„2020 wurden wir beklatscht, 2022 stehen wir vor der Kündigung“

TE lässt Pflegekräfte in einer Serie zu Wort kommen. Bianca Neumeister sagt: „Ich denke, dass es zu einem Kollaps kommen wird.“ Politik und größere Arbeitgeber ignorieren die Problematik der Impfpflicht gekonnt.

Die Bundesregierung hört nur jenen Pflegern zu, die ihre Politik bestätigen und die immer gleiche Geschichte erzählen von der Corona-Triage und der Rettung durch die Impfung. In der neuen Serie „Pfleger erzählen“ kommen bei TE auch andere Stimmen aus der Pflege zu Wort, die über das Leid sprechen, das nicht durch Corona erzeugt wird, sondern durch die Maßnahmen dagegen und insbesondere durch die Impfpflicht für Pflegekräfte. Diesen „Helden“ wird ihr Stolz genommen und womöglich auch ihr Job – von jener Politik, die vorgibt, ihr oberster Anwalt zu sein. Ihre Erlebnisse kann niemand verleugnen, ihre Eindrücke niemand canceln. Und was sie zu sagen haben, hat es verdient, gehört zu werden.

Teil 2: Bianca Neumeister aus Schleswig-Holstein

Sie sind in der ambulanten Pflege im Norden Deutschlands tätig. Welche Auswirkungen wird die Corona-Impfpflicht im medizinischen Sektor Ihren Eindrücken nach haben?

Viele alte Menschen sind sehr verunsichert durch die medial betriebene Spaltung. Manche sagen auch, sie hätten gerne nur noch geimpftes Personal, das zu ihnen kommt. Nur wären wir dann bei Weitem nicht genug hier, um alle zu versorgen.
Das ist eine dünnbesiedelte Region, das Pflege-Angebot ist jetzt schon sehr knapp und das spüren auch viele Kunden und Patienten. Die alten Menschen auf dem Land, die jetzt schon merken, dass Versorgungsengpässe da sind, die haben Panik, die haben Angst. Sie flehen uns mit Tränen in den Augen an: Bitte, helft uns, lasst uns nicht im Stich, lasst uns nicht alleine. Aber wir dürfen nicht.

Das Problem mit uns Pflegern ist, dass wir fast alle ein Helfersyndrom haben. Es werden sämtliche Menschen, die übrig bleiben im Gesundheitswesen, buckeln, was das Zeug hält. Die werden sich Arm und Bein ausreißen, um diesen Menschen zu helfen, bis sie selber nicht mehr können. Das wäre vielleicht auch der Punkt für einige, sich doch noch impfen zu lassen. Aber ich kann und möchte diese Pfeile der Politik nicht mehr abfangen. Am Ende erzeugt Druck auch Gegendruck. Es wird überhaupt nicht anerkannt, dass es Menschen gibt, die sagen: Nein, ich möchte mich nicht impfen lassen. Ich arbeite aber dennoch gerne und – ich denke – auch gut in diesem Beruf. Ich bin gerne für die Menschen da.

Die Bundesregierung spielt sich als Anwalt der Pflege auf …

Ich sag’ es mal salopp: 2020 wurden wir beklatscht und bejubelt, und 2022 stehen wir vor der Kündigung. Wir haben schon lange einen Notstand in der Pflege, der nie wirklich ernstgenommen wurde. Es gab keine nennenswerten Ansätze, keine größeren Unternehmungen, daran etwas zu ändern.

Gibt es denn bei Ihnen in der Firma, in der Verwaltung, der regionalen Politik Leute, die diese Probleme mit der Impfpflicht kommen sehen? Die Vorbereitungen treffen, um das aufzufangen?

Bei uns in der Firma ist es tatsächlich so, dass man versucht, die Mitarbeiter zu halten, das Ganze solange hinauszuzögern, wie es nur irgendwie möglich ist. Vonseiten der Politik habe ich bisher kein Einlenken wahrgenommen. Es scheint auch so, dass sich viele, gerade größere Arbeitgeber in Klinken mit der Thematik gar nicht wirklich befassen wollen. Und es wird in den Medien sehr heruntergespielt bzw. gar nicht darüber berichtet. Ich denke schon, dass es zu einem Kollaps kommen wird. Also nicht nur in der ambulanten Pflege, auch in Praxen und im Pflegeheim.

Wie sehen das denn die geimpften Kollegen?

Naja, es gibt schon auch viele, die im Panik-Modus sind. Andere sagen: Nochmal lasse ich mich nicht impfen. Aber die meisten sehen die Impfpflicht hier auch sehr kritisch, sie sehen, dass ihnen die ganze Arbeit übrig bleibt, wenn jetzt viele nicht mehr kommen, nicht mehr helfen dürfen. Es macht eine ganze Menge mit den Menschen. Meine Kollegen stehen uns Ungeimpften da wirklich bei.

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Kommentare ( 68 )

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kunst und wach
4 Monate her

Den Ärzten ein Gruss: Lassen Sie uns der MENSCHLICHKEIT dienen, die AUTONOMIE unserer Patienten respektieren und unser Wissen nicht zur Verletzung von MENSCHENRECHTEN und BÜRGERLICHEN FREIHEITEN (Genfer Gelöbnis) anwenden: Nach bestem WISSEN für 3B (Beratung, Behandlung und Beistand) und nach bestem GEWISSEN gegen 3D (Dämonisierung, Diffamierung, Despotie). Möge uns weder Angst, Wut noch Hass dazu treiben, uns zu versündigen. —> https://www.wachsdum.ch/23576/demunbekannten-arzt-ein-gruss/ 

Armin Reichert
4 Monate her

Spazierengehen ist gesund.

WGreuer
4 Monate her

Inzwischen sollte der letzte gemerkt haben, dass es NICHT um Gesundheit geht. Der tausendfache Bettenabbau in 2020 per Gesetz. Das faktische Verbot der (billigen) funktionierenden Medikamente (Chloroquin, Ivermectin, etc.) Das ständige Verändern der „angesagten“ weil dramatischen Messwerte vom R-Wert zur Inzidenz, zur Hospitalisierung und wieder zur Inzidenz, je nachdem was gerade als schlechte Werte verkauft werden konnte.Die Impfung, die nach allen Zahlen mehr Menschen krank macht denn heilt und die spätestens gegen Omicron so gut wie nicht mehr wirkt. Die weltweit orchestrierte Cancel und Zensur-Aktion gegen alle und alles, die auf die Fakten hinweisen. Die Zensur von allem, das klar… Mehr

Niederbayerin
4 Monate her

Ich weiß von einer älteren Patientin (geboostert), die zu meiner Tochter (Physiotherapeutin) während der Behandlung sagte „die Ungeimpften soll man nicht mehr behandeln und am besten krepieren lassen“.
Wenn jetzt es jetzt also Patienten gibt, die sich nicht von Ungeimpften behandeln oder pflegen lassen wollen, dann müssen sie halt warten, bis ein Geimpfter Zeit hat. Das kann dauern…..

Ulrich
4 Monate her

Schön zu hören, dass es noch Bereiche gibt, in denen Geimpfte den Ungeimpften noch kollegial zur Seite stehen. Weil sie vielleicht ahnen, was bei einer Impfpflicht im Pflegebereich auf sie zukommen könnte. Ich habe auch anderes gehört. Da werden die Ungeimpften gemobbt, sowohl von der Ärzteschaft als auch von den Kollegen. Da hilft nur noch eines: kündigen, denn ein kollegiales Miteinander wird es auch bei einer Aussetzung der Impfpflicht nicht mehr geben.

Rene Meyer
4 Monate her

Schön, dass diese Stimmen zu Wort kommen. Und bitte: Schauen Sie sich die Rechtslage sehr genau an: es handelt sich in erster Linie um eine Impfnachweispflicht. Wenn der Arbeitgeber will, können die Pflegekräfte über den 15. März hinaus (zumindest zunächst) bleiben. Bei Rückfragen durch das Gesundheitsamt kann der Arbeitgeber wegen fehlender Arbeitskräfte um eine Ausnahmegenehmigung bitten. Erst wenn das Gesundheitsamt dies ablehnt, kämen rechtliche Schritte in Betracht, am besten auch hier gemeinsam durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Aber wer weiß, was bis dahin sein wird. Sehr viele Menschen setzen sich für die Aufhebung der Impfpflicht im medizinischen Bereich und der Impfduldungspflicht… Mehr

Ralf Poehling
4 Monate her

Wer sich nicht impfen lassen will, der sollte auch nicht dazu gezwungen werden. Schon gar nicht 3 mal im halben Jahr.
Und genau hier sollte doch schon der Groschen fallen, dass da etwas schief läuft. Keine normale Impfung muss fortlaufend alle 3-4 Monate wiederholt werden. Wer das kritiklos schluckt, oder das kritiklose Schlucken dieses Sachverhaltes mit Zwang an seine Untergebenen einfach weiterreicht, der wird bald ein hartes Erwachen erleben.

Kalmus
4 Monate her

Kinder, die ängstlich von allem, was krank machen könnte, ferngehalten werden, sind immunschwach. Menschen, die 2021/22 quartalsweise gegen Covid 19 (!) gespritzt werden, ruinieren ebenfalls ihre eigene Immunabwehr. Wer Pfleger/innen dazu zwingt, ist ein bösartiger ignoranter Menschenfeind. Um das zu kapieren, braucht man kein „Experte“ zu sein.

christin
4 Monate her

Ihr beklagt euch wohl zurecht, aber meiner Meinung nach, schreit euch der Großteil der Bevölkerung zu, dann lasst euch halt gentechnisch impfen. Ja, da bedarf es viel Mut dagegen zu halten.

Medea
4 Monate her

Ich war selbst in der Pflege tätig. Darf ich das überhaupt so bezeichnen als „pflegende Angehörige“, die 365 Tage im Jahr 24/7 sich gekümmert hat von 2005 bis 2015 um ihre demente Mutter, Pflegestufe 2 bis 3 von 01/2021 bis Anfang 07/2021 um ihren an Krebs erkrankten Ehemann, Pflegegrad 4 ? Menschen wie ich sind diejenigen, die oft viele Jahre lang ihre Angehörigen versorgen und die billigsten vom System Pflege Ausgebeuteten sind. Da gibt es keinen Feierabend, kein Wochenende, keinen zuverlässig planbaren Urlaub. Bitte gestatten Sie mir an dieser Stelle, meinen früheren, gegenwärtigen und zukünftigen Schicksalsgenossen Danke zu sagen für… Mehr