Hallervordens „Schädlingsbekämpfung“: Mit NS-Diktion gegen die AfD

Nicht witzig sondern wirr wirkt Dieter Hallervordens Hetze gegen die AfD. Die Entmenschlichung des politischen Gegners ist kein linkes Alleinstellungsmerkmal. Doch angesichts der politischen und kulturellen Hegemonie linker Kreise ist sie besonders besorgniserregend.

IMAGO / Matthias Wehnert

„Leute, ich bin ja sehr erfolgreich in der Schädlingsbekämpfung. Wie ich das mache? Ich wähle einfach nicht die AfD“, lässt Dieter Hallervorden in einem Videoclip auf TikTok verlauten.

In seinem bizarren Feldzug gegen die AfD hat der 90-jährige Komiker damit endgültig jedes Maß verloren. Die indirekte Gleichsetzung der AfD und damit ihrer Mitglieder und Wähler mit Ungeziefer entspricht astreiner Nazi-Diktion: Im Dritten Reich wurden Juden und Sinti und Roma als Schädlinge, Bazillen und Parasiten bezeichnet, Oppositionelle und Dissidenten traf der Vorwurf, „Volksschädlinge“ zu sein.

Die Entmenschlichung des Gegners beginnt verbal. Wird dieser nicht mehr als gleichwertiges Gegenüber betrachtet, dem mit Respekt und auf Augenhöhe zu begegnen ist, besteht auch keine Notwendigkeit, Argumente für die eigene Position vorzubringen und sich Gegenargumenten zu stellen. Zudem sinkt die Hemmschwelle, auch tatkräftig gegen den „Feind“ vorzugehen. Mit möglicherweise fatalen Folgen: Schädlinge darf man schließlich bekämpfen, zertreten, zerquetschen.

Humorlos und aggressiv

Es ist bezeichnend, dass einerseits penibel darauf geachtet wird, keinerlei Witze zu machen, die als Beleidigung aufgefasst werden oder verletzen könnten: Ostfriesenwitze, Blondinenwitze, Judenwitze, sexistische Witze oder gar solche über Schwarze; wo die Wokeness regiert, ist all das unerwünscht. Parallel zu dieser Epidemie der Humorlosigkeit scheint es jedoch gegenüber denjenigen, die im woken Weltbild als Feind gelten, keinerlei Schranken zu geben. Weiße, Männer, „Rechte“ und „Faschisten“ oder auch Christen dürfen mit Inbrunst gehasst und deshalb auch ohne Scheu verspottet und gedemütigt werden.

Das jedoch widerspricht einem wichtigen Prinzip. Satire, Kabarett und Comedy beschäftigen sich seit jeher auch mit politischen Themen. Allerdings zeichnen sie sich gewöhnlich dadurch aus, dass sie nach oben treten. Dem Hofnarren wurde in vergangenen Zeiten das Privileg zuteil, im humoristischen Gewand auch den Herrscher tadeln zu dürfen. Diesem Markenzeichen entsprechend kritisiert politisches Kabarett vorrangig die Mächtigen. Dieses Vorrecht wiederum wird mit Selbstironie erkauft: Der Narr stellt sich selbst als möglichst lächerlich dar und erleichtert es dadurch dem Adressaten, die Kritik anzunehmen.

Doch mit der links-woken Hegemonie im Kulturleben der Bundesrepublik wurde dieses ungeschriebene Gesetz kurzerhand abgeschafft. Selbstironie ist eine Seltenheit geworden. Und anstatt sich selbst zum Narren zu machen, um die Obrigkeit zum Narren zu halten, teilt man gemeinsam mit Medien und Politik gegen das Volk aus.

Blinddarm im Volkskörper?

Eine der berüchtigtsten Akteurinnen dieser neuen Spielart des „Humors“ ist Sarah Bosetti, die mit eiskaltem Blick und belehrender Stimme im Sinne der Herrschenden verkündet, was wir zu denken haben. Unvergessen, wie sie 2021 Ungeimpften die Schuld für die Pandemie in die Schuhe schob, und diese als „Blinddarm“ bezeichnete, der ja „nicht im strengeren Sinne essentiell für das Überleben des Gesamtkomplexes“ sei: Verzichtbare Menschen also, die der Gesellschaft schaden und potentiell – beseitigt gehören?

Dieselbe Menschenverachtung spricht aus Hallervordens „Schädlingsbekämpfung“. Freilich wird nicht explizit gesagt, was man noch so alles tun solle oder dürfe, um die „Schädlinge“ zu bekämpfen – sie mit Hämmern traktieren, vielleicht? Doch die geistige Brandstiftung ist an dieser Stelle nicht mehr von der Hand zu weisen.

Ob Dieter Hallervorden jemals witzig war, möge jeder selbst entscheiden. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Unzweifelhaft jedoch kann er eine lange und erfolgreiche Karriere vorweisen. Dass er nun in hohem Alter zur Selbstdemontage schreitet, ist ein trauriger Nebeneffekt seiner wirren Aggression, mit der er sich ins Abseits stellt – in vollster Überzeugung natürlich, die Mitte zu repräsentieren.



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Kommentare ( 8 )

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Noelender Noergler
13 Minuten her

Der Mann gehört unter Betreuung gestellt. Genau wie die berühmt-berüchtigten „Ommas“. Zumindest, das geht ja wie man (beim passiven) sieht, ganz leicht, sollte man ihm das (aktive) Wahlrecht aberkennen – wie auch den Ommas. Das wären sinnvollere Beschäftigungen für „unsere“ Juristen als „Majestätsbeleidigungen“.

heinrich walter
14 Minuten her

Hallervorden ist ein sehr dubioser Typ,der die AFD als Schädlinge bezeichnet…Das bezeichnen von Menschen als Schädlinge gab es im dritten Reich ,indem z.B. Goebbels die Juden als Schädlinge bezeichnete.. 1966 wurde Hallervorden wegen Verdacht des Mordes an einer Prostituierten,sprich Luise Jährlich verhaftet,die ein auf der Straße ansprach und die dann in seinem damaligen roten Citroen einsteigen ließ. Da gab es Zeugenaussagen,die Hallervorden beschrieben,sowie seinen Wagen.. Im Endeffekt konnte man Hallervorden den Mord nicht nachweisen,da man die Zeugin vom Straßenstrich,ebenfalls eine Protistuierte nicht für glaubwürdig hielt..und ließ ihn aus der U-Haft wieder frei…. Der Mord ist daher bis heute nicht aufgeklärt–DNA… Mehr

Johny
18 Minuten her

Lasst den alten Mann in Ruhe, der hat Honig im Kopf.

Axel Fachtan
24 Minuten her

Wenn Mistkäfer glauben, dass sie Schädlingsbekämpfer wären,
dann sind die Augen zu schlecht, um sich selbst zu erkennen.

Haba Orwell
29 Minuten her

> Mit NS-Diktion gegen die AfD

Gestern ein FAZ-Herr gegen die Russen, heute gegen die AfD. Ich möchte mir nicht vorstellen, was morgen und übermorgen passiert. Das geht aber schnell im „kriegstüchtigen“ Land. Möchte noch jemand bestreiten, dass all diese Entgleisungen mehr Gewalt inspirieren können?

jsdb
31 Minuten her

Ist es Demenz wenn man geistig in die Vergangenheit zurückrutscht?
Was der dies Jahr zum besten gibt, wirkt auf mich wie Non-Stop Nonsens

roffmann
31 Minuten her

Der war doch schon immer ein geistiger Flachbahnrenner !

verblichene Rose
31 Minuten her

Otto Waalkes machte mal einen bösen Witz in einem Altenheim:
„Seid ihr alle da? – Jaaa! – Aber nicht mehr lange…!“