Immer mehr sind mit der Arbeit des Bundeskanzlers sowie der Regierungskoalition unzufrieden. Müsste sich das dann nicht in den Wahlumfragen niederschlagen? Zwar liegt die AfD wieder knapp vor der Union. Doch verfügen Union und SPD über eine stabile Basis. Ist es die Treue ihrer Wähler? Oder der Versuch zu halten, was verloren geht im allgemeinen Niedergang?
picture alliance / Andreas Gora | Andreas Gora
Hölderlin nannte die Zeit des Biedermeiers eine „bleierne Zeit“, die sowjetischen Regime-Kritiker sahen in der Stagnation der Breshnew-Zeit eine Zeit ohne Uhren. Der Blick auf die neueste Wahlumfrage von INSA lässt beide Metaphern als Zustandsbeschreibung zu – und eben doch nicht ganz.
Würde an diesem Sonntag gewählt, bekäme die AfD 26 Prozent, die Union 25 Prozent, die SPD 16 Prozent, die Grünen 11 Prozent, die Linken 10 Prozent. Auch wenn bestimmte Meinungsforschungsinstitute plötzlich die Union bei 26 Prozent, die AfD bei 24 Prozent usw. usf. sehen wollen und dabei aus Gründen ihrer politischen Ästhetik, ihres Weltbildes, um der Schlagzeile Willen im täglichen Kleinkrieg um Aufmerksamkeit, aus Gründen der Langeweile oder weil gestern Schnee lag oder die Gänse im Keil fliegen, Fehlertoleranz und legitime Interpretationsmöglichkeiten nutzen, Deutschland bewegt sich dennoch nicht. Jede Schlagzeile erschlägt die eigene Zeile. Die Umfragewerte liegen fest, so fest wie bei manchem die Senderauswahl auf der Fernbedienung.
Sicher, Friedrich Merz hat nur noch 23 Prozent der Wähler als Fans, das sind weniger, als die Union gewählt haben. 5 Prozentpunkte mehr sind im Vergleich zur Umfrage von vor zwei Wochen unzufrieden mit ihm geworden. Vielleicht lässt er sich zu wenig oder zu viel in Deutschland sehen. Aber nicht nur mit ihm, sondern auch mit seiner oder mit der Regierung von Lars Klingbeil sind nur noch 22 Prozent zufrieden, 68 Prozent der Wähler aber unzufrieden. Zehn Prozent
haben dazu keine Meinung geäußert.
Wenn aber immer mehr Wähler mit der Arbeit des Bundeskanzlers unzufrieden sind, 67 Prozent, und 68 Prozent mit der Arbeit der Bundesregierung, müsste sich das dann nicht in den Wahlumfragen zur Sonntagsfrage niederschlagen?
Noch verfügen Union und SPD über Wähler, die so treu sind, wie sie auch treu den Öffentlich-Rechtlichen sind. Diese Wähler bieten noch eine stabile Basis, weil ihnen ein gewisser Wohlstandssockel erlaubt zu hoffen, dass es wieder besser wird. Sie haben nichts anderes als die Bundesrepublik kennengelernt. Hier gilt die Regel: je älter, umso mehr Union und SPD. In Ostdeutschland ist das deshalb anders, weil die Ostdeutschen erlebt haben, dass die Geschichte keine Ewigkeitszertifikate ausstellt.
Aber vielleicht liegt der Grund für die Stabilität der Umfragen im Großen und Ganzen in der Instabilität der wirtschaftlichen, der politischen Verhältnisse und der inneren Sicherheit. Vielleicht wird auch an der Wahlentscheidung festgehalten, weil es das einzige ist, woran man noch festhalten kann im allgemeinen Niedergang. Vielleicht ist die Entscheidung für die Union und die SPD und im gewissen Sinne auch für die Grünen der Versuch, zu halten, was unweigerlich verloren geht.
Dann wäre der Stillstand in den Umfragen kein Beleg für die „bleierne Zeit“ oder für eine Zeit ohne Uhren, sondern ein Beleg für den rasenden Stillstand, ein Stillstand, in dem die Republik langsam rasend wird.
Der Versuch allerdings der Brandmauerparteien, durch die Brandmauer ihre Macht zu stabilisieren, wird unweigerlich zur Instabilität der Verhältnisse führen. Die Wahlumfragen sind die letzten Momentaufnahmen des Gestern, des deutschen Anachronismus. Der Blick in die Wahlumfragen gleicht momentan dem Blick in den Rückspiegel.
Deutschland wird noch eine ganze Weile in diesem Zustand verharren, weil Deutschlands Krise eine universelle Krise in der Neuordnung der Welt ist, eine Krise, die sich nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im politischen System zeigt.


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Ich glaube, hier wird ein Aspekt der Wahlen völlig ignoriert: Wit haben noch etwa 30% produktiv Tätige, das sind die, die alles bezahlen müssen. Die anderen 70% leben von diesen 30%, entweder direkt, als Familienmitglieder, oder aber, wie die Masse, mittelbar oder unmittelbar von Steuergeldern. Dazu gehören alle vom Bürgergeldempfänger über NGO-Mitarbeiter, von Presse und Rundfunk über kommunale Angestellte, von kleinen Beamten über Landtagsabgeordnete bis zum Bundeskanzler/Bundespräsidenten. Die haben gar kein Interesse an anderer Politik, denn dann müßten sie für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Deswegen sehe ich auch eine gläserne Decke bei etwa 30% für die AfD, plusminus ein paar Prozent,… Mehr
Ich glaube weder den Umfragen noch den Wahlergebnissen. Die Umfragen werden im Vorfeld den manipulierten Ergebnissen angepasst. Wir werden alle nur noch verar…t.
Sind eigentlich die 24..26% CDU-Wähler Freunde des Lügens und Betrügens? Als was anderes ist doch die Führungsfigur nicht zu bezeichnen.
Klingt schlimm, ist es auch, aber manchmal frage ich mich, ob es nicht eine Art Wahlberechtigung geben müsste, anstatt über Minderjährigen- und Emigrantenwahlrecht nachzudenken. Wie bei Führerschein, Jagdschein, Waffenschein, Testament, sollten die Wahlberechtigten im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sein. Als es in Österreich noch Pflichtwahlen gab, gab es am Wahltag und tlw. auch am Abend davor auch ein Ausschankverbot alkoholischer Getränke und offensichtlich „angeheiterte und alkoholisierte Personen“ durften nicht wählen. Wobei ich eher das Problem bei Konsumenten des betreuten Denkens in Form von ARD/ZDF… sehe.
Sowas geht nur, solange die Wirtschaft gut läuft.
Das sagen die gekauften Umfragen. Wie aber sieht es wirklich aus? Nach dem Wahlbetrug des Merz und den Untaten der SPD, erhalten die Bürger in der BW Wahl die erste Gelegenheit, sich dafür zu bedanken.
Doch da kommen die Wahlleiter ins Spiel. Viele unberechenbare Aktionen der Regierung und nicht zuletzt das Lügen der Regierung und ihren geschmierten Lohnschreiber. Von der Staatspropaganda ganz zu schweigen.
Das geht nur, wenn die Bürger hilflose Schafe sind.
Sind Sie schon Wahlbeobachter ?
Seit Jahren, Allerdings in einer Hochburg der AfD. Da waren bisher keine Abweichungen festzustellen. Das betrifft aber nur die Auszählung. Welche Zahlen am Ende einfließen, wissen doch nur die Altparteien.
Das linksextreme Kartell und die unseriösen Umfrageinstitute lassen die AfD nicht vom Haken. Nach meiner Meinung und der Stimmung im Land steht die AfD bundesweit schon längst bei ca. 40%. Sie wird aber vorsätzlich von den Umfrageinstitute künstlich in der Nähe der Union gehalten. Die von der Linkspolitik manipulierten Umfragewerte sollen die Wähler und Bürger nur an die geplanten Wahlergebnisse gewöhnen. Ansonsten sind Wahlumfragen große Manipulation und reine Volksverdummung.
Falls das so ist, warum machen die Bürger nichts dagegen ?
Die Grünen fangen an davon zu reden, dass man nun Zwangsmaßnahmen für das Klima durchsetzen muss. Tempolimit kommt als erstes. Danach kommt das Verbot von Inlandsflügen. PKW-Maut, Zwangssanierung der Immobilien sowie Beschränkung von Urlaubsflügen werden folgen. Dann kommt das Verbot des Betriebs von Verbrennerfahrzeugen, auch Alt-Autos. Und im das finanzielle Desaster von Deindustrialiserung und Arbeitslosigkeit abzufedern, wird der Vermögensdeckel eingeführt und Immobilien, Sparbücher und Aktien umverteilt. Und es werden trotzdem noch immer die Leute SPD, CDU, Grüne und Linke wählen, weil sie Angst vor einem totalitären System haben. Sie sind einfach zu dumm um zu erkennen, dass uns diese Parteien… Mehr
Tempolimit haben die Grünen nur bei dem Kanzler aus Österreich geborgt, genauso wie die Reichskrafttürme, die Wasserstoffwirtschaft, den Verzicht auf Fleisch, Alkohol und Tabak.
Tempolimit kommt nie im Leben. Dann würde man ja den Willen des Volkes umsetzen. Das geht nun wirklich nicht. Ausserdem verdient der Staat doch prächtig an der Mineralölsteuer. Niedrigere Geschwindigkeit = niedrigerer Verbrauch = niedrigere Steuereinnahmen.
Diesesmal sagt die Oberkommissarin aus Brüssel bei einem Sieg der AFD, das muß aber rückgängig gemacht werden und Merkel ist entzückt, daß ihre Anordnungen befolgt werden, denn wo kommen wir eigentlich hin, wenn man so einen Sieg hinnehmen muß, wenn sich der rechte Pöbel dafür entschieden hat.
Dagegen muss es dann Massenproteste und Generalstreik geben !
Tja. In der Theorie. Oder in Frankreich. Nicht aber mit dem deutschen Staatsbürger. Der höchste Grad des Widerstandes ist vorsichtiges Lamentieren darüber am Stammtisch.
Je älter, desto Union und SPD. Und je älter und je Frau, desto „Oma gegen rechts“- zumindest im Westen. In der Regel sind es saturierte Frauen, die -gewissermaßen aus Fürsorge für die (Enkel)töchter- nichts mehr fürchten als den Verlust von Frauenprivilegien, den sie im Falle einer rechtskonservativen Mehrheit kommen sehen. Probleme der Migration oder der Energiewende werden überhaupt nicht oder nur beiläufig zur Kenntnis genommen. Bei der letzten Bundestagswahl haben 10% mehr Frauen als Männer links gewählt.
Das ist doch normal. Jede Partei hat gewisse Klientel. Bei der AFD sind es hauptsächlich Männer und Reiche, bei der CDU Rentner, usw. Das ist generell so und keine Besonderheit.
Es könnte einfach an einer ungleichen Verteilung politischer Intelligenz liegen.
Es könnte auch an einer ungleichen Verteilung der Steuereinnahmen und Ausgaben liegen.
Wer Nettoempfänger ist, hat gar keine Motivation, das System zu ändern. Und Nettozahler liegen dummerweise bei knapp 30%, das reicht nicht für eine Mehrheit.