Linksextremisten verüben in Deutschland immer gravierendere Terroranschläge – anscheinend ohne nennenswerten Fahndungsdruck zu spüren. Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Kampf gegen Gewalt von links bei den Verantwortlichen in Politik und Exekutive nicht gerade priorisiert wird.
picture alliance/dpa | Soeren Stache
Am 9. September 2025, einem Dienstag, legten Terroristen einen Brand an zwei Hochspannungsmasten im Stadtteil Johannisthal in Berlin. Der von den Bränden verursachte Stromausfall betraf 50.000 Stromkunden, gewerbliche wie private, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Apotheken, Schulen, Kitas, Geschäfte und Wohnungen. Betroffen waren auch der öffentliche Nahverkehr, S-Bahnen und Straßenbahnen, Ampeln und andere Verkehrsleiteinrichtungen. Genervte, auch verzweifelte Menschen auf S-Bahnsteigen und an Straßenbahn-Haltestellen, die nicht zur Arbeit, zu wichtigen Treffen kamen, sondern gestrandet waren. Auf großen Kreuzungen regelten Polizisten den Verkehr. Der Notruf 110 und 112 konnte am Dienstag auch über Mobilfunk in bestimmten Gebieten nicht erreicht werden.
Ziel des Anschlags war der Technologiepark „Adlershof science at work“, der Berlins wichtigster Wissenschafts-, Wirtschafts- und Medienstandort ist. Er beherbergt außeruniversitäre Forschungseinrichtungen von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, über das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie, das Leibniz-Institut für Kristallzüchtung, das Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie bis hin zur Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V., zudem den naturwissenschaftlichen Campus der Humboldt-Universität und 1330 Unternehmen. Gegen 14.20 Uhr veröffentlichte Indymedia ein Bekennerschreiben, in dem es hieß:
„Die Neo-Faschist:innen sitzen in immer mehr Staaten fest im Sattel der Macht und das Kapital steht ihnen zuverlässig zu Diensten. Die reaktionäre Welle des Antifeminismus und der Queerfeindlichkeit wird von den Tech-Bros vorangetrieben und KI führt ihre steile Karriere fort, die Welt immer künstlicher zu machen. Ihr dystopisches Fortschrittsversprechen: eine faschistoide Technokratie mit extra-planetarischen Bestrebungen als Antwort auf den kollabierenden Planeten … In Europas größtem Technologiepark im Ostteil Berlins, wo für gewöhnlich ein reges Treiben herrscht, scheint diese Normalität in den frühen Morgenstunden nach wenigen Minuten dahin geschmolzen zu sein … Nein, heute ist kein normaler Tag. Hunderte CEOs verschiedener Firmen und Forschungsinstitute aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- & Nanotech, Raumfahrt, KI, Sicherheits- und Rüstungsindustrie haben die bittere Nachricht bekommen, dass ihr Technologiepark in Adlershof aufgehört hat zu funktionieren. … Wir bitten die Anwohner:innen, die davon in ihren privaten Haushalten betroffen waren, um Nachsicht, dies war keinesfalls unsere Intention. Trotzdem sehen wir diesen Kollateralschaden als vertretbar an, im Gegensatz zur faktischen Zerstörung der Natur und der oft tödlichen Unterjochung von Menschen, für die viele der hier ansässigen Firmen tagein tagaus verantwortlich sind.“
TE fragte neun Monate nach dem Anschlag die Generalstaatsanwaltschaft Berlin: „Führten Ihre Ermittlungen zum Anschlag auf die Strominfrastruktur in Treptow-Köpenick am Dienstag, den 9. September 2025, zu Erkenntnissen bzw. Ermittlungsergebnissen?“ Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin antwortete: „Die Ermittlungen dauern an. Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden.“ Die Berliner Behörden sind nach neun Monaten nicht in der Lage, Auskunft über die Ermittlungen über einen Terroranschlag zu erteilen.
Würde TE die gleiche Antwort erhalten, wenn die Täter nicht aus linksextremistischen, sondern aus rechtsextremistischen Kreisen stammen würden?
Die Frage drängt sich auf, wenn man das Interview über den Zustand und die Zukunft der Berliner Polizei liest, das Neues Deutschland mit den Innenexperten der rot-rot-grünen Koalition Frank Zimmermann (SPD), Benedikt Lux (Grüne) und Niklas Schrader (Linke) am 14. August 2020 führte. Munter plauderte der Grüne Lux damals über die rotgrüne Kaderpolitik, die vielleicht erklärt, warum die Ermittlungen im Fall des Terroranschlags in Treptow anscheinend nicht vorankommen: „Gemessen an dem, was vorher gelaufen ist, haben wir einen Riesenerfolg erzielt. Wir haben die gesamte Führung fast aller Berliner Sicherheitsbehörden ausgetauscht und dort ziemlich gute Leute reingebracht. Bei der Feuerwehr, der Polizei, der Generalstaatsanwaltschaft und auch beim Verfassungsschutz. Ich hoffe sehr, dass sich das in Zukunft bemerkbar macht.“ Die Hoffnung des Grünen Lux scheint sich im Fall des Terroranschlags zu erfüllen.
Möglicherweise motivierten die „rasant“ vorangehenden Ermittlungen Links- oder Grünextremisten zu einem erneuten Angriff auf die kritische Infrastruktur von Berlin. Nachdem am 3. Januar 2026 von Links- oder Grünextremisten Feuer an eine Stromleitung, die zu einem Kraftwerk im Stadtteil Lichterfelde führt, gelegt wurde, waren mit einem Schlag 45.000 Haushalte in Berlin ohne Strom. Betroffen von diesem Terroranschlag mitten im eisigen Winter dürften 90.000 bis 100.000 Menschen gewesen sein, die plötzlich ohne Licht und ohne Heizung auskommen mussten. Die Wohnungen kühlten aus, die Straßen lagen im Dunkeln, die Bahnhöfe auch, Krankenhäuser wurden mit Notstrom versorgt. Türen ließen sich nicht öffnen, um Hilfe konnte nicht über das Mobiltelefon gerufen werden.
Menschen mit einer Gehbehinderung oder ernsten Herz- und Kreislaufbeschwerden, die in einer oberen Etage wohnen, vermochten, weil der Fahrstuhl nicht funktionierte, ihre kalten, dunklen Wohnungen nicht zu verlassen. Jan A. Karon berichtete auf X: „Völlig dystopisch: Nach dem Stromausfall fährt die Polizei durch das menschenleere, stockfinstere und zugeschneite Berlin-Nikolassee und teilt per Lautsprecher mit, man solle für die Abendstunden batteriebetriebene Leuchten und Taschenlampen bereithalten. So gut wie die ganze Bewohnerschaft hat das Viertel zu dem Zeitpunkt schon verlassen. Szenen wie aus dieser Blackout-Serie, aber real.“
Laut Bekennerschreiben soll sich die linksextremistische Vulkangruppe zum Anschlag bekannt haben. Das erste Mal trat sie im Jahr 2011 mit einem Angriff auf die technische Infrastruktur in Erscheinung, 2018 mit einem Anschlag auf Kabelverbindungen in Charlottenburg, 2019 griffen sie das Kabel der S- und Fernbahn in Berlin-Karlshorst an, dann attackierte sie 2024 das Tesla-Werk in Grünheide, was zu einer mehrtägigen Unterbrechung der Produktion führte.
Obwohl das Vulkangruppen-Kartell, das „den Herrschenden den Saft abdrehen“ will, seit Jahren aktiv ist und sich die Terroranschläge von Mal zu Mal an Dimension steigern, ist es den Berliner Sicherheitsbehörden und der Generalbundesanwaltschaft in sagenhaften elf Jahren nicht gelungen, den Verbrechern auf die Spur zu kommen. TE fragte mehrfach bei der Generalstaatsanwaltschaft in Berlin nach dem Stand der Ermittlungen nach, bekam aber mit dem Hinweis auf „ermittlungstaktische“ Gründe keine Antwort.
Wegen der Dimension übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen im Fall des Terroranschlags vom 3. Januar 2026. TE fragte am 27. Mai 2026 den Generalbundesanwalt: „Welche Erkenntnisse und Ermittlungsergebnisse über den Anschlag auf die Kabelbrücke am 3. Januar 2026 in Berlin liegen Ihnen vor? In welche Richtung werden die Ermittlungen geführt? Liegen neue Erkenntnisse über die Vulkangruppe vor?“. Von einem Pressesprecher des Generalbundesanwalts erhielt TE am 28. Mai folgende Antwort: „Auf Ihre Anfrage kann ich Ihnen lediglich mitteilen, dass die Ermittlungen andauern. Weitere Auskünfte werden derzeit nicht erteilt.“
Die sogenannte Vulkangruppe trat mit Anschlägen erstmals im Jahr 2011 in Erscheinung, seit 2018 mit einiger Regelmäßigkeit. Auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag antwortete die Bundesregierung am 23. Februar 2026:
„Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA) hat wegen des Brandanschlags in Berlin am 3. Januar 2026 ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt unter anderem wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der gemeinschaftlichen Brandstiftung, der gemeinschädlichen Sachbeschädigung, der Störung öffentlicher Betriebe und der verfassungsfeindlichen Sabotage … eingeleitet … Der GBA führt drei weitere Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit sogenannten Vulkangruppen. Zwei dieser jeweils wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gemäß § 129a Absatz 2 StGB und weiterer Straftatbestände geführten Ermittlungsverfahren betreffen den Anschlag der ‚Vulkangruppe Tesla abschalten‘ auf die Stromversorgung des Tesla-Werks und umliegender Orte im März 2024 in Grünheide/Brandenburg sowie den Brandanschlag der ‚Vulkangruppe: Gegen den Fortschritt der Zerstörung‘ auf die Stromversorgung der damaligen Baustelle für dieses Tesla-Werk im Mai 2021. Das dritte, ebenfalls wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gemäß § 129a Absatz 2 StGB geführte Ermittlungsverfahren betrifft vier Verfahrenskomplexe, zu denen Bekennerschreiben von Vulkangruppen vorliegen: Die koordinierten Brandanschläge auf Bahneinrichtungen im Oktober 2011 durch die Vulkangruppe ‚Das Hekla-Empfangskomitee‘ im Bereich Berlin, den Brandanschlag auf Strom- und Telekommunikationskabel an der Mörschbrücke in Berlin im März 2018 durch die ‚Vulkangruppe: Netzherrschaft zerreißen‘, den Brandanschlag auf Leitungen der Bahn in einem Kabelschacht in Berlin-Karlshorst am 23. September 2019 durch eine ‚Vulkangruppe OK / Fridays for future im Generalstreik‘ und den Brandanschlag auf Strom- und Versorgungsleitungen in Berlin-Charlottenburg im April 2020 durch die ‚Vulkangruppe shut down the power / Digitale Zurichtung sabotieren‘. Die genannten Ermittlungsverfahren sind noch nicht abgeschlossen.“
Übrigens: „Weitere Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit sogenannten Vulkangruppen werden oder wurden in Zuständigkeit der Länder geführt.“ Beispielsweise Berlin, wo, wie uns Benedikt Lux mitteilte, „ziemlich gute Leute“ am Werke sind.
Seit 2011 scheint die Vulkangruppe zu existieren, weder die Berliner Generalstaatsanwaltschaft, noch die Generalbundesanwaltschaft sehen sich in der Lage, der Öffentlichkeit nach 15 Jahren einen Ermittlungsfortschritt gegen diese terroristische Vereinigung zu präsentieren. Beunruhigend ist, dass die Links- oder Grünextremisten anscheinend in aller Ruhe, ohne einen Ermittlungsdruck zu spüren, Anschläge mit immer größerer Dimension planen und durchführen können.
Vielleicht sind die Ermittlungsbehörden auch nur überfordert, weil sie Hausdurchsuchungen bei Rentnern, Medienleuten und Wissenschaftlern vornehmen müssen, die sich auf X zugespitzt über Politiker wie Robert Habeck oder Friedrich Merz äußerten. Was ist schon ein Terroranschlag im Süden von Berlin im Vergleich zu einem Satireanschlag auf Habeck oder Strack-Zimmermann oder Merz, was der Brand eine Kabelbrücke gegen ein Schwachkopf-Meme mit Robert Habeck oder die Verspottung von Friedrich Merz als „Pinocchio“ oder „Lackaffe“?
Vielleicht bekommt die Vulkangruppe ja auch zum fünfzehnjährigen Jubiläum das Bundesverdienstkreuz. Hatte nicht einst der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Haldenwang, über die Aktivisten der Letzten Generation gesagt, dass Gruppen immer dann extremistisch seien, wenn sie den „Staat, die Gesellschaft, die freiheitlich demokratische Grundordnung infrage“ stellen würden? „Und genau das tun die Leute ja eigentlich nicht“, denn die „Letzte Generation“ sage im Grunde: „He, Regierung, ihr habt so lange geschlafen, ihr müsst jetzt endlich mal was tun. Also, anders kann man eigentlich gar nicht ausdrücken, wie sehr man dieses System eigentlich respektiert, wenn man die Funktionsträger zum Handeln auffordert.“ Vielleicht fordert nach dieser Lesart die Vulkangruppe die Funktionsträger auch nur zum Handeln auf? Vor diesem Hintergrund besteht allerdings wenig Hoffnung, dass die Täter ermittelt werden, weil es dann ja eigentlich keine Täter gibt.
Inzwischen regt sich die Frage, ob überhaupt Ermittlungen aus ermittlungstaktischen Gründen geführt werden, denn die Täter stammen mutmaßlich aus der linken und grünen Szene.


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