Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten erklärte am Freitag die seit April 2025 von der US-Regierung erhobenen Zölle für nicht rechtmäßig. Ein Rückschlag für die Regierung von Präsident Donald Trump, der umgehend einen Plan B ankündigte.
picture alliance / Sipa USA
Ein herber Rückschlag für die handelspolitische Strategie der Regierung von US-Präsident Donald Trump: Am Freitagnachmittag erklärten sechs der neun Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Zollpolitik des Präsidenten für unrechtmäßig.
In der Begründung hieß es, die Zuständigkeit für eine derartige Zollerhebung liege ausschließlich beim Kongress und entziehe sich der Exekutivgewalt des Präsidenten. Trump hatte sich auf den sogenannten International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) aus dem Jahre 1977 berufen, um das wiederholt abweichende Abstimmungsverhalten republikanischer Abgeordneter im Kongress zu umgehen und quasi unter Umgehung des Parlaments eine eigene Zollstrategie zu entwickeln.
Zur Begründung der Zurückweisung des Zollregimes führten die Richter aus, dass dieses Gesetz keine tragfähige Grundlage darstelle, da weder der Begriff „Steuer“ noch „Zoll“ im Gesetzestext zu finden seien.
Bei der Einführung der Zölle hatte die US-Regierung argumentiert, diese seien integraler Bestandteil einer umfassenden Strategie und dienten der Stabilisierung der wirtschaftlichen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Diese Begründung wurde von den Verfassungsrichtern nun zurückgewiesen.
Die global erhobenen Zölle der Vereinigten Staaten brachten dem Fiskus durchschnittlich mehr als 30 Milliarden US-Dollar pro Monat ein. Sie sollten neben dem Abbau des wachsenden Handelsdefizits insbesondere politischen Spielraum im Kampf gegen das hohe Staatsdefizit verschaffen. Dieses liegt derzeit bei rund 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; für das laufende Jahr wird ein Netto-Haushaltsdefizit von etwa 5 bis 5,5 Prozent erwartet.
Ein Alternativplan wird nun auch deshalb dringend erforderlich sein, da andernfalls die Gefahr besteht, dass Zolleinnahmen in sämtlichen Einzelfällen rückerstattet werden müssen – ein Prozess, der erhebliche fiskalische und administrative Belastungen nach sich ziehen könnte. Brett Kavanaugh, Vorsitzender Richter am Obersten Gerichtshof, bezeichnete einen möglichen umfassenden Rückabwicklungsprozess in seiner Bewertung als äußerst problematisch.
An den Märkten wurde die Entscheidung zunächst gemischt aufgenommen. Die Aktienmärkte reagierten vergleichsweise wenig volatil, der US-Dollar gab leicht nach, während die Renditen amerikanischer Staatsanleihen infolge entsprechender Verkäufe anzogen.
Die US-Regierung steht nun unter erheblichem Zugzwang, einen alternativen Plan zu entwickeln, um ihre auch geopolitisch bedeutsame Zollstrategie künftig fortführen zu können. Präsident Trump kündigte unmittelbar nach der Urteilsverkündung einen „Plan B“ an, ohne diesen jedoch näher zu spezifizieren.
Wie aber könnte ein solcher „Plan B“ der US-Regierung konkret aussehen?
Fest steht: Ohne eine tragfähige Alternative droht der Regierung nicht nur ein erheblicher finanzpolitischer Rückschlag, sondern auch eine strategische Schwächung ihrer handelspolitischen Position auf globaler Ebene.
Vieles spricht dafür, dass sich die Administration von Präsident Donald Trump für eine Zwei-Phasen-Strategie entscheiden dürfte.
Zunächst böte sich der unmittelbare Einsatz der sogenannten Section 122 des Trade Act of 1974 an. Diese Bestimmung erlaubt es der Regierung, für einen Zeitraum von bis zu 150 Tagen einen temporären Globalzoll von 15 Prozent auf sämtliche Importe zu erheben. Voraussetzung ist lediglich die Begründung bestehender Zahlungsbilanzprobleme. Das anhaltend hohe US-Handelsdefizit dürfte hierfür ein schlagkräftiges Argument liefern. Auf diese Weise gewänne die Regierung rund fünf Monate Zeit und könnte mögliche Kompensationszahlungen zunächst in die Zukunft verschieben.
Im Anschluss eröffnen sich zwei weitere Handlungsstränge. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte am Freitag die Prüfung der Section 338 an. Diese sieht die Möglichkeit vor, Zölle von bis zu 50 Prozent gegenüber Staaten zu verhängen, die ihrerseits ein diskriminierendes Zollregime gegenüber den Vereinigten Staaten praktizieren. Auf dieser Gesetzesbasis fußte bereits das Zollregime der Vorgängerregierung unter Präsident Joe Biden gegenüber China, das seinerseits eine aggressive Handelspolitik betreibt.
Ziel wäre es, das Zollniveau im Bereich von 15 bis 20 Prozent zu stabilisieren und während des drohenden juristischen Verfahrens zunächst aufrechtzuerhalten.
Parallel dazu dürften Gespräche mit republikanischen Kongressabgeordneten aufgenommen werden, um neue Delegationsgesetze – etwa einen „Reciprocal Tariff Act“, der bilaterale Zölle erleichtert – auf den Weg zu bringen und insgesamt eine Mehrheit für ein belastbares, robustes Zollmandat zu organisieren.
Über allem schwebt nun die Gefahr, dass sich die US-Regierung in einzelnen Zollgefechten verheddern könnte, indem sie versucht, einzelne Warengruppen wie beispielsweise Halbleiterimporte aus Asien unter dem Aspekt der nationalen Sicherheit mit Zöllen zu belegen.
Das Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten bedeutet somit keineswegs das Ende der harten handelspolitischen Linie der US-Regierung. Die vergleichsweise moderate Reaktion an den weltweiten Märkten legt vielmehr nahe, dass die Entscheidung der Richter zwar Sand ins Getriebe gestreut hat – der Motor jedoch weiterhin laufen dürfte.

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Wenn ich das Gerichtsurteil richtig verstanden habe, müssen die Trump-Zölle unverzüglich aufgehoben werden.
Falls die Alternative mit den 150 Tagen anwendbar ist, sollte die Zeit seit Trumps eigenmächtigen Zöllen nicht zuletzt wegen zu dämpfender Rückzahlungen darauf angerechnet werden. Da werden nicht viele Tage übrig bleiben oder gar keine.
Eine Schote auch die Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit, der wohlfeile Joker für alles. Was nutzt es der nationalen Sicherheit, wenn besagte Halbleiter dadurch lediglich teurer werden aber dasselbe, angebliche Sicherheitsrisiko besteht?
Nein.
Hier alle Executive Orders: https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/executive-orders/
Und hier die beiden Neuesten von gestern – hinsichtlich der Zölle. Man legt jetzt andere Gesetze und Vorschriften zugrunde:
https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/02/ending-certain-tariff-actions/
https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/02/continuing-the-suspension-of-duty-free-de-minimis-treatment-for-all-countries/
.
Die Trump-Administration scheint auch auf solches Urteil des SCOTUS gut vorbereitet gewesen zu sein.
Das ist aber schon wieder und nur die US-Regierungsseite. Auf Epoch Times kommt es um einiges ausführlicher. Demnach kann Trump, vorausgesetzt er kann den ökonomischen Notfall überzeugend begründen – ich nehme an, die Latte hängt dafür recht hoch – für nur 150 Tage die Steuern in gedeckeltem Umfang festlegen. Aber deren Höhe ist meist geringer als die der eigenmächtigen Trump-Zölle. Dabei sind Trumps Absichten langfristiger Natur, womit auch kein akuter Notfall der Grund ist. Es ändert auch nichts daran, dass seine verhängten Zölle gerichtlich einkassiert wurden, auch wenn er nun zu Alternativen greifen möchte, die noch nicht ausgemacht sind. Darüberhinaus… Mehr
Veröffentlicht auf white house:
KEEP CALM
and
TARIFF ON
https://x.com/WhiteHouse/status/2024989115800764736
> im vorauseilendem Gehorsam
Wie man hier in den Threads sehen kann, gerade bei den liberal-konservativen Michels ist Unterwürfigkeit gegenüber Seiner Trumpigkeit verbreitet. Würde hiesiges Publikum mit Trump reden, würden die gleich 1500% Zöllen zustimmen, im Staub kriechend.
Auch für eine selbstverliebten „Gockel“, der seine schiere Existenz als ein Geschenk an die Menschheit ansieht, gilt: die Bäume wachsen nicht in den Himmel!
Darf ich fragen, ob Sie einer Tätigkeit nachgehen, die direkt vom Handeln des amerikanischen Präsidenten tangiert ist?
Man fragt sich auch, ob eigentlich die europäische Steuererhebung legal ist…
Gibt es denn keine europäische Institution, die hier den entsprechenden Ministerien auf die Finger klopft?
Hier noch die Betrachtung von Laura Loomer: The group backed by Leonard Leo that brought this lawsuit argued that President Trump had no constitutional authority to impose tariffs via emergency powers. They want that power handed back to Congress, where it’ll sit in committee for months while China eats our lunch. These people are anti-America. https://x.com/WallStreetMav/status/2024917209563213843 Chief Justice John Roberts wrote the majority opinion, ruling that President Trump’s use of the International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) to impose tariffs is unconstitutional. The court said IEEPA „does not authorize the President to impose tariffs.“ Six justices voted against the President. Only… Mehr
Hier der Anfang des Loomer-tweets: The Supreme Court just struck down President Trump’s tariffs in a 6-3 ruling, and Leonard Leo’s fingerprints are ALL over this. Let me walk you through exactly what just happened, because the media will never share this with you. Weiter dann wie oben kopiert: Chief Justice John Roberts wrote the majority opinion, ruling that President Trump’s use of the International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) to impose tariffs is unconstitutional. The court said IEEPA „does not authorize the President to impose tariffs.“ Six justices voted against the President. Only three (Thomas, Alito, and Kavanaugh) stood… Mehr
„Mit sofortiger Wirkung bleiben alle Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit, gemäß Abschnitt 232 und die bestehenden Zölle gemäß Abschnitt 301 in Kraft. Heute werde ich eine Anordnung unterzeichnen, mit der ein globaler Zoll von 10 % gemäß Abschnitt 122 zusätzlich zu unseren bereits erhobenen regulären Zöllen eingeführt wird…“ – Präsident Donald J. Trump . President Trump just reinstated all of the tariffs and increased them by 10% with a new executive order. The US Supreme Court did NOT ban tariffs. It merely said President Trump has to use a different law for tariffs. . LOL! SCOTUS’s ruling basically said… Mehr
BREAKING: Trump announces that the Supreme Court’s decision on tariffs has actually made the President’s ability to impose tariffs „MORE POWERFUL“ rather than less. „I don’t think the court meant that… The ability to block, embargo, restrict, license, or impose any other condition on a foreign country’s ability to conduct trade with the United States under IEEPA has been fully confirmed by this decision.“ https://x.com/libsoftiktok/status/2024928978876989518 Eilmeldung: Trump verkündet, dass die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zu den Zöllen die Befugnis des Präsidenten zur Verhängung von Zöllen tatsächlich „Mächtiger“ gemacht hat, anstatt sie einzuschränken. „Ich glaube nicht, dass das Gericht das so gemeint… Mehr
In Amerika gibt es eben auch Leute, die nach dem Prinzip 0815 handeln. Man erkennt das daran, daß das Urteil nicht einstimmig war.
Man kennt das aus Deutschland in schöner Regelmäßigkeit. Sie wissen, daß sie Mist bauen, aber sie sind einfach zu unflexibel im Kopf, um es mal höflich auszudrücken…
Aber wie schon gesagt, sind die Zölle bestimmt „unangenehm“ für die Europäer, aber anstatt aufzuwachen und den europäischen Binnenhandel zu stärken, machen sie weiter und finden (Kindersprache) alle anderen nur doof…
Trump lässt sich hoffentlich etwas anderes einfallen. Denn eines ist sicher: insbesondere die Deutschen Wirtschafts- und Politversager werden jetzt erstmal wieder die Beine auf den Tisch legen und sich gemütlich zurück lehnen.
Und es wird nach diesen Nachrichten schon wieder etwas klar, nämlich daß sich die EU (Deutschland) nur noch durch solche Zufälle leidlich über Wasser halten kann! Für eigenständiges, Handeln innerhalb Europas haben sie weder Mut, noch Kraft. Und außerdem kleckert ja sowieso alles so vor sich hin. Es besteht also kein Grund zur Eile…
Es gibt so viele gute Marken in Europa, Sinalco Cola schmeckt viel besser. Und Urlaub machen in den USA, nee. Fastfood, ne schöne Thüringer Rostbratwurst ist mehr Heimat drin. Autos können sie schon lange nicht mehr bauen und baut Apple seine Handys in den USA? Die Welt wird sich nicht erpressen lassen und er ist 79, lange macht der so wie so nicht mehr. Die Dinosaurier sind auch ausgestorben.
Hier das erste schriftliche Statement Trumps: https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116104410806971686