Kinder an die Front – Instrumentalisierung auf der Klimakonferenz

Eine 15-jährige hält in Kattowitz eine Rede zur Erderwärmung. Die Medienwelt überschlägt sich vor Jubel. Es regt wohl niemanden mehr auf, wenn ein junges Mädchen als Propaganda-Instrument benutzt wird.

JANEK SKARZYNSKI/AFP/Getty Images
Swedish 15-year old climate activist, Greta Thunberg and her father Svante attend a press conference during the COP24 summit on climate change in Katowice, Poland, on December 04, 2018. - Greta decided to go on school strike every Friday in front of the Swedish parliament to get politicians to act on climate chance following Swedens hottest summer ever.

Was man mit 15 Jahren (in Deutschland) nicht darf:

• Zigaretten kaufen
• Zigaretten rauchen
• nach 22.00 h in die Disco gehen
• nach 22.00 h ins Kino gehen
• „Fifty Shades of Grey“ in der Videothek ausleihen.

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Greta Thunberg ist 15 Jahre jung und, man kann das so sagen, außergewöhnlich klug – mindestens für ihr Alter, vielleicht auch insgesamt. Das weiß man, weil die Teilzeit-Schülerin aus Schweden mittlerweile mehr Zeit vor TV-Kameras verbracht hat als die allermeisten Menschen in einem ganzen Leben.

In Gretas Ahnenliste findet sich auch der Chemie-Nobelpreisträger Svante Arrhenius. Er hatte 1896 erstmals den Treibhauseffekt berechnet, der durch Kohlendioxid entsteht. Die Befassung mit dem Weltklima ist bei den Thunbergs also durchaus eine Art Familientradition. Es gibt fraglos Schlechteres.

Manche Menschen folgen einer Familientradition nicht – Greta schon. Am 20. August 2018 stellt sie sich vor den Schwedischen Reichstag in Stockholm. „Skolstrejk för klimatet“, „Schulstreik für das Klima“, hat sie auf ein Schild geschrieben. Es ist ein außergewöhnlich heißer Sommer, der erste Schultag in Schweden – und außerdem drei Wochen vor der landesweiten Parlamentswahl: günstige Voraussetzungen, um Schlagzeilen zu machen.

Die Schlagzeilen kommen. Bald schließen sich Schülerinnen und Schüler vor hunderten schwedischen Rathäusern an und „streiken“ auch für das Klima. Ähnliche Aktionen in Belgien, Dänemark, Finnland und Frankreich folgen. Bis Anfang Dezember 2018 haben etwa 20.000 Schüler in etwa 270 Städten weltweit für das Klima „gestreikt“. Eigentlich schaden sich Schüler selbst, wenn sie ihren Unterricht bestreiken. Sie streiken gegen sich selbst. Trotzdem:

Nicht nur, aber gerade auch in Deutschland sind die Medien von der Sache unverkennbar begeistert. Die „Süddeutsche Zeitung“ erhebt Greta zur „Galionsfigur der Klimabewegung“.

Da ist Greta Thunberg immer noch 15 Jahre jung.

Nachdem sich die Proteste auch auf Australien ausweiten, beschwert sich der dortige Ministerpräsident Scott Morrison: „Wir wollen mehr Lernen und weniger Aktivismus in der Schule.“ Die Kinder sollten zur Schule gehen. Greta lässt ihn auf Twitter abblitzen: „Sorry, Mr. Morrison. Können wir nicht erfüllen.“ Die Aktion Schulschwänzen für das Weltklima geht weiter.

Zur Vereinnahmung Gretas durch die Medien gesellt sich, wenig überraschend, die Vereinnahmung durch die Politik. UN-Generalsekretär António Guterres lädt die Jugendliche zur UN-Klimakonferenz nach Kattowitz ein. Zusammen mit ihrem Vater reist sie im Dezember 2018 in einem Elektroauto dorthin. Sie darf eine Rede halten, Guterres trifft sich mit ihr vor der versammelten Weltpresse.

Immer noch ist Greta Thunberg 15 Jahre jung.

Niemand in den Medien, erst recht nicht in der Politik, gibt zu erkennen, dass man das für ein Problem halten könnte.

Genau hier liegt das Problem.

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Was man mit 15 Jahren (in Deutschland) nicht darf:

• nach 22.00 h in die Kirche gehen
• alleine Bier, Wein oder Sekt trinken
• mehr als vier Wochen pro Jahr arbeiten
• eine Wohnung mieten
• Auto oder Motorrad fahren.

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Was die Politik angeht, ist die Vorführung Gretas auf der Klimakonferenz einfach nur: schamlos.

Ja, das Mädchen hat ein Anliegen. Darum geht es nicht – auch nicht darum, ob man dieses Anliegen für berechtigt hält oder nicht (das dürfte abhängen von der persönlichen Haltung zum Klimawandel und von den Wissenschaftlern, die man konsultiert und auf die man sich beruft).

Ja, das Mädchen hat bedenkenswerte Argumente vorgebracht. Darum geht es aber auch nicht – ebenso wenig wie darum, ob sie ihre Rede selbst geschrieben hat oder nicht (vermutlich haben das die meisten Politiker auf der Konferenz auch nicht getan).

Es geht darum, dass hier ein blutjunger Mensch – gerade mal an der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen – absolut eindeutig eben nicht aus inhaltlichen oder rationalen, sondern ausschließlich aus emotionalen Gründen ins globale Scheinwerferlicht gezerrt wird. Ja, Greta hat ihren Auftritt erkennbar genossen. Na und? Wir erlauben Jugendlichen aus gutem Grund vieles nicht, was diese Jugendlichen genießen würden – weil wir ihnen aus der Erfahrung des Erwachsenen heraus eben einfach noch nicht zutrauen, mit dem Wunsch nach Genuss ohne Selbstbeschädigung umgehen zu können. (Manche Erwachsene können das zwar auch nicht, aber die haben die Schwelle halt schon überschritten, an der wir Menschen spätestens in die völlige Eigenverantwortlichkeit entlassen.)

Dieses Mädchen hätte davor geschützt werden müssen, von Politikern vor deren Karren gespannt zu werden.

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Was man mit 15 Jahren (in Deutschland) nicht darf:

• mit jedem gewünschten Erwachsenen einvernehmlich Sex haben
• heiraten
• wählen.

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Was die Medien angeht, ist die Berichterstattung über Greta einfach nur: blind.

Da werden die Argumente einer 15-Jährigen auf eine Ebene gehoben mit denen gewählter Politiker oder sogar anerkannter Experten. Wie betroffen und gefühlig sind wir eigentlich mittlerweile, um nüchterne Fakten durch Kinderworte zu ersetzen?

Noch einmal: Es geht nicht darum, dass Kinder und Jugendliche keine berechtigten Anliegen hätten. Natürlich haben sie die. Es geht auch nicht darum, dass Kinder und Jugendliche keine Stimme haben dürften. Natürlich muss man auch ihnen Gehör geben.

Aber auf die Gefahr hin, dass es altmodisch klingt und nicht besonders populär ist: Ja, es gibt einen Unterschied zwischen Erwachsenen und Nicht-Erwachsenen. Und nein, deren Argumente und Positionen sind nicht gleichwertig.

Denn es steckt eine Idee hinter all den Verboten und Beschränkungen, die das Jugendschutzgesetz und all die anderen einschlägigen Regelungen in anderen Gesetzen Kindern und Jugendlichen auferlegen. Die Idee ist: Menschen vor der Volljährigkeit fehlen das Wissen, die Lebenserfahrung und die persönliche Reife, um alles selbstverantwortlich entscheiden zu können. Sie brauchen Schutz und Grenzen. Sie müssen noch wachsen, bevor sie erwachsen sind.

Es geht darum, dass Greta 15 Jahre alt ist. Und eine 15-Jährige ist, bei allem Respekt und mit Verlaub, keine adäquate Quelle für eine politische Betrachtung zu einem globalen und Generationen umfassenden Thema.

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Man stelle sich ganz kurz nur einmal Folgendes vor:

Auf einem Treffen von z.B. Klimawandelskeptikern irgendwo auf der Welt tritt eine 15-Jährige auf. Sie erklärt mit Emphase, dass der Klimawandel nicht von Menschen verursacht und Donald Trump ihr Superheld ist, weil die USA unter seiner Ägide aus dem Klimaabkommen ausgestiegen sind.

Wie würden die Medien, gerade auch in Deutschland, darüber berichten? Ich wette: Sie würden mit Empörung über den Missbrauch dieses Kindes für politische Propaganda schimpfen – völlig zurecht.

Eben.

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Kommentare ( 83 )

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Dieses altkluge schwedische Mädchen erinnert mich an ein anderes schwedisches Mädchen, das sich im Flugzeug einfach nicht hinsetzen wollte. Beide Kinder des grünen Mainstreams, vollkommen gehirngewaschen. Hatten wir in Deutschland auch schon, sogar unter zwei verschiedenen Regimen. Wenn die Kinder an die Front sollen, auch die ideologische Front, dann ist das Ende der Illusion nahe.

Zustimmung. lieber Opa, an die andere junge Dame, zwar schon ein paar Jährchen älter aber naiv und von ihrer Menschheitsmission überzeugt wie die Protagonistin dieses Artikels, musste ich auch spontan denken.

Geehrter Herr Walther, zu Ihren Besorgnissen bezüglich der von Erwachsenen unterlassenen Hilfeleistungen bezüglich der Persönlichkeit Minderjähriger, hier namentlich der 15-järigen Schwedin Greta Thunberg, etwas Interessantes von einem Herrn, dessen Qualifikationen Ihnen bekannt sein dürften: „Wohlan, mein Freund, wie steht es mit der Diktatur? – Ist es nicht so, dass sich die Demokratie selber auflöst durch eine gewisse Unersättlichkeit in der Freiheit? Wenn sich Väter daran gewöhnen, ihre Kinder einfach gewähren und laufen zu lassen wie sie wollen und sich vor ihren erwachsenen Kindern geradezu fürchten, ein Wort zu reden, oder wenn die Söhne schon so sein wollen, wie die Väter.… Mehr

Mit 16 Jahren demonstrierte ich 1981 mit Taucherflossen und Taucherbrille in der Schule gegen den damals so genannten Treibhauseffekt.
Ich bekam einen Schulverweis, eingeladen wurde ich von keinem internationalen Symposium, Ich war Jahrzehnte zu früh dran.

Sind die Teletubbis im EU Parlament eigentlich jemals über den geistigen Horizont dieser Kinder-„Aktivistin“ hinaus gewachsen?
Das kleine Filmchen damals lässt daran zweifeln. https://www.youtube.com/watch?v=XPynZgJgMt4
Aussagen von Ska Keller, die die Grünen jetzt in den EU-Wahlkampf führen soll, auch.

Ich nenne Ihr Gedankenexperiment „Methode der Vorzeichenumkehr“: Was wäre, wenn das, was die Guten tun, die Bôsen machten? Und siehe da: Ein Abgrund von Heuchelei, Doppelmoral und Mehrfachstandards tut sich täglich x-fach auf.

Zu gerne würde ich dem Mädchen eine Frage stellen, und zwar:

„Woher weißt du, dass die Schellnhubers dieser Welt Recht haben und die Vahrenholts nicht?“

Mal ernsthaft – wie könnte die Antwort anders ausfallen als:
„Mein Papa hat mir das gesagt“?

„Woher weißt du, dass die Schellnhubers dieser Welt Recht haben und die Vahrenholts nicht?“ Diese Frage zielt direkt in der Kern der Problematik. Hier steht Meinung gegen Meinung. Auch ich kann falsch liegen, der ich Schellnhuber und die Alarmisten für Wahnwitzige und Hochstapler halte, aber es bleiben Meinungen, die per se erst einmal gleichgewichtig und ohne plausible argumentative Unterfütterung nichts wert sind. Nur weil dem Schwedenmädchen irgendwer erzählt hat, die Schellnhubers hätten Recht und der Weltuntergang stehe bevor, muss das noch lange nicht wahr sein. Es gibt keine einzige zulässige Meinung des Weltguten – das ist ja der gefährlichen Mist,… Mehr

Am 09.10.2012 wurde eine 14-jährige in den Kopf geschossen, weil sie in aller Öffentlichkeit für Bildung von Mädchen war.

Ich denke, in Zeiten, in denen 14-jährige gezielt angeschossen werden, dürfen auch 15-jährige Reden halten.

Auch wenn ich absolut nicht die Ansichten dieses Kindes teile.

Die Erregung über dieses Mädchen sorgt eigentlich doch nur dafür, dass die EU-Beschlüsse bezüglich der neuen Kfz-Abgas-Normen unbeachteter bleiben.

Ziel erfüllt, auch hier …

Die Macht der (weinenden Kinder-Kulleraugen) – Bilder. Das „Flüchtlingskind“ Reem weint und Merkel öffnet die Grenzen. Die „Brutkastenlüge“ („Ich habe gesehen, wie die irakischen Soldaten mit Gewehren in das Krankenhaus kamen…, die Säuglinge aus den Brutkästen nahmen, die Brutkästen mitnahmen und die Kinder auf dem kalten Boden liegen ließen, wo sie starben. Erst nach dem Krieg wurde bekannt, dass sie die fünfzehnjährige Tochter des kuwaitischen Botschafters Saud Nasir as-Sabah in den USA war. Ihr Vater saß während ihrer Aussage vor dem Kongress-Komitee als Zuhörer im Publikum. Ihr Bericht war frei erfunden und die Jugendliche hatte dort nie gearbeitet.) machte die… Mehr

Das Ganze passt zur allgemeinen Infantilisierung jeglicher gesellschaftspolitischer Diskussionen. Wenn erwachsene Bürger wie Kinder behandelt werden, deren Einwände man nicht ernst zu nehmen braucht und denen man stattdessen die Dinge nur besser erklären muss, damit sie ihre Meinung ändern, ihre Ängste verlieren usw., ist es bloß konsequent, wenn 15-jährige Kinder in dieser Weise öffentlich auftreten. Davon abgesehen stimme ich dem Verfasser des Artikels natürlich voll und ganz zu, das ist eine Instrumentalisierung dieses Mädchens und weiter nichts.

Ach ja, eins noch: Das Mädchen hat Zöpfe. Zwei geflochtene Zöpfe. Und dann heißt sie auch noch Greta. Was sagt die Amadeu-Antonio-Stiftung dazu?

„Das Ganze passt zur allgemeinen Infantilisierung jeglicher gesellschaftspolitischer Diskussionen. Wenn erwachsene Bürger wie Kinder behandelt werden, deren Einwände man nicht ernst zu nehmen braucht und denen man stattdessen die Dinge nur besser erklären muss, damit sie ihre Meinung ändern, ihre Ängste verlieren usw., ist es bloß konsequent, wenn 15-jährige Kinder in dieser Weise öffentlich auftreten.“ Bingo! Besser kann man es nicht problematisieren. Man behandelt uns wie unreife Kinder und positioniert stattdessen unreife, aber auf politisch hochkorrekt getrimmte Kinder – frei nach der unsäglichen Grönemeyer-Devise „Kinder an die Macht“ – als die neuen Weisen und Klugen im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit. So… Mehr

Zitat:“Das Mädchen hat Zöpfe. Zwei geflochtene Zöpfe. Und dann heißt sie auch noch Greta. Was sagt die Amadeu-Antonio-Stiftung dazu?“

In der Tat. 😀

Na ja, Zöpfe zwar – aber so richtig blond sind die nicht. Und vielleicht hat Greta auch nicht diese strahlend blauen ’nordischen‘ Augen. Also nur gemach , Kahanes ASS würde erforderlichen Falls sicherlich die rhetorische Kurve kriegen.

Woran erkennt man Diktaturen?
Man schickt Kinder vor, die die Ideologie der Erwachsenen verbreiten, um die Ideologie gegen Angriffe zu immunisieren, da wir Menschen darauf gepolt sind, bei Kindern Beißhemmung zu haben. Wenn es doch jemand wagen sollte, das Kind zu kritisieren, wird er öffentlich als Kinderhasser fertiggemacht. Alles schon zigmal dagewesen.

Richtig – Kinderhasser geht bei den manischen grünroten Klimaverbesserern aller 567 Geschlechter ganz und gar nicht. Pädophiler Kinderliebender, das hat dagegen was völlig Normales, das ist vooollllll o.k.