Macron, Starmer und Merz fordern jetzt, was sie bisher kategorisch ausschlossen

Die drei Willigen fordern von Russland die Frontlinie als Verhandlungsbasis – aber keine Grenzänderungen –, dazu Waffenruhe, Reparationen und Rückzug. Wer all das garantieren und durchsetzen soll, bleibt ihr Geheimnis. Die neuen Forderungen der „Willigen“ zeigen vor allem vollkommene strategische Ratlosigkeit.

IMAGO / ZUMA Press Wire

Die auf drei geschrumpfte Koalition der willigen “Europäer” Macron, Starmer und Merz haben in London neue Fotos von sich aufnehmen lassen. Auffallend fehlten diesmal EU-Kallas und von der Leyen, die bisher bei allen Fototerminen dabei waren. Auch der italienische Ministerpräsident Meloni – sie besteht auf dieser Anrede – fehlte.

Die imperativen Forderungen der Drei: Putin müsse einer „sofortigen und vollständigen Waffenruhe“ zustimmen. Die derzeitige Frontlinie solle zwar Ausgangspunkt für Verhandlungen sein, aber die Ukraine sowie die drei Europäer pochen gleichzeitig darauf, internationale Grenzen dürften nicht mit Gewalt verändert werden. Das Recht der Ukraine, ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen und Bündnisse zu wählen, müsse zudem „uneingeschränkt“ geachtet werden. Des weiteren müsse die Ukraine „robuste und rechtsverbindliche“ Sicherheitsgarantien bekommen, sobald eine Waffenruhe in Kraft trete. Dazu gehöre der Einsatz einer multinationalen Truppe. Die russischen Vermögenswerte würden so lange eingefroren bleiben, bis Russland seinen Angriffskrieg beendet und die Ukraine für die durch den Krieg verursachten Schäden abfindet. In der Europäischen Union sind etwa 210 Milliarden Euro der russischen Zentralbank festgesetzt. Die europäischen Sicherheitsinteressen müssten in jedem Abkommen gewahrt werden. Verhandlungsergebnissen, die EU und Nato betreffen, müssten die Mitgliedstaaten zustimmen.

Die Forderungen nach Verhandlungen kommen allerdings etwas überraschend. Noch im Februar hatte sich die deutsche Regierung erneut gegen die Wiederaufnahme diplomatischer Kontakte mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Rahmen von Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine ausgesprochen.

Auch die Forderung, dass die gegenwärtige Frontlinie Ausgangspunkt der Verhandlungen sein soll, ist eine teilweise oder scheinbare Abkehr der bisherigen Position der EU und der Willigen. Im Sommer letzten Jahres erklärten 26 EU-Länder, das man internationale Grenzen nicht mit Gewalt verändern dürfe. Das verstieße gegen das Völkerrecht und die Einhaltung dieser Regeln wäre für die EU nichtverhandelbare Bedingung für einen Frieden.

Da die Drei aber gleichzeitig Grenzänderungen ablehnen, ist die Forderung unklar. Des Weiteren werden Sicherheitsgarantien gefordert, ohne zu definieren, wer denn diese Sicherheit garantieren soll. Da das nicht benannt wird, kann man davon ausgehen, dass den Dreien klar ist, weder die EU, noch das Vereinigte Königreich sind dazu in der Lage.

Die Forderung nach Übernahme der Kriegsschäden durch Russland ist eine Forderung für die Tribüne. Auch das kann weder die EU noch das UK durchsetzen.

Die drei Willigen wissen aber offensichtlich zumindest teilweise, ihre Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Verhandlungsergebnissen, die EU und Nato betreffen, müssten die Mitgliedstaaten zustimmen. Das könnte in der EU schon schwierig werden. Da die Willigen die USA verpflichten wollen, die Sicherheitsgarantien zu gaben, ist die Zustimmung der USA schon im Wunschdenken zu verorten.

Es ist unklar, weshalb dieser wenig realistische Wunsch nach Verhandlungen mit Putin gerade jetzt kommt. Glauben die drei die eigene Erzählung, dass Russland kurz vor dem Zusammenbruch steht, oder sieht man die Ukraine eine neuerliche Eskalationsstufe nicht überstehen? Nimmt man, zumindest für einen Moment, die moralische Brille ab, steht der unmittelbare wirtschaftliche Zusammenbruch Russlands nicht ganz so schnell bevor.

Russland ist der weltweit größte Weizenexporteur mit einem Weltmarktanteil von etwa 22 bis 25 Prozent. In der Vermarktungssaison 2025/2026 werden die gesamten russischen Getreideexporte auf etwa 60 Millionen Tonnen geschätzt, wovon allein rund 50 Millionen Tonnen auf Weizen entfallen. Die Ausfuhren stiegen zuletzt, angetrieben durch eine hohe Nachfrage und eine stabile Ernte, deutlich an. Hauptabnehmer von russischem Getreide sind in Nordafrika und im Nahen Osten. Die Türkei und Ägypten sind die größten Abnehmer.

Russland gehört auch nach wie vor zu den weltweit größten Öl-Produzenten. 2025 wurden 10,5 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert. Davon werden 6,7 Millionen Barrel am Tag exportiert. 90 Prozent nach China und Indien. Von Indien kauft es dann die EU.

Russland ist auch nach wie vor – nach den USA – einer der größten Gasproduzenten der Welt. Die Erdgasförderung wird für 2026 auf ca. 688 bis 690 Milliarden Kubikmeter prognostiziert. Dies entspricht einem leichten Anstieg gegenüber den Vorjahren, bleibt aber aufgrund des drastischen Wegfalls europäischer Exportmärkte (Pipeline-Gas) hinter früheren historischen Höchstwerten zurück. Nach dem Stopp der meisten Pipeline-Lieferungen nach Europa verlagert Russland seine Exporte zunehmend nach Asien. Hauptsächlich nach China und in die Türkei.

Es ist nicht Realismus, warum die drei „Willigen“ Macron, Starmer und Merz nun von Russland Verhandlungen wollen zur Ukraine, die sie immer ablehnten. Ihr Vorstoß ohne die EU-von-der-Leyen-und-Kallas folgt der flehentlichen Hoffnung, mitreden zu können in der Welt, wo doch Trump sich um den Golfkrieg kümmern muss. Wie sehr sie ihre vollkommene strategische Ratlosigkeit demonstrieren, merken die „Willigen“ nicht, wenn sie sich als Europas Drei Musketiere inszenieren – und das wohl nach der unausgesprochenen Devise: keiner für alle, alle für keinen.

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