Ostdeutsches Wirtschaftsforum: Hurra auf die Subventionen

Das alljährliche Ostdeutsche Wirtschaftsforum liefert verlässlich dieselben Botschaften: Investitionen sollen vom Staat kommen, Bürokratieabbau-Prosa soll dabei helfen, Kritik am politischen Crashkurs im Umgang mit der Wirtschaft im Keim zu ersticken.

picture alliance/dpa | Carsten Koall

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF) gilt als Stimmungstest für die Wirtschaft in den ostdeutschen Bundesländern. Die Veranstaltung, die in diesem Jahr vom 31. Mai bis zum 2. Juni im brandenburgischen Bad Saarow stattfindet, steht unter dem Leitmotiv „eine neue (UN) Ordnung“. Alles steht zudem unter dem Eindruck der anhaltenden schweren Wirtschaftskrise im Land. Wie zu erwarten, gibt es auch unter den Wirtschaftsvertretern, Gewerkschaftern und Funktionären im Osten nur wenig Grund zum Optimismus.

Sorgen um eine Zerreißprobe zwischen politischen Zielsetzungen und wirtschaftlicher Realität machen die Runde. Das dürfte angesichts der wirtschaftlichen Lage in Deutschland, die vor allem die schwächeren Wirtschaftsstandorte wie große Teile des Ostens hart getroffen hat, dürfte die Untertreibung des Jahres sein.

Das Forum hat sich als Diskussionsplattform etabliert, die sich die Aufgabe stellt, die wirtschaftspolitische Debatte aus der Perspektive der neuen Bundesländer zu betrachten. Angestoßen hatte die Idee einst die Bundesregierung, die das OWF als eine Art politisches Funktionärstreffen etablierte.

Fester Bestandteil der Tagung ist auch die Veröffentlichung des OWF-Transformationsbarometers, das einen Einblick in den Maschinenraum der Wirtschaft im Osten gewährt. Die Datenbasis dazu lieferte das Meinungsforschungsinstitut Civey, das zwischen Februar und April 1.500 ostdeutsche Unternehmer zu ihrer Einschätzung der Lage befragt hatte.

Die Auswertung der Daten lieferte erwartbare, ernüchternde Ergebnisse: Rund die Hälfte der Unternehmen bewertet die aktuelle Wirtschaftslage negativ, während etwa ein Viertel positiv auf die Lage blickt. 53 Prozent der befragten Unternehmer sehen keine positiven Effekte der aktuellen Wirtschaftspolitik auf ihr Unternehmen. Das ist erstaunlich, pumpt doch die Politik Jahr für Jahr immer höhere Milliardenbeträge in die Wirtschaft – zuletzt deutschlandweit etwa 321 Milliarden Euro oder rund 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das Problem im Osten ist klar: Noch immer liegen die privaten Investitionen pro Einwohner etwa 25 Prozent unter dem Westniveau. Rechnet man Wohnungsbau und öffentliche Infrastrukturmaßnahmen heraus, liegt die Lücke sogar bei 34 Prozent.

Das OWF führt immerhin drei Sektoren auf, die optimistisch in die Zukunft blicken. Allerdings sind dies zugleich drei Fälle der typischen deutschen „Erkrankung“: der Subventionitis. Da wären zum einen die Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Sie profitieren vor allem vom Klimatransformationsfonds und von den unzähligen Subventionsprogrammen im Rahmen der grünen Transformation.

Ostdeutsche Standorte profitieren auch von der Verdopplung des deutschen Wehretats. Ob maritime Standorte in Mecklenburg-Vorpommern, Sensorik und Präzisionsoptik in Thüringen oder Elektronikcluster in Sachsen – die jeweiligen Standorte erleben einen schmalen, schuldenfinanzierten Rüstungsboom.

Als dritte Branche wird die Halbleiterindustrie angeführt. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht der Standort Sachsen, der allein für die Ansiedlung einer Halbleiterfabrik des taiwanischen Konzerns TSMC Fördermittel in Höhe von rund fünf Milliarden Euro vom Bund erhielt, um ein Gesamtinvestitionsvolumen von etwa 10 Milliarden Euro überhaupt zu ermöglichen.

Der Fall erinnert an die geplante Chipfabrik des US-Konzerns Intel. Dieser hatte trotz zugesagter Fördermittel von rund 10 Milliarden Euro einen Rückzieher vom Standort Magdeburg gemacht. Deutschland gilt selbst für Subventionsprojekte zunehmend als zu teuer, überbürokratisiert und mit Blick auf seine Infrastruktur unterentwickelt.

Gerade im Osten hat sich der Geist des Etatismus, nicht zuletzt aufgrund von Dauerinterventionen und Subventionitis, tief eingebrannt. Nach 1990 setzte die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl vor allem auf staatliche Steuerung, auf die unmittelbare Einführung der D-Mark und einen regelrechten Ausverkauf bestehender Wirtschaftsstrukturen im Rahmen der Treuhandanstalt. Vertrauen in den freien Markt, in die selbstheilenden Kräfte sowie die Initiative von Individuen, Unternehmen und Investoren? Vollkommene Fehlanzeige!

Diese vermeintliche Schocktherapie wurde stabilisiert durch das deutsche Sozialsystem, nahm aber damit marktgesteuerter Anpassung jeden Spielraum. Eine Gründerkultur, unternehmerische Lernprozesse und eigenständige Kapitalbildung wurden zu großen Teilen ebenso gehemmt. Transformationsprozesse fanden zwar statt, wurden aber immer wieder – wie zuletzt durch die grüne Transformation sowie den Angriff auf die bestehende Energieinfrastruktur – schwer belastet.

Nach der Wende hätte man vor allen Dingen Eigentumsrechte konsequent und rechtssicher unmittelbar klären müssen. Grundsätzlich hätte das Motto gelten sollen: Privatisierung vor Staatseingriff, um genau das zu verhindern, was geschah, nämlich sich aufschaukelnde Fehlsteuerungen und Paralysierung des Investitionsgeschehens. Diese Fehlentwicklungen haben dazu beigetragen, dass sich die Wohlstandslücke zwischen Ost und West niemals schließen konnte. Große Teile Ostdeutschlands schleppen sich noch immer mit strukturellem Rückstand hinter den dynamischen Regionen Europas her. Das Lamento der Politik, nun Investitionen am Standort zu fördern, muss gerade deshalb als das aufgefasst werden, was es ist: konsequenzlose politische Phrasendrescherei.

Ein Blick nach Polen verdeutlicht den Kontrast besonders scharf: Dort setzte nach der Abkehr vom lähmenden Kommunismus eine konsequente marktwirtschaftliche Öffnung ein. Aller Brüche und sozialen Härten zum Trotz schreibt Polen seither eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Im Kontrast zum östlichen Nachbarn wirken selbst die robustesten wirtschaftlichen Regionen der Bundesrepublik fußkrank und uninspiriert. Dass sich, wie die Umfrage im Vorfeld des Wirtschaftsforums gezeigt hat, vor allen Dingen die beiden Sektoren der Rüstungsindustrie und der Umweltwirtschaft positiver in die Zukunft blicken, ist vielsagend: Ohne Subventionen geht in Deutschland inzwischen gar nichts mehr.

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Kommentare ( 27 )

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27 Comments
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Britsch
12 Tage her

Wenn ich soi etwas lese fällt mir zuerst ein wie Jen Optik damals Lothar Späth holte und sich entwickelt hat. Die Treuhand, war da nicht mal was, wo ein Leiter oder Leiterin kurz nach Übernahme des Amtes umgebracht wurde, wohl weil alles in eigentlich sinnvolle Bahnen geleitet werden sollte? Wie Wessis den Osten ausgenommen haben und dagegen nichts unternommen wurde. Kannte damals eine Unternehmenmsberatung die Zu Subventionen im Osten beraten haben. Wie unsinnig da subventioniert wurde, z.B. wenn du in der und der Zeit so und so viel Arbeitsplätze schaffst bekommst du so und so viel Geld. Wenn z.B. nur… Mehr

Last edited 12 Tage her by Britsch
Lizzard04
12 Tage her

„…eine Zerreißprobe zwischen politischen Zielsetzungen und wirtschaftlicher Realität machen die Runde.“ Finde den Fehler! Die dafür verantwortliche Kaste (Blockparteien) soll endlich die Verantwortung für ihren ideologisch begründeten Totalausfall übernehmen und umgehend abdanken, anstatt sich immer länger unter Aufgabe sämtlicher demokratischer Spielregeln an die Macht zu ketten, unfähig für jegliche Fehlerkorrektur!

humerd
12 Tage her

Merz mal wieder
Friedrich Merz appelliert an Reformbereitschaft der BevölkerungDer Bundeskanzler erhofft sich »konstruktive Mitarbeit« bei der Umsetzung der Sozialstaatsreformen“ https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-06/friedrich-merz-ostdeutsches-wirtschaftsforum-bad-saarow-reformen-gxe

Britsch
12 Tage her
Antworten an  humerd

Umgekert kann ein Schuh daraus werden. Wann zeigt sich die Politik endlich reformbereit hin zur die Bürger betreffenden Realität

Karl Renschu
12 Tage her

Die polnische Wirtschaft lebt von der gnadenlosen Ausbeutung besetzten Landes und EU-Subventionen. Rechnet man beides heraus, sieht es dort aus wie in Mitteldeutschland ohne Westgeld…

Rechts_ist_angesagt
12 Tage her

Subventionen bedeuten, dass sich selbst tragende Unternehmen, die sich nicht selbst tragenden Unternehmen finanziell unterstützen. So erschafft man eine Untoten Wirtschaft, die noch dazu, da der Staat aufgebläht wird und die kranken Unternehmen trotzdem im Markt gesunde Unternehmen verdrängen, die Wirtschaftsleistung immer weiter schwächt.

humerd
12 Tage her
Antworten an  Rechts_ist_angesagt

Steuerzahler zahlen Konzern Rekordgewinne
Energiewende: „Übergewinne“ bei RWE nur durch Subventionen https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/energiewende-rwe-uebergewinne-nur-durch-subventionen/
Allianz der Kassierer
Neue Öko-Allianz fordert weitere Subventionen für Wasserstoff-Hochlauf https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/oeko-allianz-fordert-subventionen-wasserstoff/

Albert Pflueger
12 Tage her

Direkt nach der Wende ging es los. Es ging im Osten immer nur um „Förderung“. Die Idee, auch ohne staatliche Hilfen etwas auf die Beine zu stellen, war nicht weit verbreitet, aber es gab etliche, die es versucht haben, und so mancher wurde gnadenlos über den Tisch gezogen. Ist lange her. Inzwischen ist die Staatsgläubigkeit eher im Westen als im Osten zuhause.

Hieronymus Bosch
12 Tage her

Wenn sich die deutschen Wirtschaftsbosse eilfertig in das grüne Bett der Regierungspolitik legen, was soll man dann noch erwarten? Die Melange zwichen Politik, Wirtschaft. Gewerkschaften und NGOs funktioniert doch reibungslos, die Medien untermauern noch diesen Konsens! Erst Umwelt und Nachhaltigkeit, jetzt Aufrüstung – was kommt morgen? Diese Gesellschaft ist einfach krank – von Kopf bis Fuss!

Zhenmei Zutun
13 Tage her

Es gibt keine erneuerbaren Energie, bitte lasst dieses Wort sein.

Reinhard Schroeter
12 Tage her
Antworten an  Zhenmei Zutun

Es gibt auch kein Verfassungsorgan
“Vizekanzler” auch dann nicht, wenn die westdeutschen Propagandaschkeudern nicht müde werden uns diese Lüge als Wahrheit zu verkaufen.

Biskaborn
13 Tage her

Wieder eines dieser sinnbefreiten Treffen. Warum sinnbefreit, weil man auch dort kein Wort zu den tatsächlichen Ursachen des wirtschaftlichen Niederganges Deutschlands, Energiewende, Klimahysterie, Bürokratie, subventionierte Planwirtschaft usw., usw. hören wird. Man bleibt standhaft ideologisch gefangen und das fängt bei den Vertretern der Wirtschaft an!

Rechts_ist_angesagt
12 Tage her
Antworten an  Biskaborn

Der Vierjahresplan ist in der Sowjetunion (und DDR und Kuba und China) einfach nicht richtig umgesetzt worden. Diesmal gelingt es ganz sicher!

bernstedter
12 Tage her
Antworten an  Biskaborn

Sie selbst vergessen aber auch Remigration als Punkt 1 zu nennen! Millionen Migranten die Milliarden an Steuern und Sozialabgaben kosten!

GP
13 Tage her

Nicht nur der Osten, das „Deutsche Wesen“ ist mehrheitlich davon überzeugt dass man Wirtschaftswachstum, Wohlstand und „soziale Gerechtigkeit“ am besten staatlich organisiert verwirklichen kann. Allen gescheiterten vorherigen Versuchen zum Trotz, darin ist der Deutsche Michel unbelehrbar….