Ein Antifa-Magazin führte David Seidlitz 1995 als „stadtbekannten Neonazi“ und Mitglied einer Quedlinburger Zellenstruktur. Heute arbeitet er für die Grünen in Sachsen-Anhalt. Seine Frau Susan Sziborra-Seidlitz, Grünen-Kandidatin in Sachsen-Anhalt, äußerte sich bereits 2022 zu seiner Vergangenheit.
picture alliance/dpa | Heiko Rebsch
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt holt Susan Sziborra-Seidlitz eine Geschichte ein, die seit Jahrzehnten öffentlich dokumentiert ist und dennoch bislang keine Rolle im Wahlkampf spielte. Ihr Ehemann David Seidlitz wurde Mitte der 1990er Jahre von der damaligen Antifa-Szene als aktiver Neonazi in Quedlinburg geführt. Der Vorgang ist schon deshalb politisch relevant, weil Seidlitz heute selbst für Bündnis 90/Die Grünen arbeitet: Auf der Internetseite des Landesverbandes wird er als Regionalgeschäftsführer für Sachsen-Anhalt Mitte geführt. Zuständig ist er dort für mehrere Kreisverbände.
Die Quelle für seine frühere politische Zuordnung stammt aus einem Milieu, dessen Einschätzungen man nicht ungeprüft übernehmen sollte. In diesem Fall lässt sich allerdings erheblich mehr nachvollziehen als eine bloße Behauptung in einem aktuellen sozialen Netzwerk. Das „Antifaschistische Infoblatt“ berichtete in seiner Ausgabe 31 vom September/Oktober 1995 ausführlich über den Aufbau rechtsextremer Strukturen im Ostharz. Die damalige Ausgabe ist inzwischen vollständig im Internet Archive verfügbar.
Die Nationalistische Front
Der Artikel beschreibt die Entwicklung einer organisierten Neonazi-Szene im Raum Quedlinburg nach dem Zuzug von Steffen Hupka. Hupka war zuvor Führungskader der 1992 verbotenen Nationalistischen Front gewesen und versuchte nach Darstellung des Magazins, die vorhandene Szene in örtlichen Zellen zu organisieren. In Quedlinburg entstand demnach ein „Unabhängiger Arbeitskreis“. Ihm gehörten laut dem damaligen Bericht die „stadtbekannten Neonazis“ David Seidlitz, Ronny Dalchau, Christian Mohr und Lars Engelmann an. Das Magazin schreibt anschließend von Schulungen, Seminaren und Wehrsportübungen innerhalb der aufgebauten Struktur.
Das Heft beließ es nicht bei der Namensnennung. Auf derselben Seite wurde ein Foto von Mitgliedern des „Unabhängigen Freundeskreises“ abgedruckt. Die Bildunterschrift identifiziert in der vorderen Reihe ausdrücklich David Seidlitz und einen weiteren Mann.
Die Angaben sind auch nicht erst jetzt im Wahlkampf aufgetaucht. Am 19. Mai 2022 brachte der damalige AfD-Fraktionsvorsitzende Oliver Kirchner das alte „Antifaschistische Infoblatt“ mit in den Landtag von Sachsen-Anhalt und zitierte den einschlägigen Absatz. Im offiziellen stenografischen Protokoll ist die Passage vollständig festgehalten. Kirchner nannte anschließend David S. den Ehemann Sziborra-Seidlitz’.
Sziborra-Seidlitz reagierte später mit einer persönlichen Erklärung im Parlament. Sie erklärte zunächst, die persönlichen Verhältnisse ihrer Familie gingen die Öffentlichkeit nichts an. Wegen der gegen ihren Mann erhobenen Vorwürfe wolle sie die Darstellung dennoch „geraderücken“. Sie bestätigte, dass ihr Mann damals mit Steffen Hupka befreundet gewesen sei. Die Behauptung, Seidlitz sei ein Kader gewesen oder habe eine Zelle geleitet, wies sie zurück. Auf die im zitierten Artikel enthaltene Aussage, er habe dem „Unabhängigen Arbeitskreis“ angehört, ging sie nicht ausdrücklich ein. Dass eine Grüne mal sagt, dass Antifa lügt, ist schon lustig. Außerdem eine besonders schöne Pointe, dass die linksradikale Einfluss-Plattform Campact im Wahlkampf von Sachsen-Anhalt Friends & Family von ehemaligen Neonazis unterstützt.
— alexander moehnle (@AMoehnle) August 28, 2026
Über den heutigen David Seidlitz ließ seine Frau keinen Zweifel. Er sei inzwischen ein „lupenreiner Demokrat“ und „absolut ohne jeden Zweifel Antifaschist“. Sie sprach von einem „demokratischen Reifungspotenzial innerhalb von 30 Jahren“.
Dass Menschen politische Überzeugungen grundlegend ändern können, bedarf keiner besonderen Begründung. Drei Jahrzehnte sind eine lange Zeit. Die Vergangenheit eines Jugendlichen oder jungen Erwachsenen allein kann kaum ein Urteil über dessen heutige Gesinnung tragen. Bei David Seidlitz kommt hinzu, dass gegenwärtig keine belastbaren Hinweise auf fortdauernde rechtsextreme Aktivitäten vorliegen. Die Grünen beschäftigen ihn inzwischen in einer verantwortlichen Funktion ihrer Landesorganisation.
Zweierlei Maßstäbe
Politische Brisanz erhält der Vorgang aber vor allem durch den Maßstab, den Sziborra-Seidlitz selbst an rechtsextreme Biografien in anderen Parteien angelegt hat. Als 2019 die Vergangenheit des CDU-Politikers Robert Möritz bekannt wurde, gehörte sie als damalige Grünen-Landesvorsitzende zu dessen schärfsten Kritikern. Möritz hatte eingeräumt, 2011 im Alter von 19 Jahren als Ordner auf einer Neonazi-Demonstration tätig gewesen zu sein.
Sziborra-Seidlitz und ihr damaliger Co-Vorsitzender Sebastian Striegel veröffentlichten dazu eine Pressemitteilung unter der Überschrift „Wie viele Hakenkreuze haben Platz in der CDU?“. Die Deutung von Möritz’ Vergangenheit als „jugendliche Verfehlung“ erklärten sie für unglaubwürdig. Ein Ausstieg aus der rechtsextremen Szene sei „immer ein aktiver Prozess“. Die CDU-Führung müsse sich als „klares Bollwerk gegen jeden Rechtsextremismus“ positionieren.
Die Fälle sind nicht identisch. Bei Möritz standen 2019 zusätzlich Verbindungen im Raum, die jüngeren Datums waren. Gerade der von den Grünen selbst formulierte Anspruch an einen nachvollziehbaren Ausstieg wirft deshalb Fragen zum eigenen Mitarbeiter auf. Wann und unter welchen Umständen brach David Seidlitz mit seinem früheren politischen Umfeld? Welche Rolle spielte er tatsächlich im „Unabhängigen Arbeitskreis“? War dem Landesverband diese Vergangenheit bekannt, als er Seidlitz beschäftigte? Und wie wurde sie innerhalb der Partei aufgearbeitet?
Der grüne Familien-Betrieb
Eine Antwort darauf wäre keine unzulässige Ausforschung des Privatlebens von Susan Sziborra-Seidlitz. David Seidlitz ist heute selbst Mitarbeiter des grünen Landesverbandes. Seine Ehefrau führt diesen Landesverband als Vorsitzende und als Spitzenkandidatin in die Wahl am 6. September. Auf ihrer eigenen Wahlkampfseite beschreibt sie, dass sie 2008 ihrem Mann nach Quedlinburg folgte.
Sziborra-Seidlitz macht zugleich den Kampf gegen Rechtsextremismus zu einem zentralen Bestandteil ihres Wahlkampfs. Beim CSD in Magdeburg sprach sie über „Faschisten“, die versuchten, sich in Sachsen-Anhalt die Macht zu „erschleichen“. Auf ihrem Oberarm trägt sie die Losung „No pasarán“ der linken Volksfront im spanischen Bürgerkrieg. Gegenüber ntv bezeichnete sie die AfD als „gesichert rechtsextrem und verfassungsfeindlich“. Es ist keineswegs selten, dass Menschen, die am meisten unter dem Teppich haben, die lautesten moralischen Trompeter sind.
Umso naheliegender wäre eine nüchterne und vollständige Darstellung der eigenen Geschichte. Ein glaubwürdiger Ausstieg aus einer Neonazi-Szene vor rund 30 Jahren wäre kein Skandal. Er könnte sogar eine bemerkenswerte Biografie ergeben. Erklärungsbedürftig wird der Vorgang dort, wo eine Partei von anderen detaillierte Distanzierungen verlangt und bei einem eigenen Funktionär bislang kaum öffentlich erläutert, was ausgerechnet das von ihr selbst einst formulierte Kriterium des „aktiven Prozesses“ konkret bedeutet.
Als der Vorgang 2022 im Landtag öffentlich zur Sprache kam, war Sziborra-Seidlitz bereits Landesvorsitzende der Grünen und Landtagsabgeordnete. Heute führt sie die Partei als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl. Man scheint bis eine Woche vor der Wahl mit der erneuten Erinnerung daran gewartet zu haben. Ein sonst echt typischer ÖRR- und Spiegel-Move.


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Richtig so – öffentlich machen! Nicht nur immer bei der AfD wühlen!
Ihre Initialen sind SSS , das sind gleich nochmal. 50% mehr als von Geburt an, wacht auf ihr Schäfchen
Diese Woche wird die Woche der dreckigsten Schlagzeilen , die wir je gesehen haben !
Kein Wunder, dass die Grünen, so gerne über Naturschutz, schwadronieren; kein Erdhaufen, darf unerlaubt ausgehoben werden, könnten ja politische Leichen darunter begraben sein
Faschisten bleiben Faschisten, ganz gleich ob über allem eine Hakenkreuzfahne weht, eine mit Hammer und Sichel oder mit Sonnenblume, die Gesinnung ist dieselbe. Ignazio Silone hatte schon recht als er sagte: „Wenn der Faschismus wiederkehrt wird er nicht sagen bin der Faschismus sondern er wird sagen ich bin der Antifaschismus“.
Da die Grünen sowieso einen totalitären und faschistoiden Kern jenseits der Demokratie haben, passt es sehr gut zusammen. Die Grünen sind eben hirnlose Schlangenölverkäufer und der schnelle Weg in den Ökosozialismus … fast keiner dieser Leute hat je richtig gearbeitet … so what ?
Zitat: „Es ist keineswegs selten, dass Menschen, die am meisten unter dem Teppich haben, die lautesten moralischen Trompeter sind.“
Suuuuper!
Soziologisch würde man von einem Stamm reden bei den Grünen. Ich spekuliere mal, das man in deren Stammbuch vermutlich die halbe Prominenz der NSDAP wieder findet.
Mit sowas habe ich nicht gerechnet. Wie kann man diese Politbombe optimal vor der Wahl in SA zünden?
Es wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben. Aber Herr , warum hast du mir so ein böses Weib gegeben ?