Zumindest beim Ersticken von Kleinunternehmen sind die Beamten in Brüssel fleißig. Jetzt treiben sie mit neuen Vorschriften Familienbetriebe mit nachhaltiger Landwirtschaft aus dem Markt. Die Großunternehmen freut‘s.
picture alliance/dpa | Philipp Schulze
Peter Meyer hat genug.
Mehr als 15 Jahre lang war der Landwirt aus Holnstein im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz ein Bio-Bauer aus Überzeugung. Er hat investiert, er hat die Produktion umgestellt, er hat immer neue und strengere Auflagen erfüllt. Er stand mit Leib und Seele hinter der Idee von ökologischer Landwirtschaft.
Jetzt stellt er seinen Hof wieder um: zurück auf konventionelle Landwirtschaft.
„Ich habe mich schon g‘scheit geärgert“, schimpft Meyer frustriert in der Mittelbayerischen Zeitung. „Das ist für mich nicht schön.“
Schuld ist die EU. Eine neue Verordnung der Brüsseler Bürokraten schreibt vor, dass landwirtschaftliche Betriebe künftig nur noch dann das Siegel „Bio“ bekommen, wenn ihre Rinder, Schafe oder Ziegen spätestens Ende dieses Jahres Zugang zu einer Weide haben. Sogenannte Laufhöfe und selbst großzügige Ausläufe reichen nicht mehr.
In Brüssel argumentiert man mit Tierwohl. Tatsächlich erreicht man das Gegenteil: den Abschied vieler Betriebe vom Bio-Siegel.
Gerade kleinere Höfe liegen sehr oft innerorts – historisch gewachsen, seit Generationen am selben Standort. Wer dort Milchkühe hält, kann sie nicht einfach täglich durch Wohngebiete auf entfernte Weiden treiben. Den Hof an den Ortsrand umzusiedeln, bedeutet: Neubau, neue Infrastruktur, neue Schulden.
Selbst moderne, großzügige Ställe mit Auslauf dürfen das Bio-Siegel nicht behalten. Michael Gruber vom Bayerischen Bauernverband spricht von „quasi unlösbaren Herausforderungen“. Anders: Viele Betriebe haben faktisch keine Zukunft mehr im Brüsseler Bio-Traumland.
So wie Peter Meyer. Um die neuen Vorgaben zu erfüllen, hätte er mit seinem kompletten Hof aus dem Ortskern wegziehen müssen: mit den Stallanlagen und auch mit dem Wohnhaus. „Das hätte nur Sinn gemacht, wenn wir alles neu gebaut hätten“, sagt Meyer. Investitionsvolumen: rund 2,5 Millionen Euro.
Das kann kein mittelständischer Familienbetrieb neben den laufenden Krediten stemmen.
Bürokratie lässt Kosten explodieren
Selbst jene Höfe, deren Weideflächen in der Nähe des Stalls liegen, müssen oft Unsummen investieren.
Klaus Pätzold von der Friedlmühle bei Neumarkt rechnet das minutiös vor: Er kann eine angrenzende Ackerfläche in Weideland umwandeln. Zäune, Tränken, befestigte Wege und die Neueinsaat kosten ihn mindestens 25.000 Euro. Dazu kommt der Ernteausfall auf mehreren Hektar.
Richard Götz aus Thann müsste für seinen Bestand von mehr als 200 Tieren sogar noch tiefer in die Tasche greifen. Neue Einzäunungen, laufende Pflege, tägliches Treiben der Kühe zum Melken, zusätzlicher Personalbedarf – „viel Arbeit, wenig Geld und ein hohes Risiko“, so fasst er das zusammen.
Und mit der Weidepflicht steigen auch die Gefahren: Es ist schwierig, aufwändig und teuer, die Weide so zu sichern, dass einerseits aggressive Bullen nicht ausbrechen und andererseits Wölfe nicht in das Gehege eindringen können. Die betroffenen Bauern sind sicher: An nichts davon haben sie in Brüssel gedacht.
Das Grundproblem ist nicht der Gedanke der Weidehaltung. Viele Bio-Bauern machen das längst. Das Problem ist die pauschale, starre Umsetzung.
Ein innerörtlicher Familienbetrieb wird behandelt wie ein landwirtschaftlicher Großbetrieb auf der grünen Wiese. Regionale Unterschiede? Kaum berücksichtigt. Historische Strukturen? Unerheblich. Wirtschaftliche Tragfähigkeit? Zweitrangig.
Der EU-Abgeordnete Christian Doleschal von der CSU kritisiert genau das: Ein unflexibler administrativer Standardansatz, der gar nicht überall umsetzbar ist, erstickt alle denkbaren pragmatischen Lösungen.
Bürokratischer Zentralismus eben.
Paradoxe Regulierung
Bio-Betriebe haben ohnehin viel strengere Auflagen und wirtschaften unter erheblich erschwerten Bedingungen: mit höherem Aufwand und geringeren Erträgen pro Tier. Wenn zusätzliche Investitionen in fünf- oder gar siebenstelliger Höhe hinzukommen, kippt das Geschäftsmodell.
„Es bleibt kaum noch etwas übrig“, sagt Klaus Pätzold. Und nur allzu oft eben auch gar nichts mehr.
Je höher die regulatorischen Hürden, desto weniger Betriebe können sie erfüllen. Am Ende bleibt Bio nur noch für jene Höfe möglich, die ideale Flächenverhältnisse oder erhebliche finanzielle Reserven besitzen. Das sind meist Großbetriebe.
Vielleicht ist das von der EU ja auch genauso gewollt.
Immer mehr Aussteiger
Allein in Peter Meyers Landkreis Neumarkt gibt es zwölf größere Bio-Milchbauern. Zwei sind schon ausgestiegen. In der weiteren Umgebung haben 22 weitere Bio-Betriebe keinen neuen Förderantrag im Rahmen des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) gestellt – ein deutliches Signal, dass die Unsicherheit wächst.
In ganz Bayern haben 2025 mehr als 300 Ökobauern aufgehört. Der LVÖ – Dachverband von Bioland, Demeter, Naturland und Biokreis – spricht von 3,4 Prozent weniger Mitgliedsbetrieben im vergangenen Jahr. Und das trotz einer deutlich gestiegenen Nachfrage der Verbraucher nach Bioprodukten.
Wer das Bio-Siegel zurückgibt, verschwindet aber nicht: Meist geht er einfach ins alte System zurück und verstärkt, zum Beispiel in Neumarkt, die Konkurrenz für die 289 konventionellen Milchviehhalter, die im Landkreis arbeiten.
Brüssel macht irre Vorschriften für Bio-Höfe – und sorgt damit dafür, dass es immer weniger Bio-Höfe gibt. Es lebe die EU.


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„Mehr als 15 Jahre lang war der Landwirt aus Holnstein im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz ein Bio-Bauer aus Überzeugung. Er hat investiert, er hat die Produktion umgestellt, er hat immer neue und strengere Auflagen erfüllt.“ – Und wer nicht kapieren will oder kann, daß er von der Politik im Allgemeinen, den EUrokraten im Besonderen,´nichts anderes als Verar…… zu erwarten hat, der muß es halt lernen, ggf. auf die „harte Tour“, zB der Betriebsaufgabe. Kommende weitere Beispiele dessen, was der Bürge für seine Stimme bekommt, aktuell das Linksmodell in Sachsen-Anhalt, dazu morgen die sog. Wahl in BW. Viel Spaß damit. Bis sich… Mehr
Endlich mal eine sinnvolle Verordnung der EU. Konsumenten von Bio Produkten assoziieren mit dem Biosiegel selbstverständlich auch Tierwohl. Wenn dann die armen Viecher im Stall gehalten werden, ist das Kundenverarsche.
Ich kannte zwei kleine Bio-Schlachtereien mit Hausschlachtung, die von Brüssel schon vor Jahren in die Pleite getrieben wurden.
Von dem selben „Brüssel“, daß mit „Mercosur“ den Import von Chemie belasteten landwirtschaftlichen Gütern und Antibiotika „gestärktem“ Fleisch fördert.
Wer das eine mag, muss das andere mögen!
Denn wenn man das Bild vom „Bio“-Idyll zu Ende denkt, dann gehört selbstverständlich auch eine Weide dazu. Es würde mich nicht wundern, wenn als nächste die Zusammensetzung der Futterpflanzenarten, die Mindesthalmhöhe und die maximale Einsinktiefe eines Rindes bei aufgeweichten Untergrund auf der Weide exakt vorgeschrieben wird.
Man vergleiche die landwirtschaftlichen „Erträge “ , egal was “ von vor 150 Jahr ( Bio) mit denen von heute , dann weißt du was Bio ist !
Laut meinem Davidis-Kochbuch soll eine Sellerie mind. 45′ lang kochen. Das geht heute doch gar nicht mehr.
Der Quatsch mit den „Bio-Siegeln“ ist doch reiner Deppenfang.
„Bio“ ist im Lebensmittelhandel nicht geschützt. Hiervon ist die Bio-Landwirtschaft zu trennen. Da kann ich mir schnurrbärtige L#sb#n vom Landwirtschaftsamt vorstellen, die mit dem Millimetermaß den Abstand der Weidepfähle messen – mit nächtlicher Nachkontrolle durch tierschützende „NGO’s“. Ziel der EU ist die Zerstörung der wenigen noch bestehenden, mittelständischen landwirtschaftlichen Betriebe. In Holland beginnen sie großflächig mit der Enteignung von landwirtschaftlichen Flächen, angeblich für den Naturschutz. Hierzu gehört auch die Ansiedlung von angeblichen Wölfen.
Was ist denn ein „angeblicher Wolf“? Einer im Schafspelz?
Eine Anfrage im NL-Parlament an das Landwirtschaftsministerium zur DNA der angeblich reinrassigen Wölfe verläuft äußerst zäh. Das Thema wird auch bei TE wieder aufploppen.
„Er stand mit Leib und Seele hinter der Idee von ökologischer Landwirtschaft.“
…und hat wohl auch dementsprechend gewählt. Tja. Wer bei den Hunden schläft, kriegt Flöhe.
Aber davon abgesehen: Wenn Weidenhaltung nicht die Minimalaforderung an „Bio“ ist, was dann? Sehe ich auch so.
„Bio“ muß nicht unbedingt glücklich muhende Kühe auf der Alm bedeuten. Wenn alle Freilandeier vom freien Land kämen, wäre DE nur mit pickenden Hennen besiedelt. Vorliegend geht es um Weideflächen, die unmittelbar an den Rinderstall angrenzen sollen. Das geht in Norddeutschland mit den im offenen Feld liegenden Bauernhöfen, jedoch nicht in Süddeutschland, wo die Bauernhöfe oft im Ortszentrum liegen. Übrigens wurde Vieh schon immer von Ende September bis Mitte Mai im Stall gehalten. – Den Leuten soll schon der Gedanke an Bio ausgetrieben werden, egal, was man darüber denkt. Im Vormarsch sind der Haferschleim für den Kaffee, Heuschreckenflügel und die… Mehr
Für mich ist es Betrug, wenn Milch als Bio verkauft werden kann von Kühen, die nicht auf der Weide stehen. Problem ist hier das Geschäftsmodell und nicht die EU.
Bei uns im Ort liegen zwei Felder praktisch nebeneinander, eins vom Biobauern, das andere Feld wird wie jeher bearbeitet. Da frage ich mich ob Wind und Vögel darüber informiert sind.
Vor nicht allzu langer Zeit hieß es die Biobauern haben Absatzprobleme. Was gilt denn nun?
Vor Jahren wurden im Radio, heute undenkbar, 2 unabhängige studien vorgestellt, die Bio und herkömmliche Produkte untersuchten. Es wurden kaum Unterschiede festgestellt. Mal bekam das Bio Produkt einige Punkte mehr, mal das herkömmliche Produkt. Auffällig, dass mittlerweile Bio Produkte oft billiger sind als herkömmlich hergestellte Produkte.
Welche sollen das sein, bei uns gibt bio über bio aber immer teurer. Weniger drin und gleichteuer wie konventionelle Produkte, heißt immernoch teurer
Bei Rewe in Biebergemünd (Hessen) und nicht nur bei Rewe. Zwiebeln, Champignons, Gemüse. Da steht einiges zur Auswahl. Nach den immer höheren Preisen wurde Bio nicht mehr gekauft. Corona hat auch einiges dazu beigetragen. Daher war meine Schlussfolgerung, dass wenn es nicht mehr gekauft wird, wird’s billiger.
Liegt wahrscheinlich auch an der Bevölkerungsgruppe. Auf dem Platteland herrscht noch einigermaßen gesunden Menschenverstand!
Am besten Bio aus der Ukraine oder ähnlichen Ländern. Die halten sich sicher an alle EU Vorgaben. Und wenn das einer bezweifelt, dann schickt der Boss seine Jungs vorbei und überzeugt ihn vom Gegenteil.