Die Proteste der Generation Z sind alles andere als unbegründet, sie kommen nur zu spät. Seit siebzig Jahren, seit der zu Unrecht groß genannten Rentenreform von 1957, werden die Jüngeren von den Älteren über den Tisch gezogen.
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Ob die Jugend, die sich Generation Z nennt, noch viel zu melden hat, steht in den Sternen. Dass sie mehr zahlen wird als alle ihre Vorgänger, ist aber ziemlich sicher; zumindest dann, wenn das Gespann Merz-Klingbeil weiter im Geschirr bleibt. Denn dann wird die Summe der sozial genannten Zwangsabgaben die Hälfte ihres Arbeitslohns auffressen. Wer rechnen kann und rechnen will, wird dann auf Bürgergeld alias Grundeinkommen umsatteln und das Recht auf Arbeit gegen das Recht auf Faulheit eintauschen.
Seit siebzig Jahren, seit der zu Unrecht groß genannten Rentenreform von 1957, werden die Jüngeren von den Älteren über den Tisch gezogen. Um diesen Zustand zu beenden, fehlt dem Kanzler die Macht, den Parteien der Mut und den Experten, die der Regierung beim Regieren helfen sollen, die Unabhängigkeit. Alle Politiker wissen, dass die Alten, die Rentner und Pensionäre, wahlentscheidend sind; und richten sich danach. Deswegen bleibt in einem Land, das unablässig von der Zukunft redet, das meiste liegen.
Das gesamte, von seinen Profiteuren immer noch sozial genannte Volksversicherungssystem beruht auf einem einzigen, höchst asozialen Gedanken, der Umverteilung von Jung zu Alt. Bei der Rentenversicherung „im Umlageverfahren“ liegt das auf der Hand, ihr Kapital sind die Kinder. Doch statt dies Kapital zu pflegen, beutet sie es aus. Die gesetzliche Krankenversicherung arbeitet nach demselben Prinzip, die Pflegeversicherung erst recht; weshalb sie auch als erste pleite gegangen ist. Die beiden anderen retten sich mit getürkten Zahlen.
Doch der Schwindel fliegt auf – endlich, wie jeder sagen wird, der Kinder oder Enkelkinder hat. Norbert Blüm, als Gewerkschafter und guter Christ erfahren in der Kunst der frommen Lüge, hatte das Klima vergiftet, als er das wohlbekannte do ut des, den Grundsatz der Gegenseitigkeit, halbierte. Jetzt durfte man ernten, wo man nie gesät hatte, und sich von Kindern versorgen lassen, für die man selbst nichts getan hatte – ein Sonderangebot, das allerdings nun ausläuft.
Einschlagen konnte es nur, weil die Ausbeutung der einen durch die anderen schwer nachzurechnen war, verlief sie doch zeitversetzt. Die gewaltigen Versorgungsansprüche, die sich die Älteren – allen voran die sogenannten Babyboomer – zugebilligt haben, waren ja erst in Zukunft fällig. Doch diese Zukunft rückte immer näher; und jetzt ist sie, wie Frau Merkel wohl sagen würde, eben da. Frau Merkel muss das auch nicht kratzen, weil sie eine unbekannte Zahl ihr unbekannter Leute dazu verpflichtet hat, ihr die Rente, das Büro und das Make-up zu bezahlen. Der moderne Sklavenstaat arbeitet anonym: Das schont die Nerven.
Wie lange noch? Wer glaubt noch an den „Generationenvertrag“, wer kann, wer will ihn überhaupt noch retten? Warum sollte die Generation Z Verpflichtungen nachkommen, die sie nie eingegangen ist, und die sie auch dann nicht mehr bedienen könnte, wenn sie ihnen zugestimmt hätte? Jedes Kind, das sich seinen Eltern stärker verpflichtet fühlt als den Schnäppchenjägern, die auf Nachwuchs absichtsvoll verzichtet hatten, beweist mehr Sinn für Gerechtigkeit als unsere Sozialpolitiker – für nachholende Gerechtigkeit, da sie pünktlich ja nicht zu haben war.
Die deutsche Gleichstellungspolitik hat Kinderarmut hervorgebracht, Armut in ihrer doppelten Gestalt, Armut an Kindern und unter Kindern. Selbst wenn sie wollten, wären diese Kinder außer Stande, immer mehr alten Leuten ihren Lebensabend verlässlich und auskömmlich zu finanzieren. Die Proteste der Generation Z sind alles andere als unbegründet, sie kommen nur zu spät. Die zum demographischen Wandel verklärte Überalterung erweist sich als eine Last, die dem Land seine Zukunft raubt.
Wer immer noch wie Shylock auf seinen Schein pocht und seine Ansprüche verteidigt, sei an die jungen Männer verwiesen, die in Frankfurt die Läden gestürmt und ausgeplündert hatten. Für die Integrationsdienstleistenden ist die Sache klar: Das alles wäre nicht passiert, hätten die jungen Leute „aus überwiegend migrantischem Milieu“ genug Hilfen genossen, Kurse besucht, Maßnahmen durchlaufen und so weiter. Dann hätten sie, anstatt die Läden zu stürmen, Rollator*infahr*innen dabei geholfen, in eben diesen Läden einzukaufen. Soll man das wirklich glauben?
P.S.: Der Ausdruck „aus überwiegend migrantischem Milieu“ ist rassismusverdächtig. Deswegen beeile ich mich, daran zu erinnern, dass er vom hessischen Innenminister Roman Poseck und nicht von mir stammt.




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