Auf dem Weg zur neuen DDR

Die Mauer ist weg, die Methoden sind zurück. Parteien verbieten, Medien gängeln, Bürger melden. Nicht im Osten, sondern im Westen feiert die DDR fröhliche Wiederauferstehung. Mit staatlich finanzierter Antifa, NGOs und Denunziationsstellen.

picture alliance/dpa | Matthias Balk

Die DDR lebt. Nein: gerade nicht in den sogenannten „neuen Ländern“, sondern im Westen, in der alten Bundesrepublik. Der sitzt sie tief im Pelz. Und das wird immer deutlicher. Nicht nur im Umgang der politmedialen Elite mit dem Volk – dem „Pöbel“ oder „Pack“ –, auch im Umgang mit der politischen Konkurrenz, die man verbieten möchte, weil man ihr sonst nichts entgegenzusetzen hat. Freie Meinungsäußerung in freien Medien? Auch das möchte man gern reglementieren, es könnten ja die falschen Meinungen Verbreitung finden. Mal abgesehen davon, dass zig Meldestellen den besorgten Bürger dazu aufrufen, andere zu denunzieren. Erinnert an …? Genau.

Die Liebe zur DDR ist im Westen nie erkaltet, weshalb man sich nicht wundern muss über die geistige und praktische Wiedererrichtung der Ostzone. Nicht nur, weil es genug Einflussagenten aus Ostberlin gab, die dafür sorgten, dass man die DDR für das „bessere Deutschland“ hielt. Das Ergebnis konnte man in den Jahren nach dem Fall der Mauer studieren.

1984 – 2026
In Deutschland gilt die Lüge jetzt als Wahrheit – in der Politik sowieso, aber auch in den Medien
Der damalige Bundespräsident Weizsäcker etwa kritisierte mit antikapitalistischer Verve als „widerwärtigen Skandal“, dass Medien „mit gekauften Akten“ Geld verdienten – er meinte wohl die Aufdeckung der einen oder anderen Stasi-Tätigkeit. Jede realsozialistische Schweinerei verblasste offenbar angesichts der Propagandamacht der westdeutschen Medien. Schöner hätte man es auch im Neuen Deutschland nicht lesen können. Es gebe auch keinen Anlass für „Siegesfeiern des westlichen Lebensmodells“, statt dessen offerierte der Präsident den Ostdeutschen eine warme Umarmung, denen er offenbar unterstellte, dass sie noch immer am Sozialismus hingen.

Ein Blick in die Archive zeigt, wie sehr man dem „besseren Deutschland“ mit seinem Antifaschismus gewogen und wie enttäuscht man im Westen war, dass der Pöbel aus der DDR sich schamlos bereicherte an jenen Waren, die man im Westen bereits satt hatte, statt sich auf den dritten Weg zu begeben, den alle systemkritischen westdeutschen Studienräte so sehr ersehnten. Man pries die „menschliche Wärme“ anstelle der „sozialen Kälte“ des Westens und übersah, dass sie persönlichen Abhängigkeiten entsprang. Man war einander verbunden, weil man einander Vorteile gewährte. Auch die „soziale Kälte“ konnte eine Befreiung sein.

Als Fundament dient die Brandmauer
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Vor allem aber warnten die westdeutschen Intellektuellen vor „moralischem Rigorismus“ (Günter Gaus) oder vor der „Volksdroge Antikommunismus“ (Heiner Müller) oder davor, bei Popkorn dem „gescheiterten, gedemütigten und nichtswürdigen Ostdeutschen“ (Wolfgang Thierse) zuzuschauen – das sei „Gesinnungsterror“, „Hexenjagd“, „seelischer Bürgerkrieg“, ja die „In-Haftnahme von 16 Millionen einzelnen als ein einig Volk von Spitzeln“ (Wolfgang Thierse). Diese sozialpflegerische Betulichkeit muss all denen aus der DDR schräg vorgekommen sein, die sich befreit fühlten. Eine menschenfreundlich auftretende westdeutsche Kolonisierung des Ostens, wo die soften Wilden wohnten. Die DDR war im Untergang noch so richtig schön geworden. Und war ihre Existenz durch die deutsche Teilung nicht die gerechte Strafe für Auschwitz gewesen?

Wenn es sie schon physisch nicht mehr gibt, konnte man sich die antifaschistische DDR wenigstens ideell einverleiben. Wie sagte noch Saskia Esken von der SPD? Man sei von Beginn an Antifa gewesen – also seit über 160 Jahren. Und heute brauche man die Antifa im Kampf gegen Rechts.

Längst haben die „UnsereDemokratie“-Parteien auch die SED eingebürgert, die Einheitspartei der DDR, wie auch immer sie sich heute nennt. Im Unterschied zur AfD kennen die Genossen sich ja aus mit dem Regieren und können wertvolle Tipps geben im Kampf gegen Impfverweigerer, Klimaleugner und alle anderen, die sich der politmedial vorgeschriebenen „Haltung“ nicht anverwandeln möchten.

Nicht nur die Selbstverständlichkeit, mit der Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther die Frage bejaht, ob man unabhängige Medien schärfer kontrollieren sollte, zeigt, wie tief die DDR in Deutschland verankert ist. Und heute geht die Stasi weit geschickter vor: Sie bedient sich sogenannter Nichtregierungsorganisationen (NGO), die indes, staatlich finanziert, genau das sind: Agenturen der Denunziation.

Ist das totalitär? Gewiss. Mielke und Honecker grüßen aus dem Grab.


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Kommentare ( 2 )

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Waldschrat
16 Minuten her

Vielleicht hätte man 1989 nur die Regierungen austauschen müssen und alles hätte seine Ordnung gehabt, die DDR den Westdeutschen, ein freies Deutschland mit freien Bürgern im Osten. Dies Vorstellung hat etwas. So müssten wir uns im Osten heute von den Westdeutschen nicht immer vorwerfen lassen, dass ein großer Teil die Falschen wählt.

ChrK
18 Minuten her

Aber 33/45, gell?! Na ja, die Deutschen sind trotz des „Nie wieder!“ wieder ganz bei sich angekommen. Aus den, ich wiederhole mich, Herrenmenschen sind nun hehre Menschen geworden. Herrisch sind sie heute wie damals. Hüben wie (d)drüben. Ex oriente lux? Das ich nicht lache. Ex oriente crux paßt wohl eher. Mal sehen, wie lange ich böse- und querdenkender Schelm meine respektlosen Anspielungen noch absondern kann. Die Mischung meiner persönlichen Mottos „Etiam si omnes, ego non!“, „Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant!“, „Lewer dood as Slav!“ und, heh, ein anders, dafür aber richtig verstandenes „Nie wieder!“… Mehr

Last edited 16 Minuten her by ChrK