Böhmermann bringt eine Behindertenwerkstatt an den Rand ihrer Existenz

Jan Böhmermann inszeniert sich im ZDF als Anwalt der Schwachen und beschädigt ausgerechnet eine Behindertenwerkstatt. Nach seiner „Grundi“-Attacke brechen Aufträge weg. Moralpose vor Kamera, Kollateralschaden vor Ort: So sieht Zwangsgebühren-Satire aus.

Screenprint: ZDF Magazin Royale

Jan Böhmermann, angeblich Satiriker, tatsächlich nichts anderes als des ZDF royal gepamperte „Krawallschachtel“ (Harald Schmidt über ihn), kann es nicht lassen: Anschwärzen scheint sein Lieblings-Metier zu sein. Nun hat er sich die Isar-Sempt-Behindertenwerkstätten (ISW) im Norden von Erding, 10 Kilometer vom Münchner Großflughafen MUC entfernt, vorgenommen. Diese Werkstätten hatten – teilweise als Subunternehmen – vom ZDF Magazin Royale (ZMR) des Jan Böhmermann den Auftrag bekommen, in limitierter Auflage ein Maskottchen mit dem Namen „Grundi“ in Endmontage herzustellen und zu verpacken.

„Grundi“ ist die kita-infantile Abkürzung für „Grundgesetz“. Die „Grundi“-Figur ist ein 12 cm hoher Superman, sie ist bestückt mit Baseballschläger und Messer, um – so die Auftraggeber – das Grundgesetz gegen Angreifer zu verteidigen. So wie Böhmermann das permanent zu tun glaubt. Die Stückzahl ist wohl limitiert, sie bewegt sich vermutlich im unteren Tausenderbereich. Der Stückpreis lag mal bei 25 Euro. Heute zahlt man dafür 37,50 Euro. Davon spendet die Produktionsfirma des ZDF Magazin Royale (Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld UE GmbH) nach eigenen Angaben 37 Euro an die Gesellschaft für Freiheitsrechte. Die Spendenaktion wurde gestartet, um gegen die Bezahlung von Menschen mit Behinderungen in Werkstätten zu klagen und sich für Inklusion einzusetzen. Fragt sich bloß, wer UE finanziert, wenn nicht der Zwangsgebührenzahler. Das nur am Rande.

Aber der Reihe nach: Am 8. Mai 2026 legte Böhmermann mal wieder affektiert selbstverliebt los: zitierte das Grundgesetz, das Mindestlohn-Gesetz, das Sozialgesetzbuch IX. Das wird ihm bald eine Honorarprofessur einbringen. Mindestens, denn Honorarprofessuren gibt es wie Sand am Meer. Und was spießte Jan Böhmermann diesmal 29 Minuten zur Freude des anwesenden Studio-„Klatschviehs“ (Insider-Fachausdruck der Fernsehgewaltigen) auf? Nicht mehr und nicht weniger als ein „Grundi-Gate: Ausbeutung Made in Germany“. Untertitel: „Kein Mindestlohn trotz Fulltime-Job: Werkstätten für behinderte Menschen.“

Denn, so die „Royal“-Redaktion: Grundi – die Actionfigur aus dem Hause ZDF Magazin Royale – wurde grundgesetzwidrig hergestellt: Montiert in einer Werkstatt für behinderte Menschen, in der Beschäftigte für ihre Arbeit weit weniger erhalten als den Mindestlohn. Auch das noch: Das ZDF bezichtigt sich selbst. Wenn das nicht an einen Schauprozess erinnert. Ließ das ZDF das Royal-Maskottchen doch tatsächlich für einen Monatslohn von 230 Euro herstellen. Ein Fall eigentlich für Bärbel Bas, DGB und Co. Mindestens!

Folge der ZDF-Sendung: Die betreffenden Werkstätten drohen hops zu gehen

Nach Böhmermanns Beitrag vom 8. Mai bekommen die Isar-Sempt-Werkstätten (ISW) weniger Aufträge, weil Auftraggeber nicht als Ausbeuter dastehen wollen.

ISW-Geschäftsführer Albert Wittmann und seine Stellvertreterin Lenka Dak verwahren sich gegenüber dem Münchner Merkur gegen die Böhmermannschen Vorwürfe. Neben dem Lohn, den Wittmann als Taschengeld bezeichnet, gebe es eine Rundumversorgung – vom kostenfreien Fahrdienst über Wohngruppen mit verschiedenen Angeboten bis zur freien Verköstigung.

Das Wichtigste sei aber die Teilhabe am (Arbeits-)Leben. Hier seien die Menschen, die zumeist eine geistige Beeinträchtigung haben, von 8 bis 16 Uhr beschäftigt. Pädagogisches Personal begleite sie dabei. „Falls jemand einmal nicht arbeiten möchte, wird er keinesfalls gezwungen, sondern es werden Alternativen gesucht.“ Der Geschäftsführer spricht von Möglichkeiten wie Sport, Musik, Lesen oder Schreiben während der Arbeitszeit. Und: Falls man den Mindestlohn zahlen würde, müssten die Behinderten selbst für Unterkunft, Essen oder Fahrt aufkommen: „Damit wären sie schlechter versorgt, als es jetzt der Fall ist.“

ISW-Vize Dak betont, die Behinderten hätten hier eine sinnvolle Beschäftigung, Erfolgserlebnisse – und bekämen damit die Würde, die sie verdienen. Die gravierendste Folge der vom ZDF ausgelösten sei überhaupt: Firmen würden aufgrund des „Schlechtredens“ weniger Aufträge erteilen: „Sie wollen nicht als Ausbeuter dastehen, und das hat brutale Folgen für uns.“ Denn ohne Aufträge hätten die Behinderten kaum etwas Produktives zu tun.

Die ISW gehen nun an die Öffentlichkeit und laden Firmenvertreter zu einem Besuch ein. Sie könnten dann Menschen sehen, die ein würdevolles Leben bestreiten und nicht versteckt würden, wie es noch vor 50 Jahren der Fall gewesen sei. Das ISW postet zudem Videos in den sozialen Kanälen, unter anderem auf Youtube. Hier spricht Personal authentisch vom Sozialdienst oder den Werkstätten, das alltäglich mit den behinderten Menschen zu tun hat.

Seit Jahren Narrenfreiheit für Böhmermann

Typisch Böhmermann eben. Er attackiert jemanden oder eine Einrichtung, ohne die Attackierten ausreichend zu Wort kommen zu lassen. Nix da Ausgewogenheit! Auch wenn der Länderstaatsvertrag eben solches prioritär von den Öffentlich-Rechtlichen verlangt. Die ZDF-Oberen, der ZDF-Intendant, der für Verträge zuständige ZDF-Verwaltungsrat (darunter Ministerpräsidenten, Professoren und ehemalige Gewerkschaftschefs), der ZDF-Fernsehrat lässt es einfach geschehen. Böhmermann genießt Narrenfreiheit.

Auch wenn er nach so manchem Ausraster demnächst, am 19. Juni, beim Oberlandesgericht München aller Voraussicht nach in der Causa Schönbohm samt dessen Strafversetzung durch die damalige Innenministerin Faeser (SPD) eine sehr saftige Klatsche kassieren wird. TE hat ausführlich darüber und über andere Nummern des Herrn Böhmermann berichtet. Aber was soll’s: Für die Streitkosten in vermutlich fünfstelliger Höhe kommt ja der Zwangsgebührenzahler auf.

Zurück zur „Grundi“-Figur“ und zur Sendung vom 8. Mai: Wir gehen mal nicht davon aus, dass der Auftrag an eine Behinderteneinrichtung zur Herstellung der „Grundi“-Figur eine hinterhältige Falle war. Und wir gehen auch nicht davon aus, dass es sich bei Böhmermanns Jahressalär von rund 700.000 Euro (ohne Produktionskosten) um eine „Ausbeutung“ des Zwangsgebührenzahlers handelt. Nein, das wird ja als ein Stück „Demokratieabgabe“ deklariert.

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Kommentare ( 11 )

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Matthias F.
9 Minuten her

Vielleicht hat Böhmermann ja eines Tages selbst einen guten Grund in so einer Einrichtung zu arbeiten. Wünschen kann man es ihm.

fatherted
12 Minuten her

Die Einrichtung sollte sich künftig ihre „Kunden“ besser aussuchen….auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass die Leitung der Einrichtung auf keinen Fall Aufträge von Menschen oder Organisationen rechts der Mitte annehmen würde. Und das man eine Figur mit Messer und Baseballschläger herstellte….sollte jedem der einigermaßen klar denken kann, abschrecken oder zumindest zu denken geben. Das damit indirekt zur Gewalt aufgerufen wird (Hammerbande lässt grüßen) ist ja ziemlich offensichtlich. Mir tun die Mitarbeiter dort leid, die nun evtl. ohne Aufträge und ohne Arbeit da stehen…aber die können ja jetzt in der Mediathek alle Folgen von Böhmermanns Machwerken in ihrer Freizeit… Mehr

Delegro
13 Minuten her

Böhmermann ist ein parasitärer Schwachkopf und Selbstdarsteller. Ein Egoist noch dazu, dem nicht`s wichtiger ist als selber im Rampenlicht zu stehen. Gerne und bevorzugt auf Kosten anderer Menschen/Gruppen. Selbst vor Behinderten macht er nicht halt. Kollateralschaden eben. Sollen die gucken wo die bleiben. Akzeptiert er gerne, wenn er dafür im Rampenlicht stehen durfte und schön weiter die GEZ-Zwangsgebühren über seine Vergütung einsacken kann. Wenn es noch wirkliche Gerechtigkeit geben sollte, dann wird Böhmermann für sein ganzes asoziales Verhalten noch die gerechte Strafe bekommen. Und dann lachen wird. Nicht schlimm Bömi, ist ja nur Satire!

Unglaeubiger
19 Minuten her

Böhmi, eine geistig degenerierte Kakerlake, größenwahnsinnig und im selbstverliebten Dauerrausch, man muss schon ein Masochist sein, um sich diese Kreatur anzusehen und anzuhören. Ein typisch intellektuelles Plumpsklo von den ÖR! Ein Dank an Jene, die sich diesen Irren antun um eine breitere Masse zu informieren und gleichzeitig von seinen Anblick (bis auf das Bild) zu verschonen. Die Behinderten sollten diese A-Gesicht schnitzen und in die Mülltonne treten, mehr ist diese Ausgeburt des ………. wirklich nicht wert.

MeHere
28 Minuten her

Böhmermännchen … eine ekelhafte Witzfigur und im Prinzip der Prototyp des hässlichen Deutschen ?
Ich mag ihn einfach nicht … er verdient für den niveaulosen Müll einfach zu viel beim ZDÄfff

Haba Orwell
29 Minuten her

> Der Stückpreis lag mal bei 25 Euro. Heute zahlt man dafür 37,50 Euro.

Wer ist derart ÖRR-hörig, nicht nur den Böhneherr zu glotzen, sondern sogar noch seinen Murks zu kaufen?

h.milde
33 Minuten her

„Bah, wat hat er nur für ´ne fiese Charakter“ -frei nach Prof- „Bömmel!“-

Kraichgau
34 Minuten her

Wer Behindertenwerkstätten allen Ernstes mit gewerblichen Betrieben vergleicht,kann nur einen an der Waffel haben!
Ich kenne einige dieser Werkstätten,das WICHTIGSTE ist die sinnvolle Beschäftigung und das Erfolgsgefühl der beteiligten Menschen.
Dieser Fernsehtyp ist einfach ekelhaft

MartinL
34 Minuten her

Die Werkstätten *können* sich nicht grundgesetzwidrig verhalten haben. Das Grundgesetz bindet Legislative, Judikative und Exekutive aber nicht den Bürger.

babylon
47 Minuten her

„Grundi“ verteidigt das Grundgesetz mit Baseballschläger und Messer. Interessant. Wer ist Grudi, Böhmermann himself, wenn er in der Badewanne mit seiner Gummiente spielt und Grundi schlägt zu?