit der Meinungsäußerung.

1. Aufrufe zu Gewalt sind zu unterbinden. Ob das nun privatwirtschaftlich geregelt wird oder durch staatliche stellen kann man natürlich diskutieren.
2. Die Idee von „Freedon of Speach“ ist, dass das Volk offen sagen kann was es denkt – und auch die Regierung kritisieren darf. Für die Regierung gilt im Gegenzug, dass sie eben einer gewissen Kontrolle unterliegen sollte. Rassismus und ähnliches sind genau dort nicht zu tolerieren und können auch nicht mit „Freiheit“ begründet werden.

Das ist kein Aufruf zur Gewalt sondern amerikanische Gesetzgebung. Bei Plünderungen wird geschossen. Wer auf Gesetze verweist und dafür sanktioniert wird… kanns nicht wirklich sein, oder?
Obwohl, wer in Deutschland mit Grundgesetz in der Hand zur Demo geht, wird hier inzwischen ja auch schon niedergeknüppelt… diese Praxis wird sich kaum auf die USA übertragen lassen, die knüppeln dort eher zurück.

Nein, Protestwaehler, es gibt kein Gesetzt welches vorgibt, daß geschossen werden soll wenn Plünderungen laufen. Auch wenn das rechtlich wohl in Ordnung sein kann, ist es die Aufgabe eines jeden Partioten und erst recht des Präsidenten, in solchen Situationen zu de-eskalieren statt eine Stimmung von Konflikt und Gewalt noch anzuheizen. Normale Bürger könnten sich da noch auf Redefreiheit berufen – ein Präsident jedoch muss sich gefallen lassen, dass seine Position kritisch beleuchtet wird und man das auch äußern darf. Seine Aufgabe ist, das Land als ganzes, inklusive aller Bevölkerungsgruppen in eine bessere Zukunft zu führen.