Milano–Cortina zeigt, was Olympische Spiele im Jahr 2026 sind: kein unpolitisches Fest mehr, sondern ein Brennglas. Für westliche Machtprojektion. Für linksextremen Protest. Für ein Italien, das im Zentrum steht – bewundert, beobachtet, angegriffen. Die Flamme brennt. Aber sie brennt im Sturm.
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Die ganze Welt feierte eine gelungene Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Cortina und Mailand. Apertura und Alta Moda, das können die Italiener. Welch feines Spektakel allgemein.
„Il Resto del Carlino“, eine der ältesten Tageszeitungen, mit Sitz in Bologna, setzte den Ton bereits vor wenigen Tagen etwas anders – und der ist alles andere als sportlich-idyllisch. Während Kameras auf Pisten, Kurven und Medaillen gerichtet sind, befindet sich Italien längst in einem Ausnahmezustand, der weit über die Logik eines Wintersportfestes hinausgeht. Die Olympischen Spiele von Milano–Cortina sind ein globales Schaufenster – und zugleich eine Frontlinie. Für Machtpolitik, für gesellschaftliche Konflikte, für den Zustand des Westens.
Während sich die Sportwelt an Zeiten, Schwüngen und Podien erfreut, hat sich der große Sportpalast zur Bühne geopolitischer und innerer Auseinandersetzungen entwickelt. In Italien wird gerade nicht nur ein Sportereignis organisiert, sondern ein politisches Spektakel: mit massiver Präsenz von Sicherheitskräften, wohl auch mit Streitkräften im Innern, mit technologischer Überwachung, mit Projektionen von Stärke – und mit ausländischen Agenten.
Wie das katholisch-konservative Blatt Avvenire und der Corriere della Sera berichten, steht das Land unter Hochspannung. Mailand und Cortina sind Gastgeber, aber auch Hochsicherheitszonen. Die Olympischen Spiele sind kein Ausnahmezustand im positiven Sinne mehr, sondern ein kontrollierter Ernstfall.
Diplomatische Spiele: Meloni, Vance und die Choreographie der Macht
Noch bevor der erste Athlet startet, richtet sich der Blick auf die politischen Tribünen. Italien empfängt 51 Staats- und Regierungschefs. Giorgia Meloni nutzt diesen Moment konsequent. „Werte, die Europa und die Vereinigten Staaten zusammenhalten“, sagt sie – und meint damit den Westen als politisches Projekt. Der Auftritt von JD Vance, Vizepräsident der Vereinigten Staaten, ist präzise inszeniert: die US-Flagge an der Präfektur von Mailand, ein Konvoi aus über zwanzig Fahrzeugen, fast drei Stunden Gespräche, ein Arbeitsessen mit Risotto, das länger dauerte als geplant. Mit am Tisch natürlich: Außenminister Antonio Tajani und US-Außenminister Marco Rubio.
Die Themenliste zeigt, worum es wirklich geht: Iran, Venezuela, Energieversorgung, strategische Mineralien, sichere Lieferketten. Sport ist hier Kulisse. Vance’ Büro spricht später von der „großen Solidität der bilateralen Beziehungen“. Meloni von einem transatlantischen Wertefundament, das Europa und Amerika zusammenhalte.
Auffällig bleibt die Abwesenheit von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Seine Distanz zur aktuellen US-Linie, zuletzt in der Gaza-Frage und bei geopolitischen Symbolakten, wirkt wie ein stiller Kontrapunkt.
Parallel dazu spricht Giorgia Meloni mit Polens Präsident Karol Nawrocki, über die Ukraine, Verteidigungskooperation und Abschreckung. Mit dem Emir von Katar, Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani, geht es um Gaza, Libyen und die Frage, wie Stabilisierung nach dem Krieg aussehen kann. Präsident Sergio Mattarella und Papst Leo XIV. erinnern an die olympische Waffenruhe – Worte, die groß klingen, während draußen vor den Türen Mailands und anderswo die Lage längst kippt.
Sicherheitsstaat: 6.000 Beamte, rote Zonen und totale Kontrolle
Mailand, Cortina d’Ampezzo und die umliegenden Alpenregionen stehen unter einer Sicherheitsarchitektur, die kaum noch Raum für olympische Romantik lässt. Mehr als 6.000 Einsatzkräfte, von Polizei, Carabinieri und Guardia di Finanza sind zwischen dem 6. und 22. Februar im Einsatz. Dazu kommen Nachrichtendienste, Cyber-Einheiten und militärische Unterstützung.
Die Städte sind in „Zone rosse“, den roten Zonen, eingeteilt: rote, gekennzeichnete Bereiche mit strengen Zutrittsregeln, Ausweiskontrollen und Aufenthaltsbeschränkungen. Über Teilen Mailands gilt ein Flugverbot für Drohnen und Privatmaschinen. Protestaktionen gelten als fest eingeplant, soziale Netzwerke werden nach Mobilisierungsaufrufen und Gewaltfantasien durchforstet.
Die Botschaft der Behörden ist eindeutig: Sicherheit ist kein Luxus, sondern Staatsraison. Nicht nur Athleten und VIPs sollen geschützt werden, sondern das internationale Bild Italiens. Das Land will zeigen, dass es ein Großereignis abwickeln kann – auch unter maximalem politischen und gesellschaftlichen Druck.
Doch dieser Druck entlädt sich. Sabotageakte an Bahnstrecken in Bologna und Pesaro legen den Verkehr lahm. Kabel werden durchtrennt, Züge gestrichen, tausende Reisende stranden. Ermittler prüfen anarchistische Spuren, Parallelen zu den Sabotagen rund um Paris 2024 sind offensichtlich. Bekenntnisse fehlen – der Effekt ist dennoch maximal. Italiens Sicherheitsbeamte sind zwar gut gebrieft, arbeiten aber am Limit.
Protest, ICE und die Straße als Gegenbühne
Was als europäisches Sportfest begann, wird schnell zum politischen Brennpunkt. Im Zentrum der Proteste steht die Präsenz von Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE. Die USA wollen, so berichten italienische Medien, ICE-Agenten zur Absicherung ihrer Delegation einsetzen – offiziell zur Unterstützung des diplomatischen Sicherheitsdienstes, nicht als klassische Polizeitruppe.
Doch ICE ist ein Reizwort. In den Vereinigten Staaten steht die Behörde wegen harter Einsätze, Abschiebungen und tödlicher Zwischenfälle massiv in der Kritik. Diese Vorgeschichte wirkt in Italien wie ein Brandbeschleuniger. Linke Parteien, NGOs und autonome Sozialzentren mobilisieren. Der grüne Bürgermeister von Mailand, Beppe Sala, nennt ICE eine „Miliz, die tötet“ – und erklärt sie in seiner Stadt für unerwünscht. Sowas wirkt nicht gerade freundlich oder gar zur Beruhigung der Lage.
Die Straße reagiert. Rund 3.000 Demonstranten ziehen durch Mailand, begleitet von internationalen Medien. Am Corvetto eskaliert die Lage: Rauchbomben, Böller, Angriffe auf Polizeiketten, der Versuch, auf die Autobahn vorzudringen. Die Polizei antwortet mit Tränengas und Wasserwerfern. Mehrere Festnahmen. Bilder, die um die Welt gehen.
Außenminister Tajani spricht von der extremen Linken, die Sicherheitskräfte attackiere. Verteidigungsminister Crosetto klagt über Beamte, die doppelt angegriffen würden – von Gewalttätern und von jenen, die den Staat delegitimieren. Giorgia Meloni und Matteo Salvini formulieren unisono scharf: „Nemici dell’Italia“. Feinde Italiens seien jene, die mit Sabotage und Gewalt das internationale Ansehen des Landes beschädigten.
Und während all das geschieht, ringt der Sport um Aufmerksamkeit. Sofia Goggia gewinnt Bronze – ein weiterer Beweis ihrer Ausnahmeklasse. Doch das Bild, das bleibt, ist der schwere Sturz von Lindsey Vonn: der Schrei, die Stille, der Hubschrauber, die unterbrochene Abfahrt. Triumph und Tragödie liegen bei diesen Spielen erschreckend nah beieinander. Italien wird seinen Sicherheitsstaat ausbauen müssen – alles längst geplant.
Milano–Cortina zeigt, was Olympische Spiele im Jahr 2026 sind: kein unpolitisches Fest mehr, sondern ein Brennglas. Für westliche Machtprojektion. Für linken Protest. Für ein Italien, das im Zentrum steht – bewundert, beobachtet, angegriffen. Die Flamme brennt. Aber sie brennt im Sturm.

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Mal bescheiden nachgefragt: Wann waren die Olympischen Spiele je unpolitisch ??? Erinnert an 1936 an 1972 ??? Und natürlich auch sonst.
Also bitte schon die olympischen Spiele 1936 vor 90 Jahren war überall Propaganda, ja die Nazis waren noch viel schlimmer.
Olympia, Europameisterschaft und Weltmeisterschaft waren schon immer ein Politikum❗
Machen sie ihr Kreuz an der richtigen Stelle, es gibt nur eine richtige Stelle.
Olympia 2026: Ausgerechnet die vermeintliche Waldschützerin Annalena Baerbock trägt als Werbebotschafterin der UN die Fackel für die Ski-Industrie, Abholzung der Bergwälder, Sprengung von Felsen und Almen zwecks Errichtung von Kunstschnee-Teichen und Liftverdrahtungen. Auf das auch der Inder und Chinese auf den Skisport-Geschmack kommt – dazu entweder in unsere heimischen Alpen jettet oder demnächst mit chinesischer Effizienz massenhaft eigene Ski-Ressorts im Himalaya oder Hinduskush hochzieht. Was ist nur aus der einstigen Umweltpartei geworden, was für Heuchler sind in dieser Partei, die uns das Geld aus der Tasche ziehen und anschließend als Werbebotschafter prostitutieren. Nun gut, als Klimapartei betreiben die Grünen schon… Mehr
> Giorgia Meloni nutzt diesen Moment konsequent. „Werte, die Europa und die Vereinigten Staaten zusammenhalten“, sagt sie – und meint damit den Westen als politisches Projekt.
Welche denn genau – das Epstein-Netzwerk? Welche Floskeln man sonst bei dieser Gelegenheit gerne nennt, auf mindestens einer Atlantik-Seite nicht mehr vorhanden – oft auf beiden.
Wir brauchen keine rechtskonservative und keine linksgrüne Politik, sondern eine öko-konservative Politik gemäß Herbert Gruhl.
https://jlt343.wordpress.com
Tu felix Italia? Im Vergleich zu Germania?
Wie die Teutonen immer auf die Ita…er herabgeschaut haben!