Berlin: Jeder dritte Polizei-Bewerber scheitert am Deutschtest

Jeder dritte Berliner Polizei-Bewerber fällt beim Deutschtest durch – fast die Hälfte hat Abitur. Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) spricht von einem „erschreckenden Abwärtstrend“. Und sie tut so, als habe das mit Berlins Schulpolitik nichts zu tun.

picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD), Berlin 18.12.2025

Weil Deutschland unter Fachkräftemangel leidet, wird das übliche politmediale Konsortium nicht müde, immer noch mehr Zuwanderung zu fordern. Ignoriert wird dabei geflissentlich, dass der eigentlich im Land vorhandene Nachwuchs in Ermangelung eines hinreichenden Bildungsstands oft gar nicht in der Lage ist, diese Lücke zu schließen. Die Hochschulen klagen über viele Studienanfänger, die studierberechtigt, aber nicht studierfähig sind. Berufsbildner berichten immer häufiger davon, dass ein erheblicher Teil der Bewerber um eine Ausbildungsstelle nicht ausbildungsfähig ist.

TE hat soeben berichtet: Laut einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes „Niedersachsenmetall“ (Verband der Metallindustriellen Niedersachsens e.V.) beklagen fast zwei Drittel der 320 befragten Unternehmen, dass die Qualität der Bewerber um eine Ausbildungsstelle abnehme. Den Bewerbern mangele es an naturwissenschaftlichen und mathematischen Kenntnissen, zudem hätten sie Schwächen bei Sprache, Lesen und Schreiben. Die Betriebe sehen auch Defizite bei Motivation, Disziplin, Belastbarkeit sowie Defizite bei sozialen Kompetenzen, etwa bei Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit.

Frage: Schaut es beim Nachwuchs für den öffentlichen Dienst anders, womöglich besser aus?

Antwort: Nein! Jetzt wurde bekannt: Von insgesamt 10.874 Bewerbern der Jahre 2024 und 2025 für den Polizeidienst in Berlin fiel mehr als ein Drittel durch. Konkret waren es 4.271 beim Deutschtest – entsprechend 39,3 Prozent. Selbst die 6.013 Bewerber mit Abitur, Fachhochschulreife oder gar abgeschlossenem Studium (42,3 Prozent von allen Bewerbern) schnitten kaum besser ab. Hier scheiterten 1.812 Aspiranten – entsprechend fast einem Drittel (30,1 Prozent). 2025 konnten von den 1.224 Ausbildungsplätzen fast ein Drittel (konkret 288) mangels Vorqualifikation nicht besetzt werden. AfD-Bildungsexperte Tommy Tabor, der die Zahlen erfragt hatte, sagt dazu: „Wenn selbst Abiturienten Mindeststandards in Rechtschreibung und Grammatik nicht sicher beherrschen, ist das ein Armutszeugnis für das Berliner Bildungssystem.“

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (42, CDU) spricht von einem „erschreckenden Abwärtstrend“. Und sie tut so, als habe das mit Berlins Schulpolitik nichts zu tun. Günther-Wünsch sagt: „Diesen erschreckenden Abwärtstrend gibt es seit Jahren. Das bestärkt mich ganz klar in meiner Qualitätsstrategie, dass wir noch mehr Gewicht auf Deutsch und Mathematik legen müssen. Diese Basiskompetenzen muss jeder in der 10., 11., 12. Klasse beherrschen.“ Dass das CDU-regierte Berlin hier eine Trendwende zum Positiven eingeleitet hätte, ist allerdings nicht bekannt geworden.

Die Polizeipräsidentin der Hauptstadt, Barbara Slowik Meisel, behauptet, beim schlechten Abschneiden gebe es kaum Unterschiede zwischen Bewerbern mit oder ohne Migrationshintergrund. Das hatte sie Ende Januar 2026 im Innenausschuss gesagt. Boshafte Anmerkung: Das kann auch damit zu tun haben, dass sich viele Berliner Schulen dem Sprachniveau von „Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache“ (amtsdeutsch: ndH) mit oft weit über 50 Prozent Anteilen in einer Klasse angepasst haben. Schon seit 2019 übrigens bietet die Berliner Polizei darum Deutsch-Nachhilfekurse für ihre Auszubildenden an. Da es „grundsätzliche Schwierigkeiten im sprachlichen Bereich (…) bei Rechtschreibung, Zeichensetzung und beim schriftlichen Verfassen von Texten“ gebe.

Allerdings fragt man sich auch, ob sich die Bewerber nicht in Eigeninitiative auf die Einstellungstests vorbereiten. Zumal bekannt sein müsste, dass diese Tests zwar nicht überschwer, aber auch keine gemütliche Abhakübung sind. Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) pocht auf Eigeninitiative: „Es wird von Bewerbenden erwartet, dass sie sich eigenständig auf das Auswahlverfahren vorbereiten.“ Was wiederum eine Bankrotterklärung für Jahre SPD-geführter Bildungspolitik ist.

Beispiel Diktat: Der Polizeibewerber sitzt am PC, bekommt über Kopfhörer einen Text (rund 200 Wörter) langsam vorgelesen – mit Sprechpausen nach jeweils fünf bis acht Wörtern. Für den mittleren Dienst gilt: Mehr als 14 Fehler heißt durchgefallen. Für den gehobenen Dienst liegt die Grenze bei 11 Fehlern.

Üben kann man das vorab auf YouTube mit einem Diktat-Beispiel. Der erste Satz lautet: „Mario ist seit über zehn Jahren Polizist bei der Polizei Berlin und hat in dieser Zeit viele Einsätze erlebt.“

Häufigste Fehler hier sind: Fehler in der Groß- und Kleinschreibung, etwa bei Substantivierungen (zum Beispiel „beim Suchen“ vs. „zu suchen“); die Getrennt- und Zusammenschreibung: (zum Beispiel „sachdienliche Angaben“, „unbedingt erforderlich“); Doppelkonsonanten/Vokale: (zum Beispiel „Kommando“, „bewusst“). Weiter werden häufig Fehler gemacht bei der Bestimmung der Wortart (Nomen, Verb, Adjektiv, Adverb); beim Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ); bei der Umwandlung eines Satzes in eine andere Zeitform (Tempus); beim Finden von Synonymen und passenden Konjunktionen.

Gar nicht so boshafter Rückblick: Es gab einmal eine Bildungsnation, in der das Vermitteln solcher Sprachregeln Stoff der Grundschule war.


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Kommentare ( 28 )

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28 Comments
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Micci
19 Minuten her

Deutsch wird doch zum Meistern gegenwärtiger gesellschaftlicher Herausforderungen völlig überbewertet.
Für eine der wichtigsten Informationen im kommunikativen Austausch der Gegenwart, nämlich zum Überbringen der Information, dass es zum sexuellen Austausch mit der Erzeugerin des Gesprächsgegenübers gekommen ist, reicht doch minimale Sprachkenntnis bereits aus:
„Isch f….. deine Mudda Alder“

Mike76
26 Minuten her

Wenn’s zu schwer wird, einfach das Niveau senken. Wird doch eigentlich überall so gemacht. Was dann noch fehlt, kann man sich doch sicherlich kaufen. Gott sei Dank muss ich die maximal schädliche Auswirkung dieser gescheiteterten Bildungspolitik nicht mehr erleben, meine Tochter hingegen schon.

Last edited 23 Minuten her by Mike76
Lars Baecker
10 Minuten her
Antworten an  Mike76

Man stelle sich vor, in zwanzig Jahren eine Blinddarmentzündung zu haben und vom Arzt gefragt zu werden:“Bruda, wo tut weh? Da? Mach isch auf, hol isch raus. Brauchst Narkose? Ahmed kommt gleich, gutes Anaes…, äh Anaesti…, weißt du was isch mein?“
Da kann man sich auch gleich die Kugel geben.

AlNamrood
51 Minuten her

Als jemand der viel schriftlichen Kundenkontakt hat, kann ich nur festhalten, dass die Mehrzahl der Leute unabhängig der Herkunft massive Probleme haben ihre Gedanken schriftlich auszudrücken. Wir reden hier nicht von komplizierten Themen. Die Externalisierung des eigenen Denkens klappt einfach nicht.

Skeptiker
36 Minuten her
Antworten an  AlNamrood

Vielleicht klappt es auch einfach mit dem eigenen Denken nicht?

Klaus D
10 Minuten her
Antworten an  Skeptiker

Warum zeit für lernen verschwenden wenn ich das so gut wie gar nicht mehr brauche?

Klaus D
12 Minuten her
Antworten an  AlNamrood

Was man etwas wenig/immer weniger benutzt verkümmert das was ganz normal ist. Wer schreibt denn als zb anwalt, arzt, gutachter usw heute noch selber texte. Das fing mit texbausteinen an wo man schwubs einen text stehen hat sprich man muss ihn nicht selber schreiben oder tippen. In meiner jugend wurden bestellungen noch handschiftlich verfasst – heute tippt man was ein und schubs ist die bestellung fertig und bald wird diese nicht mal mehr ausgedruckt. Bekommst dann eine pdf datei auf dein handy als bestätigung. Wenn man da weiter denkt wird das selber schreiben aussterben oder nur noch ganz ganz ganz… Mehr

Last edited 11 Minuten her by Klaus D
bkkopp
59 Minuten her

Alexander Heiden lieferte gestern, 25. Februar, einen Beitrag in dem es um die Benennung von zwei Sonderkommissionen bei der Berliner Polizei, Ferrum /Telum ging. Auf der unteren Ebene fehlt es an Deutschkenntnissen, bei den höheren Beamten, auf der Belle-Etage, geht es mit bildungsbürgerlicher Hochnäsigkeit um lateinische Namen für Arbeitsgruppen von Leuten die vielleicht gerade noch Deutsch können.

Wilhelm Roepke
1 Stunde her

Ganz klar: der Test ist veraltet. Die sollen lieber Kenntnisse in Türkisch und Arabisch abfragen. Das hilft bei der „Kundschaft“ und verbessert die Testergebnisse…

Klaus D
1 Stunde her

fast die Hälfte hat Abitur….wundert mich nicht. Es wurde ja massiv an der bildung eingespart bzw viel zu wenig investiert. Dazu kommt das der test bei der polizei sehr schwer/anspruchsvoll ist und es schon immer eine hohe durchfallquote gab*. Ich wette das hier fast alle von Tichy und oder den kommentatoren durchfallen würden bei dem test. Ich eh 😉 *Ja, der Rechtschreibtest (meist ein Diktat oder Lückendiktat) beim Polizei-Einstellungstest gilt als anspruchsvoll und ist eine der Hauptursachen für das Scheitern vieler Bewerberinnen und Bewerber. Die Durchfallquote ist hoch, da präzises Deutsch im Polizeialltag (Berichte, Protokolle) unerlässlich ist. Hier sind die… Mehr

Schwabenwilli
1 Stunde her

Der Elefant im Raum wurde hier nicht angesprochen.
Schade.

Juergen P. Schneider
1 Stunde her

Unser vergesslicher Fritz aus dem Sauerland glaubt ausweislich einer jüngst von ihm gehaltenen Rede, dass die Nazi-Diktatur 13 Jahre gedauert habe und der Ukrainekrieg, der jetzt ins fünfte Jahr geht, bereits länger dauere als der Zweite Weltkrieg Man merkt, dass nicht nur unsere Berliner Polizeianwärter Bildungsdefizite aufweisen, auch unsere „Eliten“ beweisen Mut zur Lücke.

Flaneur
1 Stunde her

Es ist ja nicht nur das berliner Bildungssystem. In Berlin bewerben sich ja Leute aus ganz Deutschland (und bald auch der ganzen Welt). Da waren schon Mitte der 2000er „Deutschtürken“ mit 2er Abi aus Bremen in Berlin in Ausbildung, die nicht richtig lesen und schreiben konnten. Egal, eingestellt. Wie, da äußert einer islamistische Ansichten, hält seine Frau zu Hause eingesperrt und nimmt an offiziellen Veranstaltungen nicht teil, weil „haram“? Macht doch nix! Das wächst sich bestimmt raus. Zwinkersmiley! Will sagen, die Berliner Polizei hat schon seit gut 20 Jahren die Anforderungen schon so weit abgesenkt, dass es fast nicht tiefer… Mehr

santacroce
1 Stunde her

Deutsch ist in Berlin eine auslaufende Sprache.
Die Tests sollte man der Zukunft anpassen, indem sie in türkisch und arabisch durchgeführt werden.
Die neue Wohnbevölkerung braucht kein deutsch, sie braucht nur deutsches Geld…

AlNamrood
54 Minuten her
Antworten an  santacroce

Das Problem dürfte sein, dass die Türken die in dritter Generation hier leben weder Deutsch noch Türkisch richtig können. Die neu dazu gekommenen Araber ebenso.