Mit seiner stalinistischen Feind-Rhetorik hat Himmler unfreiwillig klargemacht, wo das ZDF politisch und geistig steht. Das Publikum ahnte es längst. Nun spricht es der bestätigte Intendant ohne Gegenkandidat selbst aus. Wer so redet, zeigt vor allem eins: die Angst vor dem Kontrollverlust.
picture alliance/dpa | Hannes P Albert
Dass Norbert Himmler vom Fernsehrat des ZDF wiedergewählt wurde, ist keine Nachricht, wen sollte man bei einer Wahl a la UdSSR oder DDR oder China oder Nordkorea mit nur einem Kandidaten auch wählen? Ein Nachrichtchen ist es, dass Himmlers Ergebnis nicht nordkoreanisch oder nach SED-Maßgabe unserer Demokratie ausfiel. Von den 53 anwesenden Fernsehratsmitgliedern stimmten 48 „Fernsehräte“ für Himmler, drei außergewöhnlich kühn dagegen, 2 enthielten sich tapfer der Stimme.
Ein Wunder, dass der Fernsehrat nach der Wahl Himmler nicht noch mit dem Orden Aktivist der sozialistischen Arbeit auszeichnete.
Man weiß nach der Sendung von Lanz im ZDF mit Daniel Günther zwar nicht so recht, ob Norbert Himmler als ZDF-Intendant oder als Privatperson oder als Privat-Intendant oder als ZDF-Person sprach, als er in seiner Bewerbungsrede laut Medien-Berichten klar und deutlich formulierte: „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass das ZDF ein relevanter Faktor für unsere Demokratie ist.“ Ein relevanter Faktor für die Demokratie ist das ZDF nicht, ein relevanter Faktor gegen die Demokratie immer stärker. Mit anderen Worten, Himmler will Propaganda und Indoktrination ausbauen, denn „unsere Demokratie“ wird immer mehr zum Gegenteil von wirklicher Demokratie, wie Information, Kultur und Bildung immer stärker durch Propaganda, Kulturverlust und Indoktrination ersetzt wird.
Dem Fernsehrat, der Himmler gewählt hat, gehören so imposante Persönlichkeiten wie Lisa Paus und Heiko Maas an. Warum eigentlich? Wen vertreten sie? Das Volk abgewählter Minister oder das Volk abgewählter Politiker? Andreas Rosenfelder schätzte kürzlich in der Welt zu Recht ein, dass „der sechzigköpfige Fernsehrat, der als „Anwalt des Publikums“ eigentlich eine Kontrollfunktion ausüben müsste,“ „faktisch eine Ständevertretung des politischen Beamtenapparats und der durchpolitisierten Verbands- und NGO-Landschaft“ ist. „Da sitzen Regierungssprecherinnen und Staatsräte, BUND und NABU, Gewerkschafts- und Kirchenvertreter: ein eng verflochtenes und zum Teil auch verfilztes System von Institutionen, die alle möglichen Interessen repräsentieren mögen, aber sicher nicht jene der gebührenzahlenden Bevölkerung.“ Mit den anderen Worten die Interessen „unserer Demokratie“.
Doch Himmler geht noch einen Schritt weiter. In der wirklichen Demokratie konkurrieren politische Gegner, in unserer Demokratie jedoch werden Feinde markiert, die es dann auch zu vernichten gilt. Wer wissen will, was ein Feind ist, muss nur bei Lenin, Stalin, Ulbricht oder auch bei Mielke unter dem Stichwort Klassenfeind nachschlagen. Den Politisch Andersdenkenden nicht mehr als Gegner, sondern als Feind zu sehen, bildet exakt die Demarkationslinie, die die Demokratie von der Diktatur trennt.
Himmler stellt sich in diese Tradition, wenn er laut Medien-Berichten sagt: „Wir erweitern den Kreis unserer Partner um Qualitätsmedien, die unsere Werte teilen; ich möchte hier mit den Printmedien gemeinsam, die unsere journalistischen Werte teilen, enger und effizienter zusammenarbeiten. Der Feind sitzt schlichtweg woanders.“
So wie in Adaption der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands eine Art Bandmauerverein unsere Demokratie existiert, so will Himmler eine informelles Staatliches Komitee für Medien gründen mit ihm als informellen Medienstaatssekretär, um gegen den Feind, gegen die freien Medien zu kämpfen, die empfindlich das Informationsmonopol von Himmler und Genossen stören. Der ZDF-Intendant hält paternalistisch sehr wenig vom Publikum, denn er unterstellt dem Souverän des Grundgesetzes, dass es nicht in der Lage ist, sich seine eigene Meinung zu bilden und deshalb Nannymedien wie das ZDF benötigt, die durch Monopol und Zensur abzusichern sind.
Nathanael Liminski beschrieb laut Medienberichten ungewollt die Realität des ZDF, als er warnte, dass nicht der Eindruck entstehen dürfe, dass es beim „heute journal“ normal sei, „für eine Botschaft die entsprechenden Bilder zu suchen“. Die Realität geht weit über den Eindruck hinaus, denn es werden dafür nicht nur die entsprechenden Bilder gesucht, sondern auch die entsprechenden Interviewpartner im Studio und auf der Straße, die entsprechenden „Experten“, Politiker und Passanten, die Volkes Stimme dokumentieren sollen.
Doch schaut man genau hin, hat Himmler eigentlich nicht die freien Medien, die ein Herr Kampeter nach Medienberichten in Gutsherrenart und im Eduard-von-Schnitzler-Duktus im Fernsehrat als „Schmuddelecke des deutschen Journalismus“ bezeichnet hat, als Feind ausgemacht, sondern die Wahrheit. Dort sitzt für das ZDF der Feind, es ist die Wirklichkeit, die nicht zur Gesinnung im ZDF passt, die alltägliche Wahrheit, die der Ideologie auf dem Lerchenberg tagtäglich spottet. Sie stellt der eigentliche Feind dar.
Allein im Jahr 2023 hat das ZDF für neue Pensionsverpflichtungen neben den Gehaltszahlungen an das Management rund 746.500 Euro zurückgestellt. Gemessen am Vorjahr ist das sogar ein bescheidener Wert. 2022 bilanzierte die Anstalt fast fünfmal so viel und stellte 3,6 Millionen Euro für die Pensionsansprüche der Geschäftsleitung zurück. Allein für Intendant Norbert Himmler belief sich die Summe auf 1,49 Millionen Euro, nachdem das ZDF dafür im Jahr zuvor nur einen Aufwand von 430.000 Euro gemeldet hatte. Frage an das ZDF: „Warum sind im Jahr 2022 die Rückstellungen für Norbert Himmler so stark gestiegen?“ Damit bleibt die Frage offen, warum die öffentlich-rechtliche Anstalt 2022 fast viermal so viel Aufwand für Himmlers Pensionsrückstellungen meldete, als man ihm als Intendant als Jahresgehalt zahlt.“ Himmler könnte übrigens eine monatliche Rente von fast 20 000 Euro erwarten. Längst sind die Fürsten des ÖRR zu Tartuffes geworden.
Rentner, die im Müll wühlen, alleinerziehende Mütter, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen, aber nicht nur sie, denn die Verarmung ist schleichend und kommt in der ausgeplünderten Mittelschicht an, wir alle müssen jeden Monat fast 20 Euro zahlen, damit Leute wie Himmler in Saus und Braus leben, nebenbei für ein Programm, das immer weniger Leute sehen wollen. Blickt man auf den Qualitäts- und Akzeptanzverlust des ZDF hat Himmler das Geld, das er bekommt, nicht verdient, im Gegenteil. Aber der öffentlich-rechtliche Bereich ist längst zu einer Staatswirtschaft geworden, in der nicht Leistung, sondern der Korporatismus zählt.
Es sind Deutschlands dysfunktionale Eliten, die keine Hemmung besitzen, wenn es unter so hehren wie hohlen Worten gilt, den Besitzstand zu verteidigen und die eigene Macht abzusichern. Um Journalismus geht es längst nicht mehr.
Der ÖRR ist nicht mehr reformierbar. Er sollte dringend auf ein Abo-System ungestellt werden. Die ihn sehen wollen, sollen ihn auch bezahlen. Und da bei ARD und ZDF die Qualität an erster Stelle steht, haben sie ja dann auch nichts zu befürchten.






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Viel kann man gegen die GEZ nicht machen. TE lesen und was spenden. Und AfD wählen.
AfD wählen gilt natürlich auch für TE!
Ihr könnt ja später wieder was anderes wählen, aber jetzt muß erstmal das Margot-Honecker-Büro gestoppt werden.
Gab es nicht mal eine ARD-Vorabendsendung: „Ich trage einen großen Namen“? Im SWR zumindest.
Nun ja, Herr Himmler und auch eine Frau Göring-Eckhardt können ja nichts für den Namen. Nur stelle ich mir gerade vor, die hätten das „falsche“ Parteibuch! Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre da sofort ein unmittelbarer Zusammenhang gestrickt worden.
Der Intendant bedeutet abgeleitet von lateinisch intendere, „einen Weg einschlagen.“ Selbst im Knast hat der Hofgang im Kreislauftheater mehr Richtungsänderung als die Institutionen im ÖRR! Die viel zitierte Unabhängigkeit dieser Sender besteht nur aus einem mit Zähnen und Klauen verteidigten Ewigkeitsanspruch, unterstützt durch die politisch verwobene politischen Klasse. Nach 78 Jahren ihrer Gründung durch die Allierten im Jahr 1948 wird der damals angedachte Auftrag dieser Sender nach einer erlittenden Diktatur, den Deutschen auf demokratischem Weg neutrale Nachrichten zu ermöglichen als unmöglich erklärt! Also wird aktuell weiterhin ein Misstrauen den Bürgern entgegengebracht und die Unfähigkeit unterstellt, im digitalen 21Jhd. mit einer… Mehr
Himler hieße nicht „Himmler“, wenn er nicht Himmler wäre!!!
Allein, dass es kein mulmiges Gefühl bei den Deutschen auslöst, wenn Himmlers und Görings in Spitzenpositionen des Staates kommen, ist ein Zeichen von Bildungsarmut.
Mich widert dieses Feudalverhalten einer durch und durch verlogenen Kaste extrem an dürfte andern auch so gehen. Und ich frage mich, ob es dieser Ekel war, der die Franzosen im 18. Jahrhundert auf die Barrikaden gebracht hat.
Hunger sagen welche. Und bei uns ist das mit dem Hunger dann auch nicht mehr so arg weit – wenn auch das Verlangen nach Bananen und Schokolade bislang noch erfüllt wird – und nicht wie in der ddr der Mangel offensichtlich wird.
Er bestreitet immer, mit Heinrich Himmler verwandt zu sein. Glaub ich ihm nicht.
Der gute Mann gibt sich alle Mühe, seinem historisch belasteten Namen gerecht zu werden.
Der ÖRR ist eines der schärfsten Schwerter der Blockparteien, frei nach Ulbricht soll es demokratisch aussehen aber „unsere Demokratie“ muss alles in der Hand haben.
Himmler? Da war doch mal was?
Mein lieber Herr Mai, sie schreiben unter anderem: „Mit seiner stalinistischen Feind-Rhetorik hat Himmler unfreiwillig klargemacht,… “ Irren Sie sich bei der Zuordnung nicht und meinen <nationalsozialistische Feind-Rhetorik>?
Zugegeben, die Stalinisten und die Nationalsozialisten waren Brüder der Hölle.
In der DDR war doch „Demokratie“ das Synonym für sozialistische Herrschaft. Auf einer politischen Wahrheitsebene lässt sich alles zu allem erklären und umdefinieren. Ich vermute, Himmlers Aussage sollte man so interpretieren. Heiko Maas ist sowieso keiner, der irgendjemanden vertritt. Sein Motivationsmoment in die Politik einzutreten, war nicht die Interessen und Belange seines Wahlkreises zu vertreten, sondern dafür zu sorgen, dass sich „so etwas wie 1933“ nicht wiederholt. Er hat also ein ganz eigenes presönliches Ziel, der braucht gar keine Wählermeinung – die stört wohl eher. Allerdings ist er in der Zielerreichung bereits jetzt schon so gut wie gescheitert. Wir Zuseher… Mehr
Es geht schwer in Richtung Autokratie in der die Macht bei einer kleinen Gruppe liegt, ähnlich wie in Russia oder Ukraina.
Nimmt man „umgekehrten Totalitarismus“ an, wie er in diesem Netzfund beschrieben wird, passt wieder alles – sogar der Heiko – und Himmler sendet richtig: „Der eine, Hitler, setzte das von ihm beherrschte juvenile Volk in Marsch, die halbe Welt zu überrennen, die andere, Merkel, ruft die halbe Welt herbei, das von ihr regierte greise Volk zu überrennen; der eine akzeptierte keine fremden Grenzen, die andere akzeptiert keine eigenen Grenzen; der eine meinte es auf monströse Weise böse mit den Fremden, die andere meint es auf monströse Weise gut mit den Fremden; der eine verlangte seinem (im allerweitesten Sinne) Volk übermenschliche… Mehr